Dhanus

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धनुस् 9. Rāśi · 240°–270° siderisch · Herrscher Guru

Dhanus, „der Bogen", ist das neunte Zeichen des Tierkreises. Am Zeitmenschen (kālapuruṣa) sind es die Schenkel. Das Bild ist ein Bogenträger, der von der Hüfte an abwärts der Leib eines Pferdes ist. Die griechische Astrologie nannte das Zeichen Toxótēs, „Bogenschütze"; Varāhamihira überliefert den Namen als taukṣika. In Dhanus steht der Ucca-Punkt von Ketu, und Guru hat hier die ersten zehn Grade als Mūlatrikoṇa.

Himmelsabschnitt

Dhanus umfasst die Längen 240° bis 270° des siderischen Tierkreises. Darin liegen neun Nakṣatra-Pādas: die vier von Mūla, die vier von Pūrvāṣāḍhā und der erste von Uttarāṣāḍhā.

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Dhanus)

मूलं च पूर्वाषाढोत्तराषाढापादम् एकं धनुः ।

mūlaṃ ca pūrvāṣāḍhottarāṣāḍhāpādam ekaṃ dhanuḥ ।

[Die vier Pādas von] Mūla und Pūrvāṣāḍhā sowie ein Pāda von Uttarāṣāḍhā [bilden] Dhanus [den Schützen].

Mūlaṃ: Mūla, 19. Nakṣatra (n. 1/1). Ca: und (avy.). Pūrvāṣāḍhottarāṣāḍhāpādam: Pūrvāṣāḍhā und ein Pāda von Uttarāṣāḍhā; wörtl. pūrvāṣāḍhā (20. Nakṣatra) + uttarāṣāḍhā (21. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (n. 1/1). Ekaṃ: ein, eines (n. 1/1). Dhanuḥ: Dhanus, der Schütze (9. Rāśi) (n. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

NakṣatraPādavonbisNavāṃśa
Mūla10°00′3°20′Meṣa
Mūla23°20′6°40′Vṛṣabha
Mūla36°40′10°00′Mithuna
Mūla410°00′13°20′Karka
Pūrvāṣāḍhā113°20′16°40′Siṃha
Pūrvāṣāḍhā216°40′20°00′Kanyā
Pūrvāṣāḍhā320°00′23°20′Tulā
Pūrvāṣāḍhā423°20′26°40′Vṛścika
Uttarāṣāḍhā126°40′30°00′Dhanus (Vargottama)

Dhanus bildet mit Meṣa und Siṃha das Trigon der Feuerzeichen, und dessen Navāṃśa-Reihe beginnt bei Meṣa (Bṛhajjātaka 1.6). Der neunte und letzte Navāṃśa fällt damit auf Dhanus selbst. Weil Dhanus ein doppelnaturiges Zeichen (dvisvabhāva) ist, ist gerade der letzte Navāṃśa vargottama (Bṛhajjātaka 1.14: der erste bei den beweglichen, der mittlere bei den festen, der letzte bei den doppelnaturigen Zeichen). Das ist der Bereich 26°40′–30°, also der einzige Pāda von Uttarāṣāḍhā in Dhanus. Als ungerades Zeichen hat Dhanus die Horās Sūrya (0°–15°) und Candra (15°–30°); die drei Dreṣkāṇas gehören Guru, Maṅgala und Sūrya, den Herren des 1., 5. und 9. Zeichens von Dhanus aus gezählt (Bṛhajjātaka 1.11). Die fünf Triṃśāṃśa-Abschnitte eines ungeraden Zeichens sind Maṅgala 5°, Śani 5°, Guru 8°, Budha 7° und Śukra 5° (Bṛhajjātaka 1.7), also 0°–5°, 5°–10°, 10°–18°, 18°–25° und 25°–30°.

