Punarvasu

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पुनर्वसू 7. Nakṣatra · 20°00′ Mithuna bis 3°20′ Karka (siderisch) · Herrscher Guru

Der Name ist ein Kompositum aus punar, „wieder", und vasu, das im Sanskrit sowohl „Gut, Habe, Reichtum" heisst als auch „gut, leuchtend" und daneben eine Göttergruppe bezeichnet. „Die wieder Guten", „die wieder Leuchtenden", „die, bei denen das Gut wiederkehrt" — die Übersetzungen gehen auseinander, weil vasu selbst mehrdeutig ist. Über den Abschnitt herrscht Aditi, die Mutter der Götter. Und eine Eigenheit begleitet dieses Nakṣatra durch alle Quellen: es steht in den ältesten Texten im Dualpunarvasū, „die beiden Punarvasu" —, in den jüngeren im Singular. Das ist kein Überlieferungsfehler, sondern die offene Frage, ob zwei Sterne gemeint sind oder einer.

Himmelsabschnitt und Pādas

Punarvasu reicht von 20°00′ Mithuna bis 3°20′ Karka und liegt damit über einer Zeichengrenze — drei Pādas in Mithuna (Zwillinge), einer in Karka (Krebs). Neun der 27 Nakṣatras tun das; für Punarvasu hat es Folgen bis in den Heiratsvergleich hinein (siehe unten). Die vier Pādas tragen die Navāṃśa-Zeichen Meṣa, Vṛṣabha, Mithuna und Karka.

PādavonbisNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
120°00′ Mithuna23°20′ MithunaMeṣaDharmaके ke
223°20′ Mithuna26°40′ MithunaVṛṣabhaArthaको ko
326°40′ Mithuna30°00′ MithunaMithunaKāmaहा
40°00′ Karka3°20′ KarkaKarkaMokṣaही

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich nicht nachweisen.

Dass Punarvasu mit drei Pādas in Mithuna und mit einem in Karka liegt, sagen zwei Merkverse der Rāśi-Verteilung aus dem Kursmaterial — jeder von der Seite seines Zeichens her:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt Mithuna

मृगशिरार्धम् आर्द्रा पुनर्वसुपादत्रयं मिथुनः

mṛgaśirārdham ārdrā punarvasupādatrayaṃ mithunaḥ

Die [zweite] Hälfte von Mṛgaśirā, [die vier Pādas von] Ārdrā und drei Pādas von Punarvasu [bilden] Mithuna [die Zwillinge].

Mṛgaśirārdham: die Hälfte von Mṛgaśirā; wörtl. mṛgaśiras (5. Nakṣatra) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Ārdrā: Ārdrā, 6. Nakṣatra (f. 1/1). Punarvasupādatrayaṃ: drei Pādas von Punarvasu; wörtl. punarvasu (7. Nakṣatra) + pāda (Viertel) + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Mithunaḥ: Mithuna, die Zwillinge (3. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt Karka

पुनर्वसुपादम् एकं पुष्यम् आश्लेषान्तं कर्कः

punarvasupādam ekaṃ puṣyam āśleṣāntaṃ karkaḥ

Ein Pāda von Punarvasu, Puṣya und [alles weitere] bis zum Ende von Āśleṣā [bilden] Karka [den Krebs].

Punarvasupādam: ein Pāda von Punarvasu; wörtl. punarvasu (7. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (n. 1/1). Ekaṃ: ein, eines (n. 1/1). Puṣyam: Puṣya, 8. Nakṣatra (n. 1/1). Āśleṣāntaṃ: mit Āśleṣā (9. Nakṣatra) endend, bis zum Ende von Āśleṣā; wörtl. āśleṣā + anta (Ende) (n. 1/1). Karkaḥ: Karka, der Krebs (4. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Die Devatā

Über Punarvasu herrscht Aditi. Beide vedischen Nakṣatra-Listen sagen es übereinstimmend — die Taittirīya-Saṃhitā mit áditir devátā, das Taittirīya-Brāhmaṇa mit ádityai púnarvasū, „der Aditi sind die beiden Punarvasu". Im Femininum fallen dabei Genitiv und Dativ zusammen, der Fall ist also nicht eindeutig, die Sache aber unstrittig.

Aditi ist im Ṛgveda die „Ungebundene", „Unbegrenzte" — das Wort ist die Verneinung zu diti, „Gebundenheit, Teilung". Sie ist die Mutter der Ādityas und wird als Trägerin des Alls angerufen. Bhaṭṭabhāskara greift in seinem Kommentar einen anderen Zug heraus: Aditi sei die, „die den Vasus ihr Vasu-Sein verschafft" — er verbindet also die Göttin mit dem zweiten Glied des Nakṣatra-Namens.

Der Nakṣatreṣṭi-Vers des Taittirīya-Brāhmaṇa (unten bei den Versen) spielt sechsmal mit punar, „wieder": wieder gewähre Aditi, wieder sollen die Punarvasū kommen, wieder sollen alle Götter kommen, wieder und wieder opfern wir. Das ist keine Verlegenheit des Dichters, sondern die Auslegung des Namens im Mantra selbst.

Was die Bṛhat Saṃhitā angeht, ist eine Bezeichnung auseinanderzuhalten: Varāhamihira nennt Punarvasu durchgehend āditya, „das Aditi-Gestirn". Das ist nicht das Gestirn des Sonnengottes — dafür sagt er dinakṛt oder sāvitra, und gemeint ist dann Hasta. Die Verwechslung hat Folgen; sie ist unten eigens behandelt.

