Revatī

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रेवती 27. Nakṣatra · 16°40′ Mīna bis 0°00′ Meṣa (siderisch) · Herrscher Budha

Revatī ist das letzte der 27 Nakṣatras, und es ist zugleich das wichtigste der ganzen Reihe — jedenfalls in einem ganz bestimmten, handfesten Sinn: an seinem Stern hängt der siderische Nullpunkt. Wo Revatī endet, beginnt Aśvinī, und wo Aśvinī beginnt, beginnt der Tierkreis. Die gesamte indische Astronomie zählt von diesem einen Punkt aus, und die Frage, wo er liegt, ist die Frage, welchen Ayanāṃśa man benutzt. Der Name gehört zu revat, „reich"; die Gottheit ist Pūṣan, der Mehrer und Hüter der Wege. Und in der ältesten vedischen Liste steht Revatī nicht am Ende, sondern unmittelbar vor Aśvinī — was, wie sich zeigen wird, dasselbe ist.

Himmelsabschnitt und Pādas

Revatī reicht von 346°40′ bis 360°00′ siderischer Länge und liegt vollständig im Rāśi Mīna (Fische). Es ist das einzige Nakṣatra, dessen Ende mit dem Ende des Tierkreises zusammenfällt — genauer gesagt: dessen Ende den Tierkreis definiert.

PādavonbisNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
116°40′ Mīna20°00′ MīnaDhanusDharmaदे de
220°00′ Mīna23°20′ MīnaMakaraArthaदो do
323°20′ Mīna26°40′ MīnaKumbhaKāmaca
426°40′ Mīna30°00′ MīnaMīnaMokṣaची

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Die letzte Zeile dieser Tabelle hat eine Eigenschaft, die in der ganzen Reihe nur einmal vorkommt: der vierte Pāda von Revatī trägt den Navāṃśa Mīna, also dasselbe Zeichen, in dem er selbst liegt. Die Navāṃśa-Reihe schliesst damit genau dort, wo auch der Rāśi-Kreis schliesst; beide Umläufe kommen am selben Punkt zur Ruhe. Das ist kein Zufall und kein Kunstgriff, sondern folgt zwingend daraus, dass 12 × 9 = 108 = 27 × 4 — die Zahl der Navāṃśas eines Umlaufs und die Zahl der Nakṣatra-Pādas sind dieselbe. Der letzte Pāda der Reihe ist zugleich der 108. Navāṃśa.

Dass alle vier Pādas in Mīna liegen, sagt der Vers, der die Pādas auf die Zeichen verteilt:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Mīna)

पूर्वाभाद्रपदापादम् एकम् उत्तराभाद्रपदा रेवत्यन्तं मीनः

pūrvābhādrapadāpādam ekam uttarābhādrapadā revatyantaṃ mīnaḥ

Ein Pāda von Pūrvābhādrapadā, [die vier von] Uttarābhādrapadā und [alles weitere] bis zum Ende von Revatī [bilden] Mīna [die Fische].

Pūrvābhādrapadāpādam: ein Pāda von Pūrvābhādrapadā; wörtl. pūrvābhādrapadā (25. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (n. 1/1). Ekam: ein, eines (n. 1/1). Uttarābhādrapadā: Uttarābhādrapadā, 26. Nakṣatra (f. 1/1). Revatyantaṃ: mit Revatī (27. Nakṣatra) endend, bis zum Ende von Revatī; wörtl. revatī + anta (Ende) (n. 1/1). Mīnaḥ: Mīna, die Fische (12. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Der Vers sagt nicht „vier Pādas von Revatī", sondern revatyantaṃ, „bis zum Ende von Revatī" — das Zeichen wird vom Schluss her bestimmt.

Die Devatā

Über den Abschnitt herrscht Pūṣan, und die Zuordnung ist so unstrittig wie kaum eine zweite. Taittirīya-Saṃhitā, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1, das Nakṣatra-Sūkta TB 3.1.2 und Varāhamihira (pūṣā, Bṛhat Saṃhitā 97.5) sagen dasselbe; die modernen Tabellen ebenfalls. Bei Citrā, Śatabhiṣaj, Mūla und den beiden Phalgunīs gehen die vedischen Zeugen auseinander — hier nicht.

Pūṣan ist der Mehrer: der Name gehört zur Wurzel puṣ, „gedeihen, nähren, anschwellen lassen". Er ist der Gott der Wege und der Herden, derjenige, der Verlorenes wiederfindet, Reisende geleitet und das Vieh behütet. Im Ṛgveda fährt er einen von Böcken gezogenen Wagen. Der Nakṣatreṣṭi-Vers des Taittirīya-Brāhmaṇa zeigt ihn genau in dieser Rolle, und zwar zusammen mit Revatī als Paar:

pūṣā́ revaty ánveti pánthām — „Pūṣan und Revatī folgen dem Pfad."

Das ist bemerkenswert. In den Nakṣatra-Listen sind Gottheit und Gestirn säuberlich getrennt: das eine ist das nakṣatra, das andere die devatā. Im Opferlied dagegen treten die beiden als Gespann auf — „die beiden Herren des Gedeihens, Viehhüter, mit Kraftnahrung in den Zügeln" —, und der Vers teilt ihnen sogar die Arbeit auf: kṣudrā́n paśū́n rakṣatu revátī naḥ, „das Kleinvieh schütze uns Revatī"; gā́vo no áśvāṃ ánvetu pūṣā́, „unseren Rindern und Rossen folge Pūṣan". Revatī ist hier keine Sternformation, sondern eine Göttin neben Pūṣan.

Bhaṭṭabhāskara Miśra nimmt den Faden auf und nennt Pūṣan jagat poṣayataḥ, „den, der die Welt nährt" — und legt die ganze Śakti-Formel dieses Abschnitts auf Milch, Kühe und Kälber aus.

Die moderne Nakṣatra-Literatur macht aus Pūṣan häufig einen Gott der letzten Reise, des Übergangs, des Loslassens. Das ist eine Deutung, die sich an der Stellung am Reihenende und an Pūṣans Rolle als Wegbegleiter orientiert; in den hier eingesehenen klassischen Quellen steht sie nicht. Sie gehört zur modernen Fachliteratur und wird hier als solche benannt, nicht als Überlieferung geführt.

Die Śakti

Jedem Nakṣatra wird eine Śakti zugeschrieben, eine Wirkkraft, in einer eigentümlich dreigliedrigen Form: ein Begriff für die Kraft selbst, dazu etwas „oberhalb" und etwas „unterhalb", und aus dem Zusammentreffen der drei ein Ergebnis. Die Wurzel liegt im Taittirīya-Brāhmaṇa, das zu jedem Nakṣatra ein Paar parastāt („oberhalb") und avastāt („unterhalb") nennt — für Revatī gā́vaḥ, die Kühe, und vatsā́, die Kälber. Das mittlere Glied und das Ergebnis fehlen dort. Sie stehen erst im Kommentar, und zwar nicht bei Sāyaṇa, wie häufig angenommen wird, sondern bei Bhaṭṭabhāskara Miśra:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

पूष्णो रेवती धनवती जगत् पोषयतः पूष्णस् त्रयं भवति परस्ताद् गावः मध्ये कालात्मिका क्षीराद्याप्यायनी शक्तिः अवस्ताद् वत्साः एतत्त्रयोपपत्तौ जगत् पुष्टं भवति

pūṣṇo revatī dhanavatī jagat poṣayataḥ pūṣṇas trayaṃ bhavati parastād gāvaḥ madhye kālātmikā kṣīrādyāpyāyanī śaktiḥ avastād vatsāḥ etattrayopapattau jagat puṣṭaṃ bhavati

„Pūṣans ist Revatī" — die Reiche. Von Pūṣan, der die Welt nährt, gibt es ein Dreifaches: oberhalb die Kühe; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft, die mit Milch und dergleichen anschwellen lässt; unterhalb die Kälber. Wenn diese drei zustande kommen, wird die Welt genährt.

