Hasta
Studien-PDF herunterladenहस्त 13. Nakṣatra · 10°00′ bis 23°20′ Kanyā (siderisch) · Herrscher Candra
Hasta heisst „Hand" — eine der wenigen Nakṣatra-Bezeichnungen, deren Bedeutung vollkommen durchsichtig ist. Fünf Sterne des Sternbilds Rabe bilden die Figur, und die Überlieferung liest sie als Hand mit fünf Fingern. Die Gottheit ist Savitṛ, der Gott des Anstosses, dessen Erlaubnis ein Werk erst zustande bringt; und die Śakti-Formel des Kommentars ist ein einziges Wortspiel mit hasta, das damit endet, dass das Erlangte „in der Hand" liegt. Für mitteleuropäische Beobachter ist Hasta zugleich der schwierigste der hier behandelten Asterismen: der Rabe kulminiert von 47° Nord nur achtzehn bis sechsundzwanzig Grad hoch.
Himmelsabschnitt und Pādas
Hasta reicht von 160°00′ bis 173°20′ siderischer Länge und liegt damit vollständig im Rāśi Kanyā (Jungfrau). Die vier Pādas zu je 3°20′ tragen die Navāṃśa-Zeichen Meṣa, Vṛṣabha, Mithuna und Karka: Kanyā ist ein zweiwesiges Zeichen, seine Navāṃśa-Reihe beginnt beim fünften Zeichen von ihm aus, also bei Makara, und die Pādas von Hasta sind der vierte bis siebte Navāṃśa dieses Rāśi.
| Pāda | von | bis | Navāṃśa | Puruṣārtha | Silbe |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 10°00′ | 13°20′ | Meṣa | Dharma | पू pū |
| 2 | 13°20′ | 16°40′ | Vṛṣabha | Artha | ष ṣa |
| 3 | 16°40′ | 20°00′ | Mithuna | Kāma | ण ṇa |
| 4 | 20°00′ | 23°20′ | Karka | Mokṣa | ठ ṭha |
Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich nicht nachweisen.
Dass Hasta ganz in Kanyā liegt, sagt der Vers, der die Pādas auf die Zeichen verteilt:
उत्तराफाल्गुन्यास् त्रयः पादा हस्तश् चित्रार्धं कन्या ।
uttarāphālgunyās trayaḥ pādā hastaś citrārdhaṃ kanyā ।
Drei Pādas von Uttarāphālgunī, [die vier von] Hasta und die [erste] Hälfte von Citrā [bilden] Kanyā [die Jungfrau].
Uttarāphālgunyās: von Uttarāphālgunī, 12. Nakṣatra (f. 6/1). Trayaḥ: drei (m. 1/3). Pādā: Pādas, Viertel (m. 1/3). Hastaś: Hasta, 13. Nakṣatra (m. 1/1). Citrārdhaṃ: die Hälfte von Citrā; wörtl. citrā (14. Nakṣatra) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Kanyā: Kanyā, die Jungfrau (6. Rāśi) (f. 1/1).
Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)
Die Devatā
Über Hasta herrscht Savitṛ. Der Name gehört zur Wurzel sū-, „antreiben, in Bewegung setzen", und bedeutet „der Antreiber, der Anreger". Savitṛ ist nicht einfach der Sonnengott — die Sonne als Himmelskörper ist Sūrya —, sondern der Gott des Anstosses: dessen, was ein Werk überhaupt in Gang setzt, und dessen Erlaubnis (anujñāna) es ermöglicht. An ihn ist die Gāyatrī gerichtet, der bekannteste Vers des Ṛgveda, und sein Name steht in prasava, „Antrieb" — dem Wort, das das Taittirīya-Brāhmaṇa diesem Nakṣatra als oberes Glied zuordnet.
Wie bei Maghā sind sich die Zeugen einig. Die Taittirīya-Saṃhitā sagt savitā́ devátā, das Taittirīya-Brāhmaṇa devásya savitúr hástaḥ, das Nakṣatra-Sūkta desselben Werks ruft Savitṛ an, er möge „mit goldenem, leichtrollendem Wagen" kommen und „den glückbringenden Hasta" fahren, und Varāhamihira nennt die Gottheit dinakṛt, „den Tagmacher", beziehungsweise das Nakṣatra sāvitra, „das dem Savitṛ Gehörige". Keine Differenz zwischen den Quellen.
Das Bild, das der Brāhmaṇa-Text aufbaut, ist dabei nicht die Sonne, sondern die gebende Hand: Savitṛ fährt heran und reicht dar; das Nakṣatra ist seine Hand; und was gegeben wird, nimmt man „mit der Rechten" entgegen — so der zweite Teil des Mantra, der unten bei den Versen nur zitiert, nicht abgedruckt ist.
