Kṛttikā

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कृत्तिका 3. Nakṣatra · 26°40′ Meṣa bis 10°00′ Vṛṣabha (siderisch) · Herrscher Sūrya

Kṛttikā ist in der heute üblichen Zählung das dritte Nakṣatra. In den ältesten indischen Listen ist es das erste — und das ist bei diesem Abschnitt keine Fussnote, sondern die Hauptsache. Die Sterngruppe sind die Plejaden, die Gottheit ist Agni, das Feuer. Der Name steht im Plural: kṛttikāḥ, die Mehrzahl für eine Mehrzahl von Sternen.

Himmelsabschnitt und Pādas

Kṛttikā beginnt bei 26°40′ und reicht bis 40°00′ siderischer Länge. Es gehört damit zu den neun Nakṣatras, die über eine Zeichengrenze hinwegreichen — und es hat dabei den ungleichsten Schnitt der ganzen Reihe: ein Pāda liegt noch in Meṣa, die drei übrigen in Vṛṣabha.

PādavonbisNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
126°40′ Meṣa30°00′ MeṣaDhanusDharmaa
20°00′ Vṛṣabha3°20′ VṛṣabhaMakaraArthaī
33°20′ Vṛṣabha6°40′ VṛṣabhaKumbhaKāmau
46°40′ Vṛṣabha10°00′ VṛṣabhaMīnaMokṣae

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich nicht nachweisen. Kṛttikā ist das einzige Nakṣatra, dessen vier Silben blosse Vokale sind.

Die Zeichenteilung sprechen die Rāśi-Verse in zwei Hälften aus. Der Meṣa-Vers gibt Kṛttikā einen Pāda, der Vṛṣabha-Vers die übrigen drei:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Vṛṣabha)

कृत्तिकायास् त्रयः पादा रोहिणी मृगशिरार्धं वृषभः

kṛttikāyās trayaḥ pādā rohiṇī mṛgaśirārdhaṃ vṛṣabhaḥ

Drei Pādas von Kṛttikā, [die vier von] Rohiṇī und die [erste] Hälfte von Mṛgaśirā [bilden] Vṛṣabha [den Stier].

Kṛttikāyās: von Kṛttikā, 3. Nakṣatra (f. 6/1). Trayaḥ: drei (m. 1/3). Pādā: Pādas, Viertel (m. 1/3). Rohiṇī: Rohiṇī, 4. Nakṣatra (f. 1/1). Mṛgaśirārdhaṃ: die Hälfte von Mṛgaśirā; wörtl. mṛgaśiras (5. Nakṣatra) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Vṛṣabhaḥ: Vṛṣabha, der Stier (2. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Den ersten Pāda weist der Meṣa-Vers derselben Reihe zu: aśvinī bharaṇī kṛttikāpādam ekaṃ meṣaḥ.

Dass die Zeichengrenze mitten durch das Nakṣatra läuft, hat eine Folge, die unten beim Varṇa wieder auftaucht: Kṛttikā hat im Heiratsvergleich zwei verschiedene Varṇa-Werte, je nachdem, in welchem Pāda der Mond steht.

Die Devatā

Über Kṛttikā herrscht Agni, das Feuer. Von allen Devatā-Zuordnungen der Reihe ist diese die bestbezeugte — schon deshalb, weil sie in den ältesten Listen ganz am Anfang steht und dadurch besonders häufig zitiert wird. Die Taittirīya-Saṃhitā eröffnet die Nakṣatra-Reihe mit kr̥ttikā nákṣatram agnír devátā, das Taittirīya-Brāhmaṇa mit agnéḥ kŕ̥ttikāḥ, die Nakṣatreṣṭi-Mantras desselben Werks mit agnír naḥ pātu kŕ̥ttikāḥ. Die Gottheitsliste der Bṛhat Saṃhitā bestätigt es ein halbes Jahrtausend später.

Agni ist im Veda nicht ein Gott unter anderen, sondern der Mittler: das Opferfeuer trägt die Gaben zu den Göttern, der Priester spricht zu ihm zuerst. Das Feuer verbrennt und läutert mit derselben Bewegung, und der Kommentar zu unserem Nakṣatra lässt genau diese Doppeldeutigkeit stehen — dazu unten bei der Śakti mehr.

Ein zweiter Zug gehört dazu: die Anrufung in TB 3.1.1 nennt Agni kṛttikābhir abhí saṃvásānaḥ, „der mit den Kṛttikās zusammenwohnt". Der Gott ist nicht Herr über den Abschnitt, sondern haust in ihm. Bhaṭṭabhāskara zieht daraus die stärkere Folgerung: agner eva svarūpaṃ kṛttikādi nakṣatraṃ nāma, agnir eva kṛttikātmanā vartate — „Agnis eigene Gestalt ist eben das Nakṣatra Kṛttikā; Agni selbst besteht in Gestalt der Kṛttikā."

Die Śakti — und warum es hier keine gibt

Jedem Nakṣatra wird in der modernen Literatur eine Śakti zugeschrieben, eine Wirkkraft, in dreigliedriger Form: ein Begriff für die Kraft, dazu etwas „oberhalb" und etwas „unterhalb", und aus dem Zusammentreffen der drei ein Ergebnis. Die Wurzel liegt im Taittirīya-Brāhmaṇa, das zu jedem Nakṣatra ein Paar parastāt und avastāt nennt; das mittlere Glied und das Ergebnis stehen erst im Kommentar des Bhaṭṭabhāskara Miśra — nicht bei Sāyaṇa, wie häufig angenommen wird.

Bei Kṛttikā, dem ersten Eintrag seines Kommentars, schreibt Bhaṭṭabhāskara die Formel nicht:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

अग्नेः कृत्तिकाः स्वभूताः यद्वा अग्नेर् एव स्वरूपं कृत्तिकादिनक्षत्रं नाम , अग्निर् एव कृत्तिकात्मना वर्तत इति शुक्रं परस्तात् ज्योतिर् अवस्तात् ज्वाला यदैतत्त्रयं भवति तदा दग्धं मृष्टं वा दृश्यते

agneḥ kṛttikāḥ svabhūtāḥ yadvā agner eva svarūpaṃ kṛttikādinakṣatraṃ nāma , agnir eva kṛttikātmanā vartata iti śukraṃ parastāt jyotir avastāt jvālā yadaitat trayaṃ bhavati tadā dagdhaṃ mṛṣṭaṃ vā dṛśyate

„Agnis sind die Kṛttikās", ihm selbst zugehörig. Oder: Agnis eigene Gestalt ist eben das Nakṣatra Kṛttikā und so fort; Agni selbst besteht in Gestalt der Kṛttikā. „Das Helle oberhalb, das Licht unterhalb" — [dazwischen] die Flamme. Wenn diese drei zustande kommen, dann wird das Verbrannte oder das Geläuterte sichtbar.