Pūṣṇo: des Pūṣan (m. 6/1). Revatī: Revatī (f. 1/1). Dhanavatī: die Reiche, die Begüterte (f. 1/1). Jagat: die Welt, was sich regt (n. 2/1). Poṣayataḥ: des Nährenden, des Gedeihenlassenden (Part. Präs., m. 6/1). Pūṣṇas: des Pūṣan (m. 6/1). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: es gibt, entsteht (laṭ III/1). Parastād: oberhalb, darüber (avy.). Gāvaḥ: die Kühe (f. 1/3). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmikā: zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātmikā (wesenhaft) (f. 1/1). Kṣīrādyāpyāyanī: die mit Milch und dergleichen anschwellen lässt; wörtl. kṣīra (Milch) + ādi (und so fort) + āpyāyanī (anschwellen machend) (f. 1/1). Śaktiḥ: Kraft, Vermögen (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Vatsāḥ: die Kälber (m. 1/3). Etattrayopapattau: beim Zusammentreffen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + upapatti (Zustandekommen) (f. 7/1). Jagat: die Welt (n. 1/1). Puṣṭaṃ: genährt, gediehen (n. 1/1). Bhavati: wird (laṭ III/1).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 253, Kommentarabschnitt 25. Ein grammatischer Exkurs zur Ableitung des Namens ist hier ausgelassen und im Abschnitt „Namen" wiedergegeben.

Diese Formel ist die einfachste und anschaulichste der ganzen Reihe. Oben die Kühe, unten die Kälber, dazwischen die Kraft, die die Milch einschiessen lässt — und wenn die drei zusammentreffen, ist die Welt genährt. Es ist kein Bild aus der Ritualtheorie, sondern eines aus dem Stall.

Zweierlei ist auch hier festzuhalten. Das Wort kālātmikā, „zeitgestaltig", steht bei allen 27 Formeln und fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe; gemeint ist nicht eine Kraft schlechthin, sondern die Kraft des Zeitlaufs an dieser Himmelsstelle. Und das mittlere Glied steht hier — anders als bei den beiden Bhādrapadās — im Singular: śaktiḥ, eine Kraft.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt. Wo eine Angabe in den hier greifbaren Quellen keinen Beleg hat, steht das ausdrücklich da, statt sie stillschweigend mitzuführen.

Himmelsabschnitt16°40′ Mīna bis 0°00′ Meṣa, siderisch Rechnung; Vers zur Pāda-Verteilung
Fixsterneζ Piscium (Doppelstern A und B); die Sollposition trifft ihn genau — die Identifikation ist unstrittig Sūrya-Siddhānta 8.2/8.6/8.18; Burgess 1860
Sternzahlzweiunddreissig (dvātriṃśat) — die höchste Zahl der ganzen Reihe; welche das sein sollen, sagt keine Quelle Bṛhat Saṃhitā 97.2
HerrscherBudha Viṃśottarī-Reihe
DevatāPūṣan, der Mehrer, Hüter der Wege und Herden — unstrittig Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.2; Bṛhat Saṃhitā 97.5
Śaktikṣīrādyāpyāyanī śakti, „die mit Milch und dergleichen anschwellen lassende Kraft" — oberhalb die Kühe, unterhalb die Kälber; Ergebnis: die Welt wird genährt Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
Symbolzwei Fische im eigenen Kursmaterial — Trommel (mṛdaṅga) in der Sternfigur-Überlieferung; siehe unten zwei verschiedene Angaben
Namensbedeutungrevatī, „die Reiche", zu revat „reich"; Bhaṭṭabhāskara glossiert dhanavatī und leitet den Namen über Saṃprasāraṇa von rayi „Reichtum" her Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
Wesensartmṛdu / maitra (sanft, freundlich) Bṛhat Saṃhitā 97.10; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.7
Gaṇadeva (göttlich) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 29.127
Yoni (Tier)Elefant (gaja, kuñjara), geteilt mit Bharaṇī Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25
Yoni-Geschlechtin der klassischen Lehre nicht vergeben siehe unten
Nāḍīantya (die letzte) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34
Varṇabrāhmaṇa im Heiratsvergleich (Rāśi Mīna) — kṛṣīvala, Ackerbauer, in der Gesellschaftszuordnung zwei verschiedene Systeme, siehe unten
GuṇaSattva/Sattva/Sattva im Nakṣatra-Guṇa-Schema — Sattva auch im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme, hier ausnahmsweise gleichlautend
LokaSvarga eigenes Kursmaterial
TattvaĀkāśa (Raum) eigenes Kursmaterial
Mukhatiryaṅmukha (seitwärts blickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Silbenदे de · दो do · च ca · ची Lehrüberlieferung
KörperteilFussknöchel — im Nakṣatrapuruṣa-Schema, das ab Kṛttikā zählt eigenes Kursmaterial
Puruṣārthaje Pāda Dharma · Artha · Kāma · Mokṣa Lehrüberlieferung
TätigkeitenFreundschaft, Vollzug der Liebe, Kleider, Schmuck, Glückszeremonien, Gesang; ausserdem Schur, Initiation, Ohrendurchbohrung und Hochzeit Bṛhat Saṃhitā 97.10, 97.12, 97.15, 99.7; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.7
MenschengruppenKaufleute, Schiffssteuerleute; Wassergewächse, Früchte, Blüten, Salz, Edelsteine, Muscheln, Perlen, Lotosse, Wohlgerüche Bṛhat Saṃhitā 15.25
Geburtsdeutungmit einem breiten Mal am Leib, liebeskrank, schön, ratskundig, mit Söhnen, Gattin und Freunden, von dauerhaftem Glück Jātaka-Pārijāta 9.90; Bṛhajjātaka 16.14

Wo die Quellen auseinandergehen

Das Symbol. Hier stehen zwei Angaben nebeneinander, und sie haben verschiedene Herkunft. Das eigene Kursmaterial nennt zwei Fische — was naheliegt, weil Revatī ganz im Zeichen der Fische liegt und weil ζ Piscium tatsächlich in dem Sternenband steht, das in der westlichen Überlieferung die beiden Fische verbindet. Die Sternfigur-Überlieferung, wie sie über Burgess referiert wird, nennt dagegen eine Trommel (mṛdaṅga). Beide Angaben sind Sekundärüberlieferung; ein klassischer Vers, der ein Symbol für Revatī nennt, liess sich nicht finden. Die Trommelfigur lässt sich mit den zweiunddreissig Sternen, von denen die Bṛhat Saṃhitā spricht, auch nicht nachzeichnen — welche zweiunddreissig gemeint sind, sagt keine Quelle.

Varṇa. Zwei Systeme laufen unter demselben Wort. Im Heiratsvergleich, dem Melāpaka, wird der Varṇa nach dem Rāśi vergeben, nicht nach dem Nakṣatra:

Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22

द्विजा झषालिकर्कटास् ततो नृपा विशो ऽङ्घ्रिजाः

dvijā jhaṣālikarkaṭās tato nṛpā viśo 'ṅghrijāḥ

Brahmanen [sind] Mīna, Vṛścika und Karka; darauf die Fürsten [Kṣatriyas], die Vaiśyas, die Śūdras.

Dvijā: Brahmanen; wörtl. „zweimal Geborene" (m. 1/3). Jhaṣālikarkaṭās: Mīna, Vṛścika und Karka; wörtl. jhaṣa (Fisch = Mīna) + āli (Skorpion = Vṛścika) + karkaṭa (Krebs = Karka) (m. 1/3). Tato: darauf, danach (avy.). Nṛpā: Fürsten, Kṣatriyas; wörtl. nṛ (Mensch) + pa (schützend) (m. 1/3). Viśo: Vaiśyas, die Leute des dritten Standes (f. 1/3). 'ṅghrijāḥ: Śūdras; wörtl. aṅghri (Fuss) + ja (geboren) (m. 1/3).

