Śatabhiṣaj

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शतभिषज् 24. Nakṣatra · 6°40′ bis 20°00′ Kumbha (siderisch) · Herrscher Rāhu

Der Name heisst „hundert Ärzte" — śata, hundert, und bhiṣaj, Arzt. Er ist unter den 27 der einzige, der ein Handwerk nennt, und er hat eine Zwillingsform, die ebenso geläufig ist: śatatārakā, „hundert Sterne". Welche der beiden die ältere ist, lässt sich nicht entscheiden; die vedischen Listen kennen nur śatabhiṣaj.

Śatabhiṣaj ist astronomisch das ruhigste dieser Nachbarschaft — die Identifikation der Yogatārā ist unstrittig, und der Stern steht heute sicher in seinem eigenen Abschnitt, was für weniger als die Hälfte der Nakṣatras gilt. Überlieferungsgeschichtlich dagegen ist es eines der heikelsten: das Taittirīya-Brāhmaṇa nennt an zwei Stellen zwei verschiedene Gottheiten. Das steht am Anfang dieses Portraits, weil es alles Weitere färbt.

Himmelsabschnitt und Pādas

Śatabhiṣaj reicht von 306°40′ bis 320°00′ siderischer Länge und liegt damit vollständig im Rāśi Kumbha (Wassermann). Die vier Pādas zu je 3°20′ tragen die Navāṃśa-Zeichen Dhanus, Makara, Kumbha und Mīna — Kumbha ist ein festes Zeichen, seine Navāṃśa-Reihe beginnt deshalb beim neunten von ihm aus, also bei Tulā, und Śatabhiṣaj besetzt darin die Plätze drei bis sechs.

PādavonbisNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
16°40′ Kumbha10°00′DhanusDharmaगो go
210°00′13°20′MakaraArthaसा
313°20′16°40′KumbhaKāmaसी
416°40′20°00′MīnaMokṣaसू

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Der dritte Pāda ist ein vargottama: sein Navāṃśa ist dasselbe Zeichen, in dem er liegt. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich nicht nachweisen — auffällig ist immerhin, dass der erste Pāda mit go noch die Silbenreihe des Vorgängers Dhaniṣṭhā fortsetzt (gā, gī, gu, gego), bevor mit eine neue beginnt.

Dass Śatabhiṣaj mit allen vier Pādas in Kumbha liegt, sagt der Vers, der die Nakṣatras auf die Zeichen verteilt:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Kumbha)

धनिष्ठार्धं शतभिषा पूर्वाभाद्रपदापादत्रयं कुम्भः

dhaniṣṭhārdhaṃ śatabhiṣā pūrvābhādrapadāpādatrayaṃ kumbhaḥ

Die [zweite] Hälfte von Dhaniṣṭhā, [die vier Pādas von] Śatabhiṣā und drei Pādas von Pūrvābhādrapadā [bilden] Kumbha [den Wassermann].

Dhaniṣṭhārdhaṃ: die Hälfte von Dhaniṣṭhā; wörtl. dhaniṣṭhā (23. Nakṣatra) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Śatabhiṣā: Śatabhiṣā, 24. Nakṣatra (f. 1/1). Pūrvābhādrapadāpādatrayaṃ: drei Pādas von Pūrvābhādrapadā; wörtl. pūrvābhādrapadā (25. Nakṣatra) + pāda (Viertel) + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Kumbhaḥ: Kumbha, der Wassermann (11. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Der Vers verwendet die Namensform śatabhiṣā.

Die Devatā — Indra oder Varuṇa?

Dies ist die Stelle, an der sich das Taittirīya-Brāhmaṇa selbst widerspricht, und der Widerspruch wird hier nicht geglättet.

Die Nakṣatra-Ziegelliste nennt Indra. In der Taittirīya-Saṃhitā heisst es śatábhiṣaṅ nákṣatram índro devátā, im Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.5 índrasya śatábhiṣak. Beide Stellen sind unten im Wortlaut abgedruckt, beide gehören zum selben rituellen Zusammenhang, und beide sagen dasselbe: Indra.

Der Nakṣatreṣṭi-Mantra nennt Varuṇa. In Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2, Mantra 9, ist Varuṇa der Angerufene, und zwar ausdrücklich und ausführlich:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2, Mantra 9 (erste Hälfte)

क्षत्रस्य राजा वरुणो ऽधिराजः नक्षत्राणां शतभिषग् वसिष्ठः तौ देवेभ्यः कृणुतो दीर्घम् आयुः शतं सहस्रा भेषजानि धत्तः

kṣatrásya rā́jā váruṇo 'dhirājáḥ nákṣatrāṇām̐ śatábhiṣag vásiṣṭhaḥ táu devébhyaḥ kr̥ṇuto dīrghám ā́yuḥ śatám̐ sahásrā bheṣajā́ni dhattaḥ

König der Herrscherkraft ist Varuṇa, der Oberkönig; der beste der Nakṣatras ist Śatabhiṣaj. Die beiden schaffen den Göttern langes Leben, hundert- und tausendfach setzen sie Heilmittel ein.

Kṣatrasya: der Herrscherkraft, des Kriegerstandes (n. 6/1). Rājā: König (m. 1/1). Varuṇo: Varuṇa, der Hüter der Ordnung (m. 1/1). Adhirājaḥ: Oberkönig; wörtl. adhi- (über) + rāja (König) (m. 1/1). Nakṣatrāṇāṃ: unter den Nakṣatras (n. 6/3). Śatabhiṣag: Śatabhiṣaj (f. 1/1). Vasiṣṭhaḥ: der beste, der vorzüglichste (m. 1/1). Tau: die beiden (1/2). Devebhyaḥ: für die Götter (m. 4/3). Kṛṇuto: die beiden schaffen, bereiten (laṭ III/2). Dīrgham: lang (n. 2/1). Āyuḥ: Leben, Lebenszeit (n. 2/1). Śataṃ: hundert (n. 2/1). Sahasrā: tausendfach (n. 2/3). Bheṣajāni: Heilmittel, Arzneien (n. 2/3). Dhattaḥ: die beiden setzen ein, verleihen (laṭ III/2).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org (Kaṇḍikā 3.1.2.19, Abschnitt 24 der Ausgabenzählung). Die Devanāgarī-Ausgabe schreibt an einer Stelle kṛṇuti (Singular), wo die Umschrift und der Dual tau kṛṇuto verlangen; hier ist die Dualform gesetzt. Die zweite Hälfte des Mantras, hier nicht wiedergegeben, ruft Varuṇa zum Opfer und bittet Śatabhiṣaj um langes Leben und Heilmittel.

Der Mantra ist auch sonst bemerkenswert: er nennt Śatabhiṣaj vásiṣṭhaḥ, „den besten der Nakṣatras" — eine Auszeichnung, die kein anderes der 27 in diesem Kapitel erhält. Und er verbindet die Heilmittel ausdrücklich mit der Hundertzahl des Namens: śatám̐ sahásrā bheṣajā́ni, „hundert-, tausendfach Heilmittel".