Agneḥ: des Agni (m. 6/1). Kṛttikāḥ: die Kṛttikās (f. 1/3). Svabhūtāḥ: ihm selbst zugehörig, sein eigen; wörtl. sva (eigen) + bhūta (geworden) (f. 1/3). Yadvā: oder auch (avy.). Agner: des Agni (m. 6/1). Eva: eben, gerade (avy.). Svarūpaṃ: eigene Gestalt, Eigenform; wörtl. sva (eigen) + rūpa (Gestalt) (n. 1/1). Kṛttikādinakṣatraṃ: das Nakṣatra Kṛttikā und so fort; wörtl. kṛttikā + ādi (und so fort) + nakṣatra (Gestirn) (n. 1/1). Nāma: nämlich, mit Namen (avy.). Kṛttikātmanā: in Gestalt der Kṛttikā; wörtl. kṛttikā + ātman (Selbst, Wesen) (m. 3/1). Vartate: er besteht, er verhält sich (laṭ III/1). Iti: so, damit endet die Erklärung (avy.). Śukraṃ: das Helle, das Blanke (n. 1/1). Parastāt: oberhalb, darüber (avy.). Jyotir: das Licht (n. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter (avy.). Jvālā: Flamme, Lohe (f. 1/1). Yadā: wenn (avy.). Etat: dieses (pron. n. 1/1). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: entsteht, kommt zustande (laṭ III/1). Tadā: dann (avy.). Dagdhaṃ: das Verbrannte (n. 1/1). Mṛṣṭaṃ: das Gereinigte, das Geläuterte, das Blankgeriebene (n. 1/1). : oder (avy.). Dṛśyate: wird sichtbar (laṭ III/1, karmaṇi).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 246, Abschnitt 1 der Ausgabe. Am Seitenbild gelesen, nicht aus der OCR.

Der Unterschied zu allen anderen Nakṣatras ist leicht zu übersehen und wichtig. Bei den übrigen legt Bhaṭṭabhāskara stets dasselbe Schema an: madhye kālātmikā N-śaktiḥ — „in der Mitte die zeitgestaltige Kraft des N". Hier steht an derselben Stelle nur das blosse Wort jvālā, „Flamme". Kein madhye, kein kālātmikā, kein śakti.

Das hat Folgen für eine Angabe, die durch die gesamte moderne Nakṣatra-Literatur läuft. Dort trägt Kṛttikā eine „dahana śakti", eine „Kraft zu verbrennen". Dieser Name steht bei Bhaṭṭabhāskara nicht, und er liess sich auch sonst in keiner der eingesehenen Quellen nachweisen. Er wird hier deshalb nicht geführt. Was belegt ist, ist dies: śukra („das Helle") oberhalb und jyotis („das Licht") unterhalb — beides Wortlaut des Brāhmaṇa —, dazwischen die Flamme, und als Ergebnis, dass „das Verbrannte oder das Geläuterte sichtbar wird".

Die Doppelung am Schluss verdient einen eigenen Satz. Dagdha ist das Verbrannte, mṛṣṭa das Blankgeriebene, Gereinigte. Der Kommentar entscheidet sich nicht zwischen beiden: dasselbe Feuer tut beides, und welches von beidem herauskommt, sagt er nicht.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt.

Himmelsabschnitt26°40′ Meṣa bis 10°00′ Vṛṣabha, siderisch Rechnung; Verse zur Pāda-Verteilung
Fixsternedie Plejaden — η, 27, 17, 20, 23, 19 und 28 Tauri Sūrya-Siddhānta 8; SIMBAD
Yogatārānach der Sollposition η Tauri (Alcyone) — nach dem Wortlaut „die südliche" wäre es Atlas oder Merope Sūrya-Siddhānta 8.18 gegen 8.2; Burgess 1860, siehe unten
HerrscherSūrya Viṃśottarī-Reihe
DevatāAgni, der Feuergott Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1
Śaktikeine Formel überliefert — Bhaṭṭabhāskara nennt nur jvālā, „Flamme"; oberhalb das Helle, unterhalb das Licht; Ergebnis: das Verbrannte oder Geläuterte wird sichtbar Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1, siehe unten
SymbolMesser, Rasiermesser, Speer; bei manchen die Flamme Lehrüberlieferung
NamensbedeutungPlural kṛttikāḥ, „die Schneidenden" (zu kṛt, schneiden — nicht ausdrücklich belegt); alter Nebenname bahulā, „die dichte" Taittirīya-Brāhmaṇa; Jātaka-Pārijāta 9.84
Wesensartmṛdutīkṣṇa (sanft-scharf) / miśra, sādhāraṇa (gemischt, allgemein) Bṛhat Saṃhitā 97.11; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.5
Gaṇarākṣasa Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 29.127
Yoni (Tier)Widder (meṣa, aja), geteilt mit Puṣya Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25
Yoni-Geschlechtunbelegt kein klassischer Vers, siehe unten
Nāḍīantya (die letzte) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34; Nārada-Saṃhitā 29.141
Varṇaim Heiratsvergleich kṣatriya im 1. Pāda, vaiśya in den Pādas 2–4 — brāhmaṇa in der Gesellschaftszuordnung zwei verschiedene Systeme, siehe unten
GuṇaRajas im Nakṣatra-Guṇa-Schema (R/R/S) — Rajas auch im Navatārā-Schema eigenes Kursmaterial, zwei Systeme
TattvaPṛthivī (Erde) eigenes Kursmaterial
LokaBhū eigenes Kursmaterial
Mukhaadhomukha (abwärtsblickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Silbena · ई ī · उ u · ए e Lehrüberlieferung
KörperteilKopf — das Nakṣatrapuruṣa-Schema beginnt hier eigenes Kursmaterial, siehe unten
PuruṣārthaDharma · Artha · Kāma · Mokṣa je Pāda Lehrüberlieferung
TätigkeitenAgnihotra, Gemischtes, der Stierfreilass vṛṣotsarga Muhūrta-Cintāmaṇi 2.5
MenschengruppenFeueranleger, Mantrakundige, Kenner der Sūtras und Bhāṣyas, Bergleute, Barbiere, Töpfer, Hauspriester, Jahreskundige Bṛhat Saṃhitā 15.1