Die Śakti
Das Taittirīya-Brāhmaṇa gibt für Hasta das Paar prasava, „die Antreibung", oberhalb und sani, „der Gewinn", unterhalb. Das mittlere Glied und das Ergebnis stehen erst im Kommentar — und zwar nicht bei Sāyaṇa, wie meist angenommen wird, sondern bei Bhaṭṭabhāskara Miśra:
देवस्य सवितुर् हस्तः । सविता अनुज्ञाता हस्तेन तद् भवति । सवितुर् अनुज्ञानेन अर्थं लम्भयतस् त्रयं भवति । परस्तात् प्रसवः प्रेरणा । मध्ये कालात्मिका हस्तस्थानीयागमशक्तिः । अवस्तात् सनिः लाभः । एतत्त्रयसंपत्तौ लब्धव्यं हस्तस्थं भवति ॥
devasya savitur hastaḥ । savitā anujñātā hastena tad bhavati । savitur anujñānena arthaṃ lambhayatas trayaṃ bhavati । parastāt prasavaḥ preraṇā । madhye kālātmikā hastasthānīyāgamaśaktiḥ । avastāt saniḥ lābhaḥ । etattrayasaṃpattau labdhavyaṃ hastasthaṃ bhavati ॥
„Des Gottes Savitṛ ist Hasta." Savitṛ ist der Erlaubende; durch die Hand geschieht es. Von ihm, der durch Savitṛs Erlaubnis das Gut erlangen lässt, gibt es ein Dreifaches: oberhalb der Antrieb, der Anstoss; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft des Zukommens, die an der Stelle der Hand steht; unterhalb der Gewinn, das Erlangte. Wenn diese drei zusammentreffen, ist das zu Erlangende in der Hand.
Devasya: des Gottes (m. 6/1). Savitur: des Savitṛ (m. 6/1). Hastaḥ: Hasta, die Hand (m. 1/1). Savitā: Savitṛ (m. 1/1). Anujñātā: der Erlaubende, der Zustimmende (m. 1/1). Hastena: durch die Hand (m. 3/1). Tad: das, jenes (n. 1/1). Bhavati: geschieht (laṭ III/1). Savitur: Savitṛs (m. 6/1). Anujñānena: durch die Erlaubnis, durch die Zustimmung (n. 3/1). Arthaṃ: das Gut, den Zweck, die Sache (m. 2/1). Lambhayatas: des Erlangenlassenden (Kausativ-Partizip zu labh-) (m. 6/1). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: es gibt, entsteht (laṭ III/1). Parastāt: oberhalb, darüber (avy.). Prasavaḥ: der Antrieb, der Anstoss (m. 1/1). Preraṇā: das Antreiben, der Anstoss (Glosse des Kommentars) (f. 1/1). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmikā: zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātmikā (wesenhaft) (f. 1/1). Hastasthānīyāgamaśaktiḥ: die Kraft des Zukommens, die an der Stelle der Hand steht; wörtl. hasta (Hand) + sthānīya (an der Stelle stehend) + āgama (Herankommen, Zufall) + śakti (Kraft) (f. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter (avy.). Saniḥ: der Gewinn, die Gabe (m. 1/1). Lābhaḥ: das Erlangte, der Gewinn (Glosse des Kommentars) (m. 1/1). Etattrayasaṃpattau: beim Zusammentreffen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + saṃpatti (Zusammentreffen) (f. 7/1). Labdhavyaṃ: das zu Erlangende (Gerundiv zu labh-) (n. 1/1). Hastasthaṃ: in der Hand befindlich; wörtl. hasta (Hand) + stha (stehend) (n. 1/1). Bhavati: wird, ist (laṭ III/1).
Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 248 (Abschnitt 11 der Ausgabe).
Diese Formel ist die geschlossenste der siebenundzwanzig. Sie spielt von Anfang bis Ende mit hasta: Savitṛ erlaubt, und „durch die Hand geschieht es"; die mittlere Kraft ist die des Zukommens, und sie „steht an der Stelle der Hand"; und wenn die drei Glieder zusammentreffen, ist das zu Erlangende hastastha, „in der Hand". Oben der Anstoss, unten der Gewinn, dazwischen das Zukommen — die gesamte Bewegung vom Impuls zum Besitz in einem Satz.
Für jede Verwendung gilt zweierlei: das Attribut kālātmikā, „zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist", gehört zur Formel und fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe; und die Zuschreibung an Sāyaṇa ist falsch — Bhaṭṭabhāskaras Bhāṣyadīpikā ist Jahrhunderte älter.
Der Steckbrief
Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt.