Die Śakti

Das Taittirīya-Brāhmaṇa nennt für Punarvasu das Begriffspaar vā́taḥ parástāt und ārdrám avástāt — „der Wind oberhalb, das Feuchte unterhalb". Das mittlere Glied und das Ergebnis stehen erst im Kommentar Bhaṭṭabhāskara Miśras, nicht bei Sāyaṇa:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

अदित्यै पुनर्वसू वसूनां वसुत्वम् आपादयन्त्या अदित्यास् त्रयं भवति — परस्ताद् वातः विकासहेतुर् भावानाम् मध्ये कालात्मिका वसुत्वप्रापणशक्तिः अवस्ताद् आर्द्रं वृष्ट्युदकादि एतत्त्रयोपपत्तौ लतादिकं पुनर् भद्रं दृश्यते

adityai punarvasū vasūnāṃ vasutvam āpādayantyā adityās trayaṃ bhavati — parastād vātaḥ vikāsahetur bhāvānām madhye kālātmikā vasutvaprāpaṇaśaktiḥ avastād ārdraṃ vṛṣṭyudakādi etattrayopapattau latādikaṃ punar bhadraṃ dṛśyate

„Aditis sind die beiden Punarvasu." Von Aditi, die den Vasus ihr Vasu-Sein verschafft, gibt es eine Dreiheit: oberhalb der Wind — der Grund des Sich-Entfaltens der Dinge; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft, das Vasu-Sein zu verschaffen; unterhalb das Feuchte — Regenwasser und dergleichen. Beim Zusammentreffen dieser drei erscheinen Ranken und dergleichen wieder in gutem Zustand.

Adityai: der Aditi (f. 6/1). Punarvasū: die beiden Punarvasu, das 7. Nakṣatra; wörtl. punar (wieder) + vasu (Gut, gut) (m. 1/2). Vasūnāṃ: der Vasus, der Göttergruppe (m. 6/3). Vasutvam: das Vasu-Sein, die Beschaffenheit als Vasu (n. 2/1). Āpādayantyā: der Verschaffenden, der Herbeiführenden (f. 6/1). Adityās: der Aditi (f. 6/1). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: es gibt, entsteht (laṭ III/1). Parastād: oberhalb, darüber (avy.). Vātaḥ: der Wind (m. 1/1). Vikāsahetur: Grund des Sich-Entfaltens; wörtl. vikāsa (Aufblühen, Entfaltung) + hetu (Grund) (m. 1/1). Bhāvānām: der Dinge, der Wesenheiten (m. 6/3). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmikā: zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātmikā (wesenhaft) (f. 1/1). Vasutvaprāpaṇaśaktiḥ: die Kraft, das Vasu-Sein zu verschaffen; wörtl. vasutva (Vasu-Sein) + prāpaṇa (Verschaffen) + śakti (Kraft) (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Ārdraṃ: das Feuchte (n. 1/1). Vṛṣṭyudakādi: Regenwasser und dergleichen; wörtl. vṛṣṭi (Regen) + udaka (Wasser) + ādi (und so fort) (n. 1/1). Etattrayopapattau: beim Zusammentreffen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + upapatti (Zustandekommen) (f. 7/1). Latādikaṃ: Ranken und dergleichen; wörtl. latā (Ranke, Schlingpflanze) + ādika (und so fort) (n. 1/1). Punar: wieder, von neuem (avy.). Bhadraṃ: gut, heil, in gutem Zustand (n. 1/1). Dṛśyate: wird gesehen, erscheint (laṭ karmaṇi III/1).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 247. Am Seitenbild gelesen. Die Ausgabe führt zu dieser Stelle keine Lesartvariante.

Die Formel lautet damit vasutva-prāpaṇa-śakti, „die Kraft, das Vasu-Sein zu verschaffen" — also die Kraft, Dinge wieder zu dem zu machen, was sie sein sollen. Das Bild ist das der Vegetation nach dem Regen: oben der Wind, der aufblühen lässt, unten das Regenwasser, in der Mitte die Kraft, die beides ins Werk setzt, und als Ergebnis Ranken, die wieder gut dastehen.

Zweierlei ist daran bemerkenswert.

Erstens greift das Ergebnis den Namen des Nakṣatras auf: punar bhadraṃ dṛśyate, „erscheint wieder gut". Bhaṭṭabhāskara legt den Namen also in die Formel hinein, und man kann das nicht anders lesen denn als bewusstes Spiel.

Zweitens ist das „unterhalb"-Glied ārdram, „das Feuchte" — das ist der Name des vorhergehenden Nakṣatras, Ārdrā. Die Reihe der Begriffspaare im Taittirīya-Brāhmaṇa ist also nicht ganz ohne Querverbindungen; ob das Absicht ist oder Zufall des Wortschatzes, sagt der Text nicht.

Von diesen beiden Beobachtungen abgesehen gilt hier die allgemeine Einordnung: vātaḥ und ārdram sind Wortlaut des Brāhmaṇa; das mittlere Glied und das Ergebnis sind Kommentar des 11. oder 12. Jahrhunderts. Das Attribut kālātmikā, „zeitgestaltig", das die Kraft ausdrücklich als die des Zeitlaufs an dieser Himmelsstelle bestimmt, fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe der Formel.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt.