Das Bild

Varāhamihira zählt Dhanus zu den Zeichen, die nicht einfach „wie ihr Name" aussehen: ein Bogenträger, ein Mann mit Pferdehinterleib (cāpī naro ‘śvajaghanaḥ, Bṛhajjātaka 1.5). Die Sārāvalī (3.4) sagt es fast gleich, und das Yavanajātaka (1.22) fügt die Orte hinzu: ebenes Land, Pferde, Branntwein, Waffenträger, Opfer und Wagen. Der Vers stellt die ganze Reihe der Bilder zusammen, auch die der Nachbarzeichen:

Bṛhajjātaka 1.5 (GRETIL, nach der Ausgabe Oriental Books Reprint Corporation, 2. Aufl. 1979)

मत्स्यौ घटी नृ मिथुनं सगदं सवीणं चापी नरो ऽश्वजघनो मकरो मृगास्यः । तौली सस्यदहना प्लवगा च कन्या शेषाः स्वनामसदृशाः स्वचराश् च सर्वे ॥

matsyau ghaṭī nṛ mithunaṃ sagadaṃ savīṇaṃ cāpī naro 'śvajaghano makaro mṛgāsyaḥ । taulī sasyadahanā plavagā ca kanyā śeṣāḥ svanāmasadṛśāḥ svacarāś ca sarve ॥

Zwei Fische [Mīna]; ein Krugträger, ein Mann [Kumbha]; das Paar mit Keule und mit Laute [Mithuna]; ein Bogenträger, ein Mann mit dem Hinterleib eines Pferdes [Dhanus]; Makara mit Gazellengesicht; der Waagenträger [Tulā]; und Kanyā, im Boot fahrend, mit Feldfrucht und Feuer. Die übrigen gleichen ihrem Namen, und alle halten sich an dem ihnen eigenen Ort auf.

Matsyau: zwei Fische (Mīna) (m. 1/2). Ghaṭī: krugtragend, Krugträger (m. 1/1). Nṛ: Mann (m. 1/1). Mithunaṃ: das Paar (Mithuna) (n. 1/1). Sagadaṃ: samt Keule; wörtl. sa (mit) + gadā (Keule) (n. 1/1). Savīṇaṃ: samt Laute; wörtl. sa (mit) + vīṇā (Laute) (n. 1/1). Cāpī: Bogenträger (Dhanus) (m. 1/1). Naro: Mann (m. 1/1). 'śvajaghano: mit Hinterleib eines Pferdes; wörtl. aśva (Pferd) + jaghana (Hinterteil) (m. 1/1). Makaro: Makara (m. 1/1). Mṛgāsyaḥ: mit Gazellengesicht; wörtl. mṛga (Gazelle, Wild) + āsya (Gesicht) (m. 1/1). Taulī: Waagenträger, einer mit der Waage (Tulā) (m. 1/1). Sasyadahanā: mit Feldfrucht und Feuer; wörtl. sasya (Feldfrucht) + dahana (Feuer) (f. 1/1). Plavagā: auf dem Boot fahrend; wörtl. plava (Floss, Boot) + gā (gehend) (f. 1/1). Ca: und (avy.). Kanyā: Kanyā, das Mädchen (f. 1/1). Śeṣāḥ: die übrigen (m. 1/3). Svanāmasadṛśāḥ: ihrem Namen gleichend; wörtl. sva (eigen) + nāman (Name) + sadṛśa (gleich) (m. 1/3). Svacarāś: an dem ihnen eigenen Ort sich aufhaltend; wörtl. sva (eigen) + cara (wandelnd, weilend) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Sarve: alle (m. 1/3).

GRETIL sa_varAhamihira-bRhajjAtaka; Übersetzung Yogi Narasimha

Die Kursfassung des BPHS (4.18) beschreibt dasselbe Bild über die Füsse: in der ersten Hälfte des Zeichens ist Dhanus zweifüssig, der Mensch, in der zweiten vierfüssig, das Pferd. Die Phaladīpikā (1.7) zieht daraus eine Folge für die Stärke: die erste Hälfte zählt zu den Menschenzeichen, die zweite zu den Vierfüsslern.