| Himmelsabschnitt | 10°00′ bis 23°20′ Kanyā, siderisch Rechnung; Vers zur Pāda-Verteilung |
|---|---|
| Fixsterne | γ Corvi (Gienah) oder δ Corvi (Algorab) als Yogatārā — der Text widerspricht sich; dazu ε, α und β Corvi Sūrya-Siddhānta 8.17 gegen 8.2; Whitney in Burgess 1860 |
| Herrscher | Candra Viṃśottarī-Reihe |
| Devatā | Savitṛ, der Āditya des Anstosses Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1; Bṛhat Saṃhitā 97.4 und 97.15 |
| Śakti | kālātmikā hastasthānīyā āgama-śakti, „die zeitgestaltige Kraft des Zukommens, die an der Stelle der Hand steht" — oberhalb der Antrieb, unterhalb der Gewinn; Ergebnis: das zu Erlangende ist in der Hand Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 |
| Symbol | Handfläche, Faust; die Sterngruppe wird als Hand mit fünf Fingern gelesen eigenes Kursmaterial; Figurenliste bei Burgess 1860 — kein Vers |
| Namensbedeutung | hasta „Hand" Monier-Williams; Bhaṭṭabhāskara spielt ausdrücklich damit |
| Wesensart | laghu (leicht) / kṣipra (rasch) Bṛhat Saṃhitā 97.9; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.6 |
| Gaṇa | deva (göttlich) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 29.127 |
| Yoni (Tier) | Büffel (kāsara, mahiṣa), geteilt mit Svātī; Feindtier ist das Pferd Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25 |
| Yoni-Geschlecht | unbelegt siehe unten |
| Nāḍī | ādi (die erste), zusammen mit Uttara-Phalgunī Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34; Nārada-Saṃhitā 29.141 |
| Varṇa | vaiśya im Heiratsvergleich — vaṇigjana (Kaufleute) in der Gesellschaftszuordnung; hier fallen beide Systeme zufällig zusammen zwei verschiedene Systeme, siehe unten |
| Guṇa | Tamas–Tamas–Rajas im Loka-Schema — Rajas im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme |
| Tattva | Agni (Feuer) eigenes Kursmaterial |
| Loka | Bhuva eigenes Kursmaterial |
| Richtung | Süden moderne Fachliteratur |
| Mukha | tiryaṅmukha (quer blickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9 |
| Silben | पू pū · ष ṣa · ण ṇa · ठ ṭha Lehrüberlieferung |
| Körperteil | Finger, im Schema des Nakṣatrapuruṣa ab Kṛttikā gezählt eigenes Kursmaterial; schemaabhängig |
| Puruṣārtha | je Pāda Dharma, Artha, Kāma, Mokṣa Lehrüberlieferung |
| Tätigkeiten | Handel, Liebeslust, Wissen, Schmuck, Künste, Handwerk, Heilmittel, Fahrzeuge; ausserdem Schur, Saṃskāra und Initiation Bṛhat Saṃhitā 97.9, 97.12, 97.15; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.6 |
| Menschengruppen | Diebe, Elefanten, Wagenkämpfer, Grosswürdenträger, Handwerker, Handelsware, Spelzgetreide, Schriftgelehrte, Kaufleute, mit Glanz Begabte Bṛhat Saṃhitā 15.11 |
Wo die Quellen auseinandergehen
Die Yogatārā — ein Selbstwiderspruch des Sūrya-Siddhānta. Unten im Sternabschnitt ausgeführt; in einem Satz: die Lagebeschreibung des Textes führt auf γ Corvi, seine eigene Sollposition auf δ Corvi, und Burgess, der beides feststellt, entscheidet sich nicht. Für die Frage, wo der Abschnitt am Himmel liegt, bleibt der Streit folgenlos — beide Sterne liegen bei jedem gebräuchlichen Ayanāṃśa in Hasta.
Die Geburtsdeutung — zwei Werke, zwei Gegenteile. Der Jātaka-Pārijāta sagt, wer unter Hasta geboren wird, sei „der Liebe und der Pflicht ergeben, den Weisen hilfreich, vermögend". Varāhamihira sagt, er sei „tatkräftig, dreist, trunksüchtig, mitleidlos, diebisch". Das ist kein Nuancenunterschied, sondern ein glatter Gegensatz, und Hasta ist einer von nur vier Fällen dieser Art. Beide Sätze stehen unten.
Und eine Lesart, an der alles hängt. Im Vers Varāhamihiras steht pānapo ‘ghṛṇī, „trunksüchtig, mitleidlos" — so die Bṛhat Saṃhitā. Dasselbe Kapitel steht auch als Bṛhajjātaka 16, und dort lautet die Stelle pānapo ghṛṇī, „trunksüchtig, mitleidig". Der Unterschied ist ein Avagraha, ein Zeichen, das Handschriften ohnehin oft weglassen; und er dreht die moralische Wertung des ganzen Nakṣatras um. Beide Lesarten sind gedruckt bezeugt, und beide bleiben hier stehen.
Varṇa. Die modernen Tabellen geben für Hasta vaiśya, und das trifft hier ausnahmsweise zu — allerdings aus dem falschen Grund. Die Tabellen füllen die Varṇa-Spalte mit Bṛhat Saṃhitā 15.29, wo Hasta zusammen mit Punarvasu, Abhijit und Aśvinī den vaṇigjana, den Kaufmannsleuten, zugewiesen wird — einer gesellschaftsprognostischen Einteilung mit sieben Klassen. Der Varṇa-Kūṭa des Heiratsvergleichs wird dagegen nach dem Rāśi vergeben; Hasta liegt ganz in Kanyā, und Kanyā ist im Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22 ein vaiśya-Zeichen. Dass beide Wege zum selben Wort führen, ist Zufall: bei Aśvinī, das im selben Vers der Bṛhat Saṃhitā steht, führt der Melāpaka zu kṣatriya.
