Siṃha

Studien-PDF herunterladen

सिंह 5. Rāśi · 120°–150° siderisch · Herrscher Sūrya

Siṃha, „der Löwe", ist das fünfte Zeichen und das Haus Sūryas. Am Zeitmenschen (kālapuruṣa) ist es der Leib, der Bauch; das Yavanajātaka legt das Herz hierher. Die griechische Astrologie nannte das Zeichen Leōn; Varāhamihira überliefert den Namen als leya und verwendet das Wort auch als Zahl: leya ist bei ihm die Fünf, der Platz des Löwen im Kreis (Bṛhajjātaka 1.7). Mit Siṃha beginnt nach der Sārāvalī die Hälfte des Tierkreises, die Sūrya gehört.

Himmelsabschnitt

Siṃha umfasst die fünften 30° der Ekliptik, von 120° bis 150° siderischer Länge. Darin liegen neun Nakṣatra-Pādas: die vier von Maghā, die vier von Pūrvaphalgunī und der erste von Uttaraphalgunī.

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Siṃha)

मघा च पूर्वाफाल्गुनी उत्तराफाल्गुनीपादम् एकं सिंहः ।

maghā ca pūrvāphālgunī uttarāphālgunīpādam ekaṃ siṃhaḥ ।

[Die vier Pādas von] Maghā und Pūrvāphālgunī sowie ein Pāda von Uttarāphālgunī [bilden] Siṃha [den Löwen].

Maghā: Maghā, 10. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Pūrvāphālgunī: Pūrvāphālgunī, 11. Nakṣatra (f. 1/1). Uttarāphālgunīpādam: ein Pāda von Uttarāphālgunī; wörtl. uttarāphālgunī (12. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (n. 1/1). Ekaṃ: ein, eines (n. 1/1). Siṃhaḥ: Siṃha, der Löwe (5. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

NakṣatraPādavonbisNavāṃśa
Maghā10°00′3°20′Meṣa
Maghā23°20′6°40′Vṛṣabha
Maghā36°40′10°00′Mithuna
Maghā410°00′13°20′Karka
Pūrvaphalgunī113°20′16°40′Siṃha (Vargottama)
Pūrvaphalgunī216°40′20°00′Kanyā
Pūrvaphalgunī320°00′23°20′Tulā
Pūrvaphalgunī423°20′26°40′Vṛścika
Uttaraphalgunī126°40′30°00′Dhanus

Siṃha ist ein festes Zeichen (sthira), und wie bei den anderen Feuerzeichen beginnt seine Navāṃśa-Reihe bei Meṣa; Vargottama ist darum der mittlere, fünfte Navāṃśa (Bṛhajjātaka 1.6, 1.14). Das Zeichen ist ein ungerades: die erste Horā gehört Sūrya (0°–15°), die zweite Candra (15°–30°). Die drei Dreṣkāṇas gehören Sūrya, Guru und Maṅgala, den Herren des 1., 5. und 9. Zeichens, von Siṃha aus gezählt: Siṃha, Dhanus, Meṣa (Bṛhajjātaka 1.11). Siṃha beginnt dort, wo das Gaṇḍānta von Karka endet: an der Naht von Āśleṣā zu Maghā.

Das Bild

Für Siṃha sagt Varāhamihira nur, es sehe aus „wie sein Name" (Bṛhajjātaka 1.5): ein Löwe. Das Yavanajātaka (1.18) stellt ihn auf einen Berggipfel und gibt ihm die Orte der Wälder, Festungen, Höhlen und Berge, der Jäger und der Könige. Das Jātaka-Pārijāta (1.10) nennt Berghöhlen und Wald.

Der Kurs sagt zu Siṃha: „Kṣatriya-Varṇa bedeutet, dass regiert oder beschützt wird. In diesem Zeichen geht es ums Regieren." Das Haupt steigt als erstes auf; in den ersten 10° sind die Krone und der Biss des Löwen. Als Feuerzeichen steht es im Osten, seine Tageszeit ist sechs bis acht Uhr, seine Figur der Kreis — das Zeichen sei „ziemlich uniform". Im Königshof der Zeichen, den der Kurs zeichnet, sitzt Sūrya als König in Siṃha. Das ist Lehre des Kurses; klassische Verse dafür sind nicht bekannt.