Himmelsabschnitt20°00′ Mithuna bis 3°20′ Karka, siderisch Rechnung; zwei Verse zur Pāda-Verteilung
Fixsterneβ Geminorum (Pollux) als Yogatārā, dazu α Geminorum (Castor); nach anderen Autoritäten vier Sterne Sūrya-Siddhānta 8.19; Whitney/Burgess 1860
HerrscherGuru (Bṛhaspati) Viṃśottarī-Reihe
DevatāAditi, die Ungebundene, Mutter der Ādityas Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
Śaktivasutva-prāpaṇa-śakti, „die Kraft, das Vasu-Sein zu verschaffen" — oberhalb der Wind, unterhalb das Feuchte; Ergebnis: das Gewächs erscheint wieder in gutem Zustand Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
SymbolBogen mit Köcher (fünf Pfeile); in der modernen Fachliteratur meist ein Haus eigenes Kursmaterial; moderne Fachliteratur
Namensbedeutungpunar „wieder" + vasu „Gut, Habe; gut, leuchtend"; in den ältesten Listen Dual punarvasū Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
Wesensartcara / cala (beweglich, schwankend) — bei Varāhamihira ohne Klassennamen Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3; Bṛhat Saṃhitā 97.11cd, siehe unten
Gaṇadeva (göttlich) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29
Yoni (Tier)Katze (mārjāra), geteilt mit Āśleṣā Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26
Yoni-Geschlechtin den klassischen Versen nicht vergeben siehe unten
Nāḍīādi (die erste) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34
Varṇaim Heiratsvergleich śūdra für die Pādas 1–3, brāhmaṇa für Pāda 4 — vaṇigjana (Kaufleute) in der Gesellschaftszuordnung Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22 gegen Bṛhat Saṃhitā 15.29
GuṇaRajas–Sattva–Rajas im Nakṣatra-Guṇa-Schema — Sattva im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme, eigenes Kursmaterial
TattvaJala (Wasser) eigenes Kursmaterial
LokaBhū eigenes Kursmaterial
Mukhatiryaṅmukha (seitwärts blickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Richtungunbelegt in den eingesehenen Quellen kein Vers
Silbenके ke · को ko · हा · ही Lehrüberlieferung
KörperteilNase — im Nakṣatrapuruṣa-Schema, das ab Kṛttikā zählt eigenes Kursmaterial; anderes Schema, andere Antwort
PuruṣārthaDharma (Pāda 1), Artha, Kāma, Mokṣa Lehrüberlieferung
Tätigkeitenbewegliches Werk (carakarman): Besteigen von Elefanten, Reisen, Gartengang; ausserdem Haarschur Bṛhat Saṃhitā 97.11cd und 97.12; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3
MenschengruppenWahrhaftige, Grossmütige, Reine, Schöne, Kluge, Berühmte; Kaufleute, Diener, Handwerker; bestes Getreide Bṛhat Saṃhitā 15.5
Geburtsdeutungstumpfen Wesens, stark durch Vermögen, berühmt, gelehrt, begehrlich Jātaka-Pārijāta 9.85

Wo die Quellen auseinandergehen

Dual oder Singular. Die ältesten Belege stehen im Dual: púnarvasū nákṣatram áditir devátā in der Taittirīya-Saṃhitā, ádityai púnarvasū im Taittirīya-Brāhmaṇa, púnarvasū naḥ púnar étāṃ yajñám im Nakṣatreṣṭi-Vers. Bhaṭṭabhāskara schreibt ebenfalls punarvasū. Der Merkvers des Kursmaterials dagegen hat punarvasuḥ, Singular masculinum, und so steht der Name in den meisten modernen Tabellen. Beide Formen sind belegt; die Dualform ist die ältere.

Dahinter steht eine Sachfrage, keine Sprachlaune: wie viele Sterne gehören zu diesem Nakṣatra? Cākalya-Saṃhitā und Khaṇḍa-Kaṭaka geben zwei, andere Autoritäten vier. Wo der Dual steht, sind erkennbar zwei gemeint — und am Himmel liegen mit Castor und Pollux tatsächlich zwei helle Sterne beisammen, die als Paar ins Auge fallen. Wer die Vierzahl vertritt, muss zwei weitere benennen, und genau da wird es dünn (siehe unten bei den Sternen).

Wesensart — und ein Vers ohne Klassennamen. Der Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3 nennt Punarvasu ausdrücklich cara und cala. Varāhamihira aber gibt der Gruppe in Bṛhat Saṃhitā 97.11cd gar keinen Namen: er sagt nur, diese Nakṣatras seien „günstig beim beweglichen Werk" (carakarmaṇi hitāni). Sechs der sieben Wesensart-Klassen haben bei ihm einen Namen, diese eine nicht. cara als Klassenname ist also jünger als die Bṛhat Saṃhitā. Wer „Punarvasu ist cara" schreibt, zitiert den Muhūrta-Cintāmaṇi, nicht Varāhamihira.

