Maghā

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मघा 10. Nakṣatra · 0°00′ bis 13°20′ Siṃha (siderisch) · Herrscher Ketu

Maghā ist das Nakṣatra der Väter. Über keinem anderen Abschnitt des Tierkreises herrscht eine Schar von Toten, und kein anderer hat eine so eindeutige Quellenlage: von der Taittirīya-Saṃhitā über das Brāhmaṇa und seinen Kommentar bis zu Varāhamihira sagen alle Zeugen dasselbe. Der Name gehört zu maghá, „Gabe, Geschenk, Lohn" — dasselbe Wort, das in Indras Beinamen maghavan, „der Freigebige", steckt. Am Himmel fällt der Abschnitt mit dem Kopf des Löwen zusammen; seine Yogatārā ist Regulus, der einzige Stern erster Grösse, der fast genau auf der Ekliptik steht.

Himmelsabschnitt und Pādas

Maghā reicht von 120°00′ bis 133°20′ siderischer Länge und liegt damit vollständig im Rāśi Siṃha (Löwe) — es beginnt genau an dessen Anfang. Die vier Pādas zu je 3°20′ tragen die Navāṃśa-Zeichen Meṣa, Vṛṣabha, Mithuna und Karka: Siṃha ist ein festes Zeichen, seine Navāṃśa-Reihe beginnt deshalb beim neunten Zeichen von ihm aus, also bei Meṣa, und die vier Pādas von Maghā sind die ersten vier Navāṃśas dieses Rāśi.

PādavonbisNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
10°00′3°20′MeṣaDharmaमा
23°20′6°40′VṛṣabhaArthaमी
36°40′10°00′MithunaKāmaमू
410°00′13°20′KarkaMokṣaमे me

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich auch hier nicht nachweisen.

Dass Maghā ganz in Siṃha liegt, sagt der Vers, der die Pādas auf die Zeichen verteilt:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Siṃha)

मघा च पूर्वाफाल्गुनी उत्तराफाल्गुनीपादम् एकं सिंहः

maghā ca pūrvāphālgunī uttarāphālgunīpādam ekaṃ siṃhaḥ

[Die vier Pādas von] Maghā und Pūrvāphālgunī sowie ein Pāda von Uttarāphālgunī [bilden] Siṃha [den Löwen].

Maghā: Maghā, 10. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Pūrvāphālgunī: Pūrvāphālgunī, 11. Nakṣatra (f. 1/1). Uttarāphālgunīpādam: ein Pāda von Uttarāphālgunī; wörtl. uttarāphālgunī (12. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (n. 1/1). Ekaṃ: ein, eines (n. 1/1). Siṃhaḥ: Siṃha, der Löwe (5. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Die Devatā

Über Maghā herrschen die Pitaraḥ, die Väter: nicht die eigenen Vorfahren einer Familie, sondern die Schar der Verstorbenen als Götterklasse. Sie sind im Ritual eine eigene Grösse neben den Devas, bekommen ihre eigene Opferform — die svadhā-Spende statt des svāhā-Rufs —, und das Taittirīya-Brāhmaṇa ruft sie in seinem Nakṣatra-Opfer ausdrücklich in Maghā an. Der Mantratext steht unten bei den Versen; er ist die stärkste Primärstelle, die dieses Nakṣatra hat, und er lässt keinen Zweifel: hier wird den Toten geopfert.

Bemerkenswert ist die Einhelligkeit. Bei Citrā und Śatabhiṣaj weichen die vedischen Listen voneinander ab, bei Mūla nennen Saṃhitā und Brāhmaṇa verschiedene Gottheiten, bei den beiden Phalgunīs steht die klassische Astrologie geradezu auf dem Kopf gegenüber dem Veda. Bei Maghā dagegen sagen die Taittirīya-Saṃhitā (pitáro devátā), das Taittirīya-Brāhmaṇa (pitr̥ṇā́ṃ maghā́ḥ), das Nakṣatra-Sūkta TB 3.1.1 und noch Varāhamihiras Gottheitsliste in Bṛhat Saṃhitā 97.4 (pitaraḥ) dasselbe. Wer die Devatā von Maghā nennt, steht auf sicherem Grund.

Die Saṃhitā führt den Namen im Singular (maghā́), das Brāhmaṇa im Plural (maghā́ḥ) — wie bei mehreren Nakṣatras, deren Name eine Sterngruppe meint.

Die Śakti

Jedem Nakṣatra wird eine Śakti zugeschrieben, eine Wirkkraft, in einer dreigliedrigen Form: ein Begriff für die Kraft selbst, dazu etwas „oberhalb" und etwas „unterhalb", und aus dem Zusammentreffen der drei ein Ergebnis. Das Taittirīya-Brāhmaṇa gibt für Maghā nur das äussere Paar — rudántaḥ, „die Weinenden", oberhalb, und apabhraṃśa, „der Absturz", unterhalb. Das mittlere Glied und das Ergebnis stehen erst im Kommentar, und zwar nicht bei Sāyaṇa, wie meist angenommen wird, sondern bei Bhaṭṭabhāskara Miśra:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

पितॄणां मघाः परस्तात् रुदन्तः बन्धून् रोदयन्तः मध्ये कालात्मिका त्यागे क्षेपणीशक्तिः अवस्ताद् अपभ्रंशः देहपातः एतत्त्रयोपपत्तौ आक्षिप्तचैतन्यो मृत इत्युच्यते

pitṝṇāṃ maghāḥ parastād rudantaḥ bandhūn rodayantaḥ madhye kālātmikā tyāge kṣepaṇīśaktiḥ avastād apabhraṃśaḥ dehapātaḥ etattrayopapattau ākṣiptacaitanyo mṛta ityucyate

„Der Väter sind die Maghās." Oberhalb die Weinenden - die die Verwandten zum Weinen bringen; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft des Hinwegschleuderns beim Verlassen des Leibes; unterhalb der Absturz, der Fall des Körpers. Wenn diese drei zustande kommen, heisst es: dem ist das Bewusstsein entrissen, er ist tot.