Der Kommentar löst auf: mīnavṛścikakarkarāśayo dvijā brāhmaṇāḥ — „Mīna, Vṛścika und Karka sind die Zweimalgeborenen, die Brahmanen." Die Pītāmbarā-Glosse hält ausdrücklich fest, dass diese Rāśi-Varṇa-Ordnung mit der vedischen Varṇa-Ordnung nichts zu tun hat.

Revatī liegt ganz in Mīna und gehört im Melāpaka also zu den Brahmanen. Die modernen Tabellen geben dagegen meist śūdra. Diese Angabe stammt aus Bṛhat Saṃhitā 15.28, wo Revatī zusammen mit Anurādhā, Maghā und Rohiṇī den kṛṣīvala, den Ackerbauern, zugewiesen wird — eine gesellschaftsprognostische Zuordnung mit sieben Klassen (darunter „Grausame", „Dienende" und „Caṇḍālas"), kein Kūṭa der Heiratsprüfung. Bei Revatī fällt der Unterschied besonders auf, weil die beiden Systeme hier die weitest auseinanderliegenden Werte ergeben. Beide Angaben sind für sich richtig; wer mit dem Aṣṭakūṭa rechnet, muss brāhmaṇa ansetzen.

Guṇa. Bei den meisten Nakṣatras liegen im eigenen Kursmaterial zwei verschiedene Guṇa-Systeme übereinander, die verschiedene Werte ergeben: das eine ordnet nach der Stellung im Dreierschritt der Lokas zu, das andere zählt im Navatārā-Schema nach dem Tārā-Herrscher. Bei Revatī ergeben ausnahmsweise beide dasselbe: Sattva. Im ersten System ist Revatī die letzte Stufe der letzten Stufe der letzten Stufe — Sattva/Sattva/Sattva, das einzige solche Tripel der ganzen Reihe —, im zweiten ergibt der Tārā-Herrscher Budha ebenfalls Sattva. Dass die beiden Systeme hier zusammenfallen, macht sie nicht zu einem; es ist Zufall des Abzählens. Auseinanderzuhalten sind sie trotzdem.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben für Revatī „Elefant, weiblich". Das Tier ist belegt, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras — jedes Tier also zweimal — und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten; der Kommentar zum Muhūrta-Cintāmaṇi zitiert dazu das Daivajñamanohara: aṣṭāviṃśatitārāṇāṃ yonayas tu caturdaśa. Revatī teilt den Elefanten mit Bharaṇī, und der Vers stellt beide im selben Versviertel dem Löwen (Dhaniṣṭhā, Pūrva-Bhādrapadā) als Feind gegenüber. Eine Aufteilung des Paares in ein männliches und ein weibliches Tier ist eine spätere Ausdifferenzierung, für die sich kein Vers finden liess.

Wesensart und Tätigkeiten

Die Wahllehre teilt die Nakṣatras nach ihrer Wesensart ein, weil davon abhängt, welche Unternehmung unter ihnen gelingt. Revatī gehört zur Klasse der sanften — Varāhamihira nennt sie mṛduvarga, die Muhūrta-Literatur auch maitra, „freundlich":

Bṛhat Saṃhitā 97.10 (bei Kern 1865: 98.10)

मृदुवर्गो ऽनूराधाचित्रापौष्णैन्दवानि मित्रार्थे सुरतविधिवस्त्रभूषणमङ्गलगीतेषु च हितानि

mṛduvargo 'nūrādhācitrāpauṣṇaindavāni mitrārthe suratavidhivastrabhūṣaṇamaṅgalagīteṣu ca hitāni

Die sanfte Gruppe [mṛduvarga]: Anurādhā, Citrā, das Pūṣan-Gestirn [Revatī] und das Mond-Gestirn [Mṛgaśiras]. Sie sind günstig für die Freundschaft, für den Vollzug der Liebe, für Kleider, Schmuck, Glückszeremonien und Gesang.

Mṛduvargo: die sanfte Gruppe; wörtl. mṛdu (sanft) + varga (Gruppe) (m. 1/1). 'nūrādhācitrāpauṣṇaindavāni: Anurādhā, Citrā, das Pūṣan-Gestirn (Revatī) und das Mond-Gestirn (Mṛgaśiras); wörtl. anūrādhā + citrā + pauṣṇa (dem Pūṣan gehörend) + aindava (dem Mond gehörend) (n. 1/3). Mitrārthe: für die Freundschaft, zum Zweck des Freundes; wörtl. mitra (Freund) + artha (Zweck) (m. 7/1). Suratavidhivastrabhūṣaṇamaṅgalagīteṣu: beim Vollzug der Liebe, bei Kleidern, Schmuck, Glückszeremonien und Gesang; wörtl. surata (Liebesvereinigung) + vidhi (Vollzug) + vastra (Kleid) + bhūṣaṇa (Schmuck) + maṅgala (Glücksritus) + gīta (Gesang) (n. 7/3). Ca: und (avy.). Hitāni: günstig, zuträglich (n. 1/3).

Zählung nach Tripāṭhī; Kerns Ausgabe von 1865 führt dieses Kapitel als 98. Kern liest mṛduvargas tv anurādhā…, Tripāṭhī mṛduvargo 'nūrādhā…; Kerns Lesart braucht kein metrisch gedehntes anūrādhā. Sachlich identisch.

Der Muhūrta-Cintāmaṇi verdichtet dieselbe Liste und fügt den Wochentag hinzu. Bemerkenswert ist, wie er Revatī nennt: nicht mit Namen, sondern als antya, „das letzte" — das Nakṣatra braucht keinen Namen, seine Stellung genügt zur Bezeichnung:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.7

मृगान्त्यचित्रामित्रर्क्षं मृदु मैत्रं भृगुस् तथा तत्र गीताम्बरक्रीडामित्रकार्यं विभूषणम्

mṛgāntyacitrāmitrarkṣaṃ mṛdu maitraṃ bhṛgus tathā tatra gītāmbarakrīḍāmitrakāryaṃ vibhūṣaṇam

Mṛgaśiras, das letzte [Revatī], Citrā und das Mitra-Nakṣatra [Anurādhā], ebenso der Venustag [Freitag], sind mṛdu, „sanft", und maitra, „freundlich". Darin: Gesang, Kleidung, Spiel, Freundesdienst, Schmuck.

Mṛgāntyacitrāmitrarkṣaṃ: Mṛgaśiras, das letzte (Revatī), Citrā und das Mitra-Gestirn (Anurādhā); wörtl. mṛga (Mṛgaśiras) + antya (das letzte) + citrā + mitrarkṣa (Gestirn des Mitra) (n. 1/1). Mṛdu: sanft - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Maitraṃ: freundlich, dem Mitra gehörend - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Bhṛgus: Bhṛgu (Śukra), der Freitag (m. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). Tatra: darin, dort (avy.). Gītāmbarakrīḍāmitrakāryaṃ: Gesang, Kleidung, Spiel und Freundesdienst; wörtl. gīta (Gesang) + ambara (Gewand) + krīḍā (Spiel) + mitrakārya (Freundeswerk) (n. 1/1). Vibhūṣaṇam: Schmuck, Zierat (n. 1/1).

Kollationiert aus drei Ausgaben, buchstabengleich. Der Kommentar Pīyūṣadhārā löst auf: antyaṃ revatī — „das letzte ist Revatī"; krīḍā sei das Spiel mit einer Frau.