Ein Übersetzungsfehler, der sich fortgepflanzt hat. Varāhamihiras Wort für Punarvasu ist āditya. N. Chidambaram Iyer hat es in seiner englischen Fassung von 1884 an der cara-Stelle als Hasta verstanden — āditya kann ja auch „Sonnengott" heissen, und Hastas Gottheit ist Savitṛ. Die Lesart ist nicht haltbar, und zwar aus dem Text selbst: Bṛhat Saṃhitā 97.4 unterscheidet aditi (Punarvasu) und dinakṛt (Hasta) im selben Vers; 97.15 sagt sāvitra, wenn Hasta gemeint ist; und vor allem geht die Rechnung nicht auf — Hasta steht schon in 97.9 unter laghu, käme also doppelt vor, Punarvasu gar nicht, und die Siebenteilung ergäbe 26 statt 27 Nakṣatras. Mit āditya = Punarvasu geht sie exakt auf. Wer eine moderne Tabelle findet, die Hasta als cara führt, hat die Spur von Iyer vor sich.

Varṇa — zweimal geteilt. Hier kommt die Zeichengrenze zum Tragen. Im Heiratsvergleich, dem Melāpaka, wird der Varṇa nach dem Rāśi vergeben (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22): Mithuna ergibt śūdra, Karka ergibt brāhmaṇa. Punarvasu hat also zwei verschiedene Varṇa-Werte, je nachdem, in welchem Pāda der Mond steht — die Pādas 1 bis 3 śūdra, der vierte brāhmaṇa. Das ist kein Sonderfall dieses Nakṣatras, sondern gilt für alle neun, die über eine Zeichengrenze liegen; es wird nur selten mitgesagt. Davon zu trennen ist die Zuordnung der Bṛhat Saṃhitā 15.29, die Punarvasu zusammen mit Hasta, Abhijit und Aśvinī den vaṇigjana, den Kaufmannsleuten, zuweist — eine gesellschaftsprognostische Klassifikation mit sieben Gruppen, kein Kūṭa der Heiratsprüfung.

Symbol. Das eigene Kursmaterial nennt „Bogen und Köcher mit fünf Pfeilen", die moderne Fachliteratur meist ein Haus. Ein klassischer Vers, der Punarvasu ein Symbol zuweist, liess sich nicht finden. Beide Angaben werden hier als das ausgewiesen, was sie sind.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben „Katze, männlich". Das Tier ist belegt — Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26 nennt Punarvasu und Āśleṣā als das Katzenpaar —, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten.

Nāḍī. Der Vers Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34 nennt Punarvasu nicht namentlich. Er zählt die erste und die dritte Nāḍī durch je vier Stichwörter ab, wobei jedes Stichwort „zu zweien" (yugaṃ yugaṃ) zu lesen ist: es steht für das genannte Nakṣatra und das nächstfolgende. Punarvasu kommt also als Nachfolger von Ārdrā in die erste Nāḍī. Der Kommentar Pīyūṣadhārā rechnet es ausdrücklich vor. Wer den Vers ohne diese Regel liest, findet Punarvasu darin nicht.

Körperteil. Die Angabe „Nase" gehört zum Schema des Nakṣatrapuruṣa, das bei Kṛttikā mit dem Kopf beginnt. Wer stattdessen ab Aśvinī zählt, bekommt ein anderes Glied.

Die Sterne des Asterismus

Castor und Pollux im Abschnitt der Punarvasu. Massstab in Länge und Breite gleich; beide stehen sechs bis zehn Grad nördlich der Ekliptik. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta — sie trifft Pollux auf siebzehn Bogenminuten genau. Castor und Pollux im Abschnitt der Punarvasu. Massstab in Länge und Breite gleich; beide stehen sechs bis zehn Grad nördlich der Ekliptik. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta — sie trifft Pollux auf siebzehn Bogenminuten genau.

Castor und Pollux im Abschnitt der Punarvasu. Massstab in Länge und Breite gleich; beide stehen sechs bis zehn Grad nördlich der Ekliptik. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta — sie trifft Pollux auf siebzehn Bogenminuten genau.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition der Yogatārā aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860; Rechnung in quellen/nakshatra/rechnung/alle27_sterne.py.

Nach dem Abschnitt Ārdrā, wo die Identifikation der Yogatārā so schlecht steht wie nirgends sonst, steht sie hier so gut wie selten. Das Sūrya-Siddhānta sagt in 8.19, für Rohiṇī, Āditya — also Punarvasu —, Mūla und Sārpa sei die östliche der Vers-Sterne die Yogatārā. Das ist β Geminorum, Pollux, der östlichere und hellere der beiden Zwillingssterne. Die Sollposition, die sich aus dem dhruvaka von 93°00′ und dem vikṣepa von 6°00′ Nord errechnet, liegt im heutigen Rahmen bei 29°04′ Mithuna; Pollux steht bei 29°21′. Das ist eine Übereinstimmung auf siebzehn Bogenminuten — ein Wert, von dem man bei den meisten anderen Nakṣatras nur träumen kann. Ein Dissens besteht hier nicht.

Strittig ist nur, wie viele Sterne der Abschnitt umfasst. Der Name im Dual und die Angabe der Cākalya-Saṃhitā und des Khaṇḍa-Kaṭaka sprechen für zwei: Castor und Pollux. Andere Autoritäten geben vier, was zur Figur des Hauses passen würde, die die moderne Fachliteratur nennt. Welche zwei Sterne dann hinzukämen, sagt keine Quelle: Burgess vermutet ι und υ Geminorum, Colebrooke ν und τ — beide ausdrücklich als Vermutung und ohne Textgrundlage. Sie werden deshalb hier nicht mitgerechnet und nicht abgebildet; eine Grafik mit geratenen Sternen wäre schlimmer als keine.