Pitṝṇāṃ: der Väter, der Ahnen (m. 6/3). Maghāḥ: die Maghās, das 10. Nakṣatra (f. 1/3). Parastād: oberhalb, darüber (avy.). Rudantaḥ: die Weinenden (m. 1/3). Bandhūn: die Verwandten, die Angehörigen (m. 2/3). Rodayantaḥ: zum Weinen bringend (Kausativ-Partizip zu rud-) (m. 1/3). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmikā: zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātmikā (wesenhaft) (f. 1/1). Tyāge: beim Verlassen, beim Aufgeben (des Leibes) (m. 7/1). Kṣepaṇīśaktiḥ: die Kraft des Hinwegschleuderns; wörtl. kṣepaṇī (schleudernd) + śakti (Kraft) (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Apabhraṃśaḥ: der Absturz, das Herabfallen (m. 1/1). Dehapātaḥ: der Fall des Körpers; wörtl. deha (Leib) + pāta (Fall) (m. 1/1). Etattrayopapattau: beim Zusammentreffen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + upapatti (Zustandekommen) (f. 7/1). Ākṣiptacaitanyo: einer, dem das Bewusstsein entrissen ist; wörtl. ākṣipta (entrissen) + caitanya (Bewusstsein) (m. 1/1). Mṛta: tot, gestorben (m. 1/1). Ityucyate: so heisst es, so wird gesagt; wörtl. iti (so) + ucyate (wird gesagt) (laṭ karmaṇi III/1).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 247 (Abschnitt 8 der Ausgabe). Die Ausgabe vermerkt dazu die Lesart kālātmikā dehapātanaśaktiḥ, „die zeitgestaltige Kraft, den Körper fallen zu machen".

Damit ist die Formel geklärt, und sie ist von einer Härte, die in den modernen Nakṣatra-Büchern meist abgeschliffen wird: die mittlere Kraft von Maghā ist kṣepaṇī śakti, die Kraft des Hinwegschleuderns beim Verlassen des Leibes. Oberhalb stehen die, die zurückbleiben und weinen; unterhalb der Fall des Körpers; und das Ergebnis der drei ist der Tod. Das ist kein Zufall — Maghā ist der Abschnitt der Toten, und der Kommentar liest ihn genau so.

Zwei Dinge sind bei jeder Verwendung mitzusagen. Erstens ist das Attribut kālātmikā, „zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist", ein fester Bestandteil der Formel — es fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe. Zweitens schwankt der Name der Kraft schon in der Ausgabe selbst: neben kṣepaṇī śakti verzeichnet sie die Lesart dehapātana-śakti, „die Kraft, den Körper fallen zu machen". Beide gehören genannt.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt. Wo eine Angabe in den hier greifbaren Quellen keinen Beleg hat, steht das ausdrücklich da, statt sie stillschweigend mitzuführen.

Himmelsabschnitt0°00′ bis 13°20′ Siṃha, siderisch Rechnung; Vers zur Pāda-Verteilung
Fixsterneα Leonis (Regulus) als Yogatārā, dazu γ¹, ζ und η Leonis; die Sichel des Löwen reicht über die Abschnittsgrenze hinaus Sūrya-Siddhānta 8.18; Whitney in Burgess 1860
HerrscherKetu Viṃśottarī-Reihe
Devatādie pitaraḥ, die Väter — die Schar der Verstorbenen Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1; Bṛhat Saṃhitā 97.4
Śaktikālātmikā tyāge kṣepaṇī śakti, „die zeitgestaltige Kraft des Hinwegschleuderns beim Verlassen des Leibes" — oberhalb die Weinenden, unterhalb der Fall des Körpers; Ergebnis: der Tod Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
SymbolThron — die Figurenliste bei Burgess gibt dagegen ein Haus eigenes Kursmaterial; Burgess 1860
Namensbedeutungmaghá „Gabe, Geschenk, Lohn"; dazu maghávan „freigebig" Monier-Williams; als Aussage über das Nakṣatra unbelegt
Wesensartugra (schrecklich) / krūra (grausam) Bṛhat Saṃhitā 97.8; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4
Gaṇarākṣasa Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 29.127
Yoni (Tier)Maus (undura, ākhu), geteilt mit Pūrva-Phalgunī; Feindtier ist die Katze Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26
Yoni-Geschlechtunbelegt siehe unten
Nāḍīantya (die letzte) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34; Nārada-Saṃhitā 29.141
Varṇakṣatriya im Heiratsvergleich — kṛṣīvala (Ackerbauern) in der Gesellschaftszuordnung zwei verschiedene Systeme, siehe unten
GuṇaTamas–Rajas–Rajas im Loka-Schema — Tamas im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme, siehe unten
TattvaJala (Wasser) eigenes Kursmaterial
LokaBhuva eigenes Kursmaterial
RichtungWesten moderne Fachliteratur
Mukhaadhomukha (abwärts blickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Silbenमा · मी · मू · मे me Lehrüberlieferung
KörperteilLippen und Kinn, im Schema des Nakṣatrapuruṣa ab Kṛttikā gezählt eigenes Kursmaterial; schemaabhängig, siehe unten
Puruṣārthaje Pāda Dharma, Artha, Kāma, Mokṣa Lehrüberlieferung
TätigkeitenAusrottung, Vernichtung, Betrug; Fesselung, Gift, Brandlegung, Waffengewalt Bṛhat Saṃhitā 97.8; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4
Menschengruppenan Geld und Korn Reiche, Vorratshäuser, Bergbewohner, den Vätern ergebene Kaufleute und Helden, Fleischfresser, Frauenfeinde Bṛhat Saṃhitā 15.8