Varāhamihira nennt Varuṇa. Bṛhat Saṃhitā 97.5 führt in der Gottheitenliste varuṇaḥ an der Stelle, die Śatabhiṣaj entspricht. Diese Liste stimmt sonst mit den vedischen Listen überein — mit genau zwei Ausnahmen: bei Citrā und bei Śatabhiṣaj, wo das Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 jeweils Indra nennt und Varāhamihira Tvaṣṭṛ beziehungsweise Varuṇa. Dieselben zwei Nakṣatras also, an denen sich das Brāhmaṇa auch intern widerspricht.

Bhaṭṭabhāskara vermittelt — aber das ist Kommentar, nicht Textbefund. Der älteste Kommentator löst die Spannung auf, indem er indra im Mūla-Text als īśvara, „Herr", liest und daraus, unter ausdrücklichem Hinweis auf die vāruṇatva des Nakṣatras, den regenspendenden Parjanya macht. Sein Wortlaut steht unten bei der Śakti. Die Operation ist elegant, aber sie ist eine Harmonisierung durch den Kommentator. Sie ist kein Zeugnis dafür, dass im Mūla von TB 1.5.1 „Varuṇa" gestanden hätte. Wer Bhaṭṭabhāskara als Beleg für Varuṇa anführt, zitiert eine Deutung als Befund.

Für dieses Portrait heisst das: die heutige Tabelle nennt Varuṇa, und dafür gibt es zwei alte Zeugen (TB 3.1.2 und Varāhamihira). Die Ziegelliste nennt Indra, und dafür gibt es ebenfalls zwei (TS 4.4.10 und TB 1.5.1). Beides steht. Was man nicht sagen darf, ist „die Devatā von Śatabhiṣaj ist Varuṇa, so überliefert" — ohne den Zusatz, dass dieselbe Textsammlung an anderer Stelle Indra sagt.

Ein Nachtrag zur modernen Literatur: die Śakti-Tabelle, die seit einem Aufsatz David Frawleys von 1998 durch die englischsprachige Nakṣatra-Literatur läuft, weicht bei genau zwei Nakṣatras in der Gottheit vom Brāhmaṇa ab — bei Citrā und bei Śatabhiṣaj. Der Befund ist also älter als die moderne Weitergabe; er steckt schon im Text.

Die Śakti

Jedem Nakṣatra wird eine Śakti zugeschrieben, in einer dreigliedrigen Form: ein Begriff für die Kraft selbst, dazu etwas „oberhalb" und etwas „unterhalb", und aus dem Zusammentreffen der drei ein Ergebnis. Die Wurzel liegt im Taittirīya-Brāhmaṇa, das für Śatabhiṣaj das Paar viśvavyacāḥ, „der Allumfassende", und viśvakṣitiḥ, „die Allwohnstätte", nennt. Das mittlere Glied und das Ergebnis stehen erst im Kommentar, und zwar nicht bei Sāyaṇa, sondern bei Bhaṭṭabhāskara Miśra:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

इन्द्रस्य शतभिषक् इन्द्रः ईश्वरः नक्षत्रस्य वारुणत्वात् वर्षणसमर्थः पर्जन्यात्मा गृह्यते स शतधा बहुधा भूत्वा भिषज्यति चिकित्सते निरुपद्रवं करोति लोकम् इति तस्य तथा भिषज्यतस् त्रयं भवति परस्ताद् विश्वव्यचाः […] व्यापकः मध्ये कालात्मा बहुप्रकारभैषज्यशक्तिः अवस्ताद् विश्वक्षितिः विश्वाः क्षितयः क्षेत्राणि धान्यानां भवनानि यस्मिन् एवम् एतत्त्रयसंपत्तौ निरुपद्रवो लोको भवति

indrasya śatabhiṣak indraḥ īśvaraḥ nakṣatrasya vāruṇatvāt varṣaṇasamarthaḥ parjanyātmā gṛhyate sa śatadhā bahudhā bhūtvā bhiṣajyati cikitsate nirupadravaṃ karoti lokam iti tasya tathā bhiṣajyatas trayaṃ bhavati parastād viśvavyacāḥ […] vyāpakaḥ madhye kālātmā bahuprakārabhaiṣajyaśaktiḥ avastād viśvakṣitiḥ viśvāḥ kṣitayaḥ kṣetrāṇi dhānyānāṃ bhavanāni yasmin evam etattrayasaṃpattau nirupadravo loko bhavati

„Indras ist Śatabhiṣaj." „Indra" meint den Herrn; weil das Nakṣatra dem Varuṇa gehört, ist der zum Regnen fähige, als Parjanya gedachte Gott gemeint. Der wird hundertfach, vielfach und heilt, kuriert, macht die Welt frei von Plage. Von ihm, der so heilt, gibt es ein Dreifaches: oberhalb viśvavyacas, der Allesdurchdringende; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft der vielartigen Heilmittel; unterhalb viśvakṣiti, in dem alle Wohnstätten, Felder und Kornhäuser sind. Wenn diese drei so zusammentreffen, wird die Welt frei von Plage.

Indrasya: des Indra (m. 6/1). Śatabhiṣak: Śatabhiṣaj (f. 1/1). Indraḥ: „Indra" — das erklärte Wort (m. 1/1). Īśvaraḥ: der Herr, der Mächtige (m. 1/1). Nakṣatrasya: des Nakṣatras (n. 6/1). Vāruṇatvāt: weil es dem Varuṇa gehört; wörtl. vāruṇa (zu Varuṇa gehörig) + tva (-heit) (n. 5/1). Varṣaṇasamarthaḥ: zum Regnen fähig; wörtl. varṣaṇa (Regnen) + samartha (fähig) (m. 1/1). Parjanyātmā: als Parjanya, als Regenwolke gedacht; wörtl. parjanya (Regengott) + ātman (Wesen) (m. 1/1). Gṛhyate: wird aufgefasst, ist gemeint (laṭ karmaṇi III/1). Sa: er (1/1). Śatadhā: hundertfach (avy.). Bahudhā: vielfach (avy.). Bhūtvā: geworden (Absolutiv) (gerund). Bhiṣajyati: er heilt (laṭ III/1). Cikitsate: er kuriert, behandelt (laṭ III/1). Nirupadravaṃ: frei von Plage, von Heimsuchung; wörtl. nis- (ohne) + upadrava (Heimsuchung) (m. 2/1). Karoti: er macht (laṭ III/1). Lokam: die Welt (m. 2/1). Iti: so — schliesst die Erklärung ab (avy.). Tasya: von ihm (6/1). Tathā: so, auf diese Weise (avy.). Bhiṣajyatas: von ihm, der so heilt (Part. Präs.) (m. 6/1). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: es gibt, entsteht (laṭ III/1). Parastād: oberhalb, darüber (avy.). Viśvavyacāḥ: der Allesdurchdringende; wörtl. viśva (all) + vyacas (Ausdehnung) (m. 1/1). Vyāpakaḥ: der Durchdringende, Allumfassende (m. 1/1). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmā: zeitgestaltig, dessen Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātman (Wesen) (m. 1/1). Bahuprakārabhaiṣajyaśaktiḥ: die Kraft der vielartigen Heilmittel; wörtl. bahu (viel) + prakāra (Art) + bhaiṣajya (Heilmittel) + śakti (Kraft) (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Viśvakṣitiḥ: die Allwohnstätte; wörtl. viśva (all) + kṣiti (Wohnsitz) (f. 1/1). Viśvāḥ: alle (f. 1/3). Kṣitayaḥ: Wohnstätten, Ländereien (f. 1/3). Kṣetrāṇi: Felder, Äcker (n. 1/3). Dhānyānāṃ: des Korns, der Feldfrüchte (n. 6/3). Bhavanāni: Häuser, Speicher (n. 1/3). Yasmin: in dem (7/1). Evam: so, auf diese Weise (avy.). Etattrayasaṃpattau: beim Zusammentreffen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + saṃpatti (Zusammentreffen) (f. 7/1). Nirupadravo: frei von Plage (m. 1/1). Loko: die Welt (m. 1/1). Bhavati: wird (laṭ III/1).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, Bd. I, S. 251 f. (Abschnitt 22 der Ausgabenzählung); am Seitenbild gelesen. Ein etymologischer Exkurs zu viśvavyacas ist mit […] ausgelassen.