Die Sterne im Katalog

β Gemα Gem AB
EigennamePolluxCastor
RolleYogatārāGruppenstern
HR29902891 (A)
HD6250960179 (A)
HIP3782636850
Helligkeit V1,141,58
SpektraltypK0 IIIbA1 V + A2 Vm
Rektaszension116,328958°113,649472°
Deklination+28,026199°+31,888282°
Ekl. Länge J2000113° 13′110° 14′
Ekl. Breite J2000+6° 41′+10° 06′

Rektaszension und Deklination gelten für Äquinoktium und Epoche J2000,0, abgerufen aus SIMBAD. Die beiden sind sehr ungleiche Brüder. Pollux ist ein orangener Riese, der nächstgelegene Riesenstern überhaupt, und trägt einen bestätigten Planeten. Castor ist kein einzelner Stern, sondern ein sechsfaches System — drei enge Doppelsterne, die einander umkreisen; mit blossem Auge und auch im kleinen Fernrohr erscheint er als einer oder zwei. Die Katalogangaben gelten der hellsten Komponente A.

Eine Kuriosität am Rande, die mit dem indischen Befund nichts zu tun hat und die man doch kennen sollte: in der westlichen Bayer-Bezeichnung heisst Castor α und Pollux β, obwohl Pollux der hellere ist. Die indische Überlieferung macht den umgekehrten Griff und nimmt den helleren, östlicheren zur Yogatārā.

Wo die Sterne heute stehen

Punarvasu reicht von 20°00′ Mithuna bis 3°20′ Karka:

Ayanāṃśa (2025,0)β Gem (Pollux)α Gem (Castor)
Lahiri / Citrāpakṣa29° 21′ Mithuna ✓26° 23′ Mithuna ✓
True Citrā29° 22′ Mithuna ✓26° 24′ Mithuna ✓
Krishnamurti29° 27′ Mithuna ✓26° 29′ Mithuna ✓
Raman0° 48′ Karka ✓27° 50′ Mithuna ✓
Fagan / Bradley28° 28′ Mithuna ✓25° 30′ Mithuna ✓

Beide Sterne liegen bei allen fünf gebräuchlichen Ayanāṃśas in Punarvasu. Das ist keineswegs selbstverständlich — bei fast der Hälfte der 27 Nakṣatras steht die Yogatārā heute im vorhergehenden Abschnitt. Punarvasu gehört zu der Minderheit, bei der die Zuordnung aufgeht, und zwar deutlich: Pollux hat noch 3°59′ Luft bis zur Grenze nach Puṣya, Castor liegt bequem in der Mitte des dritten Pādas.

Die Zeile für Raman ist lesenswert: dort überschreitet Pollux die Zeichengrenze und steht in Karka — aber immer noch in Punarvasu, weil das Nakṣatra über die Grenze hinweg reicht. Die Rāśi-Angabe und die Nakṣatra-Angabe sind zwei verschiedene Aussagen.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminiert Pollux 71,0 Grad hoch, Castor 74,8 — sehr günstig, fast im Zenit. Zirkumpolar ist keiner von beiden; beide gehen auf und unter. Um Mitternacht kulminiert das Paar um den 14. Januar, die Sonnenkonjunktion fällt auf etwa den 16. Juli; rund vier Wochen davor und danach ist der Abschnitt unsichtbar. Gut zu sehen sind die Zwillinge von Dezember bis April.

Castor und Pollux sind mit blossem Auge auch aus der Stadt mühelos zu finden und gehören zu den am leichtesten wiederzuerkennenden Sternpaaren des Nordhimmels — zwei fast gleich helle Sterne, viereinhalb Grad auseinander, der eine weisslich, der andere deutlich orange.

Wesensart und Tätigkeiten

Die Wahllehre teilt die Nakṣatras nach ihrer Wesensart ein, weil davon abhängt, welche Unternehmung unter ihnen gelingt. Punarvasu gehört zu den beweglichen:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3

स्वात्यादित्ये श्रुतेस् त्रीणि चन्द्रश् चापि चरं चलम् तस्मिन् गजादिकारोहो वाटिकागमनादिकम्

svātyāditye śrutes trīṇi candraś cāpi caraṃ calam tasmin gajādikāroho vāṭikāgamanādikam

Svātī und Punarvasu (das Aditi-Gestirn), von Śravaṇa an drei [Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj] und auch der Mondtag (Montag) sind cara („beweglich") und cala („schwankend"). Darin [gelingen] das Besteigen von Elefanten und dergleichen, der Gang in den Garten und dergleichen.

Svātyāditye: Svātī und das Aditi-Gestirn (Punarvasu); wörtl. svātī (15. Nakṣatra) + āditya (das Aditi-Gestirn) (n. 1/2). Śrutes: von Śravaṇa an (n. 5/1). Trīṇi: drei (n. 1/3). Candraś: Candra (der Mond), der Montag (m. 1/1). Ca: und (avy.). Api: auch (avy.). Caraṃ: beweglich - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Calam: schwankend - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Tasmin: unter diesem [Nakṣatra] (n. 7/1). Gajādikāroho: das Besteigen von Elefanten und dergleichen; wörtl. gaja (Elefant) + ādika (und so fort) + āroha (Besteigen) (m. 1/1). Vāṭikāgamanādikam: der Gang in den Garten und dergleichen; wörtl. vāṭikā (Garten, Anlage) + gamana (Gehen) + ādika (und so fort) (n. 1/1).