Revatī ist dabei eines der freigebigsten Nakṣatras der Wahllehre. Die Bṛhat Saṃhitā führt es nicht nur unter den sanften, sondern auch in vier weiteren Gunstlisten desselben Kapitels: bei der Haarschur (97.12), bei Saṃskāra, Dīkṣā und Initiation (97.15), bei der Ohrendurchbohrung (bei Kern 98.17) und bei der Hochzeit (99.7). Nur eine Handvoll Nakṣatras — Hasta, Citrā, Mṛgaśiras, Svātī, Puṣya — kommt auf ähnlich viele Nennungen. Wer in der klassischen Wahllehre einen guten Tag sucht, landet oft bei Revatī.

Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen, aber auch Waren und Dinge zu — es geht dort um Vorzeichendeutung im grossen Massstab, nicht um Geburtsdeutung:

Bṛhat Saṃhitā 15.25

पौष्णे सलिलजफलकुसुमलवणमणिशङ्खमौक्तिकाब्जानि सुरभिकुसुमानि गन्धा वणिजो नौकर्णधाराश् च

pauṣṇe salilajaphalakusumalavaṇamaṇiśaṅkhamauktikābjāni surabhikusumāni gandhā vaṇijo naukarṇadhārāś ca

Beim Pūṣan-Gestirn: Wassergewächse, Früchte, Blüten, Salz, Edelsteine, Muscheln, Perlen und Lotosse; duftende Blüten, Wohlgerüche, Kaufleute und Schiffssteuerleute.

Pauṣṇe: beim Pūṣan-Gestirn, im Nakṣatra Revatī (n. 7/1). Salilajaphalakusumalavaṇamaṇiśaṅkhamauktikābjāni: Wassergewächse, Früchte, Blüten, Salz, Edelsteine, Muscheln, Perlen und Lotosse; wörtl. salilaja (im Wasser geboren) + phala (Frucht) + kusuma (Blüte) + lavaṇa (Salz) + maṇi (Edelstein) + śaṅkha (Muschel) + mauktika (Perle) + abja (Lotos) (n. 1/3). Surabhikusumāni: duftende Blüten; wörtl. surabhi (wohlriechend) + kusuma (Blüte) (n. 1/3). Gandhā: Wohlgerüche, Duftstoffe (m. 1/3). Vaṇijo: Kaufleute, Händler (m. 1/3). Naukarṇadhārāś: Schiffssteuerleute; wörtl. nau (Schiff) + karṇadhāra (Steuermann, „Ruderhalter") (m. 1/3). Ca: und (avy.).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865, kollationiert mit Tripāṭhī. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an; Revatī steht deshalb als fünfundzwanzigstes.

Die Liste ist über weite Strecken eine Aufzählung von Dingen, die aus dem Wasser kommen — Wassergewächse, Muscheln, Perlen, Lotosse, Salz — und von denen, die damit handeln: Kaufleute und Schiffssteuerleute. Das Zeichen Mīna und die Verbindung zum Wasser prägen den Vers durchgehend. Zugleich ist es einer der wenigen Verse des Kapitels, in dem ausschliesslich Angenehmes steht: keine Diebe, keine Grausamen, kein Ketzer. Zwei Verse weiter oben, bei Pūrva-Bhādrapadā, sieht das ganz anders aus.

Der Jātaka-Pārijāta sagt schliesslich, was ein unter Revatī Geborener mitbekommt — und Revatī ist dabei das einzige der 27 Nakṣatras, dem zwei volle Versviertel gewidmet sind:

Jātaka-Pārijāta 9.90c–d (in der Kashi-Zählung 9.91c–d)

रेवत्याम् उरुलाञ्छनोपगतनुः कामातुरः सुन्दरो मन्त्री पुत्रकलत्रमित्रसहितो जातः स्थिरश्रीरतः

revatyām urulāñchanopagatanuḥ kāmāturaḥ sundaro mantrī putrakalatramitrasahito jātaḥ sthiraśrīrataḥ

Unter Revatī [wird man] einer, dessen Leib ein breites Mal trägt, liebeskrank und schön; ratskundig, mit Söhnen, Gattin und Freunden versehen, geboren zu dauerhaftem Glück.

Revatyām: unter Revatī, im Nakṣatra Revatī (f. 7/1). Urulāñchanopagatanuḥ: dessen Leib ein breites Mal trägt; wörtl. uru (breit, weit) + lāñchana (Mal, Zeichen) + upaga (versehen mit) + tanu (Leib) (m. 1/1). Kāmāturaḥ: liebeskrank; wörtl. kāma (Liebesverlangen) + ātura (krank, geplagt) (m. 1/1). Sundaro: schön, anmutig (m. 1/1). Mantrī: ratskundig, Ratgeber (m. 1/1). Putrakalatramitrasahito: mit Söhnen, Gattin und Freunden versehen; wörtl. putra (Sohn) + kalatra (Gattin) + mitra (Freund) + sahita (versehen mit) (m. 1/1). Jātaḥ: der Geborene (m. 1/1). Sthiraśrīrataḥ: dauerhaftem Glück teilhaftig; wörtl. sthira (dauerhaft) + śrī (Glück, Glanz) + rata (zugetan) (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 629, kollationiert mit der Kashi Sanskrit Series; die beiden Ausgaben zählen um eins verschieden und teilen den Schlusspāda verschieden ab (sthira-śrī-rataḥ gegen sthiraḥ śrī-rataḥ) — dieselben Akṣaras, zwei Lesarten. Die Übersetzung ist eigen.

Dass Revatī zwei Versviertel bekommt, hat einen schlichten Grund: 27 geht nicht durch 4 auf. Der Jātaka-Pārijāta behandelt die Nakṣatras in sieben Versen zu je vier Vierteln; das ergibt 28 Plätze für 27 Nakṣatras, und der übrige Platz fällt an das letzte. Das ist Arithmetik, keine Auszeichnung — wohl aber der Grund, warum die Geburtsdeutung Revatīs ausführlicher ist als jede andere.

Die Parallelstelle im Bṛhajjātaka (16.14cd, gleichlautend Bṛhat Saṃhitā 100.14cd) sagt: sampūrṇāṅgaḥ subhagaḥ śūraḥ śucir arthavān pauṣṇe — „vollgliedrig, anmutig, tapfer, rein, vermögend". Die beiden Überlieferungen sind sich hier einig, was bei weitem nicht überall so ist; bei Bharaṇī, Rohiṇī, Hasta und Mūla widersprechen sie einander glatt.

Die Sterne des Asterismus

ζ Piscium und der siderische Nullpunkt. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta; sie fällt hier praktisch mit dem Stern zusammen — das ist die Aussage des Bildes. Der Pfeil misst den Abstand zwischen dem Stern und 0° Meṣa, aus dem sich die Differenz der beiden Bezugsrahmen ablesen lässt. Massstab in Länge und Breite gleich; siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri, ekliptikale Breite J2000,0. ζ Piscium und der siderische Nullpunkt. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta; sie fällt hier praktisch mit dem Stern zusammen — das ist die Aussage des Bildes. Der Pfeil misst den Abstand zwischen dem Stern und 0° Meṣa, aus dem sich die Differenz der beiden Bezugsrahmen ablesen lässt. Massstab in Länge und Breite gleich; siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri, ekliptikale Breite J2000,0.

ζ Piscium und der siderische Nullpunkt. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta; sie fällt hier praktisch mit dem Stern zusammen — das ist die Aussage des Bildes. Der Pfeil misst den Abstand zwischen dem Stern und 0° Meṣa, aus dem sich die Differenz der beiden Bezugsrahmen ablesen lässt. Massstab in Länge und Breite gleich; siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri, ekliptikale Breite J2000,0.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition aus Sūrya-Siddhānta 8.2, 8.6 und 8.18 nach Burgess 1860; eigene Rechnung.

Die Bṛhat Saṃhitā gibt für Revatī zweiunddreissig Sterne an (dvātriṃśat) — die höchste Zahl der ganzen Reihe. Welche zweiunddreissig gemeint sind, sagt keine Quelle, und sie lassen sich auch nicht auflisten; es sind erkennbar die zahlreichen lichtschwachen Sterne im Band zwischen den beiden Fischen.