Wo die Quellen auseinandergehen

Varṇa. Fast alle modernen Tabellen geben für Maghā śūdra. Das ist eine Vermengung zweier Systeme. Im Heiratsvergleich, dem Melāpaka, wo das Varṇa-Kūṭa seinen Ort hat, wird der Varṇa nach dem Rāśi vergeben und nicht nach dem Nakṣatra; der Muhūrta-Cintāmaṇi sagt es in 6.22 ausdrücklich, und sein Kommentar löst auf: meṣasiṃhadhanūrāśayo nṛpāḥ kṣatriyāḥ — „Meṣa, Siṃha und Dhanus sind die Fürsten, die Kṣatriyas." Maghā liegt ganz in Siṃha und ist im Melāpaka also kṣatriya.

Die Zuordnung, die in den Tabellen steht, stammt aus Bṛhat Saṃhitā 15.28, wo Maghā zusammen mit Revatī, Anurādhā und Rohiṇī den kṛṣīvala, den Ackerbauern, zugewiesen wird. Das ist eine gesellschaftsprognostische Einteilung mit sieben Klassen — neben den vier Varṇas noch ugrajāti, sevājana und caṇḍālajāti —, kein Kūṭa der Heiratsprüfung. Beide Angaben sind für sich richtig; wer mit dem Aṣṭakūṭa rechnet, muss kṣatriya ansetzen. Übrigens kennt Varāhamihira das ganze System Gaṇa / Yoni / Nāḍī / Varṇa nirgends — es ist jünger als das 6. Jahrhundert.

Guṇa. Zwei Systeme liegen übereinander, beide im selben eigenen Kursmaterial, an verschiedenen Stellen. Das eine ordnet den Nakṣatras Guṇas nach ihrer Stellung im Dreierschritt der Lokas zu und ergibt für Maghā die Folge Tamas–Rajas–Rajas; das andere zählt im Navatārā-Schema nach dem Tārā-Herrscher und ergibt Tamas. Sie widersprechen einander nicht wirklich — sie beantworten verschiedene Fragen —, werden aber regelmässig vermengt.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben für Maghā „Ratte, männlich". Das Tier ist belegt, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras — jedes Tier also zweimal — und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten. Der Bau des Verses ist dabei selbst die Lehre: die beiden Yonis, die in einem Versviertel stehen, sind einander feind. Maus (Maghā, Pūrva-Phalgunī) und Katze (Punarvasu, Āśleṣā) stehen in Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26 im selben Pāda — das ist das Feindpaar, und mehr sagt der Vers nicht. Eine Aufteilung des Paares Maghā / Pūrva-Phalgunī in eine männliche und eine weibliche Maus ist eine spätere Ausdifferenzierung, für die sich kein Vers finden liess.

Symbol. Das eigene Kursmaterial nennt einen Thron, die Figurenliste, die Burgess seiner Sūrya-Siddhānta-Übersetzung beigibt, ein Haus. Beides ist moderne beziehungsweise neuzeitliche Überlieferung; ein klassischer Vers, der für Maghā eine Figur ausspricht, liess sich nicht finden. Der Löwenkopf, den die Sterne tatsächlich bilden, ist in keiner der beiden Traditionen gemeint.

Körperteil. Die Angabe hängt vollständig vom Zählbeginn ab. Das Schema des Nakṣatrapuruṣa zählt ab Kṛttikā und setzt dort den Kopf an; Maghā bekommt in dieser Zählung Lippen und Kinn. Wer ab Aśvinī zählt, bekommt zwangsläufig ein anderes Glied. Welches Schema gemeint ist, muss deshalb immer mitgesagt werden.

Wesensart und Tätigkeiten

Die Wahllehre teilt die Nakṣatras nach ihrer Wesensart ein, weil davon abhängt, welche Unternehmung unter ihnen gelingt. Maghā gehört zur Klasse der schrecklichen:

Bṛhat Saṃhitā 97.8 (in Kerns Zählung 98.8)

उग्राणि पूर्वभरणीपित्र्याण्युत्सादनाशशाठ्येषु योज्यानि बन्धविषदहनशस्त्रघातादिषु च सिद्ध्यै

ugrāṇi pūrvabharaṇīpitryāṇy utsādanāśaśāṭhyeṣu yojyāni bandhaviṣadahanaśastraghātādiṣu ca siddhyai

Die Pūrvā, Bharaṇī und das Väter-Gestirn (Maghā) sind die schrecklichen [ugra]; sie sind bei Ausrottung, Vernichtung und Betrug anzusetzen, und zum Gelingen bei Fesselung, Gift, Brandlegung, Waffengewalt und dergleichen.