Kollationiert aus drei Ausgaben. Der Kommentar Pīyūṣadhārā löst ausdrücklich auf: ādityaṃ punarvasuḥ, mit der grammatischen Ableitung des Wortes. Die Ausgabe M liest im Mūla caraṃ calam; die in der Literatur geläufige Form calā ist die Femininform desselben Wortes.

Varāhamihira hat dieselbe Gruppe, aber — und das ist der Punkt, den man kennen muss — keinen Namen dafür:

Bṛhat Saṃhitā 97.11 (in Kerns Zählung 98.11)

हौतभुजं सविशाखं मृदुतीक्ष्णं तद्विमिश्रफलकारि श्रवणत्रयम् आदित्यानिले च चरकर्मणि हितानि

hautabhujaṃ saviśākhaṃ mṛdutīkṣṇaṃ tadvimiśraphalakāri śravaṇatrayam ādityānile ca carakarmaṇi hitāni

Das dem Feueresser gehörende [Kṛttikā] samt Viśākhā ist sanft-scharf und bringt eine daraus gemischte Frucht. Die drei Śravaṇa [Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj], das Aditi-[Gestirn] (Punarvasu) und das des Windes (Svātī) sind günstig beim beweglichen Werk.

Hautabhujaṃ: das dem Feueresser (Agni) gehörende Gestirn, Kṛttikā; wörtl. hutabhuj (Opferesser, Agni) (n. 1/1). Saviśākhaṃ: samt Viśākhā; wörtl. sa (mit) + viśākhā (n. 1/1). Mṛdutīkṣṇaṃ: sanft-scharf - Name der Nakṣatra-Klasse; wörtl. mṛdu (sanft) + tīkṣṇa (scharf) (n. 1/1). Tadvimiśraphalakāri: eine daraus gemischte Frucht bringend; wörtl. tad (das) + vimiśra (gemischt) + phala (Frucht) + kārin (bewirkend) (n. 1/1). Śravaṇatrayam: die drei Śravaṇa (Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj); wörtl. śravaṇa + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Ādityānile: das Aditi-Gestirn (Punarvasu) und das des Windes (Svātī); wörtl. āditya (der Aditi gehörend) + anila (Wind) (n. 1/2). Ca: und (avy.). Carakarmaṇi: beim beweglichen Werk; wörtl. cara (beweglich) + karman (Werk) (n. 7/1). Hitāni: günstig, zuträglich (n. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865, und Ausgabe Tripāṭhī. Zur Kapitelzahl siehe unten. Varāhamihira gibt dieser Gruppe als einziger der sieben keinen Klassennamen; er sagt nur carakarmaṇi hitāni.

Zur Kapitelzahl: man findet die Stelle als 97.11 und als 98.11 zitiert. Beides ist richtig — Kerns Ausgabe von 1865 zählt in diesem Bereich um eins höher als die neueren. Die Faustregel „Kern immer plus eins" stimmt allerdings nicht: der Versatz beginnt erst bei Kerns Zusatzkapitel 38, Kapitel 15 ist in allen geprüften Ausgaben Kapitel 15.

Punarvasu steht ausserdem in der Liste der Nakṣatras, unter denen die Haarschur (kṣaura) vollzogen werden darf (Bṛhat Saṃhitā 97.12), und in Kerns Zusatzvers 98.15 unter den Gestirnen mit „männlich benanntem" Charakter — letzteres nur in dieser einen Ausgabe.

Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen zu; es geht dort um Vorzeichendeutung im grossen Massstab, nicht um Geburtsdeutung. Punarvasu bekommt dort die freundlichste Liste weit und breit:

Bṛhat Saṃhitā 15.5

आदित्ये सत्यौदार्यशौचकुलरूपधीयशो ऽर्थयुताः उत्तमधान्यं वणिजः सेवाभिरताः सशिल्पिजनाः

āditye satyaudāryaśaucakularūpadhīyaśo 'rthayutāḥ uttamadhānyaṃ vaṇijaḥ sevābhiratāḥ saśilpijanāḥ

Beim Aditi-Gestirn [Punarvasu]: die mit Wahrhaftigkeit, Grossmut, Reinheit, [guter] Herkunft, Schönheit, Verstand, Ruhm und Vermögen Versehenen; bestes Getreide, Kaufleute, Dienstfreudige samt Handwerksleuten.

Āditye: beim Aditi-Gestirn, unter Punarvasu (n. 7/1). Satyaudāryaśaucakularūpadhīyaśo'rthayutāḥ: die mit Wahrhaftigkeit, Grossmut, Reinheit, Herkunft, Schönheit, Verstand, Ruhm und Vermögen Versehenen; wörtl. satya (Wahrheit) + audārya (Grossmut) + śauca (Reinheit) + kula (Geschlecht, Herkunft) + rūpa (Gestalt, Schönheit) + dhī (Verstand) + yaśas (Ruhm) + artha (Vermögen) + yuta (versehen mit) (m. 1/3). Uttamadhānyaṃ: bestes Getreide; wörtl. uttama (höchst, best) + dhānya (Getreide) (n. 1/1). Vaṇijaḥ: Kaufleute (m. 1/3). Sevābhiratāḥ: die dem Dienst Zugetanen; wörtl. sevā (Dienst) + abhirata (ergeben) (m. 1/3). Saśilpijanāḥ: samt den Handwerksleuten; wörtl. sa- (mit) + śilpin (Handwerker) + jana (Leute) (m. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an, Punarvasu steht deshalb als fünftes.