Der Kurs teilt das Zeichen in fünf Abschnitte zu 6°: Bogen (0°–6°), Kopf (6°–12°), Körper des Mannes (12°–18°), Körper des Pferdes (18°–24°) und Beine (24°–30°). Er sieht den Bogen ohne Pfeile in der Hand des Mannes, weil die Pfeile von Sūrya kommen, und deutet den Bogen als Waffe von Śani, dessen Mūlatrikoṇa-Zeichen Kumbha das dritte von Dhanus ist. Als „Makel" (doṣa) des Zeichens nennt der Kurs Viṣṇu: das Schlachtfeld als neuntes Haus und die Frage nach Recht und Unrecht. Das ist Lehre des Kurses; ein klassischer Vers dafür ist nicht bekannt.

Der Steckbrief

Kālapuruṣadie Schenkel (ūru) BPHS 4.4; Bṛhajjātaka 1.4; Sārāvalī 3.5; Yavanajātaka 1.22
Naturmännlich, krūra, ungerade BPHS 4.5; Bṛhajjātaka 1.11
Bewegungdvisvabhāva, doppelnaturig BPHS 4.5; Bṛhajjātaka 1.11
TattvaFeuer (pāvaka) BPHS 4.18
Doṣapitta BPHS 4.6 (Reihe ab Meṣa)
Guṇasattva (sāttvika) BPHS 4.17
VarṇaKṣatriya BPHS 4.18; Jātaka-Pārijāta 1.20
Farbegelbbraun (piṅgala) BPHS 4.18; Bṛhajjātaka 1.20; Jātaka-Pārijāta 1.23
Gestaltebenmässig; in der ersten Hälfte zweifüssig, in der zweiten vierfüssig BPHS 4.18; Phaladīpikā 1.7
RichtungOsten BPHS 4.19; Bṛhajjātaka 1.11
Wohnortauf der Erde, im ebenen Land; Stall für Pferd, Wagen und Elefant; wasserlos BPHS 4.19; Yavanajātaka 1.22; Jātaka-Pārijāta 1.12, 1.15
Aufgangpṛṣṭhodaya, mit dem Rücken voran BPHS 4.17; Bṛhajjātaka 1.10; Sārāvalī 3.24; Yavanajātaka 1.63
Tag/Nachtnachts stark BPHS 4.18; Bṛhajjātaka 1.10
Aufgangsdauermittel (sama) Sārāvalī 3.37; Rechnung
Kendra-Stärkeals Mensch im 1. Haus, als Vierfüssler im 10. Haus Bṛhajjātaka 1.17; Phaladīpikā 1.7
HerrscherGuru BPHS 4.17; Bṛhajjātaka 1.6
Ucca darinKetu Kurs; Rao (BPHS 3 nennt keine Knotenwürden)
Nīca darinRāhu Rao (BPHS 3 nennt keine Knotenwürden)
MūlatrikoṇaGuru, 0°–10°; die übrigen 20° sind sein eigenes Zeichen BPHS 3.53; Bṛhajjātaka 1.14 (nur das Zeichen); Phaladīpikā 1.7
Griechischer Nametaukṣika, aus griechisch Toxótēs, „Bogenschütze" Bṛhajjātaka 1.8; Sārāvalī 3.7 (taukṣa)
Weitere Namendhanvin, dhanus, cāpa („Bogen"), śarāsana Sārāvalī 3.3; Jātaka-Pārijāta 1.4–7
ĀdityaAṃśa Kurs
LandSaindhava Jātaka-Pārijāta 1.59–60 (Übersetzung Sastri; Zuordnung nicht am Seitenbild geprüft)
Sauramāsadie Sonne steht hier etwa vom 16. Dezember bis 14. Januar, 29,4 Tage — der kürzeste Aufenthalt Rechnung (Lahiri, 2026/27)

Die Eigenschaften von Dhanus verteilen sich in der Kursfassung auf drei Halbverse. Der erste gehört noch zu Vṛścika und endet mit dem Aufgang und dem Herrscher von Dhanus:

BPHS 4.17

रोमस्वाढ्योऽतितीक्ष्णाग्रो वृश्चिकश्च कुजाधिपः पृष्ठोदयी त्वथ धनुर्गुरुस्वामी च सात्त्विकः ॥ 4.17॥

romasvāḍhyo'titīkṣṇāgro vṛścikaśca kujādhipaḥ pṛṣṭhodayī tvatha dhanurgurusvāmī ca sāttvikaḥ ॥ 4.17॥

Reich an Haaren, mit sehr scharfer Spitze: das ist Vṛścika, mit Kuja als Herrn. Nun Dhanus: mit dem Rücken voran aufgehend, mit Guru als Herrn, von der Eigenschaft Sattva.

Romasvāḍhyo: reich an Körperhaar; wörtl. roman (Haar) + āḍhya (reich) (m. 1/1). 'titīkṣṇāgro: mit sehr scharfer Spitze, scharfem Stich; wörtl. ati (sehr) + tīkṣṇa (scharf) + agra (Spitze) (m. 1/1). Vṛścikaś: Vṛścika, der Skorpion (m. 1/1). Ca: und (avy.). Kujādhipaḥ: mit Kuja (Maṅgala) als Herrn; wörtl. kuja (der Erdgeborene) + adhipa (Herr) (m. 1/1). Pṛṣṭhodayī: mit dem Rücken voran aufgehend (Wort des folgenden Zeichens Dhanus) (m. 1/1). Tv: aber (avy.). Atha: darauf (avy.). Dhanur: Dhanus, der Bogen (n. 1/1). Gurusvāmī: mit Guru als Herrn; wörtl. guru + svāmin (Herr) (m. 1/1). Ca: und (avy.). Sāttvikaḥ: von der Eigenschaft Sattva, tugendhaft (m. 1/1).

Kursfassung; Übersetzung nach der shloka-Datenbank, Glossar 2026-10-21; die erste Vershälfte beschreibt Vṛścika

Der zweite Vers nennt Farbe, Tattva, Stand und die beiden Hälften des Bildes:

BPHS 4.18

पिंगलो निशिवीर्याढ्यः पावकः क्षत्रियो द्विपाद् । आदावन्ते चतुष्पादः समगात्रो धनुर्धरः ॥ 4.18॥

piṃgalo niśivīryāḍhyaḥ pāvakaḥ kṣatriyo dvipād । ādāvante catuṣpādaḥ samagātro dhanurdharaḥ ॥ 4.18॥

Rötlichbraun, in der Nacht bei Kräften, Feuer, Kriegerkaste und zweifüssig in der ersten Hälfte und in der zweiten Hälfte vierfüssig, einen ausgeglichenen Körper besitzend und den Bogen tragend.

Piṃgalo: gelbbraun, rötlichbraun (m. 1/1). Niśivīryāḍhyaḥ: in der Nacht reich an Kraft; wörtl. niśā (Nacht) + vīrya (Kraft) + āḍhya (reich) (m. 1/1). Pāvakaḥ: feurig; das Feuer (Tattva) (m. 1/1). Kṣatriyo: vom Stand der Krieger (m. 1/1). Dvipād: zweifüssig (m. 1/1). Ādāv: am Anfang, in der ersten Hälfte (m. 7/1). Ante: am Ende, in der zweiten Hälfte (m. 7/1). Catuṣpādaḥ: vierfüssig (m. 1/1). Samagātro: mit ebenmässigem Körper; wörtl. sama (gleichmässig) + gātra (Körper) (m. 1/1). Dhanurdharaḥ: den Bogen tragend; wörtl. dhanus (Bogen) + dhara (tragend) (m. 1/1).