Ugrāṇi: schrecklich, grimmig - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/3). Pūrvabharaṇīpitryāṇy: die Pūrvā, Bharaṇī und das Väter-Gestirn; wörtl. pūrva (die vorderen) + bharaṇī + pitrya (den Vätern gehörend) (n. 1/3). Utsādanāśaśāṭhyeṣu: bei Ausrottung, Vernichtung und Tücke; wörtl. utsāda (Ausrottung) + nāśa (Vernichtung) + śāṭhya (Betrug) (n. 7/3). Yojyāni: anzusetzen, zu verwenden (n. 1/3). Bandhaviṣadahanaśastraghātādiṣu: bei Fesselung, Gift, Brandlegung, Waffengewalt und dergleichen; wörtl. bandha (Fesselung) + viṣa (Gift) + dahana (Brennen) + śastraghāta (Waffenschlag) + ādi (und so fort) (n. 7/3). Ca: und (avy.). Siddhyai: zum Gelingen, zum Erfolg (f. 4/1).

Ausgabe A. V. Tripāṭhī, Vārāṇasī 1968, gegen H. Kern, Kalkutta 1865; Devanāgarī aus dem IAST-Text abgeleitet, verbindlich ist die IAST-Zeile.

Die Klasse umfasst fünf Nakṣatras: die drei Pūrvā, Bharaṇī und Maghā. Zur Benennung ist zweierlei zu sagen. Erstens zählt die Bṛhat Saṃhitā hier ab Kapitel 97, Kerns Ausgabe von 1865 aber ab 98 — der Versatz beginnt erst bei Kerns Zusatzkapitel 38 und gilt deshalb nicht für Kapitel 15, das in allen geprüften Ausgaben die Nummer 15 trägt. Die verbreitete Faustregel „Kern zählt immer plus eins" ist falsch. Zweitens sagt Varāhamihira ugra; der zweite Klassenname krūra, den die Muhūrta-Literatur führt, ist jünger. Wer „krūra" schreibt, zitiert nicht Varāhamihira.

Der Muhūrta-Cintāmaṇi fasst dieselbe Gruppe zusammen und fügt den Wochentag hinzu:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4

पूर्वात्रयं याम्यमघे उग्रं क्रूरं कुजस्तथा तस्मिन् घाताग्निशाठ्यानि विषशस्त्रादि सिद्ध्यति

pūrvātrayaṃ yāmyamaghe ugraṃ krūraṃ kujas tathā tasmin ghātāgniśāṭhyāni viṣaśastrādi siddhyati

Die drei Pūrvā, Bharaṇī und Maghā, ebenso der Marstag (Dienstag), sind ugra, „grimmig", und krūra, „grausam". Darin gelingen Totschlag, Feuer, Tücke, Gift, Waffe und dergleichen.

Pūrvātrayaṃ: die drei Pūrvā; wörtl. pūrvā (die vordere) + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Yāmyamaghe: Bharaṇī (das Yama-Gestirn) und Maghā; wörtl. yāmya (dem Yama gehörend) + maghā (f. 1/2). Ugraṃ: grimmig - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Krūraṃ: grausam - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Kujas: Kuja (Maṅgala), der Dienstag; wörtl. ku (Erde) + ja (geboren) (m. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). Tasmin: unter diesem [Nakṣatra]. Ghātāgniśāṭhyāni: Totschlag, Feuer und Tücke; wörtl. ghāta (Erschlagen) + agni (Feuer) + śāṭhya (Tücke) (n. 1/3). Viṣaśastrādi: Gift, Waffe und dergleichen; wörtl. viṣa (Gift) + śastra (Waffe) + ādi (und so fort) (n. 1/1). Siddhyati: es gelingt (laṭ I/1).

Kollationiert aus drei Ausgaben. Zwei davon lesen im Mūla vāta° statt ghāta°; der Kommentar glossiert das Wort in beiden Fassungen mit hananam, „Töten" — ein vāta („Wind") mit dieser Bedeutung gibt es nicht, ghāta ist die richtige Lesart.

Das Nebeneinander der beiden Verse zeigt, wie die Muhūrta-Literatur arbeitet: sie verdichtet Varāhamihira, gibt jeder Klasse einen zweiten Namen und hängt einen Wochentag an. Die Tätigkeitsliste bleibt praktisch dieselbe.

Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen zu — es geht dort um Vorzeichendeutung im grossen Massstab, nicht um Geburtsdeutung:

Bṛhat Saṃhitā 15.8

पित्र्ये धनधान्याढ्याः कोष्ठागाराणि पर्वताश्रयिणः पितृभक्तवणिक्शूराः क्रव्यादाः स्त्रीद्विषो मनुजाः

pitrye dhanadhānyāḍhyāḥ koṣṭhāgārāṇi parvatāśrayiṇaḥ pitṛbhaktavaṇikśūrāḥ kravyādāḥ strīdviṣo manujāḥ

Beim Väter-Gestirn: an Geld und Korn Reiche, Vorratshäuser, Bergbewohner; den Vätern ergebene Kaufleute und Helden, Fleischfresser und frauenfeindliche Menschen.

Pitrye: beim Väter-Gestirn, unter Maghā; wörtl. „den Vätern gehörend" (n. 7/1). Dhanadhānyāḍhyāḥ: an Geld und Korn Reiche; wörtl. dhana (Geld) + dhānya (Korn) + āḍhya (reich) (m. 1/3). Koṣṭhāgārāṇi: Vorratshäuser, Speicher; wörtl. koṣṭha (Kammer) + āgāra (Haus) (n. 1/3). Parvatāśrayiṇaḥ: Bergbewohner; wörtl. parvata (Berg) + āśrayin (sich anlehnend, wohnend) (m. 1/3). Pitṛbhaktavaṇikśūrāḥ: den Vätern ergebene Kaufleute und Helden; wörtl. pitṛ (Vater) + bhakta (ergeben) + vaṇij (Kaufmann) + śūra (Held) (m. 1/3). Kravyādāḥ: Fleischfresser; wörtl. kravya (rohes Fleisch) + ad (essend) (m. 1/3). Strīdviṣo: Frauenfeinde; wörtl. strī (Frau) + dviṣ (hassend) (m. 1/3). Manujāḥ: Menschen; wörtl. manu (Manu) + ja (geboren) (m. 1/3).