Bemerkenswert daran ist die Übereinstimmung mit der anderen Stelle desselben Kapitels: in 15.29 werden Punarvasu die vaṇigjana, die Kaufmannsleute, zugewiesen — und schon in 15.5 stehen vaṇijaḥ, Kaufleute, mitten in der Aufzählung. Varāhamihira ist hier mit sich im Reinen.

Der Jātaka-Pārijāta sagt, was ein unter Punarvasu Geborener mitbekommt — und er ist weit weniger freundlich:

Jātaka-Pārijāta 9.85 (in der Kashi-Zählung 9.86), Pāda c

मूढात्मा च पुनर्वसौ धनबलः ख्यातः कविः कामुकः

mūḍhātmā ca punarvasau dhanabalaḥ khyātaḥ kaviḥ kāmukaḥ

Und unter Punarvasu [wird man] stumpfen Wesens, stark durch Vermögen, berühmt, gelehrt und begehrlich.

Mūḍhātmā: stumpfen Wesens, verwirrten Sinnes; wörtl. mūḍha (verwirrt, dumpf) + ātman (Selbst, Wesen) (m. 1/1). Ca: und (avy.). Punarvasau: unter Punarvasu, im Nakṣatra Punarvasu (m. 7/1). Dhanabalaḥ: stark durch Vermögen; wörtl. dhana (Vermögen) + bala (Stärke) - die Kashi-Ausgabe liest dhanabalakhyātaḥ als ein Kompositum (m. 1/1). Khyātaḥ: berühmt, bekannt (m. 1/1). Kaviḥ: gelehrt, dichterisch begabt; Seher, Dichter (m. 1/1). Kāmukaḥ: begehrlich, verliebt (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 627. Die Kashi-Ausgabe liest dhanabalakhyātaḥ als ein Kompositum („berühmt durch Vermögensstärke") statt Sastris dhanabalaḥ khyātaḥ („vermögensstark, berühmt") und zählt den Vers als 9.86. Nur der Sanskrit-Wortlaut ist hier wiedergegeben; die Aussage ist die des Textes, nicht die dieser Seite.

Die Parallelüberlieferung in Bṛhat Saṃhitā 100.4 sagt dasselbe freundlicher und ausführlicher: gezügelt, glücklich, gutartig, von schwachem Verstand, krankheitsanfällig, durstig und mit wenigem zufrieden. Der Zug, der beiden gemeinsam ist, ist die Verbindung von Wohlstand mit einem schwachen Kopf — mūḍhātman hier, durmedhas dort.

Die Verse

Die älteste Stelle, die Punarvasu nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā, und sie steht im Dual:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.1

पुनर्वसू नक्षत्रम् अदितिर् देवता

púnarvasū nákṣatram áditir devátā

Die beiden Punarvasu sind das Nakṣatra, Aditi die Gottheit.

Punarvasū: die beiden Punarvasu, das 7. Nakṣatra; wörtl. punar (wieder) + vasu (Gut, Habe; gut, leuchtend) (m. 1/2). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Aditir: Aditi, „die Ungebundene" (f. 1/1). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Die Liste zählt von Kṛttikā an, Punarvasu steht dort als fünftes.

Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe, stellt aber die Gottheit in den Genitiv voran und fügt jedem Eintrag ein Begriffspaar bei — eines „oberhalb", eines „unterhalb":

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.1

अदित्यै पुनर्वसू वातः परस्ताद् आर्द्रम् अवस्तात्

ádityai púnarvasū vā́taḥ parástād ārdrám avástāt

Der Aditi [sind] die beiden Punarvasu. Der Wind [ist] oberhalb, das Feuchte unterhalb.

Adityai: der Aditi; im Femininum fallen Genitiv und Dativ zusammen (f. 6/1). Punarvasū: die beiden Punarvasu, das 7. Nakṣatra (m. 1/2). Vātaḥ: der Wind (m. 1/1). Parastāt: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Ārdram: das Feuchte - dasselbe Wort, das das vorhergehende Nakṣatra benennt (n. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Wortglossar hier erstellt.

Dieses Begriffspaar ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben. Bemerkenswert ist, dass das Brāhmaṇa selbst ārdrám, „das Feuchte", hier als „unterhalb"-Glied setzt — dasselbe Wort, das zwei Zeilen zuvor als Name des sechsten Nakṣatras vorkommt oder jedenfalls vorkommen könnte, denn dort heisst der Abschnitt bāhū. Der Text nennt die Verbindung nicht; sie steht einfach da.

An anderer Stelle, in den Nakṣatreṣṭi-Versen des dritten Aṣṭaka, wird Aditi angerufen — und der Vers legt den Namen des Nakṣatras aus, indem er das Wort punar durch alle Zeilen treibt:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.1 (Nakṣatreṣṭi, Mantra 5)

पुनर् नो देव्य् अदितिः स्पृणोतु पुनर्वसू नः पुनर् एतां यज्ञम् पुनर् नो देवा अभियन्तु सर्वे पुनः पुनर् वो हविषा यजामः

púnar no devy áditiḥ spr̥ṇotu púnarvasū naḥ púnar étāṃ yajñám púnar no devā́ abhíyantu sárve púnaḥ punar vo havíṣā yajāmaḥ

Wieder gewähre uns die Göttin Aditi [Gabe]; wieder sollen die beiden Punarvasu zu unserem Opfer kommen. Wieder sollen alle Götter zu uns kommen. Wieder und wieder opfern wir euch mit der Opfergabe.