Für die yogatārā, den Verbindungsstern, ist die Sache dagegen so klar wie bei keinem anderen Abschnitt. Das Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.18 die südlichste der Gruppe, und alle Autoritäten setzen sie auf die Ekliptik. Alle ausser dem Sūrya-Siddhānta selbst und der Cākalya-Saṃhitā setzen sie sogar genau auf den Nullpunkt der fixen siderischen Sphäre. Gemeint ist ζ Piscium, ein Stern fünfter Grösse, der nur 13 Bogenminuten südlich der Ekliptik steht. Burgess vermerkt dazu: „Er fiel im Jahr 572 unserer Zeitrechnung in der Länge mit dem Frühlingspunkt zusammen."

Das Sūrya-Siddhānta gibt für ihn dhruvaka 359°50′ und vikṣepa 0°00′ — also zehn Bogenminuten vor dem Nullpunkt, nicht genau auf ihm. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern der Unterschied zwischen zwei Traditionen: der Text setzt den Stern knapp vor den Nullpunkt, die übrigen Autoritäten setzen ihn genau darauf. Zehn Bogenminuten sind sechs Jahre Präzession.

Es gibt hier also keinen Dissens über die Identifikation — Revatī gehört mit Rohiṇī, Mṛgaśiras, Punarvasu, Maghā, Citrā, Svātī, Anurādhā, Jyeṣṭhā, Śravaṇa, Dhaniṣṭhā und Śatabhiṣaj zu den vierzehn Abschnitten, bei denen keine der geprüften Quellen widerspricht. Al-Bīrūnī vermerkt allerdings schon um 1030, dass der Punkt „nicht sicher bestimmbar" sei; das liegt an der Lichtschwäche des Sterns, nicht an der Überlieferung.

Die Sterne im Katalog

ζ Psc Aζ Psc B
RolleYogatārāBegleiterin
HR361362
HD73447345
HIP57375743
Helligkeit V5,196,1
SpektraltypA7 IVF7 V
Rektaszension01ʰ 13ᵐ 43,9ˢ01ʰ 13ᵐ 45,3ˢ
Deklination+7° 34′ 31″+7° 34′ 42″
Ekl. Länge J200019° 53′19° 53′
Ekl. Breite J2000−0° 13′−0° 13′

Rektaszension und Deklination gelten für Äquinoktium und Epoche J2000,0. ζ Piscium ist ein Doppelstern: die beiden Komponenten stehen rund 23 Bogensekunden voneinander, was mit einem Fernglas oder einem kleinen Fernrohr gut zu trennen ist, mit blossem Auge aber nicht. In den ekliptikalen Koordinaten fallen sie auf Bogenminuten genau zusammen; für jede Frage der Nakṣatra-Grenze sind sie ein Punkt.

Und hier liegt etwas Bemerkenswertes: der Stern, an dem der ganze siderische Tierkreis hängt, ist ein Stern fünfter Grösse. Aldebaran, Regulus, Spica, Antares, Altair — die yogatārās der übrigen Abschnitte sind vielfach berühmte, helle Sterne. Der Nullpunktstern ist einer, den man in einer Stadtnacht nicht sieht. Dass die Überlieferung ihn trotzdem so genau bestimmt hat, spricht dafür, dass sie ihn nicht wegen seiner Helligkeit gewählt hat, sondern wegen seiner Lage: er steht praktisch genau auf der Ekliptik, und das macht ihn als Messpunkt brauchbar wie keinen hellen Stern, die alle einige Grad daneben stehen.

Wo die Sterne heute stehen — und warum das die ganze Reihe erklärt

Um zu prüfen, wo ζ Piscium heute steht, muss die Position von J2000,0 auf ein Stichjahr fortgeschrieben und dann um den Ayanāṃśa vermindert werden. Für 2025,0 ergibt sich:

Ayanāṃśa (2025,0)Wertζ Psc AAbstand bis 0° Meṣa
Lahiri / Citrāpakṣa24° 12′ 23″26° 01′ Mīna3° 59′
True Citrā24° 11′ 21″26° 02′ Mīna3° 58′
Krishnamurti24° 06′ 34″26° 07′ Mīna3° 53′
Raman22° 45′ 36″27° 28′ Mīna2° 32′
Fagan / Bradley25° 05′ 23″25° 08′ Mīna4° 52′

ζ Piscium liegt bei allen fünf gebräuchlichen Ayanāṃśas in Revatī — so weit, so unauffällig. Der eigentliche Befund steht in der letzten Spalte: der Stern, der nach der klassischen Überlieferung genau auf dem Nullpunkt stehen soll, steht heute 3°59′ davor.

Das ist kein Messfehler und keine Verschiebung des Sterns. Es ist die Differenz zwischen zwei Bezugsrahmen, und sie ist der Schlüssel zu allem, was in den Portraits dieser Reihe über abgewanderte Sterne gesagt wird.

Die beiden Rahmen

Das Sūrya-Siddhānta zählt siderische Länge von einem Nullpunkt, den Whitney mit dem Frühlingspunkt des Jahres 560 gleichsetzt — Burgess kommt an ζ Piscium selbst auf 572. Der Lahiri-Ayanāṃśa dagegen setzt seinen Nullpunkt rund 270 Jahre früher an: ein Ayanāṃśa von 24°12′ im Jahr 2025 entspricht bei 50,29 Bogensekunden im Jahr einem Nulldurchgang um das Jahr 292.

Die beiden Rahmen sind also um etwa 3°45′ bis 3°50′ gegeneinander verschoben. Jede Position, die das Sūrya-Siddhānta angibt, wird im Lahiri-Rahmen um knapp vier Grad kleiner.

Und genau das lässt sich am Nullpunktstern selbst ablesen — ganz ohne Theorie, ganz ohne Sternidentifikation: ζ Piscium soll nach dem Sūrya-Siddhānta bei 0° stehen und steht im Lahiri-Rahmen bei 26°01′ Mīna, also 3°59′ davor. Die Rechnung bestätigt die Rahmendifferenz unabhängig. Dass die gemessenen 3°59′ etwas grösser ausfallen als die theoretischen 3°45′ bis 3°50′, hat denselben Grund wie die zehn Bogenminuten oben: das Sūrya-Siddhānta setzt den Stern selbst nicht ganz auf 0°, sondern auf 359°50′.

Warum so viele Sterne im vorhergehenden Abschnitt stehen

Rechnet man alle 102 Sterne der 27 Nakṣatras durch und prüft für jeden, ob er heute noch in dem Abschnitt liegt, der seinen Namen trägt, so ergibt sich mit dem Lahiri-Ayanāṃśa für 2025,0: 31 von 102 liegen ausserhalb. Darunter sieben yogatārās — also sieben Verbindungssterne, die den Abschnitt eigentlich definieren sollen:

NakṣatraYogatārāsiderische Länge 2025 (Lahiri)liegt in
Ārdrāα Orionis (Betelgeuse)4° 54′ MithunaMṛgaśira
Svātīα Bootis (Arcturus)0° 23′ TulāCitrā
Jyeṣṭhāα Scorpii (Antares)15° 54′ VṛścikaAnurādhā
Pūrvāṣāḍhāδ Sagittarii (Kaus Media)10° 43′ DhanusMūla
Uttarāṣāḍhāσ Sagittarii (Nunki)18° 32′ DhanusPūrvāṣāḍhā
Śravaṇaα Aquilae (Altair)7° 55′ MakaraUttarāṣāḍhā
Dhaniṣṭhāβ Delphini (Rotanev)22° 29′ MakaraŚravaṇa

In allen sieben Fällen liegt der Stern im vorhergehenden Abschnitt, nie im folgenden. Das ist kein Zufall, und es ist auch kein Argument gegen die Überlieferung. Es hat zwei Ursachen, die sich addieren:

  1. Die Rahmenverschiebung von rund vier Grad, die oben am Nullpunktstern abgelesen wurde. Ein Stern, der im Rahmen des Sūrya-Siddhānta sauber am Anfang seines Abschnitts stand, liegt im Lahiri-Rahmen fast vier Grad weiter unten — und fällt damit in den vorhergehenden Abschnitt, wenn er nicht mindestens vier Grad Reserve hatte. Da ein Abschnitt nur 13°20′ misst, ist das ein knappes Drittel.