Wo die Quellen auseinandergehen

Die Śakti-Formel fehlt. Der wichtigste Punkt steht schon oben: Bhaṭṭabhāskara gibt für Kṛttikā keine Formel, sondern nur das Wort jvālā. Die in der modernen Literatur kursierende „dahana śakti" ist an dieser Stelle nicht belegt und wird hier nicht geführt.

Varṇa, zwei Systeme. Die modernen Tabellen geben für Kṛttikā meist brāhmaṇa, und auch das hat eine Quelle — nur eine andere als das Aṣṭakūṭa. Bṛhat Saṃhitā 15.28 ordnet Kṛttikā zusammen mit den drei Pūrvā den agraja, den „Erstgeborenen", das heisst den Brahmanen zu; das ist eine gesellschaftsprognostische Einteilung in sieben Klassen. Im Melāpaka dagegen wird der Varṇa nach dem Rāśi vergeben:

Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22

द्विजा झषालिकर्कटास् ततो नृपा विशो ऽङ्घ्रिजाः

dvijā jhaṣālikarkaṭās tato nṛpā viśo 'ṅghrijāḥ

Brahmanen [sind] Mīna, Vṛścika und Karka; darauf die Fürsten [Kṣatriyas], die Vaiśyas, die Śūdras.

Dvijā: Brahmanen; wörtl. „zweimal Geborene" (m. 1/3). Jhaṣālikarkaṭās: Mīna, Vṛścika und Karka; wörtl. jhaṣa (Fisch = Mīna) + āli (Skorpion = Vṛścika) + karkaṭa (Krebs = Karka) (m. 1/3). Tato: darauf, danach (avy.). Nṛpā: Fürsten, Kṣatriyas; wörtl. nṛ (Mensch) + pa (schützend) (m. 1/3). Viśo: Vaiśyas, die Leute des dritten Standes (f. 1/3). 'ṅghrijāḥ: Śūdras; wörtl. aṅghri (Fuss) + ja (geboren) (m. 1/3).

Der Kommentar löst auf: meṣasiṃhadhanūrāśayo nṛpāḥ kṣatriyāḥ, vṛṣakanyāmakarā viśo vaiśyāḥ — „Meṣa, Siṃha und Dhanus sind die Kṣatriyas; Vṛṣa, Kanyā und Makara die Vaiśyas."

Kṛttikā liegt mit dem ersten Pāda in Meṣa und mit den übrigen drei in Vṛṣabha. Im Aṣṭakūṭa ist es damit kṣatriya im ersten Pāda und vaiśya in den Pādas zwei bis vier — zwei Werte für dasselbe Nakṣatra. Das ist keine Ungenauigkeit der Überlieferung, sondern folgt zwingend aus dem Vers. Dass Varāhamihira das System Gaṇa/Yoni/Nāḍī/Varṇa überhaupt nicht kennt — weder hier noch im Bṛhajjātaka —, macht die Vermengung der beiden Quellen erst recht unzulässig.

Gaṇa rākṣasa bei einem priesterlichen Nakṣatra. Kṛttikā hat Agni zur Gottheit, eine durchweg priesterlich-gelehrte Berufsliste bei Varāhamihira und das Agnihotra als Tätigkeit — und trägt trotzdem den Gaṇa rākṣasa. Das sieht nach Widerspruch aus, ist aber keiner: die beiden Angaben stammen aus voneinander unabhängigen Systemen, die verschiedene Fragen beantworten. Der Gaṇa gehört in den Heiratsvergleich, die Berufsliste in die Vorzeichendeutung. Zu glätten ist da nichts.

Guṇa. Das eigene Kursmaterial führt zwei nicht deckungsgleiche Systeme unter demselben Namen: ein dreiwertiges, das jedem Nakṣatra einen Guṇa je Loka-Ebene gibt (für Kṛttikā Rajas/Rajas/Sattva), und ein einwertiges nach dem Navatārā-Schema, das den Guṇa des Tārā-Herrschers ansetzt (für Kṛttikā Rajas, über Sūrya). Sie widersprechen einander nicht wirklich — sie werden nur regelmässig vermengt.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben für Kṛttikā „Widder, weiblich". Das Tier ist belegt, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten; der Kommentar zum Muhūrta-Cintāmaṇi zitiert dazu das Daivajñamanohara: aṣṭāviṃśatitārāṇāṃ yonayas tu caturdaśa. Kṛttikās Gegenspieler ist nach der Bauform des Verses der Affe, also Pūrvāṣāḍhā und Śravaṇa.

Körperteil und Zählbeginn. Kṛttikā trägt im Nakṣatrapuruṣa den Kopf — und zwar deshalb, weil dieses Schema ab Kṛttikā zählt. Wer dasselbe Schema ab Aśvinī laufen lässt (als Kālapuruṣa), bekommt für jedes Nakṣatra ein anderes Glied. Der Unterschied ist kein Überlieferungsfehler, sondern eine Folge des Zählbeginns; welches Schema gemeint ist, muss immer mitgesagt werden.

Ein Fehler in der eigenen Herrschertabelle. Der Herrscher Sūrya stützt sich auf die Viṃśottarī-Reihe und wird von der eigenen Herrscherliste bestätigt. Dieselbe Liste führt aber an Position 17, wo Anurādhā stehen müsste, ein zweites Mal „8. Puṣya". Die Kṛttikā-Zeile ist davon nicht betroffen; der Fehler gehört trotzdem genannt, weil die Tabelle hier als Beleg auftritt.