Der Steckbrief

Kālapuruṣader Leib, Magen und Leber (kroḍa) BPHS 4.4; Bṛhajjātaka 1.4; Sārāvalī 3.5 (Yavanajātaka 1.18: das Herz)
Naturmännlich, krūra, ungerade BPHS 4.5; Bṛhajjātaka 1.11
Bewegungsthira, fest BPHS 4.5; Bṛhajjātaka 1.11
TattvaFeuer Kurs (BPHS 4.12 nennt es nicht)
Doṣapitta BPHS 4.6
Guṇasattva BPHS 4.12
VarṇaKṣatriya BPHS 4.12; Jātaka-Pārijāta 1.20
Farbebleich (pāṇḍu) BPHS 4.12; Jātaka-Pārijāta 1.23; rauchig-bleich Bṛhajjātaka 1.20; Sārāvalī 3.40 (Lesung nach Bṛhajjātaka)
Gestaltgross, vierfüssig BPHS 4.12
RichtungOsten BPHS 4.12; Bṛhajjātaka 1.11
Wohnortder Wald (vanī) BPHS 4.12; Yavanajātaka 1.46; nach anderen Werken das Gebirge Yavanajātaka 1.18; Jātaka-Pārijāta 1.10; Phaladīpikā 1.5
Aufgangśīrṣodaya, mit dem Haupt voran BPHS 4.12; Bṛhajjātaka 1.10; Sārāvalī 3.24; Jātaka-Pārijāta 1.14; Phaladīpikā 1.8; Yavanajātaka 1.63
Tag/Nachttags stark (dyuvīryavān) BPHS 4.12; Bṛhajjātaka 1.10
Aufgangsdauerlang (dīrgha) Sārāvalī 3.37; Jātaka-Pārijāta 1.13; Rechnung (47° N)
Kendra-Stärkeals Vierfüssler im 10. Haus Bṛhajjātaka 1.17; Sārāvalī 3.23
HerrscherSūrya BPHS 4.12; Bṛhajjātaka 1.6
Ucca/Nīca darinkeiner der sieben BPHS 3.49–50; Bṛhajjātaka 1.13
MūlatrikoṇaSūrya, 0°–20° (der Rest ist Svakṣetra) BPHS 3.51; Jātaka-Pārijāta 1.26–28; Phaladīpikā 1.7; das Zeichen: Bṛhajjātaka 1.14
HälfteBeginn der Hälfte Sūryas (Siṃha bis Makara) Sārāvalī 3.9; Yavanajātaka 1.28–29
Griechischer Nameleya, aus griechisch Leōn, „Löwe"; zugleich Zahlwort für 5 Bṛhajjātaka 1.8, 1.7; Sārāvalī 3.7
Weitere Namenkaṇṭhīrava, mṛgendra („Herr der Tiere") Jātaka-Pārijāta 1.4–7
ĀdityaIndra (auch Śakra) Kurs
LandPāṇḍya Jātaka-Pārijāta 1.59–60 (Übersetzung Sastri; Zuordnung nicht am Seitenbild geprüft)
Sauramāsadie Sonne steht hier etwa vom 17. August bis 17. September, 31,0 Tage Rechnung (Lahiri, 2026)

Die Kursfassung des BPHS beschreibt Siṃha in einem Vers:

BPHS 4.12

सिंहः सूर्याधिपः सत्त्वी चतुष्पात् क्षत्रियो वनी । शीर्षोदयी बृहद्गात्रःपाण्डुः पूर्वेड् द्युवीर्यवान् ॥ 4.12॥

siṃhaḥ sūryādhipaḥ sattvī catuṣpāt kṣatriyo vanī । śīrṣodayī bṛhadgātraḥpāṇḍuḥ pūrveḍ dyuvīryavān ॥ 4.12॥

Der Herrscher des Siṃha ist Sūrya. Er ist tugendhaft, vierfüssig und gehört der Kriegerkaste an. Er steigt mit dem Haupte auf und hat einen grossen Körper. Er ist bleich, im Osten und stark am Tage.