Kursfassung; Übersetzung nach der shloka-Datenbank, Glossar 2026-10-21

Im dritten gehört die erste Hälfte (bis brahmaṇā kṛtaḥ) noch zu Dhanus, die zweite schon zu Makara:

BPHS 4.19

पूर्वस्थो वसुधाचारी तेजस्वी ब्रह्मणा कृतः मन्दाधिपस्तमी भौमी याम्येट् च निशि वीर्यवान् ॥ 4.19॥

pūrvastho vasudhācārī tejasvī brahmaṇā kṛtaḥ mandādhipastamī bhaumī yāmyeṭ ca niśi vīryavān ॥ 4.19॥

[Dhanus] steht im Osten, wandelt auf der Erde, ist glänzend und „von Brahman geschaffen“ (Lesung unsicher). [Makara] hat Manda (Śani) als Herrn, ist von der Eigenschaft Tamas, erdhaft, im Süden weilend und in der Nacht kraftvoll.

Pūrvastho: im Osten stehend; wörtl. pūrva (Osten) + stha (stehend) (m. 1/1). Vasudhācārī: auf der Erde wandelnd; wörtl. vasudhā (Erde) + cārin (wandelnd) (m. 1/1). Tejasvī: glänzend, kraftvoll (m. 1/1). Brahmaṇā: von Brahman bzw. einem Brahmanen (Lesung unsicher) (m. 3/1). Kṛtaḥ: gemacht, getan (Sinn der Stelle offen) (m. 1/1). Mandādhipas: mit Manda (Śani) als Herrn; wörtl. manda (der Langsame: Śani) + adhipa (Herr) (m. 1/1). Tamī: von der Eigenschaft Tamas, träge (m. 1/1). Bhaumī: der Erde zugehörig, ein Erdzeichen (m. 1/1). Yāmyeṭ: im Süden (Yāma) weilend; Überlieferung der Form unsicher (m. 1/1). Ca: und (avy.). Niśi: in der Nacht (f. 7/1). Vīryavān: kraftvoll (m. 1/1).

Kursfassung; Übersetzung nach der shloka-Datenbank, Glossar 2026-10-21; die Deutung von brahmaṇā kṛtaḥ und die Form yāmyeṭ sind unsicher

Wo die Quellen auseinandergehen

Mit dem Rücken oder mit dem Haupt? Der Kurs sagt im Abschnitt zu Dhanus, das Zeichen steige „mit dem Haupte voran" auf. Das widerspricht seiner eigenen Eigenschaftstabelle (pṛṣṭhodayī), dem Sanskrit von BPHS 4.17 (pṛṣṭhodayī tv atha dhanuḥ) und allen anderen Zeugen: Bṛhajjātaka 1.10, Sārāvalī 3.24, Phaladīpikā 1.8, Jātaka-Pārijāta 1.14 und Yavanajātaka 1.63 lassen Dhanus rückwärts aufgehen, und die Rechnung der Engine stimmt zu. Die falsche Angabe stammt sehr wahrscheinlich aus Santhanams englischer Übersetzung („rises with its head"), die den eigenen Sanskrittext verfehlt. Diese Seite führt pṛṣṭhodaya.

Ein Vers, zwei Zeichen. BPHS 4.19 beginnt mit Dhanus und endet mit Makara. Dass die erste Hälfte (pūrvastho vasudhācārī tejasvī …) zu Dhanus gehört, zeigt die Richtung: Osten ist die Richtung des Meṣa-Trigons (Bṛhajjātaka 1.11), die zweite Hälfte nennt Śani und den Süden. Offen bleibt brahmaṇā kṛtaḥ. Wörtlich heisst es „von Brahman gemacht" oder „von einem Brahmanen getan" und ist kein Stand; der Kurs liest es so, dass Dhanus die Brahmanen schützt. Dazu passt das Bild bei Varāhamihira, in dem das erste Drittel die Opfergeräte der Asketen bewacht (Bṛhajjātaka 27.25, unten). Gesichert ist die Lesung nicht.

Kṣatriya unter einem Brahmanen. Das Zeichen selbst ist nach dem BPHS (4.18) und dem Jātaka-Pārijāta (1.20) ein Kṣatriya, sein Herrscher Guru dagegen ein Brahmane. Der Kurs nennt die Verbindung „nicht gut": ein Brahmane sollte nicht zur Waffe greifen.