  2. Der Stern stand schon im Rahmen des Sūrya-Siddhānta nicht am Anfang seines Abschnitts. Bei Arcturus etwa liegt die Sollposition wegen der extremen ekliptikalen Breite von 34 Grad um sechzehn Grad von der polaren Länge entfernt.

Die entscheidende Probe ist diese: rechnet man die reine Sollposition des Sūrya-Siddhānta — ganz ohne Sternidentifikation, nur die Zahlen des Textes — in den Lahiri-Rahmen um, so landet sie bei zehn Nakṣatras im Nachbarabschnitt: Ārdrā, Āśleṣā, Uttaraphalgunī, Svātī, Jyeṣṭhā, Mūla, Pūrvāṣāḍhā, Uttarāṣāḍhā, Śravaṇa und Dhaniṣṭhā. Genau dort sitzen auch sechs der sieben abgewanderten yogatārās.

Der Befund ist also überwiegend ein Rahmeneffekt, kein Beleg dafür, dass die Identifikationen falsch wären. Es gibt eine Ausnahme — Ārdrā, wo auch die Rahmenkorrektur nicht hilft und ein anderer Stern (γ Geminorum) sauber passt. Bei allen übrigen gilt: wer die Rahmendifferenz abzieht, bekommt die Sterne dorthin zurück, wo die Überlieferung sie hat.

Und das ist der Grund, warum dieser Abschnitt der richtige Ort für die Erklärung ist. Alles hängt an Revatī. Die vier Grad, um die die sieben yogatārās verrutscht sind, sind dieselben vier Grad, um die ζ Piscium vor dem Nullpunkt steht. Wer wissen will, warum Antares nicht in Jyeṣṭhā und Altair nicht in Śravaṇa liegt, muss hier hinsehen — nicht dort.

Was daraus folgt, und was nicht

Daraus folgt nicht, dass der Lahiri-Ayanāṃśa falsch wäre. Er ist eine Festlegung, keine Messgrösse; die Lahiri-Zählung geht auf den Beschluss des indischen Calendar Reform Committee von 1955 zurück, das sie auf 23°15′00″ zum 21. März 1956 festsetzte, und das Indian Astronomical Ephemeris von 1985 korrigierte diesen Wert auf 23°15′00,658″ — die massgebliche Quelle widerspricht also sich selbst, wenn auch nur um Sekundenbruchteile. Die Spanne zwischen den Schulen ist erheblicher: zwischen Raman und Fagan/Bradley liegen über zwei Grad, und das verschiebt einen Stern um mehr als einen halben Pāda.

Daraus folgt auch nicht, dass man den Ayanāṃśa nach ζ Piscium festlegen sollte. Genau das tut der sogenannte Revatī-Ayanāṃśa, den manche Schulen vertreten; er läge rund vier Grad über dem Lahiri-Ayanāṃśa. Hier wird dafür nicht plädiert — die Zahlen werden gezeigt, die Entscheidung nicht getroffen. Alle Werte dieser Seite sind mit dem Lahiri-Ayanāṃśa gerechnet und als solche gekennzeichnet.

Was daraus folgt, ist bescheidener und wichtiger: wer eine Nakṣatra-Tabelle liest, in der ein Stern „ausserhalb seines Abschnitts" steht, liest in den allermeisten Fällen einen Rahmeneffekt und keinen Überlieferungsfehler. Und: keine Zahl dieser Art ist ohne Stichdatum und ohne Angabe des Ayanāṃśa etwas wert. Die siderischen Längen wachsen um rund 50 Bogensekunden im Jahr.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminiert ζ Piscium 50,7 Grad hoch — mittelhoch, ordentlich über der horizontnahen Dunstschicht, aber nicht so günstig wie die Sterne des Pegasus-Vierecks. Zirkumpolar ist er nicht. Um Mitternacht kulminiert er um den 13. Oktober, die Sonne steht um den 10. April bei ihm; rund vier Wochen davor und danach ist er unsichtbar. Beste Sichtbarkeit ist im Herbst.

Mit blossem Auge ist ζ Piscium kein leichtes Objekt. Mit 5,2 Grössenklassen verlangt er einen wirklich dunklen Himmel; in einer beleuchteten Agglomeration ist er nicht zu sehen, und auch bei mittelmässigen Bedingungen muss man wissen, wo man suchen muss. Das Sternbild der Fische ist insgesamt eines der lichtschwächsten des Tierkreises — es enthält keinen einzigen Stern heller als vierter Grösse. Der Ort, an dem der siderische Tierkreis beginnt, ist am Nachthimmel also eine der unauffälligsten Stellen überhaupt.

Wer ihn trotzdem finden will, geht vom Pegasus-Viereck aus nach Süden: das Band zwischen den beiden Fischen zieht sich unter dem Viereck entlang, und ζ Piscium steht in diesem Band. Ein Fernglas zeigt dann auch gleich die beiden Komponenten getrennt.

Namen und Namensvarianten

Der Name revatī ist in allen Schichten derselbe — das ist bei diesem Nakṣatra eine Besonderheit. Während Mṛgaśiras im Brāhmaṇa invakā heisst, Ārdrā bāhū, Svātī niṣṭyā, Jyeṣṭhā rohiṇī, Mūla mūlavarhaṇī und die Bhādrapadās proṣṭhapadā, steht bei Revatī in Taittirīya-Saṃhitā, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1, im Nakṣatra-Sūkta TB 3.1.2, bei Varāhamihira, im Muhūrta-Cintāmaṇi und im Jātaka-Pārijāta immer dasselbe Wort. Revatī hat als einziges der 27 keine vedische Namensvariante.

Was der Name bedeutet, sagt Bhaṭṭabhāskara ausdrücklich. Er glossiert revatī mit dhanavatī, „die Begüterte, die Reiche", und fügt eine grammatische Erklärung hinzu: die Form entstehe durch Saṃprasāraṇa aus rayi, „Reichtum" — er zitiert dazu die Regel rayer mattau bahulam. Ob diese Ableitung sprachwissenschaftlich haltbar ist, ist eine andere Frage; belegt ist, dass der klassische Kommentar den Namen so verstanden hat. Damit ist Revatī eines der wenigen Nakṣatras, deren Namensbedeutung in einer klassischen Quelle ausdrücklich steht und nicht erst aus modernen Wörterbüchern erschlossen werden muss.

Varāhamihira benutzt für Revatī gern den Namen der Gottheit: pauṣṇa, „das dem Pūṣan gehörige [Gestirn]" (15.25, 97.10), und pauṣṇe auch in den Gunstlisten. Der Muhūrta-Cintāmaṇi nennt es antya, „das letzte". Wer in einem klassischen Text nach Revatī sucht, muss auch unter diesen beiden nachsehen.

Wo Revatī in den ältesten Listen steht

Dass Revatī an siebenundzwanzigster Stelle steht, ist eine Folge davon, dass die Reihe bei Aśvinī beginnt — und dieser Anfang ist nicht alt. Die ältesten Listen beginnen mit Kṛttikā. Das Taittirīya-Brāhmaṇa sagt den Grund sogar ausdrücklich: múkhaṃ vā́ etán nákṣatrāṇām | yát kŕ̥ttikāḥ — „Dies ist der Mund der Nakṣatras, nämlich die Kṛttikās."