Siṃhaḥ: Löwe, das Zeichen Siṃha (m. 1/1). Sūryādhipaḥ: mit Sūrya als Herrn; wörtl. sūrya + adhipa (Herr) (m. 1/1). Sattvī: von der Eigenschaft Sattva (m. 1/1). Catuṣpāt: vierfüssig (m. 1/1). Kṣatriyo: vom Stand der Krieger (m. 1/1). Vanī: waldbewohnend, zum Wald gehörig; zu vana (Wald) (m. 1/1). Śīrṣodayī: mit dem Haupt voran aufgehend; wörtl. śīrṣa (Haupt) + udaya (Aufgang) (m. 1/1). Bṛhadgātraḥ: grossgliedrig; wörtl. bṛhat (gross) + gātra (Glied, Körper) (m. 1/1). Pāṇḍuḥ: bleich, blass-weiss (m. 1/1). Pūrveḍ: im Osten (Form der Kursfassung pūrveḍ, wohl für pūrve) (n. 7/1). Dyuvīryavān: am Tag kräftig; wörtl. dyu (Tag) + vīryavat (kräftig) (m. 1/1).

Kursfassung; Übersetzung nach der shloka-Datenbank, Glossar 2026-10-21

Die Sārāvalī lässt den Tierkreis in zwei Hälften gehen, und Siṃha eröffnet die eine:

Sārāvalī 3.9

द्वादशमण्डलभगणं तस्यार्धे सिंहतो रविर्नाथः। कर्कटकात्प्रतिलोमं शशी तथान्येऽपि तत्स्थानात्॥९॥

dvādaśamaṇḍalabhagaṇaṃ tasyārdhe siṃhato ravirnāthaḥ। karkaṭakātpratilomaṃ śaśī tathānye'pi tatsthānāt॥9॥

Vom zwölffachen Kreis des Sternenheeres ist Ravi der Herr der einen Hälfte, von Siṃha an gerechnet; Śaśin der der anderen, von Karkaṭa an rückläufig – und ebenso die übrigen, jeder von seinem Standort aus.

Dvādaśamaṇḍalabhagaṇaṃ: der in zwölf Abschnitte gefasste Kreis der Gestirnschar; wörtl. dvādaśa (zwölf) + maṇḍala (Kreis) + bhagaṇa (Gestirnschar) (n. 1/1). Tasya: dessen, davon (n. 6/1). Ardhe: in der Hälfte (n. 7/1). Siṃhato: von Siṃha an (avy.). Ravir: Ravi, Sūrya (m. 1/1). Nāthaḥ: Herr, Gebieter (m. 1/1). Karkaṭakāt: von Karkaṭa an (m. 5/1). Pratilomaṃ: gegen den Strich, rückläufig (n. 1/1). Śaśī: der Hasenträger: Candra (m. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). 'nye: die anderen (m. 1/3). 'pi: auch (avy.). Tatsthānāt: von seinem Standort an; wörtl. tad (sein) + sthāna (Standort) (n. 5/1).

Kursmaterial pjc2_i; Übersetzung nach der shloka-Datenbank, Glossar 2026-10-21

Das Yavanajātaka (1.28–29) sagt dasselbe: die Hälfte Sūryas beginnt bei Maghā, die Candras bei Āśleṣā. Nach Sārāvalī 3.10 werden in der Hälfte Sūryas mutige, strahlende und wagemutige Menschen geboren, in der Hälfte Candras sanfte und vom Glück begünstigte.

Die Grade des Mūlatrikoṇa stehen in BPHS 3.51; der Vers fehlt in der Kursfassung, der Wortlaut stammt aus einer Netzfassung derselben Linie und ist durch Santhanam und die Veṅkaṭeśvara-Ausgabe von 1923 bestätigt:

BPHS 3.51 — fehlt in der Kursfassung; Wortlaut nach enjoylearningsanskrit.com (ohne Ausgabe), Werte bestätigt durch Santhanam (Bd. 1, 1984) und die Veṅkaṭeśvara-Ausgabe 1923

रवेः सिंहे नखांशाश् च त्रिकोणम् अपरे स्वभम् । उच्चम् इन्दोर् वृषे त्र्यंशास् त्रिकोणम् अपरे ऽंशकाः ॥

raveḥ siṃhe nakhāṃśāś ca trikoṇam apare svabham । uccam indor vṛṣe tryaṃśās trikoṇam apare 'ṃśakāḥ ॥

Für Ravi sind in Siṃha die ersten zwanzig Grade Mūlatrikoṇa, die übrigen eigenes Zeichen. Der Ucca Indus liegt in Vṛṣabha auf den ersten drei Graden; die übrigen Grade sind Mūlatrikoṇa.