Zehn oder zwanzig Grade? Für Guru nennt BPHS 3.53 (und die Phaladīpikā 1.7) die ersten 10° von Dhanus als Mūlatrikoṇa. Das Jātaka-Pārijāta (1.26–28) gibt Śukra, Śani und Guru einheitlich die ersten 20° ihres Mūlatrikoṇa-Zeichens. Die Seite folgt BPHS.

Ketu in Dhanus. Dass Ketu in Dhanus erhöht ist, lehrt der Kurs (wie Rao); Rāhu steht dann im Gegenzeichen. Das BPHS gibt den Knoten in Kapitel 3 keine Würden; Santhanam sagt dazu ausdrücklich, es gebe „verschiedene Ansichten". Das Jātaka-Pārijāta nennt Ketu stark in Dhanus (2.68), weitere ältere Belege liegen nicht vor. Verbreitet ist daneben die Lehre, die Rāhu in Vṛṣabha und Ketu in Vṛścika erhöht sein lässt.

Die Farbreihe der Sārāvalī. Liest man die zwölf Farbwörter von Sārāvalī 3.40 einzeln, ist die Reihe ab Siṃha um ein Zeichen verschoben (Dhanus wäre dann „goldfarben"). Mit paridhūmrapāṇḍu als einem Wort stimmt sie mit Bṛhajjātaka 1.20 überein, und danach ist Dhanus gelbbraun. So ist es hier gelesen.

Die drei Dreṣkāṇas

Varāhamihira beschreibt für jedes Drittel eines Zeichens (je 10°) eine Gestalt (Bṛhajjātaka 27). Die Bilder gehen auf die Dekane der hellenistischen Astrologie zurück; Varāhamihira sagt selbst an mehreren Stellen des Kapitels, sie seien von den Yavanas gelehrt. Das erste Drittel von Dhanus (0°–10°, Herr Guru) ist der Bogenträger:

Bṛhajjātaka 27.25 — erster Dreṣkāṇa (0°–10°)

मनुष्यवक्त्रो ऽश्वसमानकायो धनुर् विगृह्यायतम् आश्रमस्थः । क्रतूपयोज्यानि तपस्विनश् च ररक्षाद्यो धनुषस् त्रिभागः ॥

manuṣyavaktro 'śvasamānakāyo dhanur vigṛhyāyatam āśramasthaḥ । kratūpayojyāni tapasvinaś ca rarakṣādyo dhanuṣas tribhāgaḥ ॥

Mit Menschengesicht und einem Leib wie ein Pferd, den langen Bogen gespannt haltend, in der Einsiedelei weilend, beschützt er, was die Asketen für das Opfer brauchen: das erste Drittel des Dhanus.

Manuṣyavaktro: mit Menschengesicht; wörtl. manuṣya (Mensch) + vaktra (Gesicht) (m. 1/1). 'śvasamānakāyo: mit einem Leib wie ein Pferd; wörtl. aśva (Pferd) + samāna (gleich) + kāya (Leib) (m. 1/1). Dhanur: Bogen (n. 2/1). Vigṛhya: gespannt, ergriffen habend (Gerundium von vi-√grah) (avy.). Āyatam: gespannt, lang (n. 2/1). Āśramasthaḥ: in der Einsiedelei weilend; wörtl. āśrama (Einsiedelei) + stha (weilend) (m. 1/1). Kratūpayojyāni: für das Opfer brauchbar; wörtl. kratu (Opfer) + upayojya (brauchbar) (n. 2/3). Tapasvinaś: der Asketen (m. 6/3). Ca: und (avy.). Rarakṣa: beschützte, beschützt (Perfekt von √rakṣ) (liṭ III/1). Ādyo: der erste (m. 1/1). Dhanuṣas: des Dhanus (n. 6/1). Tribhāgaḥ: Drittel; wörtl. tri (drei) + bhāga (Teil) (m. 1/1).