In einer Liste, die bei Kṛttikā beginnt, steht Revatī nicht am Ende, sondern an fünfundzwanzigster Stelle — und unmittelbar danach kommen Aśvayujau (Aśvinī) und Apabharaṇī (Bharaṇī), mit denen die Liste schliesst. Die Taittirīya-Saṃhitā sagt das in einem Atemzug, und dieser eine Satz ist die Nahtstelle der ganzen Reihe:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.3

रेवती नक्षत्रं पूषा देवता अश्वयुजौ नक्षत्रम् अश्विनौ देवता अपभरणीर् नक्षत्रं यमो देवता

revátī nákṣatram pūṣā́ devátā aśvayújau nákṣatram aśvínau devátā apabháraṇīr nákṣatraṃ yamó devátā

Revatī ist das Nakṣatra, Pūṣan die Gottheit; die beiden Aśvayujau sind das Nakṣatra, die beiden Aśvinau die Gottheit; die Apabharaṇīs sind das Nakṣatra, Yama die Gottheit.

Revatī: Revatī, 27. Nakṣatra; „die Reiche" (f. 1/1). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Pūṣā: Pūṣan, der Mehrer, der Hüter der Wege und Herden (m. 1/1). Devatā: Gottheit (f. 1/1). Aśvayujau: die beiden Rossegespannten, das Nakṣatra Aśvinī; wörtl. aśva (Pferd) + yuj (anschirrend) (f. 1/2). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn (n. 1/1). Aśvinau: die beiden Aśvins, das göttliche Zwillingspaar (m. 1/2). Devatā: Gottheit (f. 1/1). Apabharaṇīr: die Apabharaṇīs, ältere Namensform von Bharaṇī; wörtl. apa (weg) + bharaṇī (die Tragende) (f. 1/3). Nakṣatraṃ: Nakṣatra, Gestirn (n. 1/1). Yamo: Yama, der Herr der Toten (m. 1/1). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Übersetzung im Anschluss an A. B. Keith, Harvard Oriental Series 19 (1914), S. 349, hier neu ins Deutsche gebracht. Derselbe Textlauf steht im Aśvinī-Portrait, von dort aus gelesen.

Zwei Dinge sind daran festzuhalten.

Erstens: die Reihenfolge Revatī → Aśvinī → Bharaṇī steht schon in der Saṃhitā. Wer heute die Reihe bei Aśvinī beginnen lässt, hat nicht die Reihenfolge geändert, sondern nur den Schnittpunkt verlegt — den Punkt, an dem man zu zählen anfängt. Die Nachbarschaft Revatī–Aśvinī ist dieselbe geblieben. Das ist der Grund, warum das Aśvinī-Portrait mit demselben Vers beginnt, mit dem dieses endet: es ist ein Kreis, und zwischen dem siebenundzwanzigsten und dem ersten Abschnitt liegt keine Fuge.

Zweitens: der Text ist ein ritueller, kein astrologischer. Er gehört zum Agnicayana, der Schichtung des Feueraltars, und zählt die Mantras für die nakṣatra-iṣṭakā, die Nakṣatra-Ziegel, auf. Keith beschreibt ihre Anordnung: die Ziegel liegen im Kreis um den durchbohrten Stein, „beginnend im Südosten mit Kṛttikā und endend mit Viśākhā, dann weiter im Nordwesten mit Anurādhā und endend mit den Apabharaṇīs". Auch hier also ein Kreis — und Revatī, Aśvinī und Bharaṇī sind die drei letzten Ziegel, die gelegt werden.

Die Verse

Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe wie die Saṃhitā, stellt aber die Gottheit in den Genitiv voran und fügt jedem Nakṣatra ein Begriffspaar bei — eines „oberhalb", eines „unterhalb". Bei Revatī ist es der kürzeste Eintrag der ganzen Liste:

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.5

पूष्णो रेवती गावः परस्ताद् वत्सा अवस्तात्

pūṣṇó revátī gā́vaḥ parástād vatsā́ avástāt

Des Pūṣan [ist] Revatī. Die Kühe oberhalb, die Kälber unterhalb.

Pūṣṇo: des Pūṣan (m. 6/1). Revatī: Revatī, die Reiche (f. 1/1). Gāvaḥ: die Kühe, die Rinder (f. 1/3). Parastāt: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Vatsā: die Kälber (m. 1/3). Avastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Die Anukramaṇī am Ende des Abschnitts zählt die fünf Untereinheiten nach ihren Schlusswörtern ab und nennt dabei vatsā avastāt — die Revatī-Zeile ist also die letzte Mantrazeile der ganzen Liste. Wortglossar hier erstellt.

Dieses Begriffspaar ist die Grundlage der Śakti-Angabe, die weiter oben steht: parastāt und avastāt sind das „oberhalb" und „unterhalb" der Formel. Was das Brāhmaṇa hier nüchtern nebeneinanderstellt — Kühe und Kälber —, deutet Bhaṭṭabhāskara als die beiden Enden eines Nährvorgangs und trägt das mittlere Glied, die Śakti selbst, erst ein.

Die stärkste Primärstelle ist ein anderer Text: das Nakṣatra-Sūkta des Taittirīya-Brāhmaṇa, ein Zyklus von Opferversen, der jedem Nakṣatra eine eigene Strophe gibt. Hier ist Revatī keine Sternformation, sondern Pūṣans Gefährtin:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2, Mantra 12 (Nakṣatreṣṭi)

पूषा रेवत्य् अन्वेति पन्थाम् पुष्टिपती पशुपा वाजबस्त्यौ इमानि हव्या प्रयता जुषाणा सुगैर् नो यानैर् उपयातां यज्ञम् क्षुद्रान् पशून् रक्षतु रेवती नः गावो नो अश्वाँ अन्वेतु पूषा अन्नं रक्षन्तौ बहुधा विरूपम् वाजं सनुतां यजमानाय यज्ञम्

pūṣā́ revaty ánveti pánthām puṣṭipátī paśupā́ vā́jabastyau imā́ni havyā́ práyatā juṣāṇā́ sugáir no yā́nair úpayātāṃ yajñám kṣudrā́n paśū́n rakṣatu revátī naḥ gā́vo no áśvāṃ ánvetu pūṣā́ ánnaṃ rákṣantau bahudhā́ vírūpam vā́jaṃ sanutāṃ yájamānāya yajñám

Pūṣan und Revatī folgen dem Pfad, die beiden Herren des Gedeihens, Viehhüter, mit Kraftnahrung in den Zügeln. Diese dargebrachten Opfergaben annehmend, sollen die beiden auf leichtgängigen Fahrten zu unserem Opfer kommen. Das Kleinvieh schütze uns Revatī, unseren Rindern und Rossen folge Pūṣan. Die beiden, die die vielgestaltige Speise schützen, sollen dem Opferherrn Kraftgewinn und Opfer verschaffen.