Damit ist die Formel geklärt: bahuprakāra-bhaiṣajya-śakti, „die Kraft der vielartigen Heilmittel", und das Ergebnis lautet nirupadravo loko bhavati — „die Welt wird frei von Plage". Der Kommentar zieht den Namen selbst in die Deutung hinein: sa śatadhā bahudhā bhūtvā bhiṣajyati — „er wird hundertfach, vielfach und heilt". Aus śata-bhiṣaj, den hundert Ärzten, wird die Vielzahl der Heilmittel.

Drei Dinge sind zur Schichtung festzuhalten. Viśvavyacas und viśvakṣiti sind Mūla, also Brāhmaṇa-Text. Der Name der Śakti und das Ergebnis sind Kommentar. Und das Attribut kālātmā, „zeitgestaltig" — die Kraft ist die des Zeitlaufs an dieser Himmelsstelle —, fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe.

Bemerkenswert ist schliesslich, wie eng sich die Formel mit dem Nakṣatreṣṭi-Mantra berührt, ohne ihn zu zitieren: dort schaffen Varuṇa und Śatabhiṣaj „hundert-, tausendfach Heilmittel", hier heilt der Herr „hundertfach, vielfach". Das ist derselbe Gedanke in zwei Textschichten — und es ist auch das Bindeglied zum Nachbarn Aśvinī, dessen Devatā die beiden Ärzte der Götter sind und dessen Śakti ebenfalls eine Heilkraft ist. Die beiden Heilungs-Nakṣatras teilen sich, wie unten zu sehen, auch die Yoni.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt.

Himmelsabschnitt6°40′ bis 20°00′ Kumbha, siderisch Rechnung; Vers zur Pāda-Verteilung
Fixsterneλ Aquarii als Yogatārā — „der hellste" der Gruppe Sūrya-Siddhānta 8.19; Whitney in Burgess 1860; unstrittig
Sternzahlhundert nach dem Namen und nach Varāhamihira; das Khaṇḍa-Kaṭaka nennt nach al-Bīrūnī nur einen Bṛhat Saṃhitā 97.1 (śata = 100); siehe unten
HerrscherRāhu Viṃśottarī-Reihe; eigenes Kursmaterial
Devatāumstritten: Varuṇa in Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2 und bei Varāhamihira — Indra in Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10 und Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 zwei Stellen derselben Textsammlung, siehe oben
Śaktikālātmā bahuprakāra-bhaiṣajya-śakti, „die zeitgestaltige Kraft der vielartigen Heilmittel" — oberhalb der Allesdurchdringende, unterhalb die Allwohnstätte; Ergebnis: die Welt wird frei von Plage Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
SymbolKreis; in der Lehrüberlieferung hundert Lichter und das Sahasrāra-Cakra Sūrya-Siddhānta-Kommentar bei Burgess; eigenes Kursmaterial
Namensbedeutungśatabhiṣaj, „hundert Ärzte"; Nebenform śatatārakā / śatatārā, „hundert Sterne" Taittirīya-Saṃhitā; Jātaka-Pārijāta; Ārambha-Kursverse
Wesensartcara / calā (beweglich, schwankend) Bṛhat Saṃhitā 97.11; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3
Gaṇarākṣasa Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 27.144; Vivāha-vṛndāvana 3.9 (dort daitya)
Yoni (Tier)Pferd (haya, aśva), geteilt mit Aśvinī; Feindschaft zum Büffel (Hasta, Svātī) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25; Nārada-Saṃhitā 27.153 f.
Yoni-Geschlechtunbelegt kein klassischer Vers, siehe unten
Nāḍīādi (die erste) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34; Nārada-Saṃhitā, Trināḍī-Tabelle
Varṇaśūdra im Heiratsvergleich (über den Rāśi Kumbha) — ugrajāti in der Gesellschaftszuordnung zwei verschiedene Systeme, siehe unten
GuṇaSattva/Tamas/Sattva im dreistufigen Nakṣatra-Guṇa-Schema — Rajas im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme, eigenes Kursmaterial
LokaSvarga eigenes Kursmaterial
TattvaĀkāśa (Raum) eigenes Kursmaterial
Mukhaūrdhvamukha (aufwärts blickend) — günstig für Königsweihe, Turbanbindung, Hochbau Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Silbenगो go · सा · सी · सू Lehrüberlieferung
Körperteillinker Oberschenkel im Schema des Nakṣatrapuruṣa (zählt ab Kṛttikā) eigenes Kursmaterial; anderes Ergebnis bei anderem Zählbeginn
Tätigkeitenbewegliche Unternehmungen: Reiten, Fahren, Ausgehen; ausserdem die Schur Bṛhat Saṃhitā 97.11 und 97.12; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3
MenschengruppenSchlingensteller, Fischer, von Wassertieren Lebende, Schweineschlächter, Wäscher, Schnapsbrenner, Vogelsteller Bṛhat Saṃhitā 15.22
Geburtsdeutungdeutlich redend, süchtig, Feindebezwinger, verwegen, schwer zu fassen; „die Zeit kennend", also Astrologe Bṛhat Saṃhitā 100.13; Jātaka-Pārijāta 9.89

Wo die Quellen auseinandergehen

Die Devatā. Der Hauptfall ist oben eigens behandelt: Indra in der Ziegelliste, Varuṇa im Nakṣatreṣṭi-Mantra und bei Varāhamihira, Harmonisierung durch Bhaṭṭabhāskara. Was in diesem Portrait als „Devatā" in der Zeile steht, ist deshalb keine Entscheidung, sondern eine Doppelangabe.

Die Sternzahl — hundert oder einer? Der Name lässt hundert Sterne erwarten, und so geben es die Autoritäten: Bṛhat Saṃhitā 97.1 nennt das Zahlwort śata, hundert, und ist damit der einzige Eintrag der ganzen Liste, der über hundert kommt (nur Revatī mit 32 liegt in derselben Grössenordnung). Das Sūrya-Siddhānta greift in 8.19 zur Notlösung und bestimmt einfach „den hellsten" der Gruppe als Yogatārā. Al-Bīrūnī dagegen berichtet aus dem Khaṇḍa-Kaṭaka nur einen einzigen Stern — was Burgess für einen Irrtum des Reisenden hält, der die Sterne im Wassermann selbst nicht bestimmen konnte.