Raveḥ: Ravis, Sūryas (m. 6/1). Siṃhe: in Siṃha (m. 7/1). Nakhāṃśāś: die zwanzig Grade; wörtl. nakha (Nagel, Zahlwort für 20) + aṃśa (Grad) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Trikoṇam: Mūlatrikoṇa (n. 1/1). Apare: die übrigen (m. 1/3). Svabham: eigenes Zeichen; wörtl. sva (eigen) + bha (Zeichen) (n. 1/1). Uccam: Erhöhung, Ucca (n. 1/1). Indor: Indus, Candras (m. 6/1). Vṛṣe: in Vṛṣabha (m. 7/1). Tryaṃśās: drei Grade; wörtl. tri (drei) + aṃśa (Grad) (m. 1/3). Trikoṇam: Mūlatrikoṇa (n. 1/1). Apare: die übrigen (m. 1/3). 'ṃśakāḥ: Grade (m. 1/3).

Wortlaut nach enjoylearningsanskrit.com (Kapitel 3, ohne Angabe der Druckausgabe); Übersetzung Yogi Narasimha

Wo die Quellen auseinandergehen

Zu welchem Zeichen gehört pārvatīyā? BPHS 4.13 beginnt mit dem Wort pārvatīyā, „im Gebirge heimisch", und fährt fort: atha kanyākhyā rāśiḥ — „nun das Zeichen namens Kanyā". Die Datenbank und Santhanam beziehen das Wort auf Kanyā, und die Sprache gibt ihnen recht: pārvatīyā ist weiblich und passt grammatisch zu kanyā, nicht zum männlichen siṃha; die Verspaare sind mit dieser Zuordnung vollständig. Diese Seiten folgen darum der Kursfassung. Für Siṃha sprechen allein die Orte der anderen Werke: das Yavanajātaka (1.18) stellt den Löwen auf den Berggipfel und nennt Berge, das Jātaka-Pārijāta (1.10) Berghöhlen, die Phaladīpikā (1.5) den Berg; Kanyā bekommt dagegen in allen dreien Weide, Land mit Korn, Frauen und Handwerk, und bei Bṛhajjātaka 1.5 sogar ein Boot. Der Kurs gibt Kanyā in seiner Übersichtstabelle keine Landschaft. Möglich ist, dass der Kursfassung hier ein Wort aus einer älteren Siṃha-Beschreibung zugewachsen ist; belegen lässt sich das nicht.

BPHS 4.13

पार्वतीयाथ कन्याख्या राशिर्दिनबलान्विता । शीर्षोदया च मध्यांगा द्विपाद्याम्यचरा च सा ॥ 4.13॥

pārvatīyātha kanyākhyā rāśirdinabalānvitā । śīrṣodayā ca madhyāṃgā dvipādyāmyacarā ca sā ॥ 4.13॥

Die Bergbewohnerin, nun Kanyā genannt, ist ein Zeichen, das am Tag kraftvoll ist, mit dem Haupt voran aufgeht, von mittlerem Wuchs ist, zweifüssig und im Süden umherzieht.

Pārvatīyā: im Gebirge hausend, dem Gebirge zugehörig (Beiwort der Kanyā) (f. 1/1). Atha: nun, darauf (avy.). Kanyākhyā: Kanyā genannt; wörtl. kanyā (Mädchen) + ākhyā (Name) (f. 1/1). Rāśir: das Zeichen (m. 1/1). Dinabalānvitā: mit Tageskraft verbunden; wörtl. dina (Tag) + bala (Kraft) + anvita (verbunden mit) (f. 1/1). Śīrṣodayā: mit dem Haupt voran aufgehend; wörtl. śīrṣa (Haupt) + udaya (Aufgang) (f. 1/1). Ca: und (avy.). Madhyāṃgā: von mittlerem Körper; wörtl. madhya (mittel) + aṅga (Glied, Körper) (f. 1/1). Dvipād: zweifüssig (f. 1/1). Yāmyacarā: im Süden wandelnd; wörtl. yāmya (südlich, zu Yama gehörig) + cara (wandelnd) (f. 1/1). Ca: und (avy.). Sā: sie (f. 1/1).

