Pūrva-Phalgunī

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पूर्वफल्गुनी 11. Nakṣatra · 13°20′ bis 26°40′ Siṃha (siderisch) · Herrscher Śukra

Pūrva-Phalgunī, „die vordere Phalgunī", ist die erste Hälfte eines Doppel-Nakṣatras. Zusammen mit Uttara-Phalgunī bildet sie am Himmel eine einzige Figur — ein Viereck aus vier Sternen im Hinterteil des Löwen, das die Überlieferung als Bett deutet —, und die Trennung in zwei Abschnitte läuft mitten hindurch. Bei diesem Paar liegt zugleich der schwierigste Quellenbefund der ganzen Reihe: die Gottheit ist zwischen der vedischen und der astrologischen Überlieferung vertauscht. Wer sagt, die Devatā von Pūrva-Phalgunī sei Bhaga, sagt etwas, das seit Varāhamihira gilt — und dem alle vedischen Zeugen widersprechen. Beides steht unten.

Himmelsabschnitt und Pādas

Pūrva-Phalgunī reicht von 133°20′ bis 146°40′ siderischer Länge und liegt damit vollständig im Rāśi Siṃha (Löwe). Die vier Pādas zu je 3°20′ tragen die Navāṃśa-Zeichen Siṃha, Kanyā, Tulā und Vṛścika: Siṃha ist ein festes Zeichen, seine Navāṃśa-Reihe beginnt bei Meṣa, und die Pādas dieses Nakṣatras sind der fünfte bis achte Navāṃśa des Zeichens.

PādavonbisNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
113°20′16°40′SiṃhaDharmaनो no
216°40′20°00′KanyāArthaटा ṭā
320°00′23°20′TulāKāmaटी ṭī
423°20′26°40′VṛścikaMokṣaटू ṭū

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich nicht nachweisen.

Dass Pūrva-Phalgunī ganz in Siṃha liegt, sagt der Vers, der die Pādas auf die Zeichen verteilt:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Siṃha)

मघा च पूर्वाफाल्गुनी उत्तराफाल्गुनीपादम् एकं सिंहः

maghā ca pūrvāphālgunī uttarāphālgunīpādam ekaṃ siṃhaḥ

[Die vier Pādas von] Maghā und Pūrvāphālgunī sowie ein Pāda von Uttarāphālgunī [bilden] Siṃha [den Löwen].

Maghā: Maghā, 10. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Pūrvāphālgunī: Pūrvāphālgunī, 11. Nakṣatra (f. 1/1). Uttarāphālgunīpādam: ein Pāda von Uttarāphālgunī; wörtl. uttarāphālgunī (12. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (n. 1/1). Ekaṃ: ein, eines (n. 1/1). Siṃhaḥ: Siṃha, der Löwe (5. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Die Devatā

Hier ist zuerst zu sagen, was die Quellen sagen, und erst danach, was die Tabellen sagen.

Die vedischen Zeugen nennen Aryaman. Die Taittirīya-Saṃhitā führt beide Phalgunīs unter demselben Namen und unterscheidet sie ausschliesslich durch die Gottheit; die zuerst genannte — also die vordere — hat Aryaman. Das Taittirīya-Brāhmaṇa sagt es ausdrücklich: aryamṇáḥ pū́rve phálgunī, „des Aryaman sind die vorderen Phalgunīs", und ein paar Zeilen weiter bhágasya úttare, „des Bhaga sind die hinteren". Im Nakṣatra-Sūkta desselben Werks steht der Aryaman-Mantra vor dem Bhaga-Mantra. Und Bhaṭṭabhāskara Miśra, der älteste greifbare Kommentator der Stelle, liest es ebenso — er belegt seine Auslegung sogar mit dem Vers aus dem Nakṣatra-Sūkta, in dem Aryaman „als Stier der Phalgunīs brüllt".

Die astrologische Überlieferung nennt Bhaga — und zwar nicht erst seit gestern. Varāhamihiras Gottheitsliste in Bṛhat Saṃhitā 97.4 gibt für das elfte Nakṣatra yoni, ein Deckwort für Bhaga, und für das zwölfte aryaman; sein Geburtskapitel nennt Pūrva-Phalgunī schlicht bhāgya, „das Bhaga-Gestirn"; der Muhūrta-Cintāmaṇi folgt ihm; die modernen Tabellen tun dasselbe, und auch das Kursmaterial, aus dem dieses Portrait sonst schöpft.

Die Vertauschung ist also nicht modern. Sie ist im 6. Jahrhundert bei Varāhamihira bereits vollzogen und läuft von dort ungebrochen bis heute. Was nicht zutrifft, ist der Satz, den man häufig liest: dass die Zuordnung „Pūrva-Phalgunī = Bhaga" vedisch sei. Sie ist es nicht; die vedischen Quellen stehen einhellig dagegen. Beide Fassungen gehören genannt, und die vedische muss als vedisch gekennzeichnet werden.

Wer ist Aryaman? Einer der Ādityas, der Gott der Gastfreundschaft, der Bündnisse und vor allem der Ehe; die Milchstrasse heisst aryamṇaḥ panthāḥ, „Aryamans Pfad", und bei der Hochzeit wird er angerufen. Wer ist Bhaga? Ebenfalls ein Āditya, der Gott des Anteils, des Zuteilens und damit des Glücks — sein Name steckt in bhāgya, „Schicksal", und in subhaga, „anmutig, vom Glück begünstigt". Die beiden sind einander in der Sache nah genug, dass eine Verwechslung nicht überrascht; sie sind sich aber nicht gleich, und die Kommentare geben ihnen ganz verschiedene Rollen: Aryaman zeugt, Bhaga gibt.