Ausgabe A. V. Tripāṭhī, Vārāṇasī 1968, mit Kerns Apparat. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an; Maghā steht deshalb als achtes.

Zwei Beobachtungen dazu. Erstens läuft das Thema der Väter durch: nicht irgendwelche Kaufleute und Helden werden genannt, sondern pitṛbhakta, „den Vätern ergebene". Varāhamihira hält die Verbindung also auch dort fest, wo er von Waren und Berufen spricht. Zweitens stehen kravyāda, „Fleischfresser", und strīdviṣ, „Frauenfeind", unvermittelt daneben — die Liste ist keine Charakterschilderung, sondern eine Zuordnung von Dingen und Menschengruppen zu einem Himmelsabschnitt, wie sie das ganze Kapitel 15 vornimmt.

Die Geburtsdeutung

Zwei Werke deuten die Geburt unter Maghā, und sie sind rund tausend Jahre voneinander entfernt. Die ältere Schicht ist Varāhamihiras Nakṣatrajātaka — dasselbe Kapitel steht, ein seltener Fall, in zwei seiner Werke: als Bṛhat Saṃhitā 100 und als Bṛhajjātaka 16.

Bṛhat Saṃhitā 100.6ab (Kern 101.6ab) = Bṛhajjātaka 16.6ab

बहुभृत्यधनी भोगी सुरपितृभक्तो महोद्यमः पित्र्ये

bahubhṛtyadhanī bhogī surapitṛbhakto mahodyamaḥ pitrye

Beim Väter-Gestirn (Maghā): mit vielen Dienern, reich, geniessend, den Göttern und den Vätern ergeben, von grossem Unternehmungsgeist.

Bahubhṛtyadhanī: mit vielen Dienern und Vermögen; wörtl. bahu (viel) + bhṛtya (Diener) + dhanin (reich) (m. 1/1). Bhogī: geniessend, dem Genuss zugetan (m. 1/1). Surapitṛbhakto: den Göttern und den Vätern ergeben; wörtl. sura (Gott) + pitṛ (Vater) + bhakta (ergeben) (m. 1/1). Mahodyamaḥ: von grossem Unternehmungsgeist; wörtl. mahant (gross) + udyama (Anstrengung) (m. 1/1). Pitrye: beim Väter-Gestirn, unter Maghā (n. 7/1).

GRETIL-Texte nach A. V. Tripāṭhī (Bṛhat Saṃhitā) und der Oriental-Books-Ausgabe 1979 (Bṛhajjātaka). Die beiden Fassungen lesen bahubhṛtyadhanī bzw. bahubhṛtyadhano — blosse Flexionsdifferenz.

Der Jātaka-Pārijāta, rund tausend Jahre jünger, sagt dasselbe mit anderen Worten — und an einer Stelle mit zwei Worten:

Jātaka-Pārijāta 9.86b (in der Kashi-Zählung 9.87b)

कामी पुण्यरतः कलत्रवशगो मानी मघायां धनी

kāmī puṇyarataḥ kalatravaśago mānī maghāyāṃ dhanī

Unter Maghā [wird man] sinnlich, doch am Verdienstvollen hängend, der Gattin hörig, stolz und reich.

Kāmī: sinnlich, begehrlich (m. 1/1). Puṇyarataḥ: am Verdienstvollen hängend; wörtl. puṇya (Verdienst) + rata (zugetan) (m. 1/1). Kalatravaśago: der Gattin hörig; wörtl. kalatra (Gattin) + vaśaga (in die Gewalt geratend) (m. 1/1). Mānī: stolz, auf Ehre bedacht (m. 1/1). Maghāyāṃ: unter Maghā, im Nakṣatra Maghā (f. 7/1). Dhanī: reich, vermögend (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 627, und Kashi Sanskrit Series; die beiden Ausgaben zählen um eins verschieden. Nur das Versviertel zu Maghā ist hier wiedergegeben.

Die Lesart, die den Sinn kippt. Sastris Ausgabe liest कामी kāmin, „sinnlich"; die Kashi-Ausgabe und der verbreitete E-Text lesen गर्वी garvin, „hochmütig". Metrisch sind die beiden gleichwertig — kā-mī wie gar-vī, beides zwei Längen —, und beide ergeben einen guten Sinn, aber einen ganz verschiedenen. Für Sastri spricht seine eigene englische Wiedergabe „lustful"; gegen die Kashi-Lesart spricht, dass garvin das mānin, „stolz", desselben Versviertels doppelt und deshalb sekundär wirkt. Entschieden ist nichts; beide Lesarten gehören genannt.

Wo Bṛhat Saṃhitā und Jātaka-Pārijāta sich widersprechen — bei Hasta, Mūla, Bharaṇī und Rohiṇī tun sie das glatt —, gehören beide Sätze in den Text. Bei Maghā ist das nicht nötig: beide nennen den Reichtum, beide die Ergebenheit, das eine Mal gegenüber Göttern und Vätern, das andere Mal gegenüber dem Verdienstvollen.