Wesensart und Tätigkeiten

Die Wahllehre teilt die Nakṣatras nach ihrer Wesensart in sieben Klassen ein. Kṛttikā gehört mit Viśākhā zusammen zur kleinsten davon — sie hat nur diese zwei Mitglieder:

Bṛhat Saṃhitā 97.11 (in Kerns Zählung 98.11)

हौतभुजं सविशाखं मृदुतीक्ष्णं तद्विमिश्रफलकारि श्रवणत्रयम् आदित्यानिले च चरकर्मणि हितानि

hautabhujaṃ saviśākhaṃ mṛdutīkṣṇaṃ tadvimiśraphalakāri śravaṇatrayam ādityānile ca carakarmaṇi hitāni

Das dem Feueresser gehörende [Gestirn, Kṛttikā] samt Viśākhā ist sanft-scharf [mṛdutīkṣṇa] und bringt eine daraus gemischte Frucht. Die drei Śravaṇa [Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj], das Aditi-Gestirn [Punarvasu] und das des Windes [Svātī] sind günstig beim beweglichen Werk.

Hautabhujaṃ: das dem Feueresser (Agni) gehörende Gestirn, Kṛttikā; wörtl. hutabhuj (Opferesser, Agni) (n. 1/1). Saviśākhaṃ: samt Viśākhā; wörtl. sa (mit) + viśākhā (n. 1/1). Mṛdutīkṣṇaṃ: sanft-scharf - Name der Nakṣatra-Klasse; wörtl. mṛdu (sanft) + tīkṣṇa (scharf) (n. 1/1). Tadvimiśraphalakāri: eine daraus gemischte Frucht bringend; wörtl. tad (das) + vimiśra (gemischt) + phala (Frucht) + kārin (bewirkend) (n. 1/1). Śravaṇatrayam: die drei Śravaṇa (Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj); wörtl. śravaṇa + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Ādityānile: das Aditi-Gestirn (Punarvasu) und das des Windes (Svātī); wörtl. āditya (der Aditi gehörend) + anila (Wind) (n. 1/2). Ca: und (avy.). Carakarmaṇi: beim beweglichen Werk; wörtl. cara (beweglich) + karman (Werk) (n. 7/1). Hitāni: günstig, zuträglich (n. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865, dort als 98.11. Der Vers behandelt zwei Klassen: die erste Hälfte die mṛdutīkṣṇa-Gruppe, die zweite die cara-Tätigkeiten. — āditya bedeutet hier Punarvasu, nicht Hasta; Iyers englische Fassung liest Hasta und bringt damit die Siebenteilung um ein Nakṣatra durcheinander.

Zweierlei ist an diesem Vers bemerkenswert. Erstens nennt er Kṛttikā nicht beim Namen, sondern als hutabhuj, „Opferesser" — eine Umschreibung über die Gottheit. Zweitens gibt Varāhamihira dieser Klasse keine eigenen Tätigkeiten: sie bringt „eine daraus gemischte Frucht", und damit hat es sein Bewenden. Der Muhūrta-Cintāmaṇi trägt erst welche nach — und zwar Feuerriten:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.5

विशाखाग्नेयभे सौम्यो मिश्रं साधारणं स्मृतम् तत्राग्निकार्यं मिश्रं च वृषोत्सर्गादि सिद्धये

viśākhāgneyabhe saumyo miśraṃ sādhāraṇaṃ smṛtam tatrāgnikāryaṃ miśraṃ ca vṛṣotsargādi siddhaye

Viśākhā, das Agni-Nakṣatra [Kṛttikā] und der Merkurtag [Mittwoch] gelten als miśra, „gemischt", und sādhāraṇa, „allgemein". Darin [gelingen] das Feueropfer, Gemischtes und das Freilassen des Stieres und dergleichen.

Viśākhāgneyabhe: Viśākhā und das Agni-Gestirn (Kṛttikā); wörtl. viśākhā + āgneya (dem Agni gehörend) + bha (Gestirn) (n. 1/2). Saumyo: Saumya (Budha), der Mittwoch (m. 1/1). Miśraṃ: gemischt - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Sādhāraṇaṃ: allgemein, gemeinsam - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Smṛtam: gilt als, wird gelehrt (n. 1/1). Tatra: darin, dort (avy.). Agnikāryaṃ: das Feueropfer, das Agnihotra; wörtl. agni (Feuer) + kārya (Werk) (n. 1/1). Miśraṃ: Gemischtes, Vermengtes (n. 1/1). Ca: und (avy.). Vṛṣotsargādi: das Freilassen des Stieres und dergleichen; wörtl. vṛṣa (Stier) + utsarga (Entlassung) + ādi (und so fort) (n. 1/1). Siddhaye: zum Gelingen, zum Erfolg (f. 4/1).

Kollation aus drei Ausgaben; sie lesen am Schluss siddhaye beziehungsweise siddhyati — metrisch gleichwertig, inhaltlich folgenlos. Der Kommentar löst auf: agnikāryam agnihotram, und vṛṣotsargaḥ kāmyaḥ — der als wunschgebundener Ritus vollzogene Stierfreilass.

Zur Terminologie: sādhāraṇa als Klassenname ist jünger als die Bṛhat Saṃhitā; Varāhamihira sagt mṛdutīkṣṇa. Wer „sādhāraṇa" schreibt, zitiert den Muhūrta-Cintāmaṇi. Dasselbe gilt für sthira, dāruṇa, krūra, kṣipra, maitra und cara — keiner dieser Klassennamen steht bei Varāhamihira.

Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen zu. Kṛttikā eröffnet dort die Reihe:

Bṛhat Saṃhitā 15.1

आग्नेये सितकुसुमाहिताग्निमन्त्रज्ञसूत्रभाष्यज्ञाः आकरिकनापितद्विजघटकारपुरोहिताब्दज्ञाः

āgneye sitakusumāhitāgnimantrajñasūtrabhāṣyajñāḥ ākarikanāpitadvijaghaṭakārapurohitābdajñāḥ

Beim Agni-Gestirn: weissblütige Gewächse, Feueranleger [āhitāgni], Mantrakundige, Kenner der Sūtras und der Bhāṣyas; Bergleute, Barbiere, Zweimalgeborene, Töpfer, Hauspriester und Jahreskundige.