Eine Randnotiz zur Wortwahl Varāhamihiras. Dass er für Bhaga das Deckwort yoni setzt, hat einen sachlichen Grund: bhaga heisst neben „Anteil, Glück" auch „Schoss". In einer Namensliste, in der jede Silbe zählt, ist yoni die kürzere und eindeutige Alternative.

Die Śakti

Das Taittirīya-Brāhmaṇa gibt für Pūrva-Phalgunī das Paar jāyā, „die Gattin", oberhalb und ṛṣabha, „der Stier", unterhalb. Das mittlere Glied und das Ergebnis stehen erst im Kommentar — und zwar nicht bei Sāyaṇa, wie meist angenommen wird, sondern bei Bhaṭṭabhāskara Miśra:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

अर्यम्णः पूर्वे फल्गुनी फल्गुन्यौ तत्र निषिञ्चतो ऽर्यम्णः त्रयं भवति परस्ताज् जाया स्वयं जायते यत्र प्रजार्थेन मध्ये कालात्मिका प्रजननशक्तिः अवस्ताद् ऋषभः रेतस्सेचनः एतत्त्रयोपपत्तौ निषिक्तो गर्भो भवति

aryamṇaḥ pūrve phalgunī phalgunyau tatra niṣiñcato 'ryamṇaḥ trayaṃ bhavati parastāj jāyā svayaṃ jāyate yatra prajārthena madhye kālātmikā prajananaśaktiḥ avastād ṛṣabhaḥ retassecanaḥ etattrayopapattau niṣikto garbho bhavati

„Des Aryaman sind die vorderen Phalgunīs" - die beiden Phalgunīs. Dabei gibt es von Aryaman, der den Samen ergiesst, ein Dreifaches: oberhalb die Gattin, in der man selbst um der Nachkommenschaft willen geboren wird; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft des Zeugens; unterhalb der Stier, der den Samen ergiesst. Wenn diese drei zustande kommen, ist die Leibesfrucht empfangen.

Aryamṇaḥ: des Aryaman (m. 6/1). Pūrve: die beiden vorderen (f. 1/2). Phalgunī: die beiden Phalgunīs (f. 1/2). Phalgunyau: das heisst: die beiden Phalgunīs (Auflösung des Lemmas durch den Kommentar) (f. 1/2). Tatra: dabei, in diesem Fall (avy.). Niṣiñcato: des Ergiessenden (Partizip Präsens zu ni-sic „hineingiessen") (m. 6/1). 'ryamṇaḥ: des Aryaman (m. 6/1). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: es gibt, entsteht (laṭ III/1). Parastāj: oberhalb, darüber (avy.). Jāyā: die Gattin (f. 1/1). Svayaṃ: selbst (avy.). Jāyate: man wird geboren (laṭ III/1). Yatra: worin, in der (avy.). Prajārthena: um der Nachkommenschaft willen; wörtl. prajā (Nachkommenschaft) + artha (Zweck) (m. 3/1). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmikā: zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātmikā (wesenhaft) (f. 1/1). Prajananaśaktiḥ: die Kraft des Zeugens; wörtl. prajanana (Zeugung) + śakti (Kraft) (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Ṛṣabhaḥ: der Stier (m. 1/1). Retassecanaḥ: der den Samen ergiesst; wörtl. retas (Samen) + secana (Ergiessung) (m. 1/1). Etattrayopapattau: beim Zusammentreffen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + upapatti (Zustandekommen) (f. 7/1). Niṣikto: eingegossen, empfangen (m. 1/1). Garbho: die Leibesfrucht, der Keim (m. 1/1). Bhavati: wird, ist (laṭ III/1).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 248 (Abschnitt 9 der Ausgabe). Grammatische Exkurse des Kommentars sind ausgelassen.

Die Formel ist eine Zeugungsformel: oben die Gattin, in der Mitte die zeitgestaltige Kraft des Zeugens, unten der Stier, der den Samen ergiesst, und als Ergebnis die empfangene Leibesfrucht. Bhaṭṭabhāskara baut das Bild vorher aus: die Phalgunīs sind die brünstigen Kühe, Aryaman ist der Stier — und er belegt das mit der Zeile aus dem Nakṣatra-Sūkta, die unten bei den Versen steht.

Für jede Verwendung gilt zweierlei. Erstens gehört das Attribut kālātmikā, „zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist", zur Formel; es fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe. Zweitens ist die Zuschreibung an Sāyaṇa falsch — Bhaṭṭabhāskaras Bhāṣyadīpikā ist Jahrhunderte älter als Sāyaṇas Bhāṣya.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt. Wo eine Angabe in den hier greifbaren Quellen keinen Beleg hat, steht das ausdrücklich da.