Die nüchterne Lage ist: die Zahl 100 ist nicht wörtlich zu nehmen, und die Kreisfigur, die die Überlieferung diesem Nakṣatra zuschreibt, lässt sich am Himmel nicht nachzeichnen. Es gibt dort keine hundert Sterne und keinen Kreis. Was es gibt, ist ein lichtschwaches Feld im Wassermann mit einem einzigen deutlich erkennbaren Stern, λ Aquarii, und auf den läuft alles hinaus. Die moderne Standardtabelle nennt ebenfalls nur diesen. Über die Identifikation besteht kein Dissens.

Varṇa. Im Heiratsvergleich, dem Melāpaka, wird der Varṇa nach dem Rāśi vergeben, nicht nach dem Nakṣatra; der Muhūrta-Cintāmaṇi sagt es ausdrücklich:

Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22

द्विजा झषालिकर्कटास् ततो नृपा विशो ऽङ्घ्रिजाः

dvijā jhaṣālikarkaṭās tato nṛpā viśo 'ṅghrijāḥ

Brahmanen [sind] Mīna, Vṛścika und Karka; darauf die Fürsten [Kṣatriyas], die Vaiśyas, die Śūdras.

Dvijā: Brahmanen; wörtl. „zweimal Geborene" (m. 1/3). Jhaṣālikarkaṭās: Mīna, Vṛścika und Karka; wörtl. jhaṣa (Fisch = Mīna) + āli (Skorpion = Vṛścika) + karkaṭa (Krebs = Karka) (m. 1/3). Tato: darauf, danach (avy.). Nṛpā: Fürsten, Kṣatriyas; wörtl. nṛ (Mensch) + pa (schützend) (m. 1/3). Viśo: Vaiśyas, die Leute des dritten Standes (f. 1/3). 'ṅghrijāḥ: Śūdras; wörtl. aṅghri (Fuss) + ja (geboren) (m. 1/3).

Der Kommentar Pīyūṣadhārā löst auf: mithunatulākumbhā aṅghrijāḥ śūdrāḥ — „Mithuna, Tulā und Kumbha sind die Śūdras." Die Hindi-Glosse derselben Ausgabe verschreibt sich an dieser Zeile und schreibt „Mithuna, Kumbha und Mīna"; der Sanskritkommentar daneben liest korrekt.

Śatabhiṣaj liegt ganz in Kumbha, gehört im Melāpaka also zu den Śūdras. Hier trifft sich die Melāpaka-Angabe ausnahmsweise ungefähr mit der modernen Tabelle, die für Śatabhiṣaj ebenfalls meist śūdra nennt — aber aus dem falschen Grund: die Tabellen füllen die Varṇa-Spalte gewöhnlich mit Bṛhat Saṃhitā 15.28–30, und dort steht Śatabhiṣaj nicht bei den Śūdras, sondern bei der ugrajāti, der „grausamen Kaste", in einer Reihe mit Mūla, Ārdrā und Svātī. Die Übereinstimmung ist also zufällig. Es sind und bleiben zwei Systeme: BS 15 kennt sieben Klassen und ordnet nach Nakṣatras, der Melāpaka-Varṇa kennt vier und ordnet nach Rāśis. Beide Verse stehen unten.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben für Śatabhiṣaj „Pferd, weiblich" und für Aśvinī „Pferd, männlich". Das Tier ist bei beiden belegt, das Geschlecht bei keinem. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras — jedes Tier also zweimal — und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten; der Kommentar zum Muhūrta-Cintāmaṇi zitiert dazu das Daivajñamanohara: aṣṭāviṃśatitārāṇāṃ yonayas tu caturdaśa, „von den achtundzwanzig Gestirnen aber sind die Yonis vierzehn". Die Aufteilung des Paares Aśvinī/Śatabhiṣaj in ein männliches und ein weibliches Pferd ist eine spätere Ausdifferenzierung, für die sich kein Vers finden liess.

Der Muhūrta-Cintāmaṇi setzt Aśvinī und Śatabhiṣaj in 6.25 sogar in dasselbe Versviertel und macht damit eine Aussage, die in den Tabellen verlorengeht: die Yoni des ersten und die des vierundzwanzigsten Nakṣatras sind dieselbe. Wer für das Yoni-Kūṭa rechnet, muss wissen, dass diese beiden Nakṣatras einander in dieser Hinsicht gleich sind.

Guṇa. Zwei Systeme liegen übereinander, beide im eigenen Kursmaterial. Das dreistufige Loka-Schema ergibt für Śatabhiṣaj die Folge Sattva–Tamas–Sattva; das Navatārā-Schema ergibt Rajas. Der Tārā-Herrscher Rāhu trägt sonst Tamas; die Aufwertung zu Rajas ist eine dokumentierte Regel des eigenen Materials („in Svarga Loka steigt der Guṇa"), kein Übertragungsfehler. Die beiden Systeme widersprechen einander nicht wirklich — sie beantworten verschiedene Fragen —, werden aber regelmässig vermengt.

Wesensart und Tätigkeiten

Śatabhiṣaj gehört zur Klasse der beweglichen, zusammen mit Śravaṇa und Dhaniṣṭhā. Varāhamihira fasst die drei als Gruppe zusammen und gibt ihnen einen eigenen Namen, śravaṇatraya, „die drei Śravaṇa":

Bṛhat Saṃhitā 97.11 (in Kerns Ausgabe 98.11)

हौतभुजं सविशाखं मृदुतीक्ष्णं तद्विमिश्रफलकारि श्रवणत्रयमादित्यानिले च चरकर्मणि हितानि

hautabhujaṃ saviśākhaṃ mṛdutīkṣṇaṃ tadvimiśraphalakāri śravaṇatrayam ādityānile ca carakarmaṇi hitāni

Das dem Feueresser gehörende [Kṛttikā] samt Viśākhā ist sanft-scharf und bringt eine daraus gemischte Frucht. Die drei Śravaṇa [Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj], das Aditi-Gestirn [Punarvasu] und das des Windes [Svātī] sind günstig beim beweglichen Werk.

Hautabhujaṃ: das dem Feueresser (Agni) gehörende Gestirn, Kṛttikā; wörtl. hutabhuj (Opferesser, Agni) (n. 1/1). Saviśākhaṃ: samt Viśākhā; wörtl. sa (mit) + viśākhā (n. 1/1). Mṛdutīkṣṇaṃ: sanft-scharf - Name der Nakṣatra-Klasse; wörtl. mṛdu (sanft) + tīkṣṇa (scharf) (n. 1/1). Tadvimiśraphalakāri: eine daraus gemischte Frucht bringend; wörtl. tad (das) + vimiśra (gemischt) + phala (Frucht) + kārin (bewirkend) (n. 1/1). Śravaṇatrayam: die drei Śravaṇa (Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj); wörtl. śravaṇa + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Ādityānile: das Aditi-Gestirn (Punarvasu) und das des Windes (Svātī); wörtl. āditya (der Aditi gehörend) + anila (Wind) (n. 1/2). Ca: und (avy.). Carakarmaṇi: beim beweglichen Werk; wörtl. cara (beweglich) + karman (Werk) (n. 7/1). Hitāni: günstig, zuträglich (n. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865, dort Kapitel 98; Ausgabe Tripāṭhī Kapitel 97. Den Klassennamen cara nennt Varāhamihira nicht; er sagt nur carakarmaṇi, „beim beweglichen Werk".