Kursfassung; Übersetzung nach der shloka-Datenbank

Wald oder Berg? BPHS 4.12 sagt vanī, „waldbewohnend"; das Yavanajātaka (1.46) nennt Siṃha ein Waldzeichen. Berg und Höhle kommen erst mit den späteren Zeugen.

Vierfüssler und Tagzeichen. Siṃha ist ein Vierfüssler, aber taggestark. Nach Sārāvalī 3.23b sind die Vierfüssler nachts stark; Siṃha ist damit, neben Mithuna, die Ausnahme von der Regel. Das Yavanajātaka (1.79–80) setzt Siṃha an das Ende des Tages. Das ist ein Vergleich von Stellen; die Quellen erklären sich dazu nicht.

Lang in beiden Breiten? Die Sārāvalī nennt Siṃha „lang". Das trifft für das siderische Zeichen bei 47° N zu (162 Minuten), nicht mehr in Ujjain, wo es „mittel" ist (132 Minuten).

Der Mūlatrikoṇa. Hier gibt es keinen Widerspruch: BPHS 3.51, das Jātaka-Pārijāta (1.26–28) und die Phaladīpikā (1.7) geben alle Sūrya die ersten 20°. Das Bṛhajjātaka (1.14) und das Yavanajātaka (1.61–62) nennen nur das Zeichen.

Die drei Dreṣkāṇas

Varāhamihira beschreibt für jedes Drittel eines Zeichens eine Gestalt (Bṛhajjātaka 27). Sie gehen auf die Dekane der hellenistischen Astrologie zurück. Die Sārāvalī kennt diese Gestalten nicht.

Bṛhajjātaka 27.13 — erster Dreṣkāṇa (0°–10°)

शाल्मलेर् उपरि गृध्रजम्बुकौ श्वा नरश् च मलिनाम्बरान्वितः । रौति मातृपितृविप्रयोजितः सिंहरूपम् इदम् आद्यम् उच्यते ॥

śālmaler upari gṛdhrajambukau śvā naraś ca malināmbarānvitaḥ । rauti mātṛpitṛviprayojitaḥ siṃharūpam idam ādyam ucyate ॥

Auf dem Śālmali-Baum: Geier und Schakal, ein Hund und ein Mann in schmutzigem Gewand; er schreit, von Mutter und Vater getrennt. Das wird die erste Gestalt von Siṃha genannt.

Śālmaler: des Śālmali-Baumes (Seidenwollbaum) (m. 6/1). Upari: oben auf, über (avy.). Gṛdhrajambukau: Geier und Schakal; wörtl. gṛdhra (Geier) + jambuka (Schakal) (m. 1/2). Śvā: Hund (m. 1/1). Naraś: Mann (m. 1/1). Ca: und (avy.). Malināmbarānvitaḥ: mit schmutzigem Gewand versehen; wörtl. malina (schmutzig) + ambara (Gewand) + anvita (versehen) (m. 1/1). Rauti: schreit (laṭ III/1). Mātṛpitṛviprayojitaḥ: von Mutter und Vater getrennt; wörtl. mātṛ (Mutter) + pitṛ (Vater) + viprayojita (getrennt) (m. 1/1). Siṃharūpam: Gestalt von Siṃha (n. 1/1). Idam: diese (n. 1/1). Ādyam: die erste (n. 1/1). Ucyate: wird genannt (laṭ karmaṇi III/1).

GRETIL sa_varAhamihira-bRhajjAtaka; Übersetzung Yogi Narasimha

Der zweite Dreṣkāṇa (10°–20°) ist ein Mann in Pferdegestalt, mit weissem Kranz, einer schwarzen Antilopenhaut als Decke, löwengleich, mit Bogen und gebogener Nase (27.14). Der dritte (20°–30°) hat ein Bärengesicht, ist affenähnlich im Gebaren, trägt Stab, Frucht und Fleisch und ist kraus (27.15). Das Yavanajātaka (3.14–3.16) hat einen löwenleibigen Mann mit Schwert, eine kühne Frau mit offenem Haar auf dem Berggipfel und eine listige Frau auf einem Elfenbeinthron.