Himmelsabschnitt13°20′ bis 26°40′ Siṃha, siderisch Rechnung; Vers zur Pāda-Verteilung
Fixsterneδ Leonis (Zosma), nach einer zweiten Überlieferung θ Leonis (Chertan); dazu 93 Leonis als Ecke des Bett-Vierecks Sūrya-Siddhānta 8.16; Burgess 1860 gegen Siddhānta-Śiromaṇi
HerrscherŚukra Viṃśottarī-Reihe
DevatāAryaman nach den vedischen Listen — Bhaga nach der astrologischen Überlieferung seit Varāhamihira zwei Überlieferungen, siehe unten
Śaktikālātmikā prajanana-śakti, „die zeitgestaltige Kraft des Zeugens" — oberhalb die Gattin, unterhalb der Stier; Ergebnis: die Leibesfrucht ist empfangen Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
Symboldie Vorderbeine eines Betts eigenes Kursmaterial — dort widersprüchlich, siehe unten
Namensbedeutungphalgu „rötlich; klein, unbedeutend", pūrva „die vordere" Monier-Williams; Bhaṭṭabhāskaras eigene Deutung weicht ab
Wesensartugra (schrecklich) / krūra (grausam) Bṛhat Saṃhitā 97.8; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4
Gaṇamanuṣya (menschlich) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 29.127
Yoni (Tier)Maus (undura, ākhu), geteilt mit Maghā; Feindtier ist die Katze Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26
Yoni-Geschlechtunbelegt siehe unten
Nāḍīmadhya (die mittlere) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34; Nārada-Saṃhitā 29.141
Varṇakṣatriya im Heiratsvergleich — agraja (Brahmanen) in der Gesellschaftszuordnung zwei verschiedene Systeme, siehe unten
GuṇaTamas–Rajas–Tamas im Loka-Schema — Rajas im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme
TattvaJala (Wasser) eigenes Kursmaterial
LokaBhuva eigenes Kursmaterial
RichtungNorden moderne Fachliteratur
Mukhaadhomukha (abwärts blickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Silbenनो no · टा ṭā · टी ṭī · टू ṭū Lehrüberlieferung
Körperteillinke Hand, im Schema des Nakṣatrapuruṣa ab Kṛttikā gezählt eigenes Kursmaterial; schemaabhängig
Puruṣārthaje Pāda Dharma, Artha, Kāma, Mokṣa Lehrüberlieferung
TätigkeitenAusrottung, Vernichtung, Betrug; Fesselung, Gift, Brandlegung, Waffengewalt Bṛhat Saṃhitā 97.8; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4
MenschengruppenSchauspieler, junge Frauen, Anmutige, Musiker, Handwerker, Handelsware; Baumwolle, Salz, Fliegen (oder Honig), Öle, Knaben Bṛhat Saṃhitā 15.9

Wo die Quellen auseinandergehen

Die Gottheit — der schwerste Fall der ganzen Reihe. Oben schon ausgeführt, hier als Übersicht, weil er sich sonst leicht verwischt:

ZeugePūrva-PhalgunīUttara-Phalgunī
Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10AryamanBhaga
Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1AryamanBhaga
Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.1AryamanBhaga
Bhaṭṭabhāskara zu TB 1.5.1AryamanBhaga
Bṛhat Saṃhitā 97.4 und 100.6yoni / bhāgya = BhagaAryaman
Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26 und 6.34BhagaAryaman
heutige Jyotiṣa-TabelleBhagaAryaman

Vier vedische Zeugen stehen gegen die gesamte astrologische Linie. Der Bruch liegt zwischen dem Brāhmaṇa-Kommentar und Varāhamihira; eine Zwischenstufe, die ihn erklären würde, wurde nicht gefunden. Es ist also nicht so, dass die moderne Literatur einen alten Text falsch abgeschrieben hätte — die Astrologie rechnet seit mindestens anderthalb Jahrtausenden so. Nur „vedisch" ist diese Zuordnung nicht.

Das Symbol — ein Fehler im eigenen Bestand. Das Kursmaterial, aus dem dieses Portrait die nicht-klassischen Angaben bezieht, sagt an zwei Stellen „Vorderbeine eines Betts" für Pūrva-Phalgunī und „Hinterbeine" für Uttara-Phalgunī — im Fliesstext und in der Tabelle des Nakṣatramaṇḍala. Die zusammenfassende Symboltabelle am Kapitelende desselben Dokuments dreht das um und gibt Pūrva-Phalgunī die hinteren Bettbeine. Zwei von drei eigenen Quellen sagen dasselbe, die dritte widerspricht beiden und führt die Verdrehung beim verwandten Paar Pūrva-/Uttara-Bhādrapadā nicht einmal konsistent durch. Das ist ein Übertragungsfehler, keine Lehrmeinungsdifferenz. Er wird hier benannt und nicht übernommen: pūrva heisst „der vordere", und die Kommentare legen dieselbe Reihenfolge nahe — Zeugung bei der vorderen, Heimführung der Braut bei der hinteren.

Varṇa. Die modernen Tabellen geben für Pūrva-Phalgunī brāhmaṇa. Das ist Bṛhat Saṃhitā 15.28, wo die drei Pūrvā zusammen mit Kṛttikā den agraja, den „Erstgeborenen", zugewiesen werden — eine gesellschaftsprognostische Einteilung mit sieben Klassen, kein Kūṭa der Heiratsprüfung. Der Varṇa-Kūṭa des Melāpaka wird nach dem Rāśi vergeben (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22); Pūrva-Phalgunī liegt ganz in Siṃha und ist dort kṣatriya. Beide Angaben sind für sich richtig; wer mit dem Aṣṭakūṭa rechnet, muss kṣatriya ansetzen.

Guṇa. Zwei Systeme liegen übereinander, beide im selben eigenen Kursmaterial: das dreiwertige Loka-Schema ergibt Tamas–Rajas–Tamas, das Navatārā-Schema nach dem Tārā-Herrscher ergibt Rajas. Sie beantworten verschiedene Fragen und werden regelmässig vermengt.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben „Ratte, weiblich" — als Gegenstück zur „männlichen" Ratte von Maghā. Das Tier ist belegt, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten; der Bau des Verses ist dabei selbst die Lehre, denn die beiden Yonis eines Versviertels sind einander feind. Maus und Katze stehen in Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26 im selben Pāda. Mehr sagt der Vers nicht.