Der Muhūrta-Cintāmaṇi macht daraus einen Klassennamen und nennt auch die Tätigkeiten:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3

स्वात्यादित्ये श्रुतेस् त्रीणि चन्द्रश् चापि चरं चलम् तस्मिन् गजादिकारोहो वाटिकागमनादिकम्

svātyāditye śrutes trīṇi candraś cāpi caraṃ calam tasmin gajādikāroho vāṭikāgamanādikam

Svātī und Punarvasu, von Śravaṇa an drei, und auch der Mondtag [Montag] sind cara, „beweglich", und cala, „schwankend". Unter ihnen [gelingt] das Besteigen von Elefanten und dergleichen, das Gehen in den Garten und dergleichen.

Svātyāditye: Svātī und das Aditi-Gestirn (Punarvasu); wörtl. svātī (15. Nakṣatra) + āditya (das Aditi-Gestirn) (n. 1/2). Śrutes: von Śravaṇa an (n. 5/1). Trīṇi: drei (n. 1/3). Candraś: Candra (der Mond), der Montag (m. 1/1). Ca: und (avy.). Api: auch (avy.). Caraṃ: beweglich - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Calam: schwankend - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Tasmin: unter diesem [Nakṣatra] (n. 7/1). Gajādikāroho: das Besteigen von Elefanten und dergleichen; wörtl. gaja (Elefant) + ādika (und so fort) + āroha (Besteigen) (m. 1/1). Vāṭikāgamanādikam: der Gang in den Garten und dergleichen; wörtl. vāṭikā (Garten, Anlage) + gamana (Gehen) + ādika (und so fort) (n. 1/1).

Ausgaben Chaukhambā (Pīyūṣadhārā) und Nirṇaya-Sāgara; der Kommentar löst auf: śruteḥ śravaṇam ārabhya trīṇi śravaṇadhaniṣṭhāśatatārakāḥ — dort erscheint Śatabhiṣaj unter dem Namen śatatārakā.

Ein Wort zur Auffälligkeit dieser Einordnung: Śatabhiṣaj ist das Nakṣatra der Heilmittel, und in der Wahllehre steht es bei den beweglichen Unternehmungen — Reiten, Fahren, Ausgehen. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Erinnerung daran, dass die Wesensart-Klassen der Muhūrta-Literatur und die Devatā-Zuschreibungen der vedischen Listen zwei verschiedene Systeme sind, die sich nicht gegenseitig erklären. Wer aus dem Namen „hundert Ärzte" ein Heilungs-Muhūrta ableiten will, findet dafür in Bṛhat Saṃhitā und Muhūrta-Cintāmaṇi keinen Halt. Ausserhalb der Siebenteilung führt Varāhamihira Śatabhiṣaj nur noch unter den zwölf Nakṣatras, die für die Schur günstig sind (97.12).

Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen zu:

Bṛhat Saṃhitā 15.22

वरुणेशे पाशिकमत्स्यबन्धजलजानि जलचराजीवाः सौकरिकरजकशौण्डिकशाकुनिकाश् चापि वर्गे ऽस्मिन्

varuṇeśe pāśikamatsyabandhajalajāni jalacarājīvāḥ saukarikarajakaśauṇḍikaśākunikāś cāpi varge 'smin

Beim Gestirn, dessen Herr Varuṇa ist: Schlingensteller, Fischer, Wassergewächse, die von Wassertieren Lebenden; Schweineschlächter, Wäscher, Schnapsbrenner und Vogelsteller — auch sie in dieser Gruppe.

Varuṇeśe: beim Gestirn, dessen Herr Varuṇa ist; wörtl. varuṇa + īśa (Herr) (n. 7/1). Pāśikamatsyabandhajalajāni: Schlingensteller, Fischer und Wassergewächse; wörtl. pāśika (Schlingensteller) + matsyabandha (Fischfänger) + jalaja (wassergeboren) (n. 1/3). Jalacarājīvāḥ: die von Wassertieren leben; wörtl. jalacara (Wassertier) + ājīva (Lebensunterhalt) (m. 1/3). Saukarikarajakaśauṇḍikaśākunikāś: Schweineschlächter, Wäscher, Schnapsbrenner und Vogelsteller; wörtl. saukarika (Schweineschlächter) + rajaka (Wäscher) + śauṇḍika (Branntweinbrenner) + śākunika (Vogelsteller) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Api: auch (avy.). Varge: in der Gruppe, in der Abteilung (m. 7/1). Asmin: in dieser (7/1).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an, Śatabhiṣaj steht als zweiundzwanzigstes. Varāhamihira umschreibt das Nakṣatra hier als varuṇeśa, „dessen Herr Varuṇa ist" — ein weiterer Zeuge für die Varuṇa-Linie.

Der Vers ist durchgehend vom Wasser her gedacht: Fischer, Schlingensteller, Wassergewächse, die vom Wasser Lebenden. Das passt zu Varuṇa, dem Herrn der Gewässer, und zum Rāśi Kumbha, dem Wassermann — und es passt nicht zu der Heilkunst, die der Name verspricht. Bhiṣaj, „Arzt", kommt in diesem Vers nicht vor. Die Heilkunst steht bei Varāhamihira bei Aśvinī (15.26), bei Āśleṣā (15.7) und bei Mūla (15.17), nicht hier.

Sieben Verse später folgt die schematische Klassenzuweisung:

Bṛhat Saṃhitā 15.29

आदित्यहस्ताभिजिदाश्विनानि वणिग्जनानां प्रवदन्ति तानि मूलत्रिनेत्रानिलवारुणानि भान्य् उग्रजातेः प्रभविष्णुतायाः

ādityahastābhijidāśvināni vaṇigjanānāṃ pravadanti tāni mūlatrinetrānilavāruṇāni bhāny ugrajāteḥ prabhaviṣṇutāyāḥ

Das Aditi-Gestirn [Punarvasu], Hasta, Abhijit und Aśvinī — diese, so sagt man, gehören den Kaufmannsleuten; Mūla, das des Dreiäugigen [Ārdrā], das des Windes [Svātī] und das des Varuṇa [Śatabhiṣaj] sind die Gestirne der grausamen Kaste, der gewalttätigen.