Āgneye: beim Agni-Gestirn, unter Kṛttikā; wörtl. „dem Agni gehörend" (n. 7/1). Sitakusumāhitāgnimantrajñasūtrabhāṣyajñāḥ: weissblütige Gewächse, Feueranleger, Mantrakundige, Kenner der Sūtras und Bhāṣyas; wörtl. sita (weiss) + kusuma (Blüte) + āhitāgni (der das heilige Feuer angelegt hat) + mantrajña (mantrakundig) + sūtra (Leitfaden) + bhāṣyajña (kommentarkundig) (m. 1/3). Ākarikanāpitadvijaghaṭakārapurohitābdajñāḥ: Bergleute, Barbiere, Zweimalgeborene, Töpfer, Hauspriester und Jahreskundige; wörtl. ākarika (Bergmann) + nāpita (Barbier) + dvija (Zweimalgeborener) + ghaṭakāra (Töpfer) + purohita (Hauspriester) + abdajña (jahreskundig, Sāṃvatsara-Astrologe) (m. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865. Dies ist der erste Vers des Kapitels — es zählt von Kṛttikā an, nicht von Aśvinī.

Die Liste ist durchgehend priesterlich und gelehrt, mit drei Ausnahmen: Bergmann, Barbier und Töpfer. Alle drei haben mit Feuer oder Schneiden zu tun — der Barbier mit der Klinge, der Töpfer mit dem Brennofen, der Bergmann mit dem Erz. Abdajña, „der Jahreskundige", ist der Sāṃvatsara, der Hofastrologe: Varāhamihira zählt hier seinen eigenen Beruf unter Kṛttikā auf.

Mitzulesen sind die Schlussverse des Kapitels: 15.31 f. sagt ausdrücklich, dass die Zuordnungen Bedingungen haben — die Gruppe eines Nakṣatras gedeiht oder leidet je nach dem Planetenstand an ihrem Gestirn. Wer Bṛhat Saṃhitā 15 als statische Attributliste zitiert, zitiert diese Einschränkung weg.

Der Jātaka-Pārijāta schliesslich sagt, was ein unter Kṛttikā Geborener mitbekommt — und er nennt das Nakṣatra dabei bei einem anderen Namen:

Jātaka-Pārijāta 9.84c (in der Kashi-Zählung 9.85)

तेजस्वी बहुलोद्भवः प्रभुसमो ऽमूर्खश् च विद्याधनी

tejasvī bahulodbhavaḥ prabhusamo 'mūrkhaś ca vidyādhanī

Der unter Bahulā [Kṛttikā] Geborene [ist] voller Tatkraft und Glanz, einem Herrn gleich, nicht töricht und reich an Wissen.

Tejasvī: voller Tatkraft und Glanz, feurig (m. 1/1). Bahulodbhavaḥ: der unter Bahulā Geborene; wörtl. bahulā (alter Name der Kṛttikā) + udbhava (Hervorgang) (m. 1/1). Prabhusamo: einem Herrn gleich; wörtl. prabhu (Herr, Gebieter) + sama (gleich) (m. 1/1). 'mūrkhaś: nicht töricht; wörtl. a- (un-) + mūrkha (töricht) (m. 1/1). Ca: und (avy.). Vidyādhanī: reich an Wissen; wörtl. vidyā (Wissen) + dhanin (vermögend) (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 626; die Kashi Sanskrit Series zählt um eins höher. Der Vers behandelt in seinen vier Vierteln Aśvinī, Bharaṇī, Kṛttikā und Rohiṇī; hier steht das dritte. Sastris eigene englische Wiedergabe: „he will be energetic, lord-like in status, not dull but with some valuable learning."

Bemerkenswert daran ist der Name: bahulodbhava, „aus Bahulā hervorgegangen". Bahulā — „die zahlreiche, die dichte" — ist ein alter Name der Plejaden, und er passt zur Sache so genau wie der Plural kṛttikāḥ. Der Vers nennt überhaupt kein Nakṣatra unter seinem geläufigsten Namen ausser Aśvinī und Rohiṇī; das gehört beim Zitieren mitgesagt.

Die Sterne des Asterismus

Oben der Sternhaufen der Plejaden im Ausschnitt, Massstab in Länge und Breite gleich; unten derselbe Haufen in der Leiste des ganzen Abschnitts, der von 26°40′ Meṣa bis 10°00′ Vṛṣabha reicht. Der Haufen ist nur gut ein Grad weit und wäre im Massstab der Leiste ein einziger Punkt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta. Oben der Sternhaufen der Plejaden im Ausschnitt, Massstab in Länge und Breite gleich; unten derselbe Haufen in der Leiste des ganzen Abschnitts, der von 26°40′ Meṣa bis 10°00′ Vṛṣabha reicht. Der Haufen ist nur gut ein Grad weit und wäre im Massstab der Leiste ein einziger Punkt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta.

Oben der Sternhaufen der Plejaden im Ausschnitt, Massstab in Länge und Breite gleich; unten derselbe Haufen in der Leiste des ganzen Abschnitts, der von 26°40′ Meṣa bis 10°00′ Vṛṣabha reicht. Der Haufen ist nur gut ein Grad weit und wäre im Massstab der Leiste ein einziger Punkt. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860.

Welche Sterngruppe gemeint ist, steht bei Kṛttikā ausser Frage: die Plejaden, der auffälligste offene Sternhaufen des Himmels. Bei keinem anderen Nakṣatra ist die Identifikation so unstrittig. Die indische Zählung gibt sechs Sterne; mit blossem Auge sind je nach Himmel sechs bis neun zu sehen, im Fernglas Dutzende, im Fernrohr Hunderte.

Strittig ist etwas anderes — und der Streit steht im Sūrya-Siddhānta gegen sich selbst. Vers 8.18 bestimmt für āgneya, das Agni-Gestirn, die südliche als yogatārā, den Verbindungsstern, nach dem der Abschnitt vermessen wird. Die südliche wäre streng genommen 27 Tauri (Atlas) oder 23 Tauri (Merope). Die Zahlenangaben desselben Kapitels — dhruvaka 37°30′, vikṣepa 5°00′ nördlich — treffen dagegen η Tauri, Alcyone. Burgess sagt es unumwunden: „If the designation … be strictly true, this is not Alcyone … but either Atlas … or Merope … The defined position agrees best with Alcyone, nor can we hesitate to regard this as actually the junction-star."