Wesensart und Tätigkeiten

Die Wahllehre teilt die Nakṣatras nach ihrer Wesensart ein. Pūrva-Phalgunī gehört mit den beiden anderen Pūrvā, mit Bharaṇī und mit Maghā zur Klasse der schrecklichen:

Bṛhat Saṃhitā 97.8 (in Kerns Zählung 98.8)

उग्राणि पूर्वभरणीपित्र्याण्युत्सादनाशशाठ्येषु योज्यानि बन्धविषदहनशस्त्रघातादिषु च सिद्ध्यै

ugrāṇi pūrvabharaṇīpitryāṇy utsādanāśaśāṭhyeṣu yojyāni bandhaviṣadahanaśastraghātādiṣu ca siddhyai

Die Pūrvā, Bharaṇī und das Väter-Gestirn (Maghā) sind die schrecklichen [ugra]; sie sind bei Ausrottung, Vernichtung und Betrug anzusetzen, und zum Gelingen bei Fesselung, Gift, Brandlegung, Waffengewalt und dergleichen.

Ugrāṇi: schrecklich, grimmig - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/3). Pūrvabharaṇīpitryāṇy: die Pūrvā, Bharaṇī und das Väter-Gestirn; wörtl. pūrva (die vorderen) + bharaṇī + pitrya (den Vätern gehörend) (n. 1/3). Utsādanāśaśāṭhyeṣu: bei Ausrottung, Vernichtung und Tücke; wörtl. utsāda (Ausrottung) + nāśa (Vernichtung) + śāṭhya (Betrug) (n. 7/3). Yojyāni: anzusetzen, zu verwenden (n. 1/3). Bandhaviṣadahanaśastraghātādiṣu: bei Fesselung, Gift, Brandlegung, Waffengewalt und dergleichen; wörtl. bandha (Fesselung) + viṣa (Gift) + dahana (Brennen) + śastraghāta (Waffenschlag) + ādi (und so fort) (n. 7/3). Ca: und (avy.). Siddhyai: zum Gelingen, zum Erfolg (f. 4/1).

Ausgabe A. V. Tripāṭhī, Vārāṇasī 1968, gegen H. Kern, Kalkutta 1865; Devanāgarī aus dem IAST-Text abgeleitet, verbindlich ist die IAST-Zeile.

Zur Benennung: Varāhamihira sagt ugra. Der zweite Klassenname krūra, den die Muhūrta-Literatur führt, ist jünger. Und zur Zählung: die Bṛhat Saṃhitā zählt hier ab Kapitel 97, Kerns Ausgabe von 1865 ab 98 — der Versatz beginnt erst bei Kerns Zusatzkapitel 38 und gilt deshalb nicht für Kapitel 15.

Der Muhūrta-Cintāmaṇi verdichtet dieselbe Gruppe und hängt den Wochentag an:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4

पूर्वात्रयं याम्यमघे उग्रं क्रूरं कुजस्तथा तस्मिन् घाताग्निशाठ्यानि विषशस्त्रादि सिद्ध्यति

pūrvātrayaṃ yāmyamaghe ugraṃ krūraṃ kujas tathā tasmin ghātāgniśāṭhyāni viṣaśastrādi siddhyati

Die drei Pūrvā, Bharaṇī und Maghā, ebenso der Marstag (Dienstag), sind ugra, „grimmig", und krūra, „grausam". Darin gelingen Totschlag, Feuer, Tücke, Gift, Waffe und dergleichen.

Pūrvātrayaṃ: die drei Pūrvā; wörtl. pūrvā (die vordere) + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Yāmyamaghe: Bharaṇī (das Yama-Gestirn) und Maghā; wörtl. yāmya (dem Yama gehörend) + maghā (f. 1/2). Ugraṃ: grimmig - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Krūraṃ: grausam - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Kujas: Kuja (Maṅgala), der Dienstag; wörtl. ku (Erde) + ja (geboren) (m. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). Tasmin: unter diesem [Nakṣatra]. Ghātāgniśāṭhyāni: Totschlag, Feuer und Tücke; wörtl. ghāta (Erschlagen) + agni (Feuer) + śāṭhya (Tücke) (n. 1/3). Viṣaśastrādi: Gift, Waffe und dergleichen; wörtl. viṣa (Gift) + śastra (Waffe) + ādi (und so fort) (n. 1/1). Siddhyati: es gelingt (laṭ I/1).

Kollationiert aus drei Ausgaben. Zwei davon lesen im Mūla vāta° statt ghāta°; der Kommentar glossiert das Wort in beiden Fassungen mit hananam, „Töten" — ghāta ist die richtige Lesart.

Nun steht diese Klassenzuweisung in einem bemerkenswerten Gegensatz zu dem, was dieselbe Bṛhat Saṃhitā dem Nakṣatra an Menschen und Dingen zuordnet:

Bṛhat Saṃhitā 15.9

प्राक्फल्गुनीषु नटयुवतिसुभगगान्धर्वशिल्पिपण्यानि कर्पासलवणमक्षिकतैलानि कुमारकाश्चापि

prākphalgunīṣu naṭayuvatisubhagagāndharvaśilpipaṇyāni karpāsalavaṇamakṣikatailāni kumārakāścāpi

Bei Pūrvaphalgunī: Schauspieler, junge Frauen, Anmutige, Musiker, Handwerker und Handelsware; Baumwolle, Salz, Fliegen und Öle - und auch Knaben.