Ādityahastābhijidāśvināni: das Aditi-Gestirn, Hasta, Abhijit und Aśvinī; wörtl. āditya (zu Aditi gehörig) + hasta + abhijit + āśvina (zu den Aśvins gehörig) (n. 1/3). Vaṇigjanānāṃ: der Kaufmannsleute; wörtl. vaṇij (Kaufmann) + jana (Leute) (m. 6/3). Pravadanti: man sagt, sie erklären (laṭ III/3). Tāni: diese (1/3). Mūlatrinetrānilavāruṇāni: Mūla, das Gestirn des Dreiäugigen (Ārdrā), das des Windes (Svātī) und das des Varuṇa (Śatabhiṣaj); wörtl. mūla + trinetra (Dreiäugiger, Rudra) + anila (Wind) + vāruṇa (zu Varuṇa gehörig) (n. 1/3). Bhāny: die Gestirne (n. 1/3). Ugrajāteḥ: der grausamen Kaste; wörtl. ugra (grausam) + jāti (Geburtsstand) (f. 6/1). Prabhaviṣṇutāyāḥ: der Gewalttätigkeit, Übermächtigkeit — die Konstruktion ist in beiden Lesarten hart und bleibt unsicher (f. 6/1).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865; Kern liest bhāni statt tāni und prabhaviṣṇutāyām (Lokativ) statt prabhaviṣṇutāyāḥ (Genitiv). Die Verse 15.28–30 verteilen 28 Nakṣatras (mit Abhijit) auf sieben Klassen zu je genau vier. Auch hier heisst Śatabhiṣaj vāruṇa.

Der Jātaka-Pārijāta schliesslich sagt, was ein unter Śatabhiṣaj Geborener mitbekommt — und macht dabei eine Angabe, die kein anderes Nakṣatra erhält:

Jātaka-Pārijāta 9.89d (in der Kashi-Zählung 9.90)

कालज्ञः शततारकोद्भवनरः शान्तो ऽल्पभुक् साहसी

kālajñaḥ śatatārakodbhavanaraḥ śānto 'lpabhuk sāhasī

Der aus den Hundert Sternen hervorgegangene Mensch [ist] die Zeit kennend, ruhig, wenig essend, wagemutig.

Kālajñaḥ: die Zeit kennend, Astrologe; wörtl. kāla (Zeit) + jña (kennend) (m. 1/1). Śatatārakodbhavanaraḥ: der aus den Hundert Sternen hervorgegangene Mensch; wörtl. śata (hundert) + tāraka (Stern) + udbhava (Hervorgang) + nara (Mensch) (m. 1/1). Śānto: ruhig, gelassen (m. 1/1). Alpabhuk: wenig essend; wörtl. alpa (wenig) + bhuj (geniessend) (m. 1/1). Sāhasī: wagemutig, verwegen (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 629; die Kashi-Ausgabe zählt um eins höher. Der Vers behandelt vier Nakṣatras in vier Versvierteln; hier ist nur das vierte wiedergegeben. Sastri übersetzt kālajña mit „astrologer".

Kālajña, „die Zeit kennend", ist in der Jyotiṣa-Literatur die stehende Umschreibung für den Astrologen, und Sastri übersetzt sie in seiner Ausgabe auch so. Śatabhiṣaj ist damit das einzige Nakṣatra, dem der Jātaka-Pārijāta ausdrücklich diesen Beruf zuweist. Varāhamihira sagt, unabhängig davon, in Bṛhat Saṃhitā 100.13 etwas Verwandtes: durgrāhya, „schwer zu fassen, schwer zu durchschauen" — zusammen mit sphuṭavāc, „deutlich redend", und sāhasika, „verwegen", was auch der Jātaka-Pārijāta mit sāhasin bestätigt. Zwei unabhängige Quellen, ein übereinstimmender Zug.

Die Sterne des Asterismus

Der Abschnitt der Śatabhiṣaj mit seiner Yogatārā λ Aquarii. Massstab in Länge und Breite gleich; λ Aquarii steht nur 23 Bogenminuten südlich der Ekliptik, deshalb ist sie hier mit im Bild. γ Aquarii gehört zur arabischen manzil, nicht zur hinduistischen Gruppe, und ist deshalb abgesetzt gezeichnet. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Der Abschnitt der Śatabhiṣaj mit seiner Yogatārā λ Aquarii. Massstab in Länge und Breite gleich; λ Aquarii steht nur 23 Bogenminuten südlich der Ekliptik, deshalb ist sie hier mit im Bild. γ Aquarii gehört zur arabischen manzil, nicht zur hinduistischen Gruppe, und ist deshalb abgesetzt gezeichnet. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0.

Der Abschnitt der Śatabhiṣaj mit seiner Yogatārā λ Aquarii. Massstab in Länge und Breite gleich; λ Aquarii steht nur 23 Bogenminuten südlich der Ekliptik, deshalb ist sie hier mit im Bild. γ Aquarii gehört zur arabischen manzil, nicht zur hinduistischen Gruppe, und ist deshalb abgesetzt gezeichnet. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition der Yogatārā aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860, eigene Rechnung.

Über die Yogatārā besteht kein Dissens. Das Sūrya-Siddhānta gibt für Śatabhiṣaj keine Sternzahl und keine Lagebeschreibung, sondern fällt in 8.19 auf die allgemeine Regel zurück: von den übrigen Asterismen sei jeweils der hellste (sthūlā) Stern die Yogatārā. Rechnet man aus dhruvaka und vikṣepa die Sollposition aus, so trifft sie λ Aquarii. Die moderne Standardtabelle nennt ebenfalls nur diesen Stern. Textvarianten gibt es, aber sie sind klein: das Graha-Lāghava setzt die Yogatārā genau auf die Ekliptik, das Siddhānta-Śiromaṇi gibt 20′ statt 30′ Südbreite.

Zum Verständnis der Grafik: γ Aquarii (Sadachbia) steht dort nur als Vergleichsstern. Er gehört zur arabischen manzil Saʿd al-Akhbiyah, also zum arabischen Mondstationssystem, nicht zur hinduistischen Gruppe. Er ist eingezeichnet, weil er im selben Abschnitt steht und weil die beiden Systeme hier gern verwechselt werden.

Die Sterne im Katalog

λ Aqrγ Aqr
EigennameSadachbia
RolleYogatārāVergleichsstern (arabische manzil)
HR86988518
HD216386212061
HIP112961110395
Helligkeit V3,793,83
SpektraltypM2.5 III Fe-0.5A0 V
Rektaszension22ʰ 52ᵐ 36,9ˢ22ʰ 21ᵐ 39,4ˢ
Deklination−7° 34′ 46,5″−1° 23′ 14,5″
Ekl. Länge J2000341° 35′336° 43′
Ekl. Breite J2000−0° 23′+8° 14′

Rektaszension und Deklination gelten für Äquinoktium und Epoche J2000,0 und sind aus den SIMBAD-Dezimalgraden umgerechnet. λ Aquarii ist ein roter Riese vom Spektraltyp M2.5 — merklich rötlich im Fernglas, was bei einem Stern vierter Grösse selten auffällt. Seine ekliptikale Breite von −0°23′ ist der Grund, warum die Sollposition des Sūrya-Siddhānta hier fast genau trifft: ein Stern nahe der Ekliptik macht die Umrechnung von polarer in ekliptikale Lage fast zur Identität, während ein Stern von 30 Grad Breite dabei weit wandert. SAO-Nummern und Entfernungen sind für diese Recherche nicht erhoben worden.