Am Himmel

Die hellen Sterne (bis 4,5 mag) im siderischen Abschnitt Siṃha, mit den Nakṣatra-Grenzen, den drei Dreṣkāṇas (gestrichelt) und den Sternbildern entlang der Ekliptik. Länge und Breite im selben Massstab; grau hinterlegt das Band, in dem Mond und Planeten laufen (±8°). Die hellen Sterne (bis 4,5 mag) im siderischen Abschnitt Siṃha, mit den Nakṣatra-Grenzen, den drei Dreṣkāṇas (gestrichelt) und den Sternbildern entlang der Ekliptik. Länge und Breite im selben Massstab; grau hinterlegt das Band, in dem Mond und Planeten laufen (±8°).

Die hellen Sterne (bis 4,5 mag) im siderischen Abschnitt Siṃha, mit den Nakṣatra-Grenzen, den drei Dreṣkāṇas (gestrichelt) und den Sternbildern entlang der Ekliptik. Länge und Breite im selben Massstab; grau hinterlegt das Band, in dem Mond und Planeten laufen (±8°).

Gerechnet aus SIMBAD-Örtern, Epoche 2025,0, Ayanāṃśa Lahiri; Sternbildgrenzen nach Delporte (IAU 1930). Skript quellen/rashi/rechnung/sternkarten_tikz.py.

Das Zeichen ist hier, wie bei Vṛṣabha, auch ein reines Sternbild: der siderische Abschnitt 120°–150° reicht heute von 144,2° bis 174,2° tropischer Länge, und die Ekliptik läuft darin ganz durch den Löwen. Der hellste Stern ist Regulus (α Leonis, 1,4 mag) bei 5°58′, im Abschnitt von Maghā, dessen Leitstern (yogatārā) er nach dem Sūrya-Siddhānta ist; er liegt fast genau auf der Ekliptik (0°28′ Breite). Im Band stehen acht Sterne bis 4,5 mag, nur Regulus ist heller als 3,0 mag; ein zweiter, Algieba (γ¹ Leonis, 2,2 mag), steht bei 5°46′, aber 8°49′ nördlich der Ekliptik.

Wie lange das Zeichen braucht, um über den Horizont zu steigen, hängt von der Breite ab. Gerechnet für das siderische Siṃha von heute sind es in Mitteleuropa (47° N) gut 162 Minuten, in Ujjain gut 132 Minuten. Die Sārāvalī (3.37) nennt Siṃha „lang"; das stimmt für das tropische Zeichen in Mitteleuropa und für das siderische dort, in Ujjain nicht mehr ganz.

Die Sonne tritt um den 17. August in Siṃha ein und bleibt genau 31 Tage. Der Ayanāṃśa (Lahiri) beträgt heute rund 24,2°.

Die Verse

Die Verse dieser Seite stehen oben im Zusammenhang: der Ārambha-Vers zur Pāda-Verteilung, BPHS 4.12 und 4.13 sowie 3.51, Sārāvalī 3.9 und Bṛhajjātaka 27.13, jeder mit Wort-für-Wort-Glossar aus der Datenbank.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Leitfassung ist das BPHS in der Fassung des Kurses (Kapitel 4, zu Siṃha der Vers 4.12). Die Grade der Würden stehen in BPHS 3.49–54, einem Abschnitt, der in der Kursfassung fehlt. Daneben sind gelesen: Bṛhajjātaka 1 und 27 (GRETIL), Sārāvalī 3 (Ausgabe 1907), Phaladīpikā 1, das Jātaka-Pārijāta 1 (Ausgabe Sastri 1932) und das Yavanajātaka in Pingrees Übersetzung. Sterne und Aufgangszeiten sind mit den eigenen Rechenskripten aus SIMBAD-Örtern für 2025,0 und dem Lahiri-Ayanāṃśa gerechnet.