Prākphalgunīṣu: bei Pūrvaphalgunī; wörtl. prāc (vorn) + phalgunī (f. 7/3). Naṭayuvatisubhagagāndharvaśilpipaṇyāni: Schauspieler, junge Frauen, Anmutige, Musiker, Handwerker und Handelsware; wörtl. naṭa (Schauspieler) + yuvati (junge Frau) + subhaga (anmutig) + gāndharva (Musiker) + śilpin (Handwerker) + paṇya (Ware) (n. 1/3). Karpāsalavaṇamakṣikatailāni: Baumwolle, Salz, Fliegen und Öle; wörtl. karpāsa (Baumwolle) + lavaṇa (Salz) + makṣika (Fliege; Lesart mākṣika: Honig, Kupferkies) + taila (Öl) (n. 1/3). Kumārakāś: Knaben (m. 1/3). Ca: und (avy.). Api: auch (avy.).

Ausgabe A. V. Tripāṭhī, Vārāṇasī 1968, mit Kerns Apparat. Kern und Utpala lesen mākṣika („Honig", auch „Kupferkies") statt makṣika („Fliege"); in einer Warenliste ist die erste Lesart sachlich näherliegend, gedruckt ist bei Tripāṭhī die zweite. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an; Pūrvaphalgunī steht als neuntes.

Schauspieler, junge Frauen, Anmutige, Musiker, Handwerker — das ist eine durchweg freundliche Reihe, und keine andere der fünf ugra-Nakṣatras bekommt eine vergleichbare. Der Gegensatz ist nicht aufzulösen; er gehört zu dem, was dieses Nakṣatra ausmacht. Die Wahllehre fragt, wozu ein Zeitpunkt taugt, das Vorzeichenkapitel fragt, wer und was unter einem Gestirn steht — zwei Fragen, zwei Antworten.

Das Wort makṣika / mākṣika im zweiten Halbvers ist eine der Stellen, an denen ein einziger Vokal den Sinn kippt: „Fliegen" oder „Honig". Beide Lesarten sind gedruckt bezeugt, und beide sind hier stehengelassen.

Die Geburtsdeutung

Die ältere Schicht ist Varāhamihiras Nakṣatrajātaka — dasselbe Kapitel steht in zwei seiner Werke, als Bṛhat Saṃhitā 100 und als Bṛhajjātaka 16:

Bṛhat Saṃhitā 100.6cd (Kern 101.6cd) = Bṛhajjātaka 16.6cd

प्रियवाग् दाता द्युतिमान् अटनो नृपसेवको भाग्ये

priyavāg dātā dyutimān aṭano nṛpasevako bhāgye

Beim Bhaga-Gestirn (Pūrvaphalgunī): freundlich redend, freigebig, glänzend, umherziehend, dem König dienend.

Priyavāg: freundlich redend; wörtl. priya (lieb) + vāc (Rede) (m. 1/1). Dātā: freigebig, ein Geber (m. 1/1). Dyutimān: glänzend, von Glanz erfüllt (m. 1/1). Aṭano: umherziehend, wandernd (m. 1/1). Nṛpasevako: dem König dienend; wörtl. nṛpa (Fürst) + sevaka (Diener) (m. 1/1). Bhāgye: beim Bhaga-Gestirn - Varāhamihiras Name für Pūrvaphalgunī (n. 7/1).

GRETIL-Texte nach A. V. Tripāṭhī (Bṛhat Saṃhitā) und der Oriental-Books-Ausgabe 1979 (Bṛhajjātaka); an dieser Stelle stimmen beide überein. bhāgya ist Varāhamihiras Name für dieses Nakṣatra.

Der Jātaka-Pārijāta, rund tausend Jahre jünger, fällt deutlich strenger aus:

Jātaka-Pārijāta 9.86c (in der Kashi-Zählung 9.87c)

फल्गुन्यां चपलः कुकर्मचरितस् त्यागी दृढः कामुको

phalgunyāṃ capalaḥ kukarmacaritas tyāgī dṛḍhaḥ kāmuko

Unter Phalgunī [wird man] unstet, von schlechtem Tun, freigebig, fest und begehrlich.

Phalgunyāṃ: unter Phalgunī - der Vers sagt nur „Phalgunī"; dass die vordere gemeint ist, ergibt sich daraus, dass das nächste Versviertel die hintere ausdrücklich nennt (f. 7/1). Capalaḥ: unstet, beweglich (m. 1/1). Kukarmacaritas: von schlechtem Tun; wörtl. ku (schlecht) + karman (Tat) + carita (Wandel) (m. 1/1). Tyāgī: freigebig, ein Schenkender (m. 1/1). Dṛḍhaḥ: fest, standhaft (m. 1/1). Kāmuko: begehrlich, verliebt (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 627, und Kashi Sanskrit Series; die beiden Ausgaben zählen um eins verschieden. Nur das Versviertel zu Pūrvaphalgunī ist hier wiedergegeben.

Die beiden gehen auseinander, und zwar in der Bewertung: „freundlich redend, freigebig, glänzend, dem König dienend" gegen „unstet, von schlechtem Tun, freigebig, fest, begehrlich". Einig sind sie sich nur in der Freigebigkeit. Der ältere Text ist der günstigere; ob das etwas bedeutet oder nur zwei Handschriftentraditionen spiegelt, lässt sich nicht entscheiden. Beide Sätze stehen deshalb hier.

Ein Detail zur Zuordnung: der Vers des Jātaka-Pārijāta sagt nur phalgunyāṃ, „unter Phalgunī", ohne zu sagen, welche. Dass die vordere gemeint ist, ergibt sich daraus, dass das folgende Versviertel die hintere ausdrücklich nennt. Der Text ist an dieser Stelle unscharf, die Übersetzung nicht falsch.

