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Rāśi (rāśi, m.) heisst „Haufen, Menge" — eine Anhäufung von Graden, dreissig an der Zahl, ein Zwölftel des Kreises. In der Jyotiṣa sind die zwölf Rāśis die Zeichen des Tierkreises: gleich grosse Abschnitte der Ekliptik, benannt nach Bildern, die zum grössten Teil aus der griechischen Astrologie stammen. Varāhamihira zählt die gleichwertigen Wörter auf: rāśi, kṣetra („Feld"), gṛha und bhavana („Haus"), ṛkṣa und bha („Gestirn", Bṛhajjātaka 1.4).

Das BPHS legt die Zeichen auf den Leib des Zeitmenschen (kālapuruṣa), vom Haupt bis zu den Füssen, beginnend mit Meṣa:

BPHS 4.4

शीर्षानने तथा बाहू हृत्क्रोडकटिबस्तयः । गुह्योरुयुगले जानुयुग्मे वै जङ्घके तथा चरनौ द्वौ तथा मेषात् ज्ञेयाः शीर्षादयः क्रमात् ॥ 4.4॥

śīrṣānane tathā bāhū hṛtkroḍakaṭibastayaḥ । guhyoruyugale jānuyugme vai jaṅghake tathā caranau dvau tathā meṣāt jñeyāḥ śīrṣādayaḥ kramāt ॥ 4.4॥

Der Haupt, das Gesicht und so auch die Arme, das Herz, der Magen, die Hüfte, die Harnwege, die Schamteile, das Schenkelpaar, das Kniepaar, wahrlich so auch die Waden. und die beiden Füsse, auf diese Weise ist der Haupt als Beginn der Reihenfolge der Körperteile zu verstehen.

Śīrṣānane: Haupt und Gesicht; wörtl. śīrṣa (Haupt) + ānana (Gesicht) (n. 1/2). Tathā: ebenso (avy.). Bāhū: die beiden Arme (m. 1/2). Hṛtkroḍakaṭibastayaḥ: Herz, Bauch, Hüfte und Blase; wörtl. hṛd (Herz) + kroḍa (Bauch) + kaṭi (Hüfte) + basti (Blase, Unterleib) (m. 1/3). Guhyoruyugale: die Scham und das Schenkelpaar; wörtl. guhya (Scham) + ūru (Schenkel) + yugala (Paar) (n. 1/2). Jānuyugme: das Kniepaar; wörtl. jānu (Knie) + yugma (Paar) (n. 1/2). Vai: fürwahr (avy.). Jaṅghake: die beiden Unterschenkel (n. 1/2). Tathā: ebenso (avy.). Caranau: die beiden Füsse (m. 1/2). Dvau: zwei (m. 1/2). Tathā: so (avy.). Meṣāt: von Meṣa an (m. 5/1). Jñeyāḥ: zu kennen (Gerundiv von √jñā) (m. 1/3). Śīrṣādayaḥ: die Glieder ab dem Haupt; wörtl. śīrṣa (Haupt) + ādi (beginnend mit) (m. 1/3). Kramāt: der Reihe nach (m. 5/1).

Kursfassung; Übersetzung nach der shloka-Datenbank, Glossar 2026-10-21

Nur an einer Stelle weichen die Lehrbücher dabei voneinander ab: das dritte Zeichen, Mithuna, sind bei Parāśara und in der Sārāvalī die Arme, bei Varāhamihira und im Jātaka-Pārijāta die Brust.

Siderisch und tropisch

Die Rāśis der Jyotiṣa sind siderisch: ihr Nullpunkt ist an den Sternen festgemacht, am Anfang des Nakṣatra Aśvinī. Der Tierkreis der westlichen Astrologie ist tropisch: er beginnt am Frühlingspunkt, der sich wegen der Präzession langsam gegen die Sterne verschiebt. Der Unterschied, das ayanāṃśa, beträgt heute etwa 24,2° (nach Lahiri). Varāhamihira hat diese Bewegung bemerkt: zu seiner Zeit begannen die Halbjahre nicht mehr dort, wo die älteren Śāstras sie angaben (Bṛhat Saṃhitā 3.1–2).

Die Zeichen sind auch nicht die Sternbilder gleichen Namens. Ein Zeichen ist genau 30° lang, die Sternbilder sind ungleich gross; in Vṛścika etwa liegt die Ekliptik nur auf gut 6° im Skorpion, aber auf über 16° im Schlangenträger. Die Portraits nennen für jedes Zeichen die Sterne, die tatsächlich in seinem Abschnitt stehen.

Griechische Namen

Varāhamihira (Bṛhajjātaka 1.8) und die Sārāvalī (3.7) überliefern neben den Sanskritnamen eine Reihe griechischer: kriya (Kriós), tāvuri (Taûros), jituma (Dídymoi), kulīra, leya (Léōn), pāthona (Parthénos), jūka (Zygón), kaurpya (Skorpíos), taukṣika (Toxótēs), ākokera (Aigókerōs), hṛdroga (Hydrochóos) und ittha oder antya für Mīna. Bei kulīra, „Krebs", ist die griechische Herkunft (aus karkínos) nicht belegt; das Wort ist auch im ausserastrologischen Sanskrit alt.

Die Einteilungen

Jedes Zeichen gehört zugleich zu mehreren Klassen, die sich im Rhythmus der Reihe wiederholen (BPHS 4.5):

BPHS 4.5

चरस्थिरद्विस्वभावाः क्रूराक्रूरौ नरस्त्रियौ ॥ 4.5॥

charasthiradvisvabhāvāḥ krūrākrūrau narastriyau ॥ 4.5॥

Beweglich, fest und beide Zustände, furchtbar und nicht furchtbar, Mann und Frau.

Charasthiradvisvabhāvāḥ: beweglich, fest und doppelnaturig; wörtl. cara (beweglich) + sthira (fest) + dvisvabhāva (von zweifacher Natur) (m. 1/3). Krūrākrūrau: grausam und nicht grausam; wörtl. krūra (grausam, übeltätig) + akrūra (sanft) (m. 1/2). Narastriyau: männlich und weiblich; wörtl. nara (Mann) + strī (Frau) (m. 1/2).

Kursfassung; Übersetzung nach der shloka-Datenbank, Glossar 2026-10-21

Männlich und weiblich wechseln mit jedem Zeichen, ebenso krūra und saumya; beweglich, fest und doppelnaturig wechseln im Dreierschritt; die vier Tattvas — Feuer, Erde, Luft, Wasser — und die vier Himmelsrichtungen — Osten, Süden, Westen, Norden — im Viererschritt. Dazu kommen die Aufgangsart und die Tageszeit der Stärke, die keinem einfachen Rhythmus folgen.

RāśiGliedHerrscherGeschlechtArtTattvaAufgangstarkRichtung
MeṣaHauptMaṅgalamcaraFeuerRückennachtsOsten
VṛṣabhaGesichtŚukrawsthiraErdeRückennachtsSüden
MithunaArmeBudhamdvisvabhāvaLuftHauptnachtsWesten
KarkaHerzCandrawcaraWasserRückennachtsNorden
SiṃhaBauchSūryamsthiraFeuerHauptam TagOsten
KanyāHüfteBudhawdvisvabhāvaErdeHauptam TagSüden
TulāUnterleibŚukramcaraLuftHauptam TagWesten
VṛścikaSchamMaṅgalawsthiraWasserHauptam TagNorden
DhanusSchenkelGurumdvisvabhāvaFeuerRückennachtsOsten
MakaraKnieŚaniwcaraErdeRückennachtsSüden
KumbhaUnterschenkelŚanimsthiraLuftHauptam TagWesten
MīnaFüsseGuruwdvisvabhāvaWasserbeidesam TagNorden

Glieder nach BPHS 4.4, Herrscher nach BPHS 4.7–24 und Bṛhajjātaka 1.6, Geschlecht und Art nach BPHS 4.5, Aufgang und Tageskraft nach Bṛhajjātaka 1.10 (mit der Kursfassung des BPHS, der Sārāvalī und dem Jātaka-Pārijāta im Einklang), Richtungen nach Bṛhajjātaka 1.11. Das Tattva nennt das BPHS nicht für jedes Zeichen ausdrücklich; die Tabelle folgt dem Viererrhythmus, den der Kurs lehrt.

Zwei Angaben, die in älterer und neuerer Literatur oft falsch stehen, sind hier nach den Texten berichtigt: Dhanus geht mit dem Rücken voran auf, nicht mit dem Haupt, und Mīna ist am Tag stark, nicht nachts. Beide Fehler stehen in einer verbreiteten englischen Übersetzung des BPHS; die Sanskrittexte — BPHS, Bṛhajjātaka, Sārāvalī, Jātaka-Pārijāta und Yavanajātaka — sagen übereinstimmend das Gegenteil.

Was in den Portraits steht

Jedes Portrait hat dieselbe Folge: der Himmelsabschnitt mit seinen neun Nakṣatra-Pādas; das Bild; ein Steckbrief, in dem jede Zeile ihre Quelle trägt; die Stellen, an denen die Quellen auseinandergehen; die drei Dreṣkāṇa-Gestalten nach Varāhamihira; das Zeichen am Himmel, mit seinen Sternen und seiner Aufgangsdauer. Die Leitfassung ist die des Kurses (BPHS in der Unterrichtsfassung); bei abweichenden Darstellungen folgen diese Seiten der Tradition Sanjay Raths und benennen die anderen.