Mahāmṛtyuñjaya-Mantra

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Gottheit: Śiva

Gattung: Mantra

1

mahāmṛtyuñjaya mantra

Das todbezwingende Mantra

2

त्र्य॑म्बकं यजामहे सुग॒न्धिं पु॑ष्टि॒वर्ध॑नम् । उ॒र्वा॒रु॒कमि॑व बन्ध॑नान् मृ॒त्योर्मु॑क्षीय॒ मामृतात्᳚ ॥

trya̍mbakaṃ yajāmahe suga̱ndhiṃ pu̍ṣṭi̱vardha̍nam । u̱rvā̱ru̱kami̍va bandha̍nān mṛ̱tyormu̍kṣīya̱ mā'mṛtā̎t ॥

Wir opfern dem Tryambaka, dem duftenden, den Wohlstand mehrenden. Wie den Kürbis vom Stiel, so möchte ich mich vom Tod, nicht vom Nichtsterben losmachen.

Tri: drei (numeral). Ambakam: mit Augen versehen, Augenträger (m. 2/1). Yajāmahe: √yaj (opfern, verehren) wir verehren, opfern (laṭ). Sugandhim: wohlduftend, Sandel (m. 2/1). Puṣṭi: Gedeihen, Nahrung, Wohlstand. Vardhanam: fördernd, vermehrend (m. 2/1). Urvārukam: Gurke, Feldkürbis (n. 2/1). Iva: wie (avy.). Bandhanāt: vom Band, von der Fessel (n. 5/1). Mṛtyoḥ: von dem Tod (m. 5/1). Mukṣīya: √muc (lösen, befreien) möge er befreien (āśīrliṅ). Mā: nicht (Prohibitivpartikel) (avy.). Amṛtāt: von der Unsterblichkeit, vom Nektar, Unsterblichkeitstrank (n. 5/1).

Ṛgveda 7.59.12

3

चन्द्रार्काग्निविलोचनं स्मितमुखं पद्मद्वयन्तस्थितं मुद्रपशम्ऱ्गाक्षसत्रविलसत्पाणिं हिमांशुप्रभम् कोटीन्दुप्रगलत्सुधाप्लुततमुं हारादिभूषोज्ज्वलं कान्तं विश्वविमोहनं पशुपतिं मृत्युङ्जयं भावयेत् ॥

candrārkāgnivilocanaṃ smitamukhaṃ padmadvayantasthitaṃ mudrapaśamgākṣasatravilasatpāṇiṃ himāṃśuprabham koṭīndupragalatsudhāplutatamuṃ hārādibhūṣojjvalaṃ kāntaṃ viśvavimohanaṃ paśupatiṃ mṛtyuñjayaṃ bhāvayet ॥

Man möge Paśupati Mṛtyuñjaya kontemplieren – mit Mond, Sonne und Feuer als den drei Augen, mit lächelndem Antlitz, zwischen zwei Lotusblüten thronend, mit leuchtenden Händen, die Mudrā, Schlinge (Pāśa), Elefantenstachel (Aṅkuśa) und Gebetskette (Akṣasūtra) halten, vom Glanz des Mondes erstrahlend, aufs Tiefste durchtränkt vom Nektar, der von Millionen Monden herabrinnt, leuchtend geschmückt mit Halsketten und anderem Schmuck, lieblich, die Welt bezaubernd.

4

ॐ हौं जुं सः भूर्भुव स्वः त्र्य्म्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम्। उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय मामृतात्॥ हौं जुं सः भूर्भुव स्वः ॐ

oṃ hauṃ juṃ saḥ bhūrbhuva svaḥ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam। urvārukamiva bandhanānmṛtyormukṣīya māmṛtāt॥

Mahāmṛtyuñjaya-Mantra (Sampuṭa-Form)

Der Kernvers dieses Mantras (Vers 2) ist vedisch: Er steht als Ṛgveda 7.59.12 und kehrt, fast wortgleich, in der Taittirīya- (TS 1.8.6.1) und der Vājasaneyi-Saṃhitā (VSM 3.60) wieder — wobei die moderne Rigveda-Forschung die letzten vier Verse dieses Hymnus, darunter diesen, als spätere Zusätze zum Sākamedha-Ritual einordnet (Jamison/Brereton, The Rigveda, Oxford 2014, S. 953–954). Die Kurstradition schreibt den Vers Vasiṣṭha zu, dem Ṛṣi der siebten Ṛgveda-Familie — in ihrer eigenen Lesart zugleich dem späteren Guru Rāmas, eine Identifikation über zwei verschiedene Text-Schichten hinweg. Sein Chandas ist Anuṣṭubh, seine Devatā Rudra, „der Dreiäugige" (Tryambaka). Vers 4 auf dieser Seite zeigt daneben eine spätere, tantrische Sampuṭa-Form, die denselben vedischen Kern mit den Bīja-Silben oṃ hauṃ juṃ saḥ umschliesst — juṃ gilt in der Kurstradition als das eigentliche Saṃjīvinī-Bīja, die „Herzschlag"-Silbe. Mehr zur allgemeinen Lehre im Grundlagenartikel Mantraśāstra; zur Legende von Śukrācārya, die sich um dieses Mantra rankt, im Artikel Śukra und das Tryambaka-Mantra. Woher die Keimsilben hauṃ, juṃ und saḥ kommen und welche Mantras sich aus ihnen aufbauen — vom Sadāśiva-Bīja über das Kahola-Mṛtyuñjaya bis zum vierzehnsilbigen Caturdaśākṣarī —, steht in Die Keimsilben des Mahāmṛtyuñjaya.