Guṇa. Zwei Systeme liegen übereinander, beide im selben eigenen Kursmaterial: das dreiwertige Loka-Schema ergibt Tamas–Tamas–Rajas, das Navatārā-Schema nach dem Tārā-Herrscher ergibt Rajas.
Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben „Büffel, männlich". Das Tier ist belegt, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten; die beiden Yonis eines Versviertels sind einander feind, und Büffel (Hasta, Svātī) steht in Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25 im selben Pāda wie Pferd (Aśvinī, Śatabhiṣaj). Mehr sagt der Vers nicht.
Und ein Irrtum, der Verbreitung gefunden hat. In manchen modernen Tabellen steht Hasta unter den cara-Nakṣatras. Die Spur führt zu N. Chidambaram Iyers englischer Bṛhat-Saṃhitā-Übersetzung von 1884, die im Vers 98.11 das Wort āditya als Hasta auflöst statt als Punarvasu. Das ist nicht haltbar: Vers 97.4 unterscheidet beide ausdrücklich (aditi für Punarvasu, dinakṛt für Hasta); 97.15 sagt sāvitra, wenn Hasta gemeint ist; und vor allem geht die Rechnung nicht auf — mit Iyers Lesart käme Hasta doppelt vor, Punarvasu gar nicht, und die Siebenteilung ergäbe 26 statt 27 Nakṣatras. Hasta ist laghu, nicht cara.
Wesensart und Tätigkeiten
Die Wahllehre teilt die Nakṣatras nach ihrer Wesensart ein, weil davon abhängt, welche Unternehmung unter ihnen gelingt. Hasta gehört mit Aśvinī und Puṣya zur Klasse der leichten, raschen — der kleinsten Gruppe der Siebenteilung —, und es steht im Vers an erster Stelle:
लघु हस्ताश्विनपुष्याः पण्यरतिज्ञानभूषणकलासु । शिल्पौषधयानादिषु सिद्धिकराणि प्रदिष्टानि ॥
laghu hastāśvinapuṣyāḥ paṇyaratijñānabhūṣaṇakalāsu । śilpauṣadhayānādiṣu siddhikarāṇi pradiṣṭāni ॥
Leicht [laghu] sind Hasta, Aśvinī und Puṣya; sie gelten als erfolgbringend für Handel, Liebeslust, Wissen, Schmuck, Künste, für Handwerk, Heilmittel, Fahrzeuge und dergleichen.
Laghu: leicht, rasch - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Hastāśvinapuṣyāḥ: Hasta, Aśvinī und Puṣya; wörtl. hasta + aśvin + puṣya (m. 1/3). Paṇyaratijñānabhūṣaṇakalāsu: bei Handel, Liebeslust, Wissen, Schmuck und Künsten; wörtl. paṇya (Ware, Handel) + rati (Liebeslust) + jñāna (Wissen) + bhūṣaṇa (Schmuck) + kalā (Kunst) (f. 7/3). Śilpauṣadhayānādiṣu: bei Handwerk, Heilmitteln, Fahrzeugen und dergleichen; wörtl. śilpa (Handwerk) + auṣadha (Heilkraut, Arznei) + yāna (Fahrzeug) + ādi (und so fort) (n. 7/3). Siddhikarāṇi: erfolgbringend, zum Gelingen führend; wörtl. siddhi (Gelingen) + kara (machend) (n. 1/3). Pradiṣṭāni: sind angegeben, sind gelehrt (n. 1/3).
Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865; Kapitelzählung dort 98, in den neueren Ausgaben 97. Hasta steht an erster Stelle des Verses.
Zur Kapitelzahl: man findet die Stelle als 97.9 und als 98.9 zitiert. Beides ist richtig — Kerns Ausgabe von 1865 zählt ab Kapitel 38 um eins höher als die neueren, weil sie dort ein Zusatzkapitel führt. Für Kapitel 15, das weiter unten zitiert wird, gilt der Versatz nicht; die verbreitete Faustregel „Kern zählt immer plus eins" ist falsch.
Der Muhūrta-Cintāmaṇi schreibt Varāhamihira hier praktisch aus — die Tätigkeitsliste ist dieselbe, nur verdichtet, und Hasta steht auch dort voran:
हस्ताश्विपुष्याभिजितः क्षिप्रं लघु गुरुस् तथा । तस्मिन् पण्यरतिज्ञानभूषाशिल्पकलादिकम् ॥
hastāśvipuṣyābhijitaḥ kṣipraṃ laghu gurus tathā । tasmin paṇyaratijñānabhūṣāśilpakalādikam ॥
Hasta, Aśvinī, Puṣya und Abhijit [sind] kṣipra, „rasch“, ebenso laghu, „leicht“, und dazu der Donnerstag. Unter ihnen [gelingt] Handel, Liebeslust, Wissen, Schmuck, Handwerk, Künste und dergleichen.