Die Sterne des Asterismus

Die Sichel des Löwen im Abschnitt der Maghā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Sichel zieht sich vom ekliptiknahen Regulus zwölf Grad nach Norden. Die beiden nordwestlichen Sterne μ und ε Leonis stehen heute noch im vorhergehenden Abschnitt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Die Sichel des Löwen im Abschnitt der Maghā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Sichel zieht sich vom ekliptiknahen Regulus zwölf Grad nach Norden. Die beiden nordwestlichen Sterne μ und ε Leonis stehen heute noch im vorhergehenden Abschnitt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit.

Die Sichel des Löwen im Abschnitt der Maghā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Sichel zieht sich vom ekliptiknahen Regulus zwölf Grad nach Norden. Die beiden nordwestlichen Sterne μ und ε Leonis stehen heute noch im vorhergehenden Abschnitt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition der Yogatārā aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860.

Maghā ist unter den 27 der bequemste Fall. Das Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.18 für pitrya — so heisst das Nakṣatra dort nach seiner Gottheit — ausdrücklich die südliche der Gruppe als yogatārā, den Stern, nach dem der Abschnitt vermessen wird. Das ist α Leonis, Regulus, und die Zahlen bestätigen ihn so genau, dass Whitney in seinem Kommentar zu Burgess’ Übersetzung anmerkt, die Position sei „mit ungewöhnlicher Genauigkeit bestimmt": die Sollposition des Textes liegt bei 129°00′ ekliptikaler Länge und 0°00′ Breite, Regulus stand im Rahmen von 560 n. Chr. bei 129°49′ und 0°27′ Nord. Ein Dissens über die Yogatārā besteht hier nicht — anders als bei Aśvinī, den beiden Phalgunīs oder Hasta.

Über die Zahl der Sterne sind sich die Autoritäten dagegen nicht einig: die meisten nennen fünf, das Khaṇḍa-Kaṭaka sechs — dann ist die ganze „Sichel" des Löwen gemeint. Welcher der fünfte sei, lässt Burgess ausdrücklich offen: „es gibt keinen anderen einzelnen Stern, der von selbst ein Glied derselben Gruppe zu bilden schiene"; er erwägt ν, π und φ Leonis, ohne sich festzulegen. Die Grafik oben zeigt deshalb die vier sicheren Sterne des Abschnitts und dazu die beiden Sichelsterne μ und ε Leonis, die heute vor der Grenze stehen.

Die Sterne im Katalog

α Leoγ¹ Leoε Leoζ Leoη Leoμ Leo
EigennameRegulusAlgiebaAdhaferaRasalas
HR398240573873403139753905
HD879018948484441890258773785503
HIP4966947908503354958348455
Helligkeit V1,402,232,983,413,413,88
SpektraltypB8IVnK1-IIIG1IIIaF0IIIaA0IbK2IIIb
Ekl. Länge J2000149°50′149°37′140°42′147°34′147°54′141°26′
Ekl. Breite J2000+0°28′+8°49′+9°43′+11°52′+4°52′+12°21′

Regulus ist der hellste Stern des Löwen und einer der vier „königlichen Sterne" der spätantiken Überlieferung. Für die indische Astronomie ist an ihm vor allem eines wichtig: er steht fast genau auf der Ekliptik — nur 28 Bogenminuten nördlich davon. Kein anderer Stern erster Grösse liegt der Sonnenbahn so nahe; deshalb bedeckt der Mond ihn regelmässig, und deshalb lässt sich seine Länge mit blossen Mitteln so genau bestimmen. Das erklärt Whitneys Beobachtung über die ungewöhnliche Genauigkeit der Angabe.

γ¹ Leonis ist in Wahrheit die hellere Komponente eines Doppelsterns; mit blossem Auge erscheint das Paar als einer. Die Helligkeitsangabe oben gilt für diese Komponente allein.

Wo die Sterne heute stehen

Um zu prüfen, ob die Sterne im Abschnitt Maghā liegen, müssen ihre Positionen von J2000,0 auf ein Stichjahr fortgeschrieben und dann um den Ayanāṃśa vermindert werden. Für 2025,0 ergibt sich:

Ayanāṃśa (2025,0)Wertζ Leoη Leoγ¹ Leoα Leo
Lahiri / Citrāpakṣa24° 12′ 23″3°43′4°03′5°46′5°58′
True Citrā24° 11′ 21″3°44′4°04′5°47′5°59′
Krishnamurti24° 06′ 34″3°48′4°09′5°51′6°04′
Raman22° 45′ 36″5°09′5°30′7°12′7°25′
Fagan / Bradley25° 05′ 23″2°50′3°10′4°53′5°05′

Alle Werte sind siderische Längen in Siṃha; Maghā reicht von 0° bis 13°20′. Das Ergebnis ist ungewöhnlich eindeutig: alle vier Kernsterne liegen bei jedem gebräuchlichen Ayanāṃśa innerhalb von Maghā, und zwar mit reichlich Abstand zu beiden Grenzen. Bei den meisten Nakṣatras ist das nicht so — dort steht die Yogatārā heute im vorhergehenden Abschnitt, weil der Nullpunkt des Sūrya-Siddhānta und der des Lahiri-Ayanāṃśa um knapp vier Grad auseinanderliegen. Maghā hat diese Reserve.

Zwei Sterne fallen allerdings heraus: μ und ε Leonis, die beiden nordwestlichen Sichelsterne, liegen bei allen fünf Ayanāṃśas noch in Āśleṣā (27°34′ und 26°51′ Karka nach Lahiri). Das ist kein Widerspruch zur Überlieferung, sondern zeigt nur, dass der Asterismus grösser ist als der 13°20′-Abschnitt, der nach ihm heisst. Rechnet man die Sollposition der Yogatārā aus dem Sūrya-Siddhānta in denselben Rahmen um, landet sie bei 5°12′ Siṃha — im zweiten Pāda, gut ein Dreiviertelgrad vor Regulus. Die Grafik oben zeigt diesen Punkt als offenen Kreis.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminiert Regulus 54,8 Grad hoch, die nördlicheren Sichelsterne bis 68,9 Grad — durchweg günstig. Zirkumpolar ist keiner von ihnen. Um Mitternacht kulminiert die Gruppe um den 19. Februar; die Sonne steht um den 23. August bei ihr, und rund vier Wochen davor und danach ist sie unsichtbar. Gut zu sehen ist der Löwe von Januar bis Mai.