Wo die Sterne heute stehen

Für 2025,0 ergeben sich folgende siderische Längen:

Ayanāṃśa (2025,0)Wertλ Aqrγ Aqr
Lahiri / Citrāpakṣa24° 12′ 23″17° 43′12° 51′
True Citrā24° 11′ 21″17° 44′12° 52′
Krishnamurti24° 06′ 34″17° 49′12° 57′
Raman22° 45′ 36″19° 10′14° 18′
Fagan / Bradley25° 05′ 23″16° 50′11° 58′

Alle Werte sind siderische Längen in Kumbha; Śatabhiṣaj reicht von 6°40′ bis 20°00′.

Das Ergebnis ist erfreulich eindeutig: λ Aquarii liegt bei allen fünf gebräuchlichen Ayanāṃśas sicher in Śatabhiṣaj, gut vier Grad hinter dessen Beginn und mindestens 50 Bogenminuten vor dessen Ende. Auch die Sollposition des Sūrya-Siddhānta fällt mit 16°02′ Kumbha in denselben Abschnitt. Das ist bei den Nakṣatras dieser Gegend die Ausnahme: bei Śravaṇa liegen alle drei Sterne ausserhalb, bei Dhaniṣṭhā die Yogatārā. Der Grund ist die geringe ekliptikale Breite — die Rahmenverschiebung zwischen Sūrya-Siddhānta und Lahiri-Ayanāṃśa von rund 3°45′ wirkt sich bei einem Stern nahe der Ekliptik nur als Längenverschiebung aus, und Śatabhiṣaj hatte dafür genug Reserve.

Nur der Vollständigkeit halber: bei Raman rückt λ Aquarii auf 19°10′ Kumbha und damit ziemlich nahe an die obere Grenze; bei fortschreitender Präzession — rund 50 Bogensekunden im Jahr — wandert der Stern langsam auf Pūrvabhādrapadā zu, aber im Lahiri-Rahmen dauert das noch Jahrhunderte. Alle Werte gelten für 2025,0.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminiert λ Aquarii nur 35,6 Grad hoch — die Deklination beträgt −7,4 Grad, der Stern steht also südlich des Himmelsäquators. Das ist für diese Breite nicht bequem: eine Kulminationshöhe von 36 Grad heisst, dass der Stern nie richtig aus der horizontnahen Dunstschicht heraustritt und in Tälern oder bei diesigem Wetter leicht ganz verschwindet. γ Aquarii, der Vergleichsstern, steht mit 41,7 Grad etwas günstiger.

Um Mitternacht kulminiert der Abschnitt um den 4. September; in Sonnennähe steht er um den 2. März und ist dann rund vier Wochen davor und danach unsichtbar. Beste Sichtbarkeit sind die Monate um die Mitternachtskulmination, also der Spätsommer und der Herbst.

Der Wassermann ist insgesamt ein lichtschwaches, schwer zu fassendes Sternbild ohne einen einzigen Stern erster oder zweiter Grösse. Wer Śatabhiṣaj aufsuchen will, braucht einen dunklen Standort mit freier Sicht nach Süden; aus der Stadt ist λ Aquarii praktisch nicht zu sehen. Das ist, ganz nebenbei, eine hübsche Entsprechung zum Vers: durgrāhya, „schwer zu fassen".

Namen und Namensvarianten

Der Name śatabhiṣaj, „hundert Ärzte", steht in beiden vedischen Listen und ist die älteste Form. Die Nebenform śatatārakā oder śatatārā, „hundert Sterne", ist jünger, aber gut bezeugt: der Jātaka-Pārijāta umschreibt das Nakṣatra als śatatārakodbhava, „aus den hundert Sternen hervorgegangen", der Kommentar zum Muhūrta-Cintāmaṇi sagt schlicht śatatārakā, und der Merkvers der Kursüberlieferung nennt es śatatārākhya, „das namens Śatatārā". Welche der beiden Deutungen die ursprüngliche ist — hundert Ärzte oder hundert Sterne —, lässt sich nicht entscheiden; beide sind bereits in klassischer Zeit im Umlauf.

Daneben laufen Umschreibungen über die Gottheit, die in Versen an die Stelle des Namens treten: varuṇeśa, „dessen Herr Varuṇa ist" (Bṛhat Saṃhitā 15.22), vāruṇa, „zu Varuṇa gehörig" (Bṛhat Saṃhitā 15.29, Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29), toyeśa, „Herr der Wasser" (Nārada-Saṃhitā), narādhipa oder ambhaḥpati im Nāḍī-Vers (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34, wo die Ausgaben verschieden lesen) und ambudha, „Wasserhalter", im Yoni-Vers (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25). Bemerkenswert ist, dass alle diese Umschreibungen über Varuṇa und das Wasser gehen — keine einzige über Indra. Die klassische Astrologie kennt also nur die Varuṇa-Linie; die Indra-Zuschreibung lebt ausschliesslich in den vedischen Ziegellisten.

Das eigene Kursmaterial schreibt den Namen Śatabhiṣā, die Ārambha-Verse ebenso — eine verkürzte Form, die in der lebenden Lehrtradition geläufig ist und keinen Textbeleg in den klassischen Werken hat.

Die Verse

Die älteste Stelle, die Śatabhiṣaj nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā, in der Aufzählung der Nakṣatra-Feueraltarziegel:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.3

शतभिषङ् नक्षत्रम् इन्द्रो देवता

śatábhiṣaṅ nákṣatram índro devátā

Śatabhiṣaj ist das Nakṣatra, Indra die Gottheit.

Śatabhiṣaṅ: Śatabhiṣaj, „hundert Ärzte"; wörtl. śata (hundert) + bhiṣaj (Arzt) (f. 1/1). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Indro: Indra (m. 1/1). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Die Liste beginnt bei Kṛttikā; Śatabhiṣaj steht als zweiundzwanzigster Eintrag. Der Text ist saṃhitā-pāṭha, die Trennung in Einzeleinträge ist eine Segmentierung des fortlaufenden Wortlauts.

Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe und dieselbe Gottheit, stellt sie aber in den Genitiv voran und fügt das Begriffspaar bei:

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.5

इन्द्रस्य शतभिषक् विश्वव्यचाः परस्ताद् विश्वक्षितिर् अवस्तात्

índrasya śatábhiṣak viśvávyacāḥ parástād viśvákṣitir avástāt

Des Indra [ist] Śatabhiṣaj. Der Allumfassende [ist] oberhalb, die Allwohnstätte unterhalb.

Indrasya: des Indra (m. 6/1). Śatabhiṣak: Śatabhiṣaj; wörtl. śata (hundert) + bhiṣaj (Arzt) (f. 1/1). Viśvavyacāḥ: der Allumfassende, der alles durchmisst; wörtl. viśva (all) + vyacas (Ausdehnung, Umfang) (m. 1/1). Parastād: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Viśvakṣitir: die Allwohnstätte, allen Menschen zugehörig; wörtl. viśva (all) + kṣiti (Wohnsitz, Land) (f. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Dies ist die Stelle, an der das Taittirīya-Brāhmaṇa Indra nennt — im Unterschied zu 3.1.2, wo es Varuṇa nennt. Das Paar viśvavyacas / viśvakṣiti ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben.