Pūṣā: Pūṣan, der Mehrer (m. 1/1). Revaty: Revatī (f. 1/1). Anveti: folgt nach, zieht entlang; wörtl. anu (nach) + i (gehen) (laṭ III/1). Panthām: den Pfad, den Weg (m. 2/1). Puṣṭipatī: die beiden Herren des Gedeihens; wörtl. puṣṭi (Gedeihen, Wohlstand) + pati (Herr) (m. 1/2). Paśupā: die beiden Viehhüter; wörtl. paśu (Vieh) + pā (hütend) (m. 1/2). Vājabastyau: die beiden mit Kraftnahrung in den Zügeln; wörtl. vāja (Kraftnahrung, Siegespreis) + basti (Zügel) (m. 1/2). Imāni: diese (n. 2/3). Havyā: Opfergaben, Opferspeisen (n. 2/3). Prayatā: dargebracht, hingereicht (n. 2/3). Juṣāṇā: (die beiden,) die sie gern annehmen (m. 1/2). Sugair: auf leichtgängigen, gut befahrbaren; wörtl. su (gut) + ga (gehend) (n. 3/3). No: zu unserem (6/3). Yānair: mit Fahrzeugen, auf Fahrten (n. 3/3). Upayātāṃ: die beiden mögen herankommen; wörtl. upa (heran) + yā (fahren) (loṭ III/2). Yajñam: zum Opfer (m. 2/1). Kṣudrān: das kleine, das geringe (m. 2/3). Paśūn: das Vieh, die Tiere (m. 2/3). Rakṣatu: sie schütze (loṭ III/1). Revatī: Revatī (f. 1/1). Naḥ: uns (2/3). Gāvo: die Rinder, die Kühe (f. 1/3). No: unseren (6/3). Aśvāṃ: die Rosse, die Pferde (m. 2/3). Anvetu: er folge nach; wörtl. anu (nach) + i (gehen) (loṭ III/1). Pūṣā: Pūṣan (m. 1/1). Annaṃ: die Speise, die Nahrung (n. 2/1). Rakṣantau: die beiden Schützenden (m. 1/2). Bahudhā: vielfach, auf viele Arten (avy.). Virūpam: vielgestaltig, verschiedengestaltig; wörtl. vi (aus-, ver-) + rūpa (Gestalt) (n. 2/1). Vājaṃ: Kraftgewinn, Nahrung, Siegespreis (m. 2/1). Sanutāṃ: die beiden mögen gewinnen, verschaffen (loṭ III/2). Yajamānāya: dem Opferherrn (m. 4/1). Yajñam: das Opfer (m. 2/1).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org, Wortlaut geprüft an der Mysore-Ausgabe (Bd. III). Die Stelle ist auch als Nakṣatra-Sūkta liturgisch in Gebrauch; dieselbe Mantrareihe steht in Taittirīya-Saṃhitā 3.5.1. Im Satz gā́vo no áśvāṃ ánvetu pūṣā́ steht gāvaḥ im Nominativ, aśvān im Akkusativ; die Übersetzung folgt dem Sinn. Wortglossar hier erstellt.

Aus der neueren Lehrüberlieferung stammt der Merkvers, mit dem die letzten fünf Namen der Reihe gelernt werden — und er endet, wie die Reihe selbst, mit Revatī:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 4

धनिष्ठा शतताराख्यं पूर्वाभाद्रपदा ततः उत्तराभाद्रपाच् चैव रेवत्य् एतानि भानि च

dhaniṣṭhā śatatārākhyaṃ pūrvābhādrapadā tataḥ uttarābhādrapāc caiva revaty etāni bhāni ca

Dhaniṣṭhā, das [Nakṣatra] namens Śatatārā, darauf Pūrvābhādrapadā; und Uttarābhādrapadā und Revatī: das sind die Nakṣatras.

Dhaniṣṭhā: Dhaniṣṭhā, 23. Nakṣatra (f. 1/1). Śatatārākhyaṃ: das (Nakṣatra) namens Śatatārā (Śatabhiṣaj), 24. Nakṣatra (n. 1/1). Pūrvābhādrapadā: Pūrvābhādrapadā, 25. Nakṣatra (f. 1/1). Tataḥ: darauf (avy.). Uttarābhādrapāc: Uttarābhādrapadā, 26. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Eva: eben (avy.). Revaty: Revatī, 27. Nakṣatra (f. 1/1). Etāni: diese (n. 1/3). Bhāni: die Nakṣatras, Sternbilder (n. 1/3). Ca: und (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Der Vers schliesst die vierteilige Merkversreihe mit etāni bhāni ca ab — „das sind die Nakṣatras".

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die vollständige Lage im Rāśi Mīna und der Umstand, dass der vierte Pāda den Navāṃśa Mīna trägt. Das folgt aus der Einteilung selbst und ist gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Sicher ist auch die Zuordnung des Herrschers Budha, die sich aus der Viṃśottarī-Reihe ergibt.

Am Originalvers belegt sind: die Devatā Pūṣan (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.2, bestätigt durch Bṛhat Saṃhitā 97.5 — bei diesem Nakṣatra ohne jeden Widerspruch zwischen den Zeugen), das Paar gāvaḥ / vatsāḥ (Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1), die Śakti samt ihren drei Gliedern und die Namensbedeutung „die Reiche" (Bhaṭṭabhāskara zum Brāhmaṇa), die Sternzahl zweiunddreissig (Bṛhat Saṃhitā 97.2), die Wesensart mṛdu/maitra und die zugehörigen Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.10, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.7), die weiteren Gunstlisten (Bṛhat Saṃhitā 97.12, 97.15, 99.7), die Menschengruppen und Waren (Bṛhat Saṃhitā 15.25), Gaṇa, Yoni, Nāḍī und Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.25, 6.34, 2.9, bestätigt durch Nārada-Saṃhitā) sowie die Geburtsdeutung (Jātaka-Pārijāta 9.90, bestätigt durch Bṛhajjātaka 16.14).

Die Sternidentifikation ist belegt und unstrittig. Das Sūrya-Siddhānta gibt die Sollposition (dhruvaka 359°50′, vikṣepa 0°00′) und bestimmt in 8.18 die südlichste der Gruppe; die Rechnung trifft ζ Piscium auf Bogenminuten. Keine der geprüften Quellen widerspricht. Al-Bīrūnīs Vermerk, der Punkt sei „nicht sicher bestimmbar", betrifft die Sichtbarkeit des Sterns, nicht die Überlieferung.

Nachgerechnet, nicht übernommen ist der ganze Abschnitt über den Nullpunkt. Die 3°59′ zwischen ζ Piscium und 0° Meṣa, die Liste der sieben abgewanderten yogatārās und die Probe an der reinen SS-Sollposition stammen aus einer eigenen Rechnung über alle 102 Sterne der Reihe, die nachvollziehbar abgelegt ist. Die Deutung — Rahmeneffekt, nicht Überlieferungsfehler — folgt Whitneys und Burgess’ Argumentation, ist aber an den Zahlen unabhängig geprüft.

Nicht belegt und deshalb markiert oder ganz weggelassen: das Geschlecht der Yoni, für das die klassische Lehre gar keinen Platz hat; die Namenssilben; das Symbol — weder die zwei Fische noch die Trommel haben einen klassischen Vers hinter sich; die Himmelsrichtung, die hier gar nicht erst geführt wird, weil sie nur in moderner Fachliteratur steht; und welche zweiunddreissig Sterne die Bṛhat Saṃhitā meint.

Berichtigt wurden zwei Angaben, die durch die Literatur laufen: der Varṇa (im Heiratsvergleich brāhmaṇa nach dem Rāśi Mīna, nicht śūdra) und die Herkunft der Śakti-Formel (Bhaṭṭabhāskara, nicht Sāyaṇa).

Nicht verwendet wurde die Deutung Pūṣans als Gott des Übergangs, des Abschieds und der letzten Reise, die durch die moderne Nakṣatra-Literatur läuft. Sie ist aus der Stellung am Reihenende erschlossen und steht in keiner der eingesehenen klassischen Quellen; dort ist Pūṣan der Mehrer, der Hüter der Herden und der Begleiter auf dem Weg. Ebenso wenig wird hier für einen Revatī-Ayanāṃśa plädiert: die Zahlen stehen oben, die Entscheidung gehört nicht auf diese Seite.

Was noch offen ist: Die zweiunddreissig Sterne liessen sich nicht auflisten, und die Trommelfigur nicht nachzeichnen. Der Wortlaut der Cākalya-Saṃhitā, die als einzige neben dem Sūrya-Siddhānta den Nullpunktstern nicht genau auf 0° setzt, war nicht zu beschaffen; ihre Lesart steht hier nur nach Burgess’ Referat. Und die publizierten Ayanāṃśa-Werte des Indian Astronomical Ephemeris für 2025 lagen nicht vor; gerechnet ist mit den Werten der Swiss Ephemeris.