Hastāśvipuṣyābhijitaḥ: Hasta, Aśvinī, Puṣya und Abhijit; wörtl. hasta + aśvin + puṣya + abhijit (m. 1/3). Kṣipraṃ: rasch - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Laghu: leicht - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Gurus: Guru (Bṛhaspati), der Donnerstag (m. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). Tasmin: unter diesem [Nakṣatra]. Paṇyaratijñānabhūṣāśilpakalādikam: Handel, Liebeslust, Wissen, Schmuck, Handwerk, Künste und dergleichen; wörtl. paṇya (Ware, Handel) + rati (Liebeslust) + jñāna (Wissen) + bhūṣā (Schmuck) + śilpa (Handwerk) + kalā (Kunst) + ādika (und so fort) (n. 1/1).
Ausgaben Chaukhambā (Haridās Sanskrit Series 185) und Nirṇaya-Sāgara, buchstabengleich. Der einzige Vers der Siebenteilung, der Abhijit ausdrücklich nennt.
Zwei Unterschiede fallen auf. Der Muhūrta-Cintāmaṇi gibt der Klasse einen zweiten Namen, kṣipra, „rasch", der bei Varāhamihira nicht vorkommt; und er nimmt Abhijit in die Gruppe auf. Es ist der einzige der sieben Klassenverse, der Abhijit ausdrücklich nennt — die übrigen sechs rechnen mit siebenundzwanzig. Der Kommentar merkt dazu an, der Daivajñamanohara lese an dieser Stelle „Āśleṣā" statt Abhijit, was den Sonderfall wieder auflöste.
Hasta steht in vier von fünf Tätigkeitslisten des Kapitels 97 — mehr als jedes andere Nakṣatra ausser Mṛgaśiras, das in allen fünf steht. Ausser der laghu-Liste sind das:
हस्तत्रयं मृगशिरः श्रवणत्रयं च । पूषाश्विशक्रगुरुभानि पुनर्वसुश्च । क्षौरे तु कर्मणि हितान्युदये क्षणे वा । युक्तानि चोडुपतिना शुभतारया च ॥
hastatrayaṃ mṛgaśiraḥ śravaṇatrayaṃ ca । pūṣāśviśakragurubhāni punarvasuśca । kṣaure tu karmaṇi hitānyudaye kṣaṇe vā । yuktāni coḍupatinā śubhatārayā ca ॥
Die drei Hasta (Hasta, Citrā, Svātī), Mṛgaśiras und die drei Śravaṇa; die Gestirne des Pūṣan (Revatī), der Aśvin (Aśvinī), des Śakra (Jyeṣṭhā) und des Guru (Puṣya), und Punarvasu - diese sind günstig beim Werk der Schur, bei ihrem Aufgang oder im rechten Augenblick, wenn sie mit dem Herrn der Gestirne (dem Mond) und einem günstigen Tārā verbunden sind.
Hastatrayaṃ: die drei Hasta (Hasta, Citrā, Svātī); wörtl. hasta + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Mṛgaśiraḥ: Mṛgaśiras, das 5. Nakṣatra (n. 1/1). Śravaṇatrayaṃ: die drei Śravaṇa (Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj); wörtl. śravaṇa + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Ca: und (avy.). Pūṣāśviśakragurubhāni: die Gestirne des Pūṣan (Revatī), der Aśvin (Aśvinī), des Śakra (Jyeṣṭhā) und des Guru (Puṣya); wörtl. pūṣan + aśvin + śakra + guru + bha (Gestirn) (n. 1/3). Punarvasuś: Punarvasu, das 7. Nakṣatra (m. 1/1). Ca: und (avy.). Kṣaure: bei der Schur, beim Haarschneiden (n. 7/1). Tu: aber (avy.). Karmaṇi: beim Werk, bei der Handlung (n. 7/1). Hitāny: günstig, zuträglich (n. 1/3). Udaye: bei ihrem Aufgang (m. 7/1). Kṣaṇe: im rechten Augenblick (m. 7/1). Vā: oder (avy.). Yuktāni: verbunden (n. 1/3). Coḍupatinā: und mit dem Herrn der Gestirne, dem Mond; wörtl. ca (und) + uḍu (Gestirn) + pati (Herr) (m. 3/1). Śubhatārayā: mit einem günstigen Tārā; wörtl. śubha (günstig) + tārā (Stern, Tārā-Stellung) (f. 3/1). Ca: und (avy.).
Ausgabe A. V. Tripāṭhī, Vārāṇasī 1968, mit Kerns Apparat; Kern druckt an einer Stelle śravanāttrayaṃ, einen Druckfehler für śravaṇatrayaṃ. „Śakra" ist nach Vers 97.7 als Jyeṣṭhā aufgelöst; Viśākhā wäre denkbar.
„Die drei Hasta" — hastatraya — meint Hasta, Citrā und Svātī, die drei aufeinanderfolgenden Nakṣatras; ebenso meint „die drei Śravaṇa" Śravaṇa, Dhaniṣṭhā und Śatabhiṣaj. Der Vers nennt insgesamt zwölf Gestirne, unter denen die Schur gelingt, und stellt Hasta an den Anfang.