Regulus ist mit blossem Auge auch in der Stadt mühelos zu finden; die Sichel als Ganzes — sie sieht aus wie ein rückwärts geschriebenes Fragezeichen — verlangt einen einigermassen dunklen Himmel, weil ihr schwächstes Glied, μ Leonis, nur 3,9 Grössenklassen hat.

Der Name

Maghā ist ein Plural: „die Gaben". Das zugrundeliegende Wort maghá bedeutet nach Monier-Williams „Gabe, Geschenk, Lohn, Reichtum"; davon abgeleitet ist maghávan, „freigebig", einer der geläufigsten Beinamen Indras. Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt den Namen entsprechend im Plural (maghā́ḥ), die Saṃhitā im Singular (maghā́).

Eine Deutung, die den Namen mit dem Ahnenopfer verbindet — die Gaben, die man den Vätern darbringt —, liegt nahe und wird in der modernen Literatur oft vorgetragen. Sie steht so aber in keinem der hier eingesehenen klassischen Texte; belegt ist die Wortbedeutung, nicht ihre Anwendung auf das Nakṣatra. Was sich dagegen belegen lässt, ist der Sachzusammenhang selbst: das Nakṣatra-Sūkta ruft in Maghā die Väter an und bittet sie, das Opfer anzunehmen.

Der klassische Name für Maghā in Varāhamihiras Texten ist nicht maghā, sondern pitrya, „das den Vätern Gehörige" — so in Bṛhat Saṃhitā 15.8, 97.8 und 100.6. Wer die Bṛhat Saṃhitā nach „Maghā" durchsucht, findet die Stellen nicht.

Die Verse

Die älteste Stelle, die Maghā nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā. Sie gehört zur Aufzählung der Nakṣatra-Feueraltarziegel, jeweils Nakṣatra und zugehörige Gottheit:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.1

मघा नक्षत्रम् पितरो देवता

maghā́ nákṣatram pitáro devátā

Maghā ist das Nakṣatra, die Väter sind die Gottheit.

Maghā: Maghā, das 10. Nakṣatra; wörtl. „die Gaben, die Freigebige" (f. 1/1). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Pitaro: die Väter, die Ahnen (m. 1/3). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Die Liste beginnt bei Kṛttikā, Maghā steht dort als achtes.

Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe, stellt aber die Gottheit in den Genitiv voran und fügt jedem Nakṣatra ein Begriffspaar bei — eines „oberhalb", eines „unterhalb":

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.2

पितृणां मघाः रुदन्तः परस्ताद् अपभ्रंशो ऽवस्तात्

pitr̥ṇā́ṃ maghā́ḥ rudántaḥ parástād apabhram̐śò 'vástāt

Der Väter sind die Maghās. Die Weinenden oberhalb, der Absturz unterhalb.

Pitṛṇāṃ: der Väter, der Ahnen (m. 6/3). Maghāḥ: die Maghās, das 10. Nakṣatra (f. 1/3). Rudantaḥ: die Weinenden (Partizip Präsens zu rud- „weinen") (m. 1/3). Parastāt: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Apabhraṃśo: der Absturz, das Herabfallen; wörtl. apa- (herab, weg) + bhraṃśa (Fall) (m. 1/1). 'vastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Das Brāhmaṇa führt den Namen im Plural.

Dieses Begriffspaar ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben: parastāt und avastāt sind das „oberhalb" und „unterhalb" der Formel. Was das Brāhmaṇa nüchtern nebeneinanderstellt — die Weinenden und den Absturz —, deutet Bhaṭṭabhāskara als die Hinterbliebenen und den Fall des Körpers und trägt das mittlere Glied, die Śakti selbst, erst ein.

Die stärkste Primärstelle steht an ganz anderer Stelle desselben Werks: im Nakṣatra-Sūkta, das zu jedem Abschnitt einen eigenen Opfermantra gibt. Der Mantra für Maghā ist ein Ahnenopfer:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.1, Mantra 8a

उपहूताः पितरो ये मघासु मनोजवसः सुकृतः सुकृत्याः ते नो नक्षत्रे हवम् आगमिष्ठाः स्वधाभिर् यज्ञं प्रयतं जुषन्ताम्

úpahūtāḥ pitáro yé maghā́su mánojavasaḥ sukŕ̥taḥ sukr̥tyā́ḥ té no nákṣatre hávam ā́gamiṣṭhāḥ svadhā́bhir yajñáṃ práyataṃ juṣantām

Herbeigerufen sind die Väter, die in den Maghās sind - gedankenschnell, Wohltäter, guter Werke voll. Sie sollen in unserem Nakṣatra unserem Ruf aufs bereitwilligste folgen; mit den Svadhā-Rufen sollen sie das dargebrachte Opfer annehmen.