Die Sterne des Asterismus

Das Viereck des „Betts“ im Hinterteil des Löwen, mit dem Abschnitt der Pūrvaphalgunī hervorgehoben. Massstab in Länge und Breite gleich. Der gestrichelte Ring bezeichnet die beiden Sterne, die als Yogatārā in Frage kommen; der offene Kreis die Sollposition des Sūrya-Siddhānta. β Leonis, die vierte Ecke, liegt bereits im folgenden Abschnitt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Das Viereck des „Betts“ im Hinterteil des Löwen, mit dem Abschnitt der Pūrvaphalgunī hervorgehoben. Massstab in Länge und Breite gleich. Der gestrichelte Ring bezeichnet die beiden Sterne, die als Yogatārā in Frage kommen; der offene Kreis die Sollposition des Sūrya-Siddhānta. β Leonis, die vierte Ecke, liegt bereits im folgenden Abschnitt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0.

Das Viereck des „Betts“ im Hinterteil des Löwen, mit dem Abschnitt der Pūrvaphalgunī hervorgehoben. Massstab in Länge und Breite gleich. Der gestrichelte Ring bezeichnet die beiden Sterne, die als Yogatārā in Frage kommen; der offene Kreis die Sollposition des Sūrya-Siddhānta. β Leonis, die vierte Ecke, liegt bereits im folgenden Abschnitt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860.

Die Figur, die hier steht, gehört nicht diesem Nakṣatra allein. Burgess hat für die drei Doppel-Nakṣatras — die beiden Phalgunī, die beiden Aṣāḍhā, die beiden Bhādrapadā — die These aufgestellt, dass die überlieferte Gestalt jeweils dem ganzen Viereck gilt und jede Hälfte zwei Ecken bekommt. Für die Phalgunīs ist das Viereck δ, θ, 93 und β Leonis, und die Gestalt ist ein Bett: śayyā, mañca, paryaṅka. Die Rechnung stützt die These, denn die Grenze zwischen den beiden Abschnitten läuft tatsächlich mitten durch das Viereck — δ, θ und 93 Leonis liegen heute in Pūrva-Phalgunī, β Leonis in Uttara-Phalgunī.

Welcher der beiden Sterne dieser Hälfte die yogatārā ist, der Stern, nach dem der Abschnitt vermessen wird, ist strittig. Das Sūrya-Siddhānta sagt in 8.16 für beide Phalgunīs, es sei „die nördliche" — das ergibt δ Leonis (Zosma). Die Sollposition desselben Textes passt dazu. Der Siddhānta-Śiromaṇi und das Graha-Lāghava geben dagegen eine um drei beziehungsweise vier Grad grössere polare Länge, und Burgess folgert daraus mit ungewohnter Deutlichkeit: „Das sind auffälligere Abweichungen, als sie sich in irgendeinem anderen Fall finden, und sie scheinen uns anzuzeigen, dass diese Werke θ, das südliche Glied der Gruppe, als deren Verbindungsstern bezeichnen wollen." Beide Lesarten sind textlich belegt; hier wird keine davon zur alleinigen erklärt.

Für die Frage, wo das Nakṣatra am Himmel liegt, ist der Streit allerdings folgenlos — und das ist selten genug, dass es gesagt werden muss. Beide Kandidaten liegen bei jedem gebräuchlichen Ayanāṃśa innerhalb von Pūrva-Phalgunī.

Die Sterne im Katalog

δ Leoθ Leo93 Leoβ Leo
EigennameZosmaChertanDenebola
RolleYogatārāYogatārā?Ecke des VierecksEcke — in U.-Ph.
HR4357435945274534
HD9760397633102509102647
HIP54872548795756557632
Helligkeit V2,533,354,522,13
SpektraltypA5IV(n)A2IVF8III + A6IIIA3Va
Ekl. Länge J2000161°19′163°25′168°58′171°37′
Ekl. Breite J2000+14°20′+9°40′+17°19′+12°16′

δ und θ Leonis stehen einander am Himmel merkwürdig nahe — in Rektaszension trennen sie weniger als zwei Bogenminuten, in Deklination gut fünf Grad. Sie bilden zusammen die westliche Seite des Vierecks. 93 Leonis ist mit 4,5 Grössenklassen der schwächste der vier und in einer hell beleuchteten Gegend nicht zu sehen; es handelt sich um einen Doppelstern aus einem gelben Riesen und einem Stern der Spektralklasse A.

Wo die Sterne heute stehen

Um zu prüfen, ob die Sterne im Abschnitt liegen, müssen ihre Positionen von J2000,0 auf ein Stichjahr fortgeschrieben und dann um den Ayanāṃśa vermindert werden. Für 2025,0 ergibt sich:

Ayanāṃśa (2025,0)Wertδ Leoθ Leo93 Leo
Lahiri / Citrāpakṣa24° 12′ 23″17°28′19°34′25°07′
True Citrā24° 11′ 21″17°29′19°35′25°08′
Krishnamurti24° 06′ 34″17°34′19°40′25°13′
Raman22° 45′ 36″18°54′21°01′26°34′
Fagan / Bradley25° 05′ 23″16°35′18°41′24°14′

Alle Werte sind siderische Längen in Siṃha; Pūrva-Phalgunī reicht von 13°20′ bis 26°40′. Alle drei Sterne liegen bei jedem der fünf Ayanāṃśas im Abschnitt — auch 93 Leonis, das nur anderthalb Grad vor der oberen Grenze steht und deshalb der Grenzfall wäre, wenn es einen gäbe.