सावित्रपौष्णानिलमैत्रतिष्यत्वाष्ट्रे तथा चोडुगणाधिपर्क्षे । संस्कारदीक्षाव्रतमेखलादि कुर्याद् गुरौ शुक्रबुधेन्दुयुक्ते ॥
sāvitrapauṣṇānilamaitratiṣyatvāṣṭre tathā coḍugaṇādhiparkṣe । saṃskāradīkṣāvratamekhalādi kuryād gurau śukrabudhenduyukte ॥
Im Gestirn des Savitṛ (Hasta), des Pūṣan (Revatī), des Windes (Svātī), des Mitra (Anurādhā), in Tiṣya (Puṣya), im Tvaṣṭṛ-Gestirn (Citrā) sowie im Gestirn des Herrn der Gestirnschar (Mṛgaśiras) vollziehe man Saṃskāra, Dīkṣā, Gelübde, Gürtelanlegung und dergleichen - wenn Jupiter mit Venus, Merkur oder dem Mond verbunden ist.
Sāvitrapauṣṇānilamaitratiṣyatvāṣṭre: im Gestirn des Savitṛ (Hasta), des Pūṣan (Revatī), des Windes (Svātī), des Mitra (Anurādhā), in Tiṣya (Puṣya) und im Tvaṣṭṛ-Gestirn (Citrā); wörtl. sāvitra + pauṣṇa + anila + maitra + tiṣya + tvāṣṭra (n. 7/1). Tathā: sowie, ebenso (avy.). Coḍugaṇādhiparkṣe: und im Gestirn des Herrn der Gestirnschar (Mṛgaśiras, dessen Gottheit der Mond ist); wörtl. ca (und) + uḍugaṇa (Gestirnschar) + adhipa (Herr) + ṛkṣa (Gestirn) (n. 7/1). Saṃskāradīkṣāvratamekhalādi: Saṃskāra, Dīkṣā, Gelübde, Gürtelanlegung und dergleichen; wörtl. saṃskāra (Weihehandlung) + dīkṣā (Einweihung) + vrata (Gelübde) + mekhalā (Gürtel) + ādi (und so fort) (n. 2/1). Kuryād: man vollziehe (vidhiliṅ III/1). Gurau: wenn Guru (Jupiter) (m. 7/1). Śukrabudhenduyukte: mit Venus, Merkur oder dem Mond verbunden ist; wörtl. śukra (Venus) + budha (Merkur) + indu (Mond) + yukta (verbunden) (m. 7/1).
Ausgabe A. V. Tripāṭhī, Vārāṇasī 1968. sāvitra, „das dem Savitṛ Gehörige", ist Varāhamihiras Name für Hasta — ein zusätzlicher Beleg dafür, dass er die Gottheit so ansetzt wie die vedischen Listen.
Diese Liste ist die engste des Kapitels: sieben Nakṣatras für Saṃskāra, Dīkṣā und Gürtelanlegung, also für die Einweihungen. Hasta steht auch hier voran.
Eine vierte Liste kommt hinzu, die allerdings nur in Kerns Text steht und bei Tripāṭhī und im GRETIL-Korpus fehlt: Kern 98.15 nennt Hasta, Mūla, Śravaṇa, Punarvasu, Mṛgaśiras und Puṣya als günstig „bei Handlungen mit männlicher Bezeichnung". Das ist die einzige Stelle des Kapitels, die den Nakṣatras überhaupt ein Geschlecht zuschreibt. Wer Hasta ein „männliches Nakṣatra" nennen will, hat hier eine Fundstelle — mit dem ausdrücklichen Zusatz, dass sie nur in einer der Ausgaben steht.
Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen zu; es geht dort um Vorzeichendeutung im grossen Massstab, nicht um Geburtsdeutung:
हस्ते तस्करकुञ्जररथिकमहामात्रशिल्पिपण्यानि । तुषधान्यं श्रुतयुक्ता वणिजस्तेजोयुताश्चात्र ॥
haste taskarakuñjararathikamahāmātraśilpipaṇyāni । tuṣadhānyaṃ śrutayuktā vaṇijastejoyutāścātra ॥
Bei Hasta: Diebe, Elefanten, Wagenkämpfer, Grosswürdenträger, Handwerker und Handelsware; Spelzgetreide, Schriftgelehrte, Kaufleute und mit Glanz Begabte - hier.
Haste: bei Hasta, im Nakṣatra Hasta (m. 7/1). Taskarakuñjararathikamahāmātraśilpipaṇyāni: Diebe, Elefanten, Wagenkämpfer, Grosswürdenträger, Handwerker und Handelsware; wörtl. taskara (Dieb) + kuñjara (Elefant) + rathika (Wagenkämpfer) + mahāmātra (Grosswürdenträger) + śilpin (Handwerker) + paṇya (Ware) (n. 1/3). Tuṣadhānyaṃ: Spelzgetreide; wörtl. tuṣa (Spelze) + dhānya (Getreide) (n. 1/1). Śrutayuktā: Schriftgelehrte; wörtl. śruta (Gehörtes, Gelehrsamkeit) + yukta (versehen) (m. 1/3). Vaṇijas: Kaufleute (m. 1/3). Tejoyutāś: mit Glanz Begabte; wörtl. tejas (Glanz) + yuta (versehen) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Atra: hier, hierbei (avy.).