Lagebeschreibung und Zahlen widersprechen einander also innerhalb desselben Kapitels. Das ist einer von vier solchen Fällen im achten Kapitel des Sūrya-Siddhānta — die anderen betreffen Uttaraphalgunī, Pūrvabhādrapadā und Hasta — und er bleibt hier stehen. Die moderne Standardtabelle nennt schlicht „Pleiades" und drückt sich um die Frage.

Dazu kommen Textvarianten: der Siddhānta-Śiromaṇi gibt zwei Bogenminuten weniger polare Länge, das Graha-Lāghava dreissig mehr; die polare Breite lesen Sūrya-Siddhānta und Khaṇḍa-Kaṭaka als 5°, die übrigen Autoritäten als 4°30′.

Die Sterne im Katalog

SternEigennameHRHDHIPVSpektraltyp
η TauAlcyone116523630177022,87B7III
27 TauAtlas117823850178473,63B8III
17 TauElectra114223302174993,70B6IIIe
20 TauMaia114923408175733,87B7III
23 TauMerope115623480176084,18B6IV(e)
19 TauTaygeta114523338175314,30B6IV
28 TauPleione118023862178515,09B8Vne

Die Spektraltypen sind der eigentliche Befund dieser Tabelle: alle sieben sind heisse blaue B-Sterne. Das ist kein Zufall der Perspektive, wie bei den meisten Nakṣatra-Gruppen, sondern ein echter physischer Haufen — die Sterne sind miteinander entstanden und bewegen sich gemeinsam durch den Raum. Zwei von ihnen, Pleione und Electra, sind überdies schnellrotierende Be-Sterne mit einer abgeschleuderten Gasscheibe; Pleione schwankt deshalb in der Helligkeit. Kṛttikā ist damit das einzige der 27 Nakṣatras, dessen Sterne wirklich zusammen gehören.

Wo die Sterne heute stehen

Um zu prüfen, ob die Sterne im Abschnitt Kṛttikā liegen, müssen ihre Positionen von J2000,0 auf ein Stichjahr fortgeschrieben und dann um den Ayanāṃśa vermindert werden. Für 2025,0 ergibt sich (alles siderische Längen in Vṛṣabha):

Ayanāṃśa (2025,0)ElectraTaygetaMaiaMeropeAlcyoneAtlasPleione
Lahiri / Citrāpakṣa5° 33′5° 42′5° 49′5° 51′6° 08′6° 30′6° 31′
True Citrā5° 34′5° 43′5° 50′5° 52′6° 09′6° 31′6° 32′
Krishnamurti5° 39′5° 48′5° 55′5° 56′6° 14′6° 36′6° 37′
Raman7° 00′7° 09′7° 16′7° 17′7° 35′7° 57′7° 58′
Fagan / Bradley4° 40′4° 49′4° 56′4° 58′5° 15′5° 37′5° 38′

Kṛttikā reicht von 26°40′ Meṣa bis 10°00′ Vṛṣabha. Alle sieben Sterne liegen bei jedem gebräuchlichen Ayanāṃśa innerhalb des Abschnitts, und zwar bequem: der Haufen ist nur gut ein Grad weit und steht mitten darin. Die Sollposition des Sūrya-Siddhānta landet, in denselben Rahmen umgerechnet, bei 5° 20′ Vṛṣabha — im dritten Pāda, wenige Bogenminuten von Electra entfernt.

Bemerkenswert ist nur, dass die Pāda-Grenze bei 6°40′ Vṛṣabha mitten durch den Haufen läuft: Atlas und Pleione stehen nach Lahiri noch im dritten Pāda, aber schon nahe am vierten. Wer den Haufen als Ganzes einem Pāda zuordnen will, muss sich entscheiden — der Himmel tut es nicht.

Ein Wort zur Genauigkeit dieser Zahlen: der Ayanāṃśa ist keine Naturkonstante, sondern eine Festlegung. Zwischen Raman und Fagan/Bradley liegen über zwei Grad, und das verschiebt einen Stern um mehr als einen halben Pāda. Bei Kṛttikā bleibt die Spanne folgenlos, weil der Haufen so weit von beiden Rändern steht.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminieren die Plejaden zwischen 67,0 und 67,5 Grad hoch — sehr günstig. Um Mitternacht kulminieren sie um den 22. November, in Sonnennähe stehen sie um den 21. Mai; etwa vier Wochen davor und danach sind sie unsichtbar.

Kein anderes Nakṣatra ist so leicht zu finden. Die Plejaden fallen selbst über einer hell beleuchteten Stadt auf; im Winter stehen sie abends hoch im Süden, unübersehbar. Wer von blossem Auge sechs Sterne zählt, hat einen ordentlichen Himmel; wer neun zählt, einen sehr guten.

Namen und Namensvarianten

Der Name steht im Plural: kṛttikāḥ. Das Taittirīya-Brāhmaṇa schreibt ihn durchgehend so, die Taittirīya-Saṃhitā hat daneben den Singular kṛttikā. Der Plural ist die ältere und sachlich passendere Form — es sind mehrere Sterne, und keiner darunter ist der eine auffällige.

Die Ableitung von kṛt, „schneiden", liegt nahe und würde zum überlieferten Symbol (Messer, Rasiermesser, Speer) passen. Ausgesprochen wird sie in keiner der hier eingesehenen Quellen. Sie bleibt deshalb Vermutung und wird als solche geführt.

Ein zweiter Name ist besser belegt: bahulā, „die zahlreiche, die dichte". Der Jātaka-Pārijāta benutzt ihn statt kṛttikā (bahulodbhava, „aus Bahulā hervorgegangen"), und er passt zu einem Sternhaufen so genau wie der Plural. Die Sanskritlexikographie führt ihn als Synonym.