Upahūtāḥ: herbeigerufen, eingeladen (m. 1/3). Pitaro: die Väter, die Ahnen (m. 1/3). Ye: welche, die (m. 1/3). Maghāsu: in den Maghās, im Nakṣatra Maghā (f. 7/3). Manojavasaḥ: gedankenschnell; wörtl. manas (Geist) + javas (Schnelligkeit) (m. 1/3). Sukṛtaḥ: Wohltäter; wörtl. su (gut) + kṛt (tuend) (m. 1/3). Sukṛtyāḥ: voll guter Werke; wörtl. su (gut) + kṛtya (Werk) (m. 1/3). Te: sie (m. 1/3). No: uns, unserem (6/3). Nakṣatre: im Nakṣatra (n. 7/1). Havam: den Ruf, die Anrufung (m. 2/1). Āgamiṣṭhāḥ: die am bereitwilligsten Herbeikommenden (Superlativ zu ā-gam) (m. 1/3). Svadhābhir: mit den Svadhā-Rufen, den Spenden an die Ahnen (f. 3/3). Yajñaṃ: das Opfer (m. 2/1). Prayataṃ: dargebracht, hingereicht (m. 2/1). Juṣantām: sie sollen es annehmen, sich daran erfreuen (loṭ III/3).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Der Mantra ist doppelt so lang; hier steht die erste Hälfte. Die zweite ruft die vom Feuer verbrannten und die nicht vom Feuer verbrannten Väter an, die bekannten und die unbekannten.

Wer nach einem Beleg dafür sucht, dass Maghā das Nakṣatra der Toten sei, hat ihn hier — nicht in einem astrologischen Lehrbuch, sondern im Ritualtext selbst.

Aus der neueren Lehrüberlieferung stammen schliesslich die Merkverse, mit denen die Reihe der Nakṣatra-Namen gelernt wird. Maghā beschliesst den ersten:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 1

अश्विनी भरणी चैव कृत्तिका रोहिणी मृगः आर्द्रा पुनर्वसुः पुष्यस् ततो ऽश्लेषा मघा तथा

aśvinī bharaṇī caiva kṛttikā rohiṇī mṛgaḥ ārdrā punarvasuḥ puṣyas tato 'śleṣā maghā tathā

Aśvinī, Bharaṇī und Kṛttikā, Rohiṇī, Mṛga[śiras]; Ārdrā, Punarvasu, Puṣya, darauf Āśleṣā und ebenso Maghā.

Aśvinī: Aśvinī, 1. Nakṣatra (f. 1/1). Bharaṇī: Bharaṇī, 2. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Eva: eben (avy.). Kṛttikā: Kṛttikā, 3. Nakṣatra (f. 1/1). Rohiṇī: Rohiṇī, 4. Nakṣatra (f. 1/1). Mṛgaḥ: Mṛga(śiras), 5. Nakṣatra (m. 1/1). Ārdrā: Ārdrā, 6. Nakṣatra (f. 1/1). Punarvasuḥ: Punarvasu, 7. Nakṣatra (m. 1/1). Puṣyas: Puṣya, 8. Nakṣatra (m. 1/1). Tato: darauf (avy.). 'śleṣā: Āśleṣā, 9. Nakṣatra (f. 1/1). Maghā: Maghā, 10. Nakṣatra (f. 1/1). Tathā: ebenso (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen. Das folgt aus der Einteilung selbst und ist gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Sicher ist auch die Stellung im Rāśi Siṃha, die der zitierte Vers ausspricht, und die Zuordnung des Herrschers Ketu, die sich aus der Viṃśottarī-Reihe ergibt.

Am Originalvers belegt sind: die Devatā (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1, Bṛhat Saṃhitā 97.4 — hier ausnahmsweise alle Zeugen einig), das Begriffspaar rudantaḥ / apabhraṃśa, die Śakti samt ihren drei Gliedern (Bhaṭṭabhāskara zum Brāhmaṇa), die Wesensart ugra und die zugehörigen Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.8, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.4), die Menschengruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.8), Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.26, 6.34, bestätigt durch Nārada-Saṃhitā und Vivāha-vṛndāvana), das Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9) sowie die Geburtsdeutung (Bṛhat Saṃhitā 100.6, Jātaka-Pārijāta 9.86). Die Sternidentifikation ist belegt und ausnahmsweise unstrittig: das Sūrya-Siddhānta nennt die südliche der Gruppe, und die Rechnung bestätigt Regulus.

Nicht belegt und deshalb markiert oder ausdrücklich so genannt: das Geschlecht der Yoni, für das die klassische Lehre gar keinen Platz hat; die Himmelsrichtung; die Namenssilben; das Symbol — weder der Thron des eigenen Kursmaterials noch das Haus der Figurenliste steht in einem Vers; die Deutung des Namens als „Gaben an die Väter", die zwar nahe liegt, aber nicht zitierbar ist.

Berichtigt wurden zwei Angaben, die durch die moderne Literatur laufen: der Varṇa (im Heiratsvergleich kṣatriya, nicht śūdra) und die Herkunft der Śakti-Formel (Bhaṭṭabhāskara, nicht Sāyaṇa).

Stehen gelassen wurden zwei Lesartendifferenzen, weil beide Seiten Gewicht haben: kāmī gegen garvī im Jātaka-Pārijāta — „sinnlich" gegen „hochmütig" — und kṣepaṇī-śakti gegen dehapātana-śakti bei Bhaṭṭabhāskara. Die erste ändert das Charakterbild, die zweite nicht.

Was noch offen ist: Sāyaṇas Wortlaut zu dieser Stelle war nicht greifbar (bisher nur für Aśvinī eingesehen); Utpalas Kommentar zu Bṛhat Saṃhitā 100.6 ebenso wenig. Welcher der fünfte Sichelstern sei, lässt schon Burgess offen, und hier bleibt es dabei.