Das ist bei den 27 Nakṣatras die Ausnahme. Bei den meisten liegt die Yogatārā heute im vorhergehenden Abschnitt, weil der Nullpunkt des Sūrya-Siddhānta und der des Lahiri-Ayanāṃśa um knapp vier Grad auseinanderliegen — der Sūrya-Siddhānta zählt von einem Frühlingspunkt, den Whitney auf 560 n. Chr. ansetzt, Lahiri von einem rund 270 Jahre früheren. Pūrva-Phalgunī hat genug Reserve, dass die Verschiebung folgenlos bleibt. Die Sollposition der Yogatārā liegt im selben Rahmen bei 16°11′ Siṃha, gut ein Grad vor δ Leonis; die Grafik oben zeigt sie als offenen Kreis.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminiert δ Leonis 63,4 Grad hoch, θ Leonis 58,3 — beide günstig. Zirkumpolar ist keiner. Um Mitternacht kulminiert die Gruppe um den 2. März, die Sonne steht um den 4. September bei ihr; rund vier Wochen davor und danach ist sie unsichtbar. Gut zu sehen ist der Löwe von Februar bis Mai.

δ Leonis ist mit 2,5 Grössenklassen auch in der Stadt zu finden, θ Leonis mit 3,4 braucht einen halbwegs dunklen Himmel, 93 Leonis mit 4,5 einen wirklich dunklen.

Der Name

Phalgunī gehört zu phálgu, „rötlich; klein, unbedeutend, schwach" — ein Wort, das ausserdem den Frühlingsmonat phālguna benannt hat, der nach diesem Nakṣatra heisst. Die Vollmondnacht des Monats fällt in eine der beiden Phalgunīs; daher das indische Frühlingsfest Holī, das man auch phālgunotsava nennt.

Bhaṭṭabhāskara deutet den Namen anders, nämlich vom Ergebnis her: in seinem Kommentar zu Uttara-Phalgunī glossiert er phalgu phalam, „phalgu ist die Frucht", und erklärt phalgunī als „die, die das Gut der Vaterfamilie begehrt". Das ist eine Kommentar-Etymologie, keine sprachwissenschaftliche; sie sagt mehr über seine Auslegung der Śakti als über die Wortgeschichte.

Die Saṃhitā kennt für dieses Nakṣatra keinen eigenen Namen: sie sagt zweimal phálgunī und unterscheidet die beiden Hälften ausschliesslich durch die Gottheit. Erst das Brāhmaṇa setzt pū́rve und úttare davor. Genau in dieser Lücke ist die Vertauschung möglich geworden, von der oben die Rede war.

Varāhamihiras Name für dieses Nakṣatra ist weder phalgunī noch pūrvaphalgunī, sondern bhāgya, „das Bhaga-Gestirn", oder prākphalgunī, „die östliche Phalgunī". Wer die Bṛhat Saṃhitā nach „Pūrvaphalgunī" durchsucht, findet die Stellen nicht.

Die Verse

Die älteste Stelle, die dieses Nakṣatra nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā. Sie gehört zur Aufzählung der Nakṣatra-Feueraltarziegel, jeweils Nakṣatra und zugehörige Gottheit:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.1–2

फल्गुनी नक्षत्रम् अर्यमा देवता

phálgunī nákṣatram aryamā́ devátā

Phalgunī ist das Nakṣatra, Aryaman die Gottheit.

Phalgunī: Phalgunī - die Saṃhitā nennt beide Phalgunīs gleich und unterscheidet sie nur durch die Gottheit (f. 1/1). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Aryamā: Aryaman, der Āditya der Bündnisse und der Ehe (m. 1/1). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Die Segmentierung des fortlaufenden Saṃhitā-Textes in Einzeleinträge stammt von der Bearbeitung; nichts ist ergänzt oder weggelassen.

Dass hier die vordere Phalgunī gemeint ist, sagt der Vers nicht — er kann es nicht sagen, weil er beide gleich nennt. Das Brāhmaṇa holt es nach:

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.2

अर्यम्णः पूर्वे फल्गुनी जाया परस्ताद् ऋषभो ऽवस्तात्

aryamṇáḥ pū́rve phálgunī jāyā́ parástād r̥ṣabhò 'vástāt

Des Aryaman sind die vorderen Phalgunīs. Die Gattin oberhalb, der Stier unterhalb.

Aryamṇaḥ: des Aryaman (m. 6/1). Pūrve: die beiden vorderen (f. 1/2). Phalgunī: die beiden Phalgunīs (Dual) (f. 1/2). Jāyā: die Gattin, die Gebärerin (f. 1/1). Parastād: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Ṛṣabho: der Stier (m. 1/1). 'vastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Der Text setzt pū́rve („die beiden vorderen") ausdrücklich; wenige Worte später folgt bhágasya úttare, „des Bhaga sind die hinteren".

Das Begriffspaar jāyā / ṛṣabha ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben. Was das Brāhmaṇa nüchtern nebeneinanderstellt — die Gattin und den Stier —, macht Bhaṭṭabhāskara zur Zeugungsformel und trägt das mittlere Glied, die Śakti selbst, erst ein.

Im Nakṣatra-Sūkta desselben Werks steht der Opfermantra, mit dem Aryaman in diesem Abschnitt angerufen wird. Es ist die Stelle, die Bhaṭṭabhāskara ausdrücklich als Beleg anführt:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.1, Mantra 9b

येन इमा विश्वा भुवनानि संजिता यस्य देवा अनुसंयन्ति चेतः अर्यमा राजा अजरस् तुविष्मान् फल्गुनीनाम् ऋषभो रोरवीति

yéna imā́ víśvā bhúvanāni sáṃjitā yásya devā́ anusaṃyánti cétaḥ aryamā́ rā́jā ajáras túviṣmān phálgunīnām r̥ṣabhó roravīti

Durch den diese Welten alle erobert sind, dessen Sinn die Götter folgen: Aryaman, der alterlose, mächtige König, brüllt als Stier der Phalgunīs.