Ausgabe A. V. Tripāṭhī, Vārāṇasī 1968, mit Kerns Apparat. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an; Hasta steht deshalb als elftes.
Die Reihe ist gemischt und beginnt mit taskara, „Dieb" — demselben Wort, das Varāhamihira im Geburtskapitel für die unter Hasta Geborenen verwendet. Ob er damit dieselbe Vorstellung verfolgt oder nur denselben Wortschatz, lässt sich nicht sagen; auffällig ist es. Am Ende stehen vaṇij, „Kaufmann", und tejoyuta, „mit Glanz begabt" — die Liste schliesst also günstiger, als sie beginnt.
Die Geburtsdeutung
Hier gehen die beiden Werke so weit auseinander wie bei kaum einem anderen Nakṣatra. Die ältere Schicht ist Varāhamihiras Nakṣatrajātaka, das in zwei seiner Werke steht — als Bṛhat Saṃhitā 100 und als Bṛhajjātaka 16:
उत्साही धृष्टः पानपो ऽघृणी तस्करो हस्ते ।
utsāhī dhṛṣṭaḥ pānapo 'ghṛṇī taskaro haste ।
Bei Hasta: tatkräftig, dreist, trunksüchtig, mitleidlos, diebisch.
Utsāhī: tatkräftig, voller Anstrengung (m. 1/1). Dhṛṣṭaḥ: dreist, kühn, unverschämt (m. 1/1). Pānapo: trunksüchtig; wörtl. pāna (Trank) + pa (trinkend) (m. 1/1). 'ghṛṇī: mitleidlos; wörtl. a- (un-) + ghṛṇin (mitleidig) - das Bṛhajjātaka liest an derselben Stelle ghṛṇī, „mitleidig" (m. 1/1). Taskaro: diebisch, ein Dieb (m. 1/1). Haste: bei Hasta, im Nakṣatra Hasta (m. 7/1).
GRETIL-Texte nach A. V. Tripāṭhī (Bṛhat Saṃhitā) und der Oriental-Books-Ausgabe 1979 (Bṛhajjātaka). Die Bṛhat Saṃhitā liest 'ghṛṇī („mitleidlos"), das Bṛhajjātaka ghṛṇī („mitleidig") — der Unterschied ist ein Avagraha.
Der Jātaka-Pārijāta, rund tausend Jahre jünger, sagt das Gegenteil:
हस्तर्क्षे यदि कामधर्मनिरतः प्राज्ञोपकर्ता धनी ।
hastarkṣe yadi kāmadharmanirataḥ prājñopakartā dhanī ।
Im Gestirn Hasta [geboren wird man] der Liebe und der Pflicht ergeben, den Weisen hilfreich und vermögend.
Hastarkṣe: im Gestirn Hasta; wörtl. hasta + ṛkṣa (Gestirn) (n. 7/1). Yadi: wenn (avy.). Kāmadharmanirataḥ: der Liebe und der Pflicht ergeben; wörtl. kāma (Liebe) + dharma (Pflicht) + nirata (zugetan) (m. 1/1). Prājñopakartā: den Weisen hilfreich; wörtl. prājña (weise) + upakartṛ (Helfer) (m. 1/1). Dhanī: vermögend, reich (m. 1/1).
Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 628, und Kashi Sanskrit Series; die beiden Ausgaben stimmen wörtlich überein und trennen nur die Pādagrenze anders. Nur das Versviertel zu Hasta ist hier wiedergegeben.
„Der Liebe und der Pflicht ergeben, den Weisen hilfreich, vermögend" gegen „tatkräftig, dreist, trunksüchtig, mitleidlos, diebisch" — das lässt sich nicht vermitteln. Eine Auflösung wird hier nicht versucht; die ältere Schicht steht zuerst, die jüngere daneben, und beide bleiben stehen. Die moderne Nakṣatra-Literatur zitiert fast durchweg nur eine der beiden Fassungen, meist ohne zu sagen, welche.
Innerhalb des älteren Textes kommt die Avagraha-Frage hinzu. pānapo ghṛṇī und pānapo ‘ghṛṇī unterscheiden sich um ein einziges Zeichen, das in Handschriften häufig gar nicht gesetzt wird — und mit ihm wechselt die Aussage von „trunksüchtig, aber mitleidig" zu „trunksüchtig und mitleidlos". Utpalas Kommentar zu dieser Stelle könnte entscheiden; er war hier nicht greifbar. Es ist derselbe Fall wie bei Svātī, wo die beiden Fassungen kṛpāluḥ („mitleidig") und tṛṣāluḥ („durstig") lesen.