Warum Kṛttikā am Anfang stand

Dass die Reihe der Nakṣatras mit Aśvinī beginnt, ist nicht alt. Die ältesten Listen beginnen mit Kṛttikā, und das ist für dieses Nakṣatra dreifach unabhängig belegt: die Taittirīya-Saṃhitā eröffnet ihre Liste mit kr̥ttikā nákṣatram agnír devátā, das Taittirīya-Brāhmaṇa in 1.5.1 mit agnéḥ kŕ̥ttikāḥ, und dasselbe Werk eröffnet in 3.1.1 auch die Reihe der Nakṣatreṣṭi-Anrufungen mit Agni und den Kṛttikās. Der Atharvaveda, das Vedāṅga-Jyotiṣa und noch der Mahābhārata halten es ebenso. Weber, der die Listen zuerst systematisch verglichen hat, notiert dazu knapp: Kṛttikā stehe an erster Stelle „durchweg".

Das Brāhmaṇa sagt den Grund sogar ausdrücklich:

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.1.2.1

मुखं वा एतन् नक्षत्राणाम् यत् कृत्तिकाः

múkhaṃ vā́ etán nákṣatrāṇām yát kŕ̥ttikāḥ

Dies ist fürwahr der Mund der Nakṣatras, nämlich die Kṛttikās.

Mukhaṃ: Mund, Vorderseite, Anfang (n. 1/1). : fürwahr, gewiss (avy.). Etan: dies (n. 1/1). Nakṣatrāṇām: der Nakṣatras, der Gestirne (n. 6/3). Yat: nämlich das, was (n. 1/1). Kṛttikāḥ: die Kṛttikās, das 3. Nakṣatra (f. 1/3).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. TITUS zählt Kapitel 1 / Paragraph 2 / Vers 1 und setzt die Zusatzmarke BS 1.1.2.6; die Devanāgarī-Ausgabe druckt dieselbe Einheit als Abschnitt 6 und schliesst sie mit ॥ १। १। २। १॥ — beide meinen TB 1.1.2.1.

Mukha heisst „Mund" und zugleich „Anfang, Vorderseite". Der Satz ist also keine Metapher neben der Sache, sondern die Sache selbst: die Kṛttikās sind der Anfang, und weil sie Agnis Gestirn sind, ist der Anfang zugleich der Mund, in den geopfert wird.

Der Wechsel zu Aśvinī ist erst im Amarakośa, in der Bṛhat Saṃhitā und im Sūrya-Siddhānta greifbar; er wird gewöhnlich mit der Präzession erklärt, die den Frühlingspunkt rückwärts durch die Nakṣatras wandern lässt. Wann die Kṛttikā-Reihe entstand, wird häufig mit 2300 v. Chr. beantwortet — diese Zahl stammt aber aus Biots chinesischer Chronologie, und sowohl Whitney als auch Weber lehnen ihre Übertragung auf Indien ausdrücklich ab. Whitney kommt auf etwa 1400 v. Chr., Weber aufs 14. Jahrhundert und „äusserstenfalls" 2000 v. Chr.; beide betonen, dass es sich um eine Plausibilitätsannahme handelt, nicht um einen Beweis.

Für die Praxis wichtiger ist die Zählfalle. Bṛhat Saṃhitā 15 zählt ab Kṛttikā: der Kṛttikā-Vers ist dort 15.1, nicht 15.3, und Aśvinī steht als 26., Bharaṇī als 27. Im selben Werk zählt Kapitel 97 ausdrücklich ab Aśvinī (kramaśo ‘śvinyādīnām). Dieselbe Schrift benutzt beide Anfangspunkte. Wer das nicht mitliest, zitiert regelmässig das falsche Nakṣatra.

Die Verse

Die älteste Stelle, die Kṛttikā nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā, in der Aufzählung der Nakṣatra-Feueraltarziegel — und zwar ganz am Anfang:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.1

कृत्तिका नक्षत्रम् अग्निर् देवता

kr̥ttikā nákṣatram agnír devátā

Kṛttikā ist das Nakṣatra, Agni die Gottheit.

Kṛttikā: Kṛttikā, das Nakṣatra der Plejaden (f. 1/1). Nakṣatram: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Agnir: Agni, der Feuergott (m. 1/1). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Als einziger der 27 Einträge trägt dieser eine Fortsetzung: agné rúcaḥ stha prajā́pater dhātúḥ sómasya — ṛcé tvā rucé tvā dyuté tvā bhāsé tvā jyótiṣe tvā, „[ihr seid] die Glanzformen des Agni, des Prajāpati, des Dhātṛ, des Soma; dich für den Ṛc-Vers, dich für den Glanz, dich für das Leuchten, dich für den Schein, dich für das Licht."

Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe, stellt aber die Gottheit in den Genitiv voran und fügt jedem Nakṣatra ein Begriffspaar bei — eines „oberhalb", eines „unterhalb":

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.1

अग्नेः कृत्तिकाः शुक्रं परस्ताज् ज्योतिर् अवस्तात्

agnéḥ kŕ̥ttikāḥ śukráṃ parástāj jyótir avástāt

Des Agni sind die Kṛttikās. Das Helle oberhalb, das Licht unterhalb.

Agneḥ: des Agni, des Feuergottes (m. 6/1). Kṛttikāḥ: die Kṛttikās, das 3. Nakṣatra (f. 1/3). Śukraṃ: das Helle, das Blanke, das Lautere (n. 1/1). Parastāj: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Jyotir: das Licht, der Lichtglanz (n. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Wortglossar hier erstellt; das Werk liegt noch nicht in der Textdatenbank dieser Seite.

Dieses Begriffspaar ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben: śukra und jyotis sind das „oberhalb" und „unterhalb" der Formel — nur dass Bhaṭṭabhāskara bei Kṛttikā das mittlere Glied eben nicht als śakti ausformuliert, sondern bei dem einen Wort jvālā bleibt. Dass zwischen dem Hellen und dem Licht die Flamme steht, ist dabei fast zu schön, um Zufall zu sein: die Reihe geht von der blossen Helligkeit über die Flamme zum Licht.

Auch die Nakṣatreṣṭi-Mantras des dritten Aṣṭaka beginnen mit Kṛttikā:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.1, Nakṣatreṣṭi-Mantra für Kṛttikā

अग्निर् नः पातु कृत्तिकाः नक्षत्रं देवम् इन्द्रियम्

agnír naḥ pātu kŕ̥ttikāḥ nákṣatraṃ devám indriyám

Agni schütze uns, und die Kṛttikās — das Nakṣatra, den Gott, die Indra-Kraft.