Yena: durch welchen (3/1). Imā: diese (n. 1/3). Viśvā: alle, sämtliche (n. 1/3). Bhuvanāni: Welten, Daseinsbereiche (n. 1/3). Saṃjitā: erobert, gewonnen (n. 1/3). Yasya: dessen (6/1). Devā: die Götter (m. 1/3). Anusaṃyanti: sie folgen nach, sie richten sich danach (laṭ III/3). Cetaḥ: dem Sinn, dem Denken (n. 2/1). Aryamā: Aryaman (m. 1/1). Rājā: König (m. 1/1). Ajaras: alterlos, nicht alternd; wörtl. a- (un-) + jara (Altern) (m. 1/1). Tuviṣmān: mächtig, kraftvoll (m. 1/1). Phalgunīnām: der Phalgunīs (f. 6/3). Ṛṣabho: Stier (m. 1/1). Roravīti: er brüllt unablässig (Intensivum zu ru-) (laṭ III/1).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Der Mantra ist doppelt so lang; hier steht die zweite Hälfte. Die erste beginnt gávāṃ pátiḥ phálgunīnām asi tvám — „Herr der Kühe der Phalgunīs bist du".

Man sieht daran, wie eng die Śakti-Formel am Text bleibt: der Stier des Mantra ist der ṛṣabha des Brāhmaṇa-Paares, und die Kühe sind die Phalgunīs selbst. Der Kommentar hat sich das Bild nicht ausgedacht.

Aus der neueren Lehrüberlieferung stammt schliesslich der Merkvers, mit dem die Reihe der Nakṣatra-Namen gelernt wird; er beginnt hier:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 2

पूर्वाफाल्गुनिका तस्माद् उत्तराफाल्गुनी ततः हस्तश् चित्रा तथा स्वाती विशाखा तदनन्तरम्

pūrvāphālgunikā tasmād uttarāphālgunī tataḥ hastaś citrā tathā svātī viśākhā tadanantaram

Danach Pūrvāphālgunī, darauf Uttarāphālgunī; Hasta, Citrā und ebenso Svātī, danach Viśākhā.

Pūrvāphālgunikā: Pūrvāphālgunī, 11. Nakṣatra (f. 1/1). Tasmād: danach, darauf (Ablativ) (n. 5/1). Uttarāphālgunī: Uttarāphālgunī, 12. Nakṣatra (f. 1/1). Tataḥ: darauf (avy.). Hastaś: Hasta, 13. Nakṣatra (m. 1/1). Citrā: Citrā, 14. Nakṣatra (f. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). Svātī: Svātī, 15. Nakṣatra (f. 1/1). Viśākhā: Viśākhā, 16. Nakṣatra (f. 1/1). Tadanantaram: danach, unmittelbar darauf (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die Stellung ganz im Rāśi Siṃha und die Zuordnung des Herrschers Śukra aus der Viṃśottarī-Reihe.

Am Originalvers belegt sind: die vedische Devatā Aryaman (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1), das Begriffspaar jāyā / ṛṣabha, die Śakti samt ihren drei Gliedern (Bhaṭṭabhāskara zum Brāhmaṇa), die Wesensart ugra und die zugehörigen Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.8, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4), die Menschengruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.9), Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.26, 6.34), das Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9) und die Geburtsdeutung (Bṛhat Saṃhitā 100.6, Jātaka-Pārijāta 9.86). Die Sternidentifikation ist belegt, aber umstritten.

Nicht belegt und deshalb markiert oder ausdrücklich so genannt: das Geschlecht der Yoni, für das die klassische Lehre gar keinen Platz hat; die Himmelsrichtung; die Namenssilben; das Symbol des Betts, das nur in neuzeitlicher Überlieferung steht — und dort, im eigenen Bestand, sogar widersprüchlich.

Berichtigt wurden drei Angaben: der Varṇa (im Heiratsvergleich kṣatriya, nicht brāhmaṇa), die Herkunft der Śakti-Formel (Bhaṭṭabhāskara, nicht Sāyaṇa) und die Vorderseite des Betts, die das eigene Kursmaterial an einer Stelle der falschen Hälfte zuweist.

Stehen gelassen wurden drei Widersprüche, weil sie echt sind. Erstens die Gottheit: vier vedische Zeugen sagen Aryaman, die gesamte astrologische Linie seit Varāhamihira sagt Bhaga. Zweitens die Yogatārā: δ nach der Sollposition des Sūrya-Siddhānta, θ nach dem Siddhānta-Śiromaṇi und dem Graha-Lāghava. Drittens die Lesart makṣika gegen mākṣika in Bṛhat Saṃhitā 15.9 — „Fliegen" gegen „Honig".

Was noch offen ist: Sāyaṇas Wortlaut zu dieser Stelle war nicht greifbar; Utpalas Kommentar zu Bṛhat Saṃhitā 15.9 ebenso wenig. Wann und wodurch die Vertauschung Aryaman/Bhaga entstand, liess sich nicht klären — bei Varāhamihira ist sie bereits vollzogen, und eine Zwischenstufe wurde nicht gefunden. Siddhānta-Śiromaṇi und Graha-Lāghava waren nur über Burgess’ Referat greifbar, nicht in eigener Ausgabe.