GRETIL sa_varAhamihira-bRhajjAtaka; Übersetzung Yogi Narasimha

Der zweite Dreṣkāṇa (10°–20°, Herr Maṅgala) ist eine anmutige Frau von der Farbe des Campaka-Goldes, die auf einem Prunksitz sitzt und die Juwelen des Meeres durchwühlt (27.26). Der dritte (20°–30°, Herr Sūrya) ist ein goldfarbener Mann mit Kuśa-Bündel, der mit Stab auf dem besten Sitz sitzt und Seidengewänder und Antilopenfell trägt (27.27). Die Sārāvalī kennt diese Gestalten nicht; ihr Dreṣkāṇa-Kapitel beschreibt den Charakter des Geborenen.

Aufgang und Tageskraft

Dhanus gehört zu den sechs Zeichen, die „mit dem Rücken voran" aufgehen und nachts stark sind. Varāhamihira fasst die Regel für den ganzen Tierkreis in einen Vers:

Bṛhajjātaka 1.10 (GRETIL, nach der Ausgabe Oriental Books Reprint Corporation, 2. Aufl. 1979)

गोजाश्विकर्किमिथुनाः समृगा निशाख्याः पृष्ठोदया विमिथुनाः कथितास् त एव । शीर्षोदया दिनबलाश् च भवन्ति शेषा लग्नं समेत्य् उभयतः पृथुरोमयुग्मम् ॥

gojāśvikarkimithunāḥ samṛgā niśākhyāḥ pṛṣṭhodayā vimithunāḥ kathitās ta eva । śīrṣodayā dinabalāś ca bhavanti śeṣā lagnaṃ samety ubhayataḥ pṛthuromayugmam ॥

Vṛṣa, Meṣa, Dhanus, Karka und Mithuna samt Makara heissen Nachtzeichen; dieselben ohne Mithuna gehen mit dem Rücken voran auf. Die übrigen gehen mit dem Haupt voran auf und sind am Tag stark; das Fischpaar erreicht den Horizont von beiden Seiten.

Gojāśvikarkimithunāḥ: Vṛṣa, Meṣa, Dhanus, Karka und Mithuna; wörtl. go (Rind) + aja (Bock) + aśvin (der Pferdeleibige) + karkin (Krebs) + mithuna (Paar) (m. 1/3). Samṛgā: samt Makara; wörtl. sa (mit) + mṛga (Gazelle: Makara) (m. 1/3). Niśākhyāḥ: Nachtzeichen genannt; wörtl. niśā (Nacht) + ākhya (genannt) (m. 1/3). Pṛṣṭhodayā: mit dem Rücken voran aufgehend; wörtl. pṛṣṭha (Rücken) + udaya (Aufgang) (m. 1/3). Vimithunāḥ: ohne Mithuna; wörtl. vi (ohne) + mithuna (m. 1/3). Kathitās: genannt (Part. Perf. Pass. von √kath) (m. 1/3). Ta: diese (m. 1/3). Eva: eben, dieselben (avy.). Śīrṣodayā: mit dem Haupt voran aufgehend; wörtl. śīrṣa (Haupt) + udaya (Aufgang) (m. 1/3). Dinabalāś: am Tag stark; wörtl. dina (Tag) + bala (Kraft) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Bhavanti: sind (laṭ III/3). Śeṣā: die übrigen (m. 1/3). Lagnaṃ: den Horizont, den Aufgangspunkt (n. 2/1). Samety: erreicht (laṭ III/1). Ubhayataḥ: von beiden Seiten (avy.). Pṛthuromayugmam: das Fischpaar (Mīna); wörtl. pṛthuroman (der Breitschuppige: Fisch) + yugma (Paar) (n. 1/1).