Punar: wieder, von neuem (avy.). No: uns (4/3). Devy: die Göttin (f. 1/1). Aditiḥ: Aditi (f. 1/1). Spṛṇotu: möge gewähren, möge schenken (loṭ III/1). Punarvasū: die beiden Punarvasu (m. 1/2). Naḥ: unser (6/3). Punar: wieder (avy.). Etāṃ: sollen kommen, sollen herzutreten (loṭ III/2). Yajñam: zum Opfer (m. 2/1). Punar: wieder (avy.). No: zu uns (2/3). Devā: die Götter (m. 1/3). Abhiyantu: sollen herankommen (loṭ III/3). Sarve: alle (m. 1/3). Punaḥ punar: wieder und wieder (avy.). Vo: euch (2/3). Haviṣā: mit der Opfergabe (n. 3/1). Yajāmaḥ: wir opfern (laṭ I/3).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Hier sind vier der acht Pādas des Mantras wiedergegeben; die übrigen nennen Aditi „die unangreifbare, Trägerin des Alls, Grundfeste der bewegten Welt".

Aus der neueren Lehrüberlieferung stammt der Merkvers, mit dem die Reihe der Nakṣatra-Namen gelernt wird; Punarvasu steht darin an siebter Stelle — und dort im Singular:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 1

अश्विनी भरणी चैव कृत्तिका रोहिणी मृगः आर्द्रा पुनर्वसुः पुष्यस् ततो ऽश्लेषा मघा तथा

aśvinī bharaṇī caiva kṛttikā rohiṇī mṛgaḥ ārdrā punarvasuḥ puṣyas tato 'śleṣā maghā tathā

Aśvinī, Bharaṇī und Kṛttikā, Rohiṇī, Mṛga[śiras]; Ārdrā, Punarvasu, Puṣya, darauf Āśleṣā und ebenso Maghā.

Aśvinī: Aśvinī, 1. Nakṣatra (f. 1/1). Bharaṇī: Bharaṇī, 2. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Eva: eben (avy.). Kṛttikā: Kṛttikā, 3. Nakṣatra (f. 1/1). Rohiṇī: Rohiṇī, 4. Nakṣatra (f. 1/1). Mṛgaḥ: Mṛga(śiras), 5. Nakṣatra (m. 1/1). Ārdrā: Ārdrā, 6. Nakṣatra (f. 1/1). Punarvasuḥ: Punarvasu, 7. Nakṣatra (m. 1/1). Puṣyas: Puṣya, 8. Nakṣatra (m. 1/1). Tato: darauf (avy.). 'śleṣā: Āśleṣā, 9. Nakṣatra (f. 1/1). Maghā: Maghā, 10. Nakṣatra (f. 1/1). Tathā: ebenso (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die Verteilung auf Mithuna und Karka und der Herrscher Guru aus der Viṃśottarī-Reihe. Das ist gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft und wird von zwei Versen des Kursmaterials bestätigt.

Am Originalvers belegt sind: die Devatā Aditi und die Dualform des Namens (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1), das Begriffspaar vātaḥ / ārdram (ebenda), die Zugehörigkeit zur cara-Gruppe und deren Tätigkeiten (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3, Bṛhat Saṃhitā 97.11cd), die Menschengruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.5), Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.26, 6.34), das Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9) und die Geburtsdeutung (Jātaka-Pārijāta 9.85).

Im Kommentar belegt: die Śakti-Formel vasutva-prāpaṇa-śakti (Bhaṭṭabhāskara). Dieser Abschnitt des Kommentars ist — anders als der zu Ārdrā — ohne Lesartvarianten der Ausgabe und ohne unsichere Stellen am Druckbild.

Die Sternidentifikation ist belegt und unstrittig, und das ist bei diesen Portraits die Ausnahme: das Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.19 die östliche als Yogatārā, die errechnete Sollposition trifft Pollux auf siebzehn Bogenminuten, und beide Sterne liegen bei allen fünf gebräuchlichen Ayanāṃśas im Abschnitt. Offen ist allein, ob der Abschnitt zwei oder vier Sterne umfasst.

Nicht belegt und deshalb markiert oder weggelassen: die zwei zusätzlichen Sterne der Viererfassung — Burgess und Colebrooke raten verschieden und sagen beide ausdrücklich, dass sie raten; die Himmelsrichtung; das Geschlecht der Yoni; die Namenssilben; das Symbol, sei es Bogen und Köcher oder Haus.

Berichtigt wurden zwei Angaben, die durch die Literatur laufen: dass cara ein Klassenname Varāhamihiras sei (er gibt dieser einen Gruppe keinen Namen), und die Gleichsetzung āditya = Hasta, die auf Iyers Übersetzung von 1884 zurückgeht und an der eigenen Siebenteilung des Kapitels scheitert.

Was noch offen ist: ob sich für die Viererfassung des Asterismus irgendwo eine Textgrundlage findet; und ob die Dual-Singular-Verschiebung in der Überlieferung genauer datierbar ist, als die hier eingesehenen Quellen erlauben.