Agnir: Agni, der Feuergott (m. 1/1). Naḥ: uns (2/3). Pātu: er schütze, er behüte (loṭ I/1). Kṛttikāḥ: die Kṛttikās, das 3. Nakṣatra (f. 1/3). Nakṣatraṃ: das Nakṣatra, das Gestirn (n. 2/1). Devam: den Gott (m. 2/1). Indriyam: die Indra-Kraft, das machtvolle Vermögen (n. 2/1).

Wortlaut nach TITUS und sanskritdocuments.org; in der Mysore-Ausgabe Abschnitt 1. Der Mantra umfasst acht Zeilen; hier stehen die ersten beiden. Er schliesst mit sá kr̥ttikābhir abhí saṃvásānaḥ | agnír no deváḥ suvité dadhātu — „dieser Gott Agni, der mit den Kṛttikās zusammenwohnt, setze uns in gute Fahrt."

Aus der neueren Lehrüberlieferung stammen die Merkverse, mit denen die Reihe der Nakṣatra-Namen gelernt wird. Dort steht Kṛttikā an dritter Stelle — die Umstellung ist also vollzogen:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 1

अश्विनी भरणी चैव कृत्तिका रोहिणी मृगः आर्द्रा पुनर्वसुः पुष्यस् ततो ऽश्लेषा मघा तथा

aśvinī bharaṇī caiva kṛttikā rohiṇī mṛgaḥ ārdrā punarvasuḥ puṣyas tato 'śleṣā maghā tathā

Aśvinī, Bharaṇī und Kṛttikā, Rohiṇī, Mṛga[śiras]; Ārdrā, Punarvasu, Puṣya, darauf Āśleṣā und ebenso Maghā.

Aśvinī: Aśvinī, 1. Nakṣatra (f. 1/1). Bharaṇī: Bharaṇī, 2. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Eva: eben (avy.). Kṛttikā: Kṛttikā, 3. Nakṣatra (f. 1/1). Rohiṇī: Rohiṇī, 4. Nakṣatra (f. 1/1). Mṛgaḥ: Mṛga(śiras), 5. Nakṣatra (m. 1/1). Ārdrā: Ārdrā, 6. Nakṣatra (f. 1/1). Punarvasuḥ: Punarvasu, 7. Nakṣatra (m. 1/1). Puṣyas: Puṣya, 8. Nakṣatra (m. 1/1). Tato: darauf (avy.). 'śleṣā: Āśleṣā, 9. Nakṣatra (f. 1/1). Maghā: Maghā, 10. Nakṣatra (f. 1/1). Tathā: ebenso (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die Aufteilung eines Pāda auf Meṣa und dreier auf Vṛṣabha. Das folgt aus der Einteilung selbst, ist gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft und wird von den beiden zitierten Rāśi-Versen bestätigt. Sicher ist auch der Herrscher Sūrya aus der Viṃśottarī-Reihe.

Am Originalvers belegt sind: die Devatā Agni und die Stellung am Listenanfang (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1, 1.1.2 und 3.1.1 — vier unabhängige Stellen), die Glieder „oberhalb" und „unterhalb" der Śakti-Angabe (dasselbe Brāhmaṇa), die Wesensart mṛdutīkṣṇa (Bṛhat Saṃhitā 97.11) und miśra/sādhāraṇa samt Tätigkeiten (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.5), die Menschengruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.1), Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.25, 6.34), das Mukha (2.9), der Varṇa über den Rāśi (6.22) sowie die Geburtsdeutung (Jātaka-Pārijāta 9.84). Die Sternidentifikation ist unstrittig; nur welcher Plejadenstern die yogatārā ist, widerspricht sich innerhalb des Sūrya-Siddhānta selbst.

Nicht belegt und deshalb markiert oder ganz weggelassen: der Śakti-Name — Bhaṭṭabhāskara gibt für Kṛttikā keine Formel, und die in der modernen Literatur kursierende „dahana śakti" steht an dieser Stelle nicht; das Geschlecht der Yoni, für das die klassische Lehre gar keinen Platz hat; die Himmelsrichtung; die Namenssilben; das Symbol des Messers oder Rasiermessers, das aus der Lehrüberlieferung stammt; und die naheliegende Ableitung des Namens von kṛt, „schneiden", die in keiner der eingesehenen Quellen ausgesprochen wird.

Berichtigt wurden drei Angaben, die durch die moderne Literatur laufen: die „dahana śakti" (unbelegt), der Varṇa (im Heiratsvergleich pāda-abhängig kṣatriya oder vaiśya, nicht brāhmaṇa — das ist die Sozialklasse aus Bṛhat Saṃhitā 15.28) und die Herkunft der Śakti-Systematik überhaupt (Bhaṭṭabhāskara, nicht Sāyaṇa).

Nicht geglättet wurde der Widerspruch im Sūrya-Siddhānta: Vers 8.18 nennt „die südliche" als yogatārā, die Zahlen desselben Kapitels treffen Alcyone. Burgess selbst benennt den Widerspruch und entscheidet nach den Zahlen; beides steht hier nebeneinander.

Bei den Versen ist zu unterscheiden. Die Taittirīya-Stellen, der Kommentar Bhaṭṭabhāskaras und die Verse aus Bṛhat Saṃhitā, Muhūrta-Cintāmaṇi und Jātaka-Pārijāta sind edierter Text mit nachprüfbarer Fundstelle. Der Merkvers der Nakṣatra-Namen und die Verse zur Pāda-Verteilung dagegen stammen aus einem Kursmaterial, dessen Wortlaut keiner Stelle eines klassischen Werks zugeordnet werden konnte. Sie werden deshalb als das ausgewiesen, was sie sind: gelernte Verse einer lebendigen Lehrtradition, nicht edierter Text.

Was noch offen ist: Die Nārada-Saṃhitā und das Vivāha-vṛndāvana, die Gaṇa, Yoni und Nāḍī bestätigen, waren nur als Kontrollzitate greifbar, nicht in eigener Ausgabe. Für das Yoni-Geschlecht wurde kein Vers gefunden. Und für die „dahana śakti" wurde keine Quelle gefunden — wer eine nennen kann, möge es tun; bis dahin bleibt der Name hier ungeführt.