Das Begriffspaar ist inhaltlich ein Gegensatzpaar von Weite und Behausung: viśvavyacas ist die unbegrenzte Ausdehnung, viśvakṣiti der bewohnte, bestellte Raum — Bhaṭṭabhāskara glossiert das zweite mit „in dem alle Wohnstätten, Felder und Kornhäuser sind". Dass beide Wörter mit viśva, „all", beginnen, ist im Brāhmaṇa selbst angelegt und wird in der modernen Wiedergabe meist als „infinite space" und „whole earth" aufgelöst, was die Parallelität verliert.

Der Merkvers der Lehrüberlieferung nennt Śatabhiṣaj unter seiner Nebenform:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 4

धनिष्ठा शतताराख्यं पूर्वाभाद्रपदा ततः उत्तराभाद्रपाच् चैव रेवत्य् एतानि भानि च

dhaniṣṭhā śatatārākhyaṃ pūrvābhādrapadā tataḥ uttarābhādrapāc caiva revaty etāni bhāni ca

Dhaniṣṭhā, das [Nakṣatra] namens Śatatārā, darauf Pūrvābhādrapadā; und Uttarābhādrapadā und Revatī: das sind die Nakṣatras.

Dhaniṣṭhā: Dhaniṣṭhā, 23. Nakṣatra (f. 1/1). Śatatārākhyaṃ: das (Nakṣatra) namens Śatatārā (Śatabhiṣaj), 24. Nakṣatra (n. 1/1). Pūrvābhādrapadā: Pūrvābhādrapadā, 25. Nakṣatra (f. 1/1). Tataḥ: darauf (avy.). Uttarābhādrapāc: Uttarābhādrapadā, 26. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Eva: eben (avy.). Revaty: Revatī, 27. Nakṣatra (f. 1/1). Etāni: diese (n. 1/3). Bhāni: die Nakṣatras, Sternbilder (n. 1/3). Ca: und (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Der Vers verwendet die Namensform śatatārā, „hundert Sterne", nicht śatabhiṣaj, „hundert Ärzte".

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die Puruṣārthas. Das folgt aus der Einteilung selbst und ist gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Sicher ist auch die Stellung ganz in Kumbha, die der zitierte Vers ausspricht, und die Zuordnung des Herrschers Rāhu aus der Viṃśottarī-Reihe.

Am Originalvers belegt sind: das Paar viśvavyacas / viśvakṣiti (Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1); die Śakti samt Ergebnis (Bhaṭṭabhāskara zum Brāhmaṇa); die Wesensart cara und die zugehörigen Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.11, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3); die Berufsgruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.22); Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.25, 6.34, bestätigt durch Nārada-Saṃhitā und Vivāha-vṛndāvana); das Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9); die Geburtsdeutung (Bṛhat Saṃhitā 100.13, Jātaka-Pārijāta 9.89). Die Sternidentifikation ist belegt und unstrittig: das Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.19 den hellsten Stern der Gruppe, und die Sollposition trifft λ Aquarii fast genau.

Umstritten und nicht entschieden ist die Devatā. Indra steht in Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10 und Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1, Varuṇa in Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2 und bei Varāhamihira (Bṛhat Saṃhitā 97.5, 15.22, 15.29). Dass Bhaṭṭabhāskara indra als īśvara liest und daraus den Regengott macht, ist Kommentarleistung, kein Textbefund, und darf nicht als Beleg dafür angeführt werden, im Mūla von 1.5.1 habe Varuṇa gestanden. Dieses Portrait nennt deshalb beide Gottheiten, nennt die Stellen und bevorzugt keine.

Nicht belegt und deshalb markiert oder ganz weggelassen: das Geschlecht der Yoni, für das die klassische Lehre gar keinen Platz hat (vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras, gerechnet wird mit Artenfreundschaft); die Himmelsrichtung, für die sich kein Vers fand; die Namenssilben; die hundert Lichter und das Sahasrāra-Cakra, die aus dem eigenen Kursmaterial stammen und dort selbst unbelegt sind. Die Kreisfigur nennt der Sūrya-Siddhānta-Kommentar, sie lässt sich aber am Himmel nicht nachzeichnen, und die Sternzahl hundert ist nicht wörtlich zu nehmen.

Widersprüche, die stehen bleiben: die Devatā (siehe oben); die Sternzahl (hundert nach dem Namen und nach Varāhamihira, einer nach dem Khaṇḍa-Kaṭaka in al-Bīrūnīs Bericht); und die Varṇa-Doppelung, bei der Melāpaka und Bṛhat Saṃhitā zufällig ähnliche, aber systematisch verschiedene Auskünfte geben.

Berichtigt wurden zwei Angaben, die durch die moderne Literatur laufen: die Zuschreibung der Śakti-Formel an Sāyaṇa statt an Bhaṭṭabhāskara, und die Darstellung der Devatā Varuṇa als unwidersprochene vedische Überlieferung. Ausserdem fehlt in allen eingesehenen modernen Wiedergaben der Formel das Attribut kālātmā, „zeitgestaltig".

Nicht verwendet wurde die Mythologie, die moderne Nakṣatra-Bücher um Varuṇa legen. Sie stammt aus Purāṇas und Epen, wird dort in anderem Zusammenhang erzählt und sagt über den Himmelsabschnitt nichts. Ebenso wenig wird hier die verbreitete Erzählung übernommen, Śatabhiṣaj sei ein Nakṣatra der Heilung im Sinne der Wahllehre: die klassischen Muhūrta-Verse ordnen ihm bewegliche Unternehmungen und die Schur zu, keine Heilhandlungen. Die Heilkunst steckt im Namen und in der Śakti-Formel des Kommentars, nicht in der Wahllehre.

Bei den Versen ist zu unterscheiden. Die Taittirīya-Stellen, der Kommentar Bhaṭṭabhāskaras und die Verse aus Bṛhat Saṃhitā, Muhūrta-Cintāmaṇi und Jātaka-Pārijāta sind edierter Text mit nachprüfbarer Fundstelle. Der Merkvers der Nakṣatra-Namen und der Vers zur Pāda-Verteilung dagegen stammen aus einem Kursmaterial, dessen Wortlaut keiner Stelle eines klassischen Werks zugeordnet werden konnte.

Was noch offen ist: Ob die Indra-Zuschreibung der Ziegellisten älter ist als die Varuṇa-Zuschreibung der Nakṣatreṣṭi oder umgekehrt, liesse sich nur mit einer Untersuchung der beiden Textschichten klären, die hier nicht geleistet wurde; Sāyaṇas Bhāṣya zu beiden Stellen wäre dafür der nächste Schritt. Das Khaṇḍa-Kaṭaka war nur über al-Bīrūnī und Burgess’ Referat greifbar, nicht im Original. Für das Yoni-Geschlecht wurde kein Vers gefunden; falls einer auftaucht, kommt er nach.