GRETIL sa_varAhamihira-bRhajjAtaka; Übersetzung Yogi Narasimha

Am Himmel

Die hellen Sterne (bis 4,5 mag) im siderischen Abschnitt Dhanus, mit den Nakṣatra-Grenzen, den drei Dreṣkāṇas (gestrichelt) und den Sternbildern entlang der Ekliptik. Länge und Breite im selben Massstab; grau hinterlegt das Band, in dem Mond und Planeten laufen (±8°). Die hellen Sterne (bis 4,5 mag) im siderischen Abschnitt Dhanus, mit den Nakṣatra-Grenzen, den drei Dreṣkāṇas (gestrichelt) und den Sternbildern entlang der Ekliptik. Länge und Breite im selben Massstab; grau hinterlegt das Band, in dem Mond und Planeten laufen (±8°).

Die hellen Sterne (bis 4,5 mag) im siderischen Abschnitt Dhanus, mit den Nakṣatra-Grenzen, den drei Dreṣkāṇas (gestrichelt) und den Sternbildern entlang der Ekliptik. Länge und Breite im selben Massstab; grau hinterlegt das Band, in dem Mond und Planeten laufen (±8°).

Gerechnet aus SIMBAD-Örtern, Epoche 2025,0, Ayanāṃśa Lahiri; Sternbildgrenzen nach Delporte (IAU 1930). Skript quellen/rashi/rechnung/sternkarten_tikz.py.

Das Zeichen ist nicht das Sternbild. Der siderische Abschnitt 0°–30° reicht heute von 264,2° bis 294,2° tropischer Länge. Die Ekliptik läuft darin zuerst 2,4° durch das Sternbild Schlangenträger, dann 27,6° durch den Schützen. Dhanus ist neben Vṛścika das hellste Zeichen: 13 Sterne bis 4,5 mag liegen im Band, sechs davon heller als 3,0 mag, nämlich Alnasl (γ² Sgr, bei 7°24′), Kaus Media (δ Sgr, 10°43′), Kaus Borealis (λ Sgr, 12°28′), Nunki (σ Sgr, 18°32′), Ascella (ζ Sgr, 19°47′) und Albaldah (π Sgr, 22°24′). Der hellste ist Nunki mit 2,1 mag.

Gerechnet für das siderische Dhanus von heute steigt das Zeichen in Mitteleuropa (47° N) in 118 Minuten über den Horizont, in Ujjain in gut 125 Minuten — in beiden Fällen ein mittleres Zeichen. Damit trifft die Einteilung der Sārāvalī (3.37, Dhanus sama) hier auch für das siderische Zeichen zu; die ganze Einteilung stimmt allerdings nur für den tropischen Tierkreis vollständig, bei den heutigen siderischen Zeichen trifft sie in Mitteleuropa für acht von zwölf zu.

Die Sonne tritt um den 16. Dezember in Dhanus ein und bleibt etwa 29,4 Tage, so kurz wie in keinem anderen Zeichen. Der Grund ist die Bahn der Erde, die Anfang Januar der Sonne am nächsten ist; mit der Aufgangsdauer hat diese Verweildauer nichts zu tun.

Die Verse

Die Verse dieser Seite stehen oben im Zusammenhang: der Ārambha-Vers zur Pāda-Verteilung, BPHS 4.17 bis 4.19, Bṛhajjātaka 1.5, 27.25 und 1.10, jeder mit Wort-für-Wort-Glossar aus der Datenbank.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Leitfassung ist das BPHS in der Fassung des Kurses (Kapitel 4, zu Dhanus die Verse 4.17b bis 4.19a). Die Grade der Würden stehen in BPHS 3.49–54, einem Abschnitt, der in der Kursfassung fehlt und aus einer Netzfassung derselben Linie ergänzt ist. Daneben sind gelesen: Bṛhajjātaka 1 und 27 (GRETIL), Sārāvalī 3 (Ausgabe 1907), Phaladīpikā 1, das Jātaka-Pārijāta 1 (Ausgabe Sastri 1932) und das Yavanajātaka in Pingrees Übersetzung. Sterne und Aufgangszeiten sind mit den eigenen Rechenskripten aus SIMBAD-Örtern für 2025,0 und dem Lahiri-Ayanāṃśa gerechnet.