Die Sterne des Asterismus
Das Viereck des Raben im Abschnitt der Hasta, mit α Corvi. Massstab in Länge und Breite gleich — die Gruppe steht wirklich zwölf bis zweiundzwanzig Grad südlich der Ekliptik, und das ist der Grund, warum sie von der Schweiz aus so tief bleibt. Die gestrichelten Ringe bezeichnen die beiden Sterne, die als Yogatārā in Frage kommen; der offene Kreis die Sollposition des Sūrya-Siddhānta. β Corvi liegt bei vier von fünf Ayanāṃśas schon in Citrā. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0.
Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860.
Welche Sterne gemeint sind, ist unstrittig: die fünf Hauptsterne des Raben, β, α, ε, γ und δ Corvi. Umstritten ist, welcher von ihnen die yogatārā ist, der Stern, nach dem der Abschnitt vermessen wird — und zwar deshalb, weil das Sūrya-Siddhānta an dieser Stelle sich selbst widerspricht.
Der Text gibt in 8.17 eine ungewöhnlich ausführliche Lagebeschreibung: paścimottaratārāyā dvitīyā paścime sthitā — „der zweite Stern, der westlich vom nordwestlichen steht". Burgess nennt den Satz „recht schwer zu verstehen und anzuwenden" und kommt nach einigem Abwägen zu dem Schluss, „dass γ der gemeinte Stern ist". Im selben Abschnitt räumt er aber ein: „die angegebene Position, in der alle Autoritäten übereinstimmen, würde eher auf δ deuten". Er widerspricht sich also, und er sagt es auch. Pingree und die modernen Standardtabellen folgen der Sollposition und nennen δ Corvi (Algorab); die Lagebeschreibung führt auf γ Corvi (Gienah). Beide Positionen stehen bei benannten Autoritäten; hier wird keine davon zur alleinigen erklärt.
Für die Frage, wo das Nakṣatra am Himmel liegt, bleibt der Streit allerdings folgenlos: beide Kandidaten liegen bei jedem gebräuchlichen Ayanāṃśa innerhalb von Hasta, und zwar mit gut zwei beziehungsweise sechs Grad Abstand zu den Grenzen.
Die Sterne im Katalog
| γ Crv | δ Crv | β Crv | ε Crv | α Crv | |
|---|---|---|---|---|---|
| Eigenname | Gienah | Algorab | Kraz | Minkar | Alchiba |
| HR | 4662 | 4757 | 4786 | 4630 | 4623 |
| HD | 106625 | 108767 | 109379 | 105707 | 105452 |
| HIP | 59803 | 60965 | 61359 | 59316 | 59199 |
| Helligkeit V | 2,58 | 2,94 | 2,64 | 2,98 | 4,01 |
| Spektraltyp | B8III | A0IV(n)kB9 | G5II Ba0.3 | K2+IIIa | F1V |
| Rektaszension J2000 | 12ʰ 15ᵐ 48,4ˢ | 12ʰ 29ᵐ 51,9ˢ | 12ʰ 34ᵐ 23,2ˢ | 12ʰ 10ᵐ 07,5ˢ | 12ʰ 08ᵐ 24,8ˢ |
| Deklination J2000 | −17° 32′ 31,0″ | −16° 30′ 55,6″ | −23° 23′ 48,3″ | −22° 37′ 11,2″ | −24° 43′ 44,0″ |
| Ekl. Länge J2000 | 190°44′ | 193°27′ | 197°22′ | 191°40′ | 192°15′ |
| Ekl. Breite J2000 | −14°30′ | −12°12′ | −18°03′ | −19°40′ | −21°45′ |
Der Rabe ist ein kleines, aber auffälliges Sternbild: vier Sterne zwischen zweiter und dritter Grösse bilden ein deutliches unregelmässiges Viereck, das man einmal gesehen nicht mehr übersieht. α Corvi (Alchiba) mit 4,0 Grössenklassen steht etwas abseits und ist der schwächste der fünf — was insofern kurios ist, als die Bayer-Bezeichnung sonst nach Helligkeit vergeben wird.
Wo die Sterne heute stehen
| Ayanāṃśa (2025,0) | Wert | γ Crv | ε Crv | α Crv | δ Crv | β Crv |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Lahiri / Citrāpakṣa | 24° 12′ 23″ | 16°52′ | 17°48′ | 18°23′ | 19°36′ | 23°31′ |
| True Citrā | 24° 11′ 21″ | 16°53′ | 17°49′ | 18°24′ | 19°37′ | 23°32′ |
| Krishnamurti | 24° 06′ 34″ | 16°58′ | 17°54′ | 18°29′ | 19°41′ | 23°36′ |
| Raman | 22° 45′ 36″ | 18°19′ | 19°15′ | 19°50′ | 21°02′ | 24°57′ |
| Fagan / Bradley | 25° 05′ 23″ | 15°59′ | 16°55′ | 17°30′ | 18°43′ | 22°38′ |
Alle Werte sind siderische Längen in Kanyā; Hasta reicht von 10°00′ bis 23°20′. Vier der fünf Sterne liegen bei jedem der fünf Ayanāṃśas im Abschnitt. β Corvi (Kraz), die südöstliche Ecke des Vierecks, ist der Grenzfall: bei Lahiri, True Citrā, