Uttarāṣāḍhā
Studien-PDF herunterladenउत्तराषाढा 21. Nakṣatra · 26°40′ Dhanus bis 10°00′ Makara (siderisch) · Herrscher Sūrya
Uttarāṣāḍhā ist „die hintere Unbezwungene", das zweite der beiden Aṣāḍhā-Nakṣatras. Über den Abschnitt herrschen die Viśve devāḥ, die Allgötter — kein einzelner Gott, sondern die Götterschaft als Gesamtheit. An dieser Stelle der Reihe schiebt sich in den Quellen ein Asterismus ein, der keinen eigenen Abschnitt hat und dennoch überall mitgezählt wird: Abhijit. Beides zusammen macht Uttarāṣāḍhā zu dem Nakṣatra, an dem sich die 27er- und die 28er-Zählung scheiden.
Himmelsabschnitt und Pādas
Uttarāṣāḍhā reicht von 26°40′ Dhanus bis 10°00′ Makara und liegt damit über einer Zeichengrenze — es ist eines der neun Nakṣatras, die das tun. Der erste Pāda liegt in Dhanus (Schütze), die drei übrigen in Makara (Steinbock). Die Navāṃśa-Zeichen sind Dhanus, Makara, Kumbha und Mīna.
| Pāda | von | bis | Navāṃśa | Puruṣārtha | Silbe |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 26°40′ Dhanus | 30°00′ Dhanus | Dhanus | Dharma | भे bhe |
| 2 | 0°00′ Makara | 3°20′ Makara | Makara | Artha | भो bho |
| 3 | 3°20′ Makara | 6°40′ Makara | Kumbha | Kāma | जा jā |
| 4 | 6°40′ Makara | 10°00′ Makara | Mīna | Mokṣa | जी jī |
Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Der erste Pāda fällt noch in das zweikörperliche Dhanus, dessen Navāṃśa-Reihe bei Meṣa beginnt — der neunte und letzte Navāṃśa dieses Zeichens ist Dhanus selbst. Ab dem zweiten Pāda gilt Makara, ein bewegliches Zeichen, dessen Navāṃśa-Reihe bei ihm selbst beginnt.
Dass Uttarāṣāḍhā über die Grenze reicht, sagen die beiden Verse, die die Pādas auf die Zeichen verteilen:
मूलं च पूर्वाषाढोत्तराषाढापादम् एकं धनुः । उत्तरायास् त्रयः पादाः श्रवणं धनिष्ठार्धं मकरः ।
mūlaṃ ca pūrvāṣāḍhottarāṣāḍhāpādam ekaṃ dhanuḥ । uttarāyās trayaḥ pādāḥ śravaṇaṃ dhaniṣṭhārdhaṃ makaraḥ ।
[Die vier Pādas von] Mūla und [die vier von] Pūrvāṣāḍhā sowie ein Pāda von Uttarāṣāḍhā [bilden] Dhanus. Drei Pādas von Uttarā[ṣāḍhā], [die vier von] Śravaṇa und die [erste] Hälfte von Dhaniṣṭhā [bilden] Makara.
Mūlaṃ: Mūla, 19. Nakṣatra (n. 1/1). Ca: und (avy.). Pūrvāṣāḍhottarāṣāḍhāpādam: [die vier Pādas von] Pūrvāṣāḍhā und ein Pāda von Uttarāṣāḍhā; wörtl. pūrvāṣāḍhā (20. Nakṣatra) + uttarāṣāḍhā (21. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (m. 1/1). Ekaṃ: ein, eines (m. 1/1). Dhanuḥ: Dhanus, der Schütze (9. Rāśi) (n. 1/1). Uttarāyās: der Uttarā[ṣāḍhā] (f. 6/1). Trayaḥ: drei (m. 1/3). Pādāḥ: Pādas, Viertel (m. 1/3). Śravaṇaṃ: Śravaṇa, 22. Nakṣatra (n. 1/1). Dhaniṣṭhārdhaṃ: die Hälfte von Dhaniṣṭhā; wörtl. dhaniṣṭhā (23. Nakṣatra) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Makaraḥ: Makara, der Steinbock (10. Rāśi) (m. 1/1).
Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Zwei Halbverse aus zwei benachbarten Strophen, hier zusammengestellt, weil Uttarāṣāḍhā in beiden vorkommt.
Die Grenzlage hat eine praktische Folge, die unten beim Steckbrief wiederkehrt: der Varṇa des Heiratsvergleichs wird nach dem Rāśi vergeben, und Uttarāṣāḍhā hat deshalb je nach Pāda zwei verschiedene Varṇas.
Die Devatā
Über Uttarāṣāḍhā herrschen die Viśve devāḥ, wörtlich „alle Götter" — in der vedischen Ritualsprache eine eigene Göttergruppe, nicht bloss eine Sammelbezeichnung. Die Zuordnung ist unstrittig: Taittirīya-Saṃhitā, Taittirīya-Brāhmaṇa an beiden Stellen und Varāhamihira stimmen überein.
Der Opferspruch des Nakṣatra-Sūkta bittet sie um Ackerbau, Regen und Vieh und vergleicht dann die Aṣāḍhās mit „strahlenden Mädchen, Jungfrauen, schöngeschmückt, werktätig, wohltätig, kraftvoll, die alle Götter mit der Opfergabe mehren". Der Wortlaut steht unten bei den Versen. Das ist eine der wenigen Stellen der ganzen Nakṣatra-Reihe, an denen ein Asterismus nicht mit einem Gerät, einem Tier oder einem Körperteil, sondern mit Menschen verglichen wird.
Bhaṭṭabhāskara fasst die Gottheit knapp: saṃgho gṛhyate — „gemeint ist ihre Gesamtheit", und „sind sie verehrt, so sind sie für jeden Ursache des Sieges".
Die Śakti — und das Wort abhijit im Brāhmaṇa
Das Taittirīya-Brāhmaṇa stellt Uttarāṣāḍhā ein Begriffspaar bei, das aufhorchen lässt: abhijáyat parástād abhíjitam avástāt — „das Siegende oberhalb, das Ersiegte unterhalb". Das zweite Wort, abhijita, ist dasselbe, das den 22. Asterismus der 28er-Reihe benennt, Abhijit, „der Siegreiche" — und dieser Asterismus steht in denselben Quellen unmittelbar an dieser Stelle der Reihe. Ein Vers, der die beiden verbindet, existiert nicht; die Beobachtung steht hier als Beobachtung.
Bhaṭṭabhāskara Miśra legt darüber, wie bei allen 27, seine dreigliedrige Formel:
विश्वेषां देवानाम् उत्तरा अषाढाः संघो गृह्यते । ते चाराधिता जयहेतवः सर्वस्य । तेषां जयं ददतां च त्रयं भवति — परस्ताद् अभिजयत् आभिमुख्येन जयद् आत्मीयं बलम् । मध्ये कालात्मिका अप्रधृष्या शक्तिः । अवस्ताद् अभिजितं फलम् । एतत्त्रयसंपत्तौ अप्रधृष्यो जेता भवति ॥
viśveṣāṃ devānām uttarā aṣāḍhāḥ saṃgho gṛhyate । te cārādhitā jayahetavaḥ sarvasya । teṣāṃ jayaṃ dadatāṃ ca trayaṃ bhavati — parastād abhijayat ābhimukhyena jayad ātmīyaṃ balam । madhye kālātmikā apradhṛṣyā śaktiḥ । avastād abhijitaṃ phalam । etattrayasaṃpattau apradhṛṣyo jetā bhavati ॥
„Der Allgötter sind die hinteren Aṣāḍhās." Gemeint ist ihre Gesamtheit. Sind sie verehrt, so sind sie für jeden Ursache des Sieges. Von ihnen, die den Sieg geben, gibt es dreierlei: oberhalb das Siegende, die eigene Kraft, die frontal siegt; in der Mitte die zeitgestaltige, unüberwindliche Kraft; unterhalb das Ersiegte, die Frucht. Wenn diese drei zusammentreffen, wird man ein unüberwindlicher Sieger.
Viśveṣāṃ: aller (m. 6/3). Devānām: Götter (m. 6/3). Uttarā: die hinteren (f. 1/3). Aṣāḍhāḥ: die Aṣāḍhās — das Lemma aus dem Brāhmaṇa (f. 1/3). Saṃgho: die Gesamtheit, die Schar (m. 1/1). Gṛhyate: wird verstanden, ist gemeint (laṭ karmaṇi III/1). Te: sie (1/3). Ca: und (avy.). Ārādhitā: verehrt, gnädig gestimmt (m. 1/3). Jayahetavaḥ: Ursache des Sieges; wörtl. jaya (Sieg) + hetu (Ursache) (m. 1/3). Sarvasya: für jeden (m. 6/1). Teṣāṃ: von ihnen (6/3). Jayaṃ: den Sieg (m. 2/1). Dadatāṃ: der Gebenden (Partizip Präsens) (m. 6/3). Ca: und (avy.). Trayaṃ: eine Dreiheit, dreierlei (n. 1/1). Bhavati: es gibt, es entsteht (laṭ III/1). Parastād: oberhalb, darüber (avy.). Abhijayat: das Siegende (n. 1/1). Ābhimukhyena: frontal, von vorn (n. 3/1). Jayad: siegend (Partizip Präsens) (n. 1/1). Ātmīyaṃ: eigene (n. 1/1). Balam: Kraft (n. 1/1). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmikā: zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātmikā (wesenhaft) (f. 1/1). Apradhṛṣyā: unüberwindlich, unangreifbar (f. 1/1). Śaktiḥ: Kraft, Vermögen (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Abhijitaṃ: das Ersiegte (n. 1/1). Phalam: Frucht, Ertrag (n. 1/1). Etattrayasaṃpattau: beim Zusammentreffen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + saṃpatti (Zusammentreffen) (f. 7/1). Apradhṛṣyo: unüberwindlich (m. 1/1). Jetā: Sieger (m. 1/1). Bhavati: wird man, wird er (laṭ III/1).
Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 251, Kommentarabschnitt 19; am Seitenbild gelesen.
Die Formel lautet apradhṛṣyā śakti, „die unüberwindliche Kraft" — oberhalb die eigene, frontal siegende Kraft, unterhalb das Ersiegte als Frucht, und aus dem Zusammentreffen der drei wird man ein unüberwindlicher Sieger.
Wie überall gilt auch hier: die geläufige Zuschreibung der Formel an Sāyaṇa ist falsch — sie steht bei Bhaṭṭabhāskara, dessen Bhāṣyadīpikā älter ist —, und das Wort kālātmikā, „zeitgestaltig", fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe.
Der Steckbrief
| Himmelsabschnitt | 26°40′ Dhanus bis 10°00′ Makara, siderisch — über der Zeichengrenze Rechnung; Verse zur Pāda-Verteilung |
|---|---|
| Fixsterne | zwei; Yogatārā ist die nördliche, nach Whitney σ Sagittarii (Nunki), nach Colebrooke τ Sagittarii; der südliche Partner ist φ (Burgess) oder ζ (moderne Tabelle) Sūrya-Siddhānta 8.16; Whitney gegen Colebrooke, siehe unten |
| Sternzahl | acht Bṛhat Saṃhitā 97.1 (vasu = 8) — zwei nach dem Sūrya-Siddhānta, vier nach Cākalya Burgess 1860, siehe unten |
| Herrscher | Sūrya (Sonne) Viṃśottarī-Reihe |
| Devatā | die Viśve devāḥ, die Allgötter Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.2; Bṛhat Saṃhitā 97.5 |
| Śakti | apradhṛṣyā śakti, „die unüberwindliche Kraft" — oberhalb das Siegende (die eigene Kraft), unterhalb das Ersiegte (die Frucht); Ergebnis: man wird ein unüberwindlicher Sieger Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 |
| Symbol | Feldbett; auch der rechte Stosszahn Gaṇeśas Lehrüberlieferung |
| Namensbedeutung | uttarā aṣāḍhā „die hintere Unbezwungene"; Kommentaretymologie yan nāsahanta tad aṣāḍhāḥ Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1; Bhaṭṭabhāskara zu Pūrvāṣāḍhā |
| Wesensart | dhruva (fest), in der Muhūrta-Literatur auch sthira (stehend) Bṛhat Saṃhitā 97.6; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.2 |
| Gaṇa | manuṣya (menschlich) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 27.142 ff. |
| Yoni (Tier) | Mungo (nakula), geteilt mit Abhijit; Feindtier ist die Schlange (Rohiṇī, Mṛgaśiras) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25; das eigene Kursmaterial nennt stattdessen das Kamel, siehe unten |
| Yoni-Geschlecht | in den klassischen Quellen nicht vergeben siehe unten |
| Nāḍī | antya (die letzte) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34 |
| Varṇa | im Heiratsvergleich je nach Pāda: Pāda 1 kṣatriya (Dhanus), Pādas 2–4 vaiśya (Makara) — rājan, Kṣatriya, in der Gesellschaftszuordnung Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22; Bṛhat Saṃhitā 15.28, siehe unten |
| Guṇa | Sattva/Rajas/Sattva im dreistufigen Nakṣatra-Guṇa-Schema — Rajas im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme des eigenen Kursmaterials, siehe unten |
| Loka | Svarga eigenes Kursmaterial |
| Tattva | Vāyu (Luft) eigenes Kursmaterial |
| Mukha | ūrdhvamukha (aufwärts blickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9 |
| Silben | भे bhe · भो bho · जा jā · जी jī Lehrüberlieferung |
| Körperteil | Hüfte im Nakṣatrapuruṣa-Schema, das ab Kṛttikā zählt eigenes Kursmaterial; anderes Ergebnis bei anderem Zählbeginn |
| Puruṣārtha | je Pāda Dharma, Artha, Kāma, Mokṣa Lehrüberlieferung |
| Tätigkeiten | Weihe, Besänftigungsritus, Baumpflanzung, Stadtgründung, Pflichtwerke, Aussaat, alle dauerhaften Anfänge; Hausbau und Gartenanlage Bṛhat Saṃhitā 97.6; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.2 |
| Menschengruppen | Grosswürdenträger, Ringer, Elefanten- und Pferdeleute, Gottesverehrer, standhafte Kämpfer, Genussreiche, Glanzvolle Bṛhat Saṃhitā 15.19 |
Wo die Quellen auseinandergehen
Die Yogatārā. Der Sūrya-Siddhānta sagt in 8.16 nur, es sei „die nördliche" der beiden. Welcher Stern damit gemeint ist, wurde schon vor zweihundert Jahren bestritten: Colebrooke (1807) hielt τ Sagittarii für die Yogatārā, Whitney entschied sich in seinem Kommentar zu Burgess’ Sūrya-Siddhānta-Übersetzung (1860) für σ Sagittarii (Nunki) — dieser Stern „kann kein anderer sein … ungeachtet des Fehlers in der hinduistischen Bestimmung seiner Breite, der Colebrooke dazu gebracht hat, τ für den gemeinten Stern zu halten". Auch der südliche Partner ist strittig: φ Sagittarii nach Burgess, ζ Sagittarii nach der modernen Standardtabelle. Beide Positionen stehen bei benannten Autoritäten; hier wird keine zur alleinigen erklärt.
Die Sternzahl. Drei Angaben stehen nebeneinander, und diesmal lassen sie sich nicht zusammenbringen: der Sūrya-Siddhānta rechnet mit zwei Sternen, die Cākalya-Saṃhitā und das Khaṇḍa-Kaṭaka mit vier (dem Viereck φ, σ, τ, ζ), und Varāhamihira gibt in Bṛhat Saṃhitā 97.1 das Zahlwort vasu, also acht. Die Acht hat in den eingesehenen Quellen keine Entsprechung; sie bleibt hier unerklärt stehen.
Die Yoni. Der Muhūrta-Cintāmaṇi gibt in 6.25 für Uttarāṣāḍhā und Abhijit den Mungo (nakula) — und das ist die einzige Stelle im ganzen Kūṭa-System, die Abhijit überhaupt erfasst. Das eigene Kursmaterial nennt an derselben Stelle das Kamel. Für das Kamel liess sich in den klassischen Texten kein Beleg finden; im Steckbrief steht deshalb der Mungo, und die abweichende Angabe wird hier genannt, statt sie zu unterschlagen.
Varṇa — hier zweimal. Bṛhat Saṃhitā 15.28 ordnet die drei Uttarā samt Puṣya den rājan, den Königen, also den Kṣatriyas zu. Der Varṇa des Heiratsvergleichs wird dagegen nach dem Rāśi vergeben:
द्विजा झषालिकर्कटास् ततो नृपा विशो ऽङ्घ्रिजाः ।
dvijā jhaṣālikarkaṭās tato nṛpā viśo 'ṅghrijāḥ ।
Brahmanen [sind] Mīna, Vṛścika und Karka; darauf die Fürsten [Kṣatriyas], die Vaiśyas, die Śūdras.
Dvijā: Brahmanen; wörtl. „zweimal Geborene" (m. 1/3). Jhaṣālikarkaṭās: Mīna, Vṛścika und Karka; wörtl. jhaṣa (Fisch = Mīna) + āli (Skorpion = Vṛścika) + karkaṭa (Krebs = Karka) (m. 1/3). Tato: darauf, danach (avy.). Nṛpā: Fürsten, Kṣatriyas; wörtl. nṛ (Mensch) + pa (schützend) (m. 1/3). Viśo: Vaiśyas, die Leute des dritten Standes (f. 1/3). 'ṅghrijāḥ: Śūdras; wörtl. aṅghri (Fuss) + ja (geboren) (m. 1/3).
Der Kommentar Pīyūṣadhārā löst auf: meṣasiṃhadhanūrāśayo nṛpāḥ kṣatriyāḥ, vṛṣakanyāmakarā viśo vaiśyāḥ — „Meṣa, Siṃha und Dhanus sind die Kṣatriyas; Vṛṣa, Kanyā und Makara die Vaiśyas."
Uttarāṣāḍhā liegt mit dem ersten Pāda in Dhanus, mit den drei übrigen in Makara. Im Melāpaka ist der Varṇa deshalb nicht einheitlich: Pāda 1 ergibt kṣatriya, die Pādas 2 bis 4 ergeben vaiśya. Das ist keine Ungenauigkeit der Überlieferung, sondern folgt zwingend aus dem Vers — und es betrifft alle neun Nakṣatras, die über eine Zeichengrenze reichen.
Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben für Uttarāṣāḍhā „Mungo, männlich". Das Tier ist belegt, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras und rechnet nur mit Artenfreundschaft und Artenfeindschaft; eine Suche nach puṃyoni, strīyoni und verwandten Ausdrücken in den Volltexten des Muhūrta-Cintāmaṇi und der Nārada-Saṃhitā ergab null Treffer.
Guṇa. Zwei Systeme liegen übereinander, beide im selben eigenen Kursmaterial: das dreistufige Loka-Schema ergibt Sattva/Rajas/Sattva, das Navatārā-Schema ergibt Rajas (über den Tārā-Herrscher Sūrya).
Abhijit
An dieser Stelle der Reihe steht in einem Teil der Quellen ein Asterismus, der in einem anderen Teil fehlt. Abhijit, „der Siegreiche", hat keinen eigenen Abschnitt: der Sūrya-Siddhānta setzt ihn in 8.4 ans Ende der bhoga von Pūrvāṣāḍhā, also an die Grenze zu Uttarāṣāḍhā. In der Namensreihe steht er zwischen Uttarāṣāḍhā und Śravaṇa — so im Nakṣatra-Sūkta des Taittirīya-Brāhmaṇa und so im Merkvers der Lehrüberlieferung.
Wo Abhijit mitgezählt wird und wo nicht, lässt sich genau angeben:
| Stelle | Abhijit |
|---|---|
| Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10 | fehlt (27) |
| Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 | fehlt (27) |
| Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2 | vorhanden (28), Gottheit Brahman |
| Bṛhat Saṃhitā 97.1–2 (Sternzahlen) | fehlt (27) |
| Bṛhat Saṃhitā 97.4–5 (Gottheiten) | vorhanden (28), Gottheit Brahmā |
| Bṛhat Saṃhitā 15.29 (Gesellschaftsklassen) | vorhanden, bei den Kaufleuten |
| Bṛhat Saṃhitā 97.6–11 (Wesensart) | fehlt (27) |
| Muhūrta-Cintāmaṇi 2.6 (Wesensart) | vorhanden, kṣipra/laghu |
| Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25 (Yoni) | vorhanden, Mungo, mit Uttarāṣāḍhā |
| Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29 (Gaṇa) und 6.34 (Nāḍī) | fehlt — beide Verse teilen genau 27 in je neun |
| Bhaṭṭabhāskara, Śakti-Formeln | fehlt — es gibt für Abhijit keine |
Dasselbe Kapitel rechnet also an einer Stelle mit 27 und an der anderen mit 28 — Bṛhat Saṃhitā 97 tut es zwei Verse hintereinander. Wer eine 28er-Tabelle braucht, hat für Gaṇa, Nāḍī und Śakti bei Abhijit nichts; jede dort eingetragene Angabe ist unbelegt.
Der Opferspruch des Nakṣatra-Sūkta für Abhijit steht unten bei den Versen. Sein Stern ist α Lyrae, Vega: der Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.19 für die Asterismen ohne eigene Lageangabe den hellsten, und Vega ist mit 0,03 Grössenklassen der hellste Stern des nördlichen Himmels nach Arcturus. Die beiden anderen Sterne der Gruppe sind ε und ζ Lyrae.
Auch hier hat die moderne Standardtabelle einen Katalogfehler: sie schreibt „α und σ Lyrae". Ein Bayer-Stern σ Lyrae ist in SIMBAD nicht geführt; gemeint ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ζ Lyrae.
Und noch ein Befund, der bemerkenswert gut ausfällt: Vega steht nach Lahiri auf 21°28′ Dhanus, also im Abschnitt Pūrvāṣāḍhā — was genau zu der Angabe des Sūrya-Siddhānta passt, der Abhijit ans Ende von Pūrvāṣāḍhās bhoga setzt. Die Sollposition liegt im selben Rahmen bei 20°15′ Dhanus, also 1°13′ neben dem wirklichen Ort. Für einen Stern von 61°44′ ekliptikaler Breite — Vega steht weit ausserhalb des Tierkreises — ist das eine erstaunlich gute Übereinstimmung.
Wesensart und Tätigkeiten
Uttarāṣāḍhā gehört mit den beiden anderen Uttarā und mit Rohiṇī zur Klasse der festen. Das ist die Klasse, unter der man anfängt, was dauern soll:
त्रीण्य् उत्तराणि तेभ्यो रोहिण्यश् च ध्रुवाणि तैः कुर्यात् । अभिषेकशान्तितरुनगरधर्मबीजध्रुवारम्भान् ॥
trīṇy uttarāṇi tebhyo rohiṇyaś ca dhruvāṇi taiḥ kuryāt । abhiṣekaśāntitarunagaradharmabījadhruvārambhān ॥
Die drei Uttarā und ausser ihnen Rohiṇī sind die festen [dhruva]; mit ihnen vollziehe man Weihe, Besänftigungsritus, Baumpflanzung, Stadtgründung, Pflichtwerke, Aussaat und alle dauerhaften Anfänge.
Trīṇy: drei (n. 1/3). Uttarāṇi: die Uttarā (Uttaraphalgunī, Uttarāṣāḍhā, Uttarabhādrapadā); wörtl. „die späteren, die oberen" (n. 1/3). Tebhyo: ausser ihnen, von ihnen abgesehen (5/3). Rohiṇyaś: Rohiṇī, das 4. Nakṣatra (hier im Plural gesetzt) (f. 1/3). Ca: und (avy.). Dhruvāṇi: fest, feststehend - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/3). Taiḥ: mit ihnen (3/3). Kuryāt: man vollziehe, man tue (vidhiliṅ I/1). Abhiṣekaśāntitarunagaradharmabījadhruvārambhān: Weihe, Besänftigungsritus, Baumpflanzung, Stadtgründung, Pflichtwerk, Aussaat und dauerhafte Anfänge; wörtl. abhiṣeka (Weihe) + śānti (Besänftigung) + taru (Baum) + nagara (Stadt) + dharma (Pflichtwerk) + bīja (Saatgut) + dhruvārambha (dauerhafter Anfang) (m. 2/3).
Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865, S. 476; Kapitelzählung dort 98, in den neueren Ausgaben (Tripāṭhī) 97. Varāhamihira sagt dhruva; der zweite Klassenname sthira steht erst in der Muhūrta-Literatur.
Der Muhūrta-Cintāmaṇi verdichtet dieselbe Liste und fügt den Sonntag hinzu:
उत्तरात्रयरोहिण्यो भास्करश् च ध्रुवं स्थिरम् । तत्र स्थिरं बीजगेहशान्त्यारामादि सिद्धये ॥
uttarātrayarohiṇyo bhāskaraś ca dhruvaṃ sthiram । tatra sthiraṃ bījagehaśāntyārāmādi siddhaye ॥
Die drei Uttarā und Rohiṇī, und der Sonnentag, sind dhruva, „fest", und sthira, „stehend". Darin gelingt Feststehendes: Saatgut, Haus, Śānti-Ritus, Gartenanlage und dergleichen.
Uttarātrayarohiṇyo: die drei Uttarā und Rohiṇī; wörtl. uttarā + traya (Dreiheit) + rohiṇī (f. 1/3). Bhāskaraś: Bhāskara (Sūrya), der Sonntag; wörtl. bhās (Licht) + kara (machend) (m. 1/1). Ca: und (avy.). Dhruvaṃ: fest - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Sthiram: stehend, beständig - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Tatra: darin, dort (avy.). Sthiraṃ: Feststehendes, Bleibendes (n. 1/1). Bījagehaśāntyārāmādi: Saatgut, Haus, Śānti-Ritus, Gartenanlage und dergleichen; wörtl. bīja (Saatgut) + geha (Haus) + śānti (Besänftigungsritus) + ārāma (Hain, Garten) + ādi (und so fort) (n. 1/1). Siddhaye: zum Gelingen, zum Erfolg (f. 4/1).
Kollationiert aus drei Ausgaben; eine liest tat-sthiraṃ statt tatra sthiraṃ, inhaltlich folgenlos. Der Kommentar Pīyūṣadhārā löst auf: bīja sei Gerste und dergleichen, geha das Haus, śānti der Vināyaka-Śānti-Ritus, ārāma der Hain am Stadtrand. Die dhruva-Klasse erbt ausserdem die Tätigkeiten der mṛdu-Klasse.
Die Berufsgruppen der Bṛhat Saṃhitā passen diesmal gut dazu — Menschen von Rang und Stand, und alles, was mit Kraft und Beständigkeit zu tun hat:
विश्वेश्वरे महामात्रमल्लकरितुरगदेवतासक्ताः । स्थावरयोधा भोगान्विताश् च ये तेजसा युक्ताः ॥
viśveśvare mahāmātramallakarituragadevatāsaktāḥ । sthāvarayodhā bhogānvitāś ca ye tejasā yuktāḥ ॥
Beim Viśvedeva-Gestirn [Uttarāṣāḍhā]: die Grosswürdenträgern, Ringern, Elefanten, Pferden und Gottheiten Zugetanen; standhafte Kämpfer, Genussreiche — und die mit Glanz Begabten.
Viśveśvare: beim Gestirn der Allgötter, d. h. unter Uttarāṣāḍhā; wörtl. viśva (all) + īśvara (Herr) (n. 7/1). Mahāmātramallakarituragadevatāsaktāḥ: die Grosswürdenträgern, Ringern, Elefanten, Pferden und Gottheiten Zugetanen; wörtl. mahāmātra (Grosswürdenträger) + malla (Ringer) + kari (Elefant) + turaga (Pferd) + devatā (Gottheit) + sakta (zugetan) (m. 1/3). Sthāvarayodhā: standhafte Kämpfer; wörtl. sthāvara (feststehend) + yodha (Kämpfer) (m. 1/3). Bhogānvitāś: Genussreiche; wörtl. bhoga (Genuss) + anvita (versehen mit) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Ye: welche, die (1/3). Tejasā: mit Glanz (n. 3/1). Yuktāḥ: begabt, versehen (m. 1/3).
Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865. Kern liest bhaktāḥ („ergeben") statt saktāḥ („zugetan") und caujasā („und mit Kraft") statt tejasā („mit Glanz") — sinnverwandt, keine Sachdifferenz. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an, Uttarāṣāḍhā steht dort als neunzehntes.
Dass sthāvara, „feststehend", in diesem Vers auftaucht, ist wohl kein Zufall: dasselbe Wortfeld trägt den Klassennamen sthira der Wahllehre. Varāhamihira hält Wesensart und Berufsgruppen hier, anders als bei Mūla und Pūrvāṣāḍhā, im selben Ton.
Wie es einem Kind unter Uttarāṣāḍhā ergeht
इष्टानन्दकलत्रो वीरो दृढसौहृदश् च जलदेवे । वैश्वे विनीतधार्मिकबहुमित्रकृतज्ञसुभगश् च ॥
iṣṭānandakalatro vīro dṛḍhasauhṛdaś ca jaladeve । vaiśve vinītadhārmikabahumitrakṛtajñasubhagaś ca ॥
Unter dem Wassergott-Gestirn [Pūrvāṣāḍhā]: mit geliebter, freudebringender Gattin, heldenhaft, von fester Freundschaft. Unter dem Viśvedeva-Gestirn [Uttarāṣāḍhā]: bescheiden, pflichttreu, freundreich, dankbar und anmutig.
Iṣṭānandakalatro: mit geliebter, freudebringender Gattin; wörtl. iṣṭa (erwünscht, geliebt) + ānanda (Freude) + kalatra (Gattin) (m. 1/1). Vīro: heldenhaft, tapfer (m. 1/1). Dṛḍhasauhṛdaś: von fester Freundschaft; wörtl. dṛḍha (fest) + sauhṛda (Freundschaft) (m. 1/1). Ca: und (avy.). Jaladeve: beim Wassergott-Gestirn, d. h. unter Pūrvāṣāḍhā; wörtl. jala (Wasser) + deva (Gottheit) (n. 7/1). Vaiśve: beim Viśvedeva-Gestirn, d. h. unter Uttarāṣāḍhā (n. 7/1). Vinītadhārmikabahumitrakṛtajñasubhagaś: bescheiden, pflichttreu, freundreich, dankbar und anmutig; wörtl. vinīta (bescheiden) + dhārmika (pflichttreu) + bahu (viel) + mitra (Freund) + kṛtajña (dankbar) + subhaga (anmutig) (m. 1/1). Ca: und (avy.).
Der Vers deckt beide Aṣāḍhās ab, Pūrvāṣāḍhā in der ersten, Uttarāṣāḍhā in der zweiten Hälfte. Ausgabe Tripāṭhī; Kern zählt das Kapitel als 101.
Der Jātaka-Pārijāta sagt rund tausend Jahre später etwas sehr Ähnliches — bei Uttarāṣāḍhā, anders als bei Mūla, gehen die beiden Fassungen nicht auseinander:
मान्यः शान्तगुणः सुखी च धनवान् विश्वर्क्षजः पण्डितः । श्रोणायां द्विजदेवभक्तिनिरतो राजा धनी धर्मवान् ॥ आशालुर् वसुमान् वसूडुजनितः पीनोरुकण्ठः सुखी । कालज्ञः शततारकोद्भवनरः शान्तो ऽल्पभुक् साहसी ॥
mānyaḥ śāntaguṇaḥ sukhī ca dhanavān viśvarkṣajaḥ paṇḍitaḥ । śroṇāyāṃ dvijadevabhaktinirato rājā dhanī dharmavān ॥ āśālur vasumān vasūḍujanitaḥ pīnorukaṇṭhaḥ sukhī । kālajñaḥ śatatārakodbhavanaraḥ śānto 'lpabhuk sāhasī ॥
Im Gestirn der Allgötter [Uttarāṣāḍhā] geboren: achtbar, von ruhigem Wesen, glücklich, vermögend und gelehrt. Unter Śravaṇa: Brahmanen und Göttern in Verehrung ergeben, von herrschender Art, vermögend, fromm. Im Vasu-Gestirn [Dhaniṣṭhā] geboren: voller Erwartung, begütert, mit fleischigen Schenkeln und Hals, glücklich. Der aus den Hundert Sternen [Śatabhiṣaj] hervorgegangene Mensch: die Zeit kennend, ruhig, wenig essend, wagemutig.
Mānyaḥ: achtbar, zu ehren (m. 1/1). Śāntaguṇaḥ: von ruhigem Wesen; wörtl. śānta (beruhigt) + guṇa (Eigenschaft) (m. 1/1). Sukhī: glücklich (m. 1/1). Ca: und (avy.). Dhanavān: vermögend (m. 1/1). Viśvarkṣajaḥ: im Gestirn der Allgötter geboren, d. h. unter Uttarāṣāḍhā; wörtl. viśva (Allgötter) + ṛkṣa (Gestirn) + ja (geboren) (m. 1/1). Paṇḍitaḥ: gelehrt (m. 1/1). Śroṇāyāṃ: unter Śroṇā, d. h. Śravaṇa (f. 7/1). Dvijadevabhaktinirato: Brahmanen und Göttern in Verehrung ergeben; wörtl. dvija (Brahmane) + deva (Gott) + bhakti (Verehrung) + nirata (ergeben) (m. 1/1). Rājā: von herrschender Art, König (m. 1/1). Dhanī: vermögend (m. 1/1). Dharmavān: fromm, pflichttreu (m. 1/1). Āśālur: voller Erwartung, leichtgläubig (m. 1/1). Vasumān: begütert (m. 1/1). Vasūḍujanitaḥ: im Vasu-Gestirn geboren, d. h. unter Dhaniṣṭhā; wörtl. vasu (die Vasus) + uḍu (Gestirn) + janita (geboren) (m. 1/1). Pīnorukaṇṭhaḥ: mit fleischigen Schenkeln und Hals; wörtl. pīna (feist) + ūru (Schenkel) + kaṇṭha (Hals) (m. 1/1). Sukhī: glücklich (m. 1/1). Kālajñaḥ: die Zeit kennend, d. h. Astrologe; wörtl. kāla (Zeit) + jña (kennend) (m. 1/1). Śatatārakodbhavanaraḥ: der aus den Hundert Sternen hervorgegangene Mensch, d. h. unter Śatabhiṣaj geboren; wörtl. śata (hundert) + tāraka (Stern) + udbhava (Hervorgang) + nara (Mensch) (m. 1/1). Śānto: ruhig, besänftigt (m. 1/1). 'lpabhuk: wenig essend; wörtl. alpa (wenig) + bhuj (essend) (m. 1/1). Sāhasī: wagemutig, verwegen (m. 1/1).
Ausgabe V. Subrahmanya Sastri, 1932, Bd. I, S. 629; die Kashi-Ausgabe zählt durchgehend um eins höher. Ein Vers deckt vier Nakṣatras ab, je eines im Pāda. Die Umschreibung des Nakṣatras erfolgt durchweg über die Gottheit.
Beide Fassungen zeichnen ein ruhiges, geachtetes, pflichttreues Bild — und beide bleiben, anders als bei manchen Nachbarn, ohne einen einzigen dunklen Zug.
Die Sterne des Asterismus
Die Sterne des Schützen-Vierecks — sie liegen heute sämtlich vor dem Abschnitt der Uttarāṣāḍhā, im vorhergehenden Pūrvāṣāḍhā. Massstab in Länge und Breite gleich. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta, in denselben siderischen Rahmen gestellt; der Pfeil markiert die Länge der Vega, die 61 Grad nördlich ausserhalb des Bildes liegt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite für 2025,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit.
Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026), eigene Präzessionsrechnung; Sollposition aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860.
Der Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.16 für die beiden Aṣāḍhās die nördliche als yogatārā. Welcher Stern das ist, war der Anlass eines alten Streits:
| Autorität | Gruppe | Yogatārā |
|---|---|---|
| Colebrooke (1807) | — | τ Sagittarii |
| Whitney in Burgess (1860) | φ (südlich) + σ (nördlich) | σ Sagittarii |
| Cākalya, Khaṇḍa-Kaṭaka, al-Bīrūnī | φ, σ, τ, ζ Sgr (Viereck) | σ |
| moderne Standardtabelle | ζ und σ Sagittarii | (σ) |
Whitney schreibt, σ „kann kein anderer sein … ungeachtet des Fehlers in der hinduistischen Bestimmung seiner Breite, der Colebrooke dazu gebracht hat, τ für den gemeinten Stern zu halten". Der südliche Partner bleibt strittig: φ nach Burgess, ζ nach der modernen Tabelle. Beide Positionen stehen bei benannten Autoritäten.
Die Sternzahl selbst lässt sich nicht glätten. Der Sūrya-Siddhānta rechnet mit zwei Sternen, die Cākalya-Saṃhitā und das Khaṇḍa-Kaṭaka mit vier — und Varāhamihira gibt in Bṛhat Saṃhitā 97.1 acht. Wofür die Acht steht, ergibt sich aus keiner der eingesehenen Quellen. Sie bleibt hier stehen, statt an die anderen Zahlen angeglichen zu werden.
Die Sterne im Katalog
| φ Sgr | σ Sgr | ζ Sgr | τ Sgr | |
|---|---|---|---|---|
| Eigenname | — | Nunki | Ascella | — |
| Rolle | Partner nach Burgess | Yogatārā (Whitney) | Partner nach moderner Tabelle | Yogatārā (Colebrooke) |
| HR | 7039 | 7121 | 7194 | 7234 |
| HD | 173300 | 175191 | 176687 | 177716 |
| HIP | 92041 | 92855 | 93506 | 93864 |
| Helligkeit V | 3,14 | 2,07 | 2,59 | 3,31 |
| Spektraltyp | B8III | B2.5V | A2.5Va | K1.5IIIb |
| Rektaszension | 18ʰ 45ᵐ 39,39ˢ | 18ʰ 55ᵐ 15,93ˢ | 19ʰ 02ᵐ 36,73ˢ | 19ʰ 06ᵐ 56,40ˢ |
| Deklination | −26° 59′ 26,8″ | −26° 17′ 48,2″ | −29° 52′ 48,2″ | −27° 40′ 13,5″ |
| Ekl. Länge J2000 | 280° 11′ | 282° 23′ | 283° 38′ | 284° 50′ |
| Ekl. Breite J2000 | −3° 57′ | −3° 27′ | −7° 11′ | −5° 06′ |
Rektaszension und Deklination gelten für Äquinoktium und Epoche J2000,0. Whitneys Entscheidung ist aus der Tabelle heraus gut nachvollziehbar: σ Sagittarii ist mit −3°27′ der nördlichste der vier und zugleich der hellste — beide Kriterien, die der Sūrya-Siddhānta kennt, zeigen auf denselben Stern.
Wo die Sterne heute stehen
| Ayanāṃśa (2025,0) | Wert | φ Sgr | σ Sgr | ζ Sgr | τ Sgr |
|---|---|---|---|---|---|
| Lahiri / Citrāpakṣa | 24° 12′ 23″ | 16° 19′ | 18° 32′ | 19° 47′ | 20° 59′ |
| True Citrā | 24° 11′ 21″ | 16° 21′ | 18° 33′ | 19° 48′ | 21° 00′ |
| Krishnamurti | 24° 06′ 34″ | 16° 25′ | 18° 38′ | 19° 53′ | 21° 04′ |
| Raman | 22° 45′ 36″ | 17° 46′ | 19° 58′ | 21° 14′ | 22° 25′ |
| Fagan / Bradley | 25° 05′ 23″ | 15° 26′ | 17° 39′ | 18° 54′ | 20° 06′ |
Alle Werte sind siderische Längen in Dhanus; Uttarāṣāḍhā beginnt erst bei 26° 40′.
Damit steht hier der stärkste Fall der ganzen Reihe: keiner der vier Sterne liegt bei irgendeinem der fünf Ayanāṃśas in Uttarāṣāḍhā. Alle vier stehen im vorhergehenden Abschnitt Pūrvāṣāḍhā, und σ Sagittarii steht nach Lahiri auf 18° 32′ Dhanus — 8° 08′ vor der eigenen Abschnittsgrenze. Das ist die grösste Abweichung, die bei irgendeiner Yogatārā auftritt.
Auch hier liegt die Ursache nicht bei der Identifikation. Die Sollposition des Sūrya-Siddhānta fällt im Lahiri-Rahmen auf 16° 35′ Dhanus, also noch weiter davor. Was sich verschoben hat, ist der Rahmen: der Nullpunkt des Sūrya-Siddhānta liegt rund vier Grad hinter dem Lahiri-Nullpunkt. Der Rest — weitere vier Grad — steckt schon in der Sollposition selbst, die auch im eigenen Rahmen nicht am Abschnittsanfang lag.
Uttarāṣāḍhā ist damit eines von drei Nakṣatras, bei denen die ganze Sterngruppe abgewandert ist; die beiden anderen sind Pūrvāṣāḍhā und Śravaṇa. Nebenbei erklärt das eine Beobachtung, die beim Nachbarn auffällt: die Sterne des Śravaṇa — Altair und seine beiden Begleiter — liegen heute ihrerseits in Uttarāṣāḍhā.
Sichtbarkeit
Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminiert die Yogatārā σ Sagittarii 16,7 Grad über dem Horizont; die Gruppe insgesamt erreicht 13,2 bis 16,7 Grad. Das ist etwas mehr als bei Pūrvāṣāḍhā und deutlich mehr als bei Mūla, aber immer noch horizontnah: ein freier Südhorizont ist Bedingung.
Um Mitternacht kulminiert die Gruppe um den 4. Juli, in Sonnennähe steht sie um den 3. Januar. Nunki ist mit 2,1 Grössenklassen gut zu finden; er bildet zusammen mit den übrigen Sternen des Schützen die in Mitteleuropa knapp über dem Horizont stehende „Teekannen"-Figur, deren Henkel er ist.
Ganz anders steht es mit Vega: der Stern des Abhijit kulminiert von 47° Nord aus 81,8 Grad hoch, also fast im Zenit, und ist im Sommer der auffälligste Stern des Himmels. Zirkumpolar ist er allerdings auch nicht — dafür müsste seine Deklination über +43° liegen, und sie beträgt +38,8°. Keine der 28 Yogatārās ist von dieser Breite aus zirkumpolar.
Namen und Namensvarianten
| Form | Wo | Bedeutung |
|---|---|---|
| aṣāḍhā (ohne Zusatz) | Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10 | „die Unbezwungene"; nur an der Devatā von der ersten zu unterscheiden |
| uttarāḥ (ohne aṣāḍhā) | Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 | „die hinteren" |
| vaiśva | Bṛhat Saṃhitā 100.11; Sūrya-Siddhānta 8.4 | „das den Allgöttern gehörende" |
| viśveśvara | Bṛhat Saṃhitā 15.19 | „Herr der Allgötter" |
| viśve | Bṛhat Saṃhitā 97.5 | „die Allgötter" |
| viśvarkṣa | Jātaka-Pārijāta 9.89 | „Gestirn der Allgötter" |
Auch hier gilt: die klassische Literatur benennt das Nakṣatra fast immer über seine Gottheit. Die Taittirīya-Saṃhitā unterscheidet die beiden Aṣāḍhās gar nicht durch ein Beiwort; erst das Brāhmaṇa setzt pūrvā und uttarā hinzu — und dort steht dann uttarāḥ sogar ohne den Nakṣatra-Namen, einfach „die hinteren".
Die Verse
Die älteste Stelle steht in der Taittirīya-Saṃhitā, in der Reihe der Nakṣatra-Ziegel des Feueraltars:
अषाढा नक्षत्रं विश्वे देवा देवता
aṣāḍhā́ nákṣatraṃ víśve devā́ devátā
Aṣāḍhā [die hintere] ist das Nakṣatra, die Allgötter sind die Gottheit.
Aṣāḍhā: Aṣāḍhā, „die Unbezwungene" — der Name steht in dieser Liste zweimal und ist nur an der Gottheit zu unterscheiden (f. 1/1). Nakṣatraṃ: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Viśve: alle (m. 1/3). Devā: Götter (m. 1/3). Devatā: Gottheit (f. 1/1).
Akzentuierte Umschrift nach TITUS (Grundlage: Ausgabe A. Weber, Leipzig 1871/72), Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Die Liste beginnt bei Kṛttikā; dieser Eintrag ist der neunzehnte. Abhijit kommt in ihr nicht vor.
Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe und fügt das Begriffspaar bei — mit jenem abhijitam, das den Namen des folgenden Asterismus trägt:
विश्वेषां देवानाम् उत्तराः । अभिजयत् परस्ताद् अभिजितम् अवस्तात् ॥
víśveṣāṃ devā́nām úttarāḥ । abhijáyat parástād abhíjitam avástāt ॥
Aller Götter [sind] die hinteren [Aṣāḍhās]. Das Siegende [ist] oberhalb, das Ersiegte unterhalb.
Viśveṣāṃ: aller (m. 6/3). Devānām: Götter (m. 6/3). Uttarāḥ: die hinteren, die späteren [Aṣāḍhās] (f. 1/3). Abhijayat: das Siegende, das Erobernde (Partizip Präsens zu abhi-ji) (n. 1/1). Parastād: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Abhijitam: das Ersiegte, das Eroberte — dasselbe Wort, das den 28. Asterismus Abhijit benennt (n. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).
Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Übersetzung hier erstellt. Der Text nennt das Nakṣatra nur uttarāḥ, „die hinteren", ohne aṣāḍhā zu wiederholen.
Der Opferspruch des Nakṣatra-Sūkta ist die stärkste Primärstelle dieses Portraits:
तन् नो विश्वे उप शृण्वन्तु देवाः । तद् अषाढा अभिसंयन्तु यज्ञम् । तन् नक्षत्रं प्रथतां पशुभ्यः । कृषिर् वृष्टिर् यजमानाय कल्पताम् ॥ शुभ्राः कन्या युवतयः सुपेशसः । कर्मकृतः सुकृतो वीर्यावतीः । विश्वान् देवान् हविषा वर्धयन्तीः । अषाढाः कामम् उपायन्तु यज्ञम् ॥
tán no víśve úpa śr̥ṇvantu devā́ḥ । tád aṣāḍhā́ abhí sáṃyantu yajñám । tán nákṣatraṃ prathatāṃ paśúbhyaḥ । kr̥ṣír vr̥ṣṭír yájamānāya kalpatām ॥ śubhrā́ḥ kanyā̀ yuvatáyaḥ supéśasaḥ । karmakŕ̥taḥ sukŕ̥to vīryā̀vatīḥ । víśvān devā́n havíṣā vardháyantīḥ । aṣāḍhā́ḥ kā́mam úpayāntu yajñám ॥
Das sollen uns die Allgötter erhören; dazu sollen die Aṣāḍhās zum Opfer herankommen. Jenes Nakṣatra breite sich aus zugunsten des Viehs; Ackerbau und Regen mögen dem Opferherrn geraten. Strahlende Mädchen, Jungfrauen, schöngeschmückt, werktätig, wohltätig, kraftvoll, die alle Götter mit der Opfergabe mehren: die Aṣāḍhās sollen nach Wunsch zum Opfer kommen.
Tan: das, jenes (2/1). No: uns, für uns (4/3). Viśve: alle (m. 1/3). Upa: heran, herzu (avy.). Śṛṇvantu: sie sollen hören (loṭ III/3). Devāḥ: Götter (m. 1/3). Tad: dazu, dahin (avy.). Aṣāḍhā: die Aṣāḍhās (f. 1/3). Abhisaṃyantu: sie sollen herankommen (loṭ III/3). Yajñam: zum Opfer (m. 2/1). Tan: jenes (1/1). Nakṣatraṃ: Nakṣatra, Gestirn (n. 1/1). Prathatāṃ: es breite sich aus (loṭ III/1). Paśubhyaḥ: zugunsten des Viehs (m. 4/3). Kṛṣir: Ackerbau (f. 1/1). Vṛṣṭir: Regen (f. 1/1). Yajamānāya: dem Opferherrn (m. 4/1). Kalpatām: es möge geraten, gelingen (loṭ III/1). Śubhrāḥ: strahlende, glänzende (f. 1/3). Kanyā: Mädchen (f. 1/3). Yuvatayaḥ: junge Frauen, Jungfrauen (f. 1/3). Supeśasaḥ: schöngeschmückte; wörtl. su (schön) + peśas (Schmuck, Gestalt) (f. 1/3). Karmakṛtaḥ: werktätige; wörtl. karman (Werk) + kṛt (tuend) (f. 1/3). Sukṛto: wohltätige; wörtl. su (gut) + kṛt (tuend) (f. 1/3). Vīryāvatīḥ: kraftvolle; wörtl. vīrya (Kraft) + -vat (versehen mit) (f. 1/3). Viśvān: alle (m. 2/3). Devān: Götter (m. 2/3). Haviṣā: mit der Opfergabe (n. 3/1). Vardhayantīḥ: mehrend (Partizip Präsens, Kausativ, feminin) (f. 1/3). Aṣāḍhāḥ: die Aṣāḍhās (f. 1/3). Kāmam: nach Wunsch, willig (avy.). Upayāntu: sie sollen herankommen (loṭ III/3). Yajñam: zum Opfer (m. 2/1).
Akzentuierte Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Die Reihe von TB 3.1 zählt 28 Nakṣatras; der folgende Mantra gilt Abhijit.
Und unmittelbar darauf, im selben Anuvāka, folgt der Spruch für Abhijit — jenen Asterismus, den die beiden älteren Listen gar nicht kennen:
यस्मिन् ब्रह्माभ्यजयत् सर्वम् एतत् । अमुं च लोकम् इदम् ऊ च सर्वम् ॥ तन् नो नक्षत्रम् अभिजिद् विजित्य । श्रियं दधात्व् अहृणीयमानम् ॥ उभौ लोकौ ब्रह्मणा सञ्जितेमौ । तन् नो नक्षत्रम् अभिजिद् विचष्टाम् ॥ तस्मिन् वयं पृतनाः संजयेम । तं नो देवासो अनुजानन्तु कामम् ॥
yásmin bráhma abhyájayat sárvam etát । amúṃ ca lokám idám ū ca sárvam ॥ tán no nákṣatram abhijíd vijítya । śríyaṃ dadhātv áhr̥ṇīyamānam ॥ ubháu lokáu bráhmaṇā sáṃjitā imáu । tán no nákṣatram abhijíd vícaṣṭām ॥ tásmin vayáṃ pŕ̥tanāḥ sáṃjayema । táṃ no devā́so ánujānantu kā́mam ॥
In dem Brahman dies alles erobert hat, jene Welt und diese ganze: jenes Nakṣatra Abhijit möge uns, nachdem es gesiegt hat, Glanz verleihen, ohne zu zürnen. Beide Welten sind durch Brahman erobert; jenes Nakṣatra Abhijit möge uns ansehen. In ihm wollen wir die Schlachtreihen besiegen; das sollen uns die Götter als Wunsch zugestehen.
Yasmin: in welchem (7/1). Brahma: Brahman, die heilige Formelkraft (n. 1/1). Abhyajayat: es eroberte, es besiegte (laṅ III/1). Sarvam: alles (n. 2/1). Etat: dies (2/1). Amuṃ: jene (m. 2/1). Ca: und (avy.). Lokam: Welt (m. 2/1). Idam: diese (n. 2/1). Ū: fürwahr (Verstärkungspartikel) (avy.). Ca: und (avy.). Sarvam: ganze (n. 2/1). Tan: jenes (1/1). No: uns (4/3). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn (n. 1/1). Abhijid: Abhijit, „der Siegreiche" — der 22. Asterismus der 28er-Reihe (m. 1/1). Vijitya: nachdem es gesiegt hat (gerund). Śriyaṃ: Glanz, Glück, Hoheit (f. 2/1). Dadhātv: es verleihe, es setze (loṭ III/1). Ahṛṇīyamānam: ohne zu zürnen, nicht grollend (Partizip Präsens Medium mit a-) (n. 1/1). Ubhau: beide (m. 1/2). Lokau: Welten (m. 1/2). Brahmaṇā: durch Brahman (n. 3/1). Saṃjitemau: diese beiden sind erobert; wörtl. saṃjitau (erobert) + imau (diese beiden) (m. 1/2). Tan: jenes (1/1). No: uns (2/3). Nakṣatram: Nakṣatra (n. 1/1). Abhijid: Abhijit (m. 1/1). Vicaṣṭām: es möge ansehen, es blicke her (loṭ III/1). Tasmin: in ihm (7/1). Vayaṃ: wir (1/3). Pṛtanāḥ: Schlachtreihen, Heerhaufen (f. 2/3). Saṃjayema: wir wollen besiegen (vidhiliṅ I/3). Taṃ: das, jenes (2/1). No: uns (4/3). Devāso: die Götter (m. 1/3). Anujānantu: sie sollen zugestehen, gewähren (loṭ III/3). Kāmam: als Wunsch (m. 2/1).
Akzentuierte Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Abhijit steht hier im Text. Die Reihe von TB 3.1 zählt 28, die von TB 1.5.1 und die der Taittirīya-Saṃhitā zählen 27 und lassen Abhijit weg. Wer eine 27er-Tabelle aus TB 3.1 zieht, muss diesen Eintrag ausdrücklich herausnehmen — und das sagen.
Aus der neueren Lehrüberlieferung stammt der Merkvers der Nakṣatra-Namen; er zählt Abhijit mit und setzt ihn zwischen Uttarāṣāḍhā und Śravaṇa:
अनुराधा ततो ज्येष्ठा ततो मूलं निगद्यते । पूर्वाषाढोत्तराषाढस् त्व् अभिजिच् छ्रवणस् तथा ॥
anurādhā tato jyeṣṭhā tato mūlaṃ nigadyate । pūrvāṣāḍhottarāṣāḍhas tv abhijic chravaṇas tathā ॥
Anurādhā, darauf Jyeṣṭhā, darauf wird Mūla genannt; Pūrvāṣāḍhā und Uttarāṣāḍhā, dann Abhijit und ebenso Śravaṇa.
Anurādhā: Anurādhā, 17. Nakṣatra (f. 1/1). Tato: darauf (avy.). Jyeṣṭhā: Jyeṣṭhā, 18. Nakṣatra (f. 1/1). Tato: darauf (avy.). Mūlaṃ: Mūla, 19. Nakṣatra (n. 1/1). Nigadyate: wird genannt (Passiv von ni-√gad) (laṭ karmaṇi III/1). Pūrvāṣāḍhottarāṣāḍhas: Pūrvāṣāḍhā und Uttarāṣāḍhā, 20. und 21. Nakṣatra (Dvandva) (m. 1/1). Tv: aber, dann (avy.). Abhijic: Abhijit, das eingeschobene 28. Nakṣatra (m. 1/1). Chravaṇas: Śravaṇa, 22. Nakṣatra (m. 1/1). Tathā: ebenso (avy.).
Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Der Vers zählt in der 28er-Reihe; die Gradeinteilung, nach der die Portraits rechnen, kennt nur 27 Abschnitte.
Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.
Zur Quellenlage dieses Portraits
Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die Zuordnung des Herrschers Sūrya aus der Viṃśottarī-Reihe und die Lage über der Grenze Dhanus/Makara.
Am Originalvers belegt sind: die Devatā und die Namensformen (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1), der Opferspruch (Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2), die Śakti samt ihren drei Gliedern (Bhaṭṭabhāskara zum Brāhmaṇa), die Wesensart dhruva und die zugehörigen Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.6, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.2), die Sternzahl acht (Bṛhat Saṃhitā 97.1), die Berufsgruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.19), Gaṇa, Yoni-Tier, Nāḍī und Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.25, 6.34, 2.9) und die Geburtsdeutung in zwei Fassungen (Bṛhat Saṃhitā 100.11, Jātaka-Pārijāta 9.89). Für Abhijit ist der Opferspruch belegt (Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2), die Gottheit Brahmā (Bṛhat Saṃhitā 97.5), die Wesensart (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.6) und die Yoni (6.25).
Nicht belegt und deshalb markiert oder weggelassen: das Geschlecht der Yoni; die Himmelsrichtung; die Namenssilben; das Symbol (Feldbett, Stosszahn), für das sich kein klassischer Vers finden liess. Für Abhijit sind Gaṇa, Nāḍī und Śakti unbelegt — die entsprechenden Verse teilen genau 27 Nakṣatras ein, und Bhaṭṭabhāskara hat für Abhijit keine Formel.
Widersprüche, die stehen bleiben:
- Die Yogatārā. Whitney: σ Sagittarii. Colebrooke: τ Sagittarii. Der südliche Partner: φ (Burgess) oder ζ (moderne Tabelle).
- Die Sternzahl. Zwei (Sūrya-Siddhānta), vier (Cākalya, Khaṇḍa-Kaṭaka), acht (Bṛhat Saṃhitā 97.1). Die Acht bleibt unerklärt.
- Die Yoni. Klassisch der Mungo (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25); das eigene Kursmaterial nennt das Kamel, wofür sich kein Beleg fand.
- Varṇa. Bṛhat Saṃhitā 15.28: Kṣatriya. Melāpaka nach dem Rāśi: Pāda 1 Kṣatriya, Pādas 2–4 Vaiśya.
- Abhijit. Dieselbe Schrift zählt an einer Stelle 27 und an der anderen 28 — Bṛhat Saṃhitā 97 tut es zwei Verse hintereinander.
- Die Sterne stehen nicht in ihrem Abschnitt. Keiner der vier bei keinem der fünf Ayanāṃśas; σ Sagittarii fehlen 8°08′. Das ist die grösste Abweichung der ganzen Reihe — und sie ist Rahmenverschiebung, kein Identifikationsfehler.
Berichtigt wurden zwei Angaben der modernen Tabellenliteratur: der Sterneintrag „σ Lyrae" für Abhijit (ein solcher Bayer-Stern ist in SIMBAD nicht geführt; gemeint ist wohl ζ Lyrae) und die Zuschreibung der Śakti-Formel an Sāyaṇa statt an Bhaṭṭabhāskara.
Was noch offen ist: Sāyaṇas Wortlaut zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 wurde für dieses Nakṣatra nicht eingesehen. Der Sanskrit-Wortlaut der Cākalya-Saṃhitā und des Khaṇḍa-Kaṭaka wurde nicht beschafft; Colebrooke 1807 wurde nicht im Original eingesehen, sondern nur nach Burgess' Referat referiert. Ob irgendein klassischer Text eine Śakti-Formel für Abhijit kennt, ist ungeprüft; bis dahin gilt: es gibt keine. Und woher Varāhamihiras Sternzahl acht kommt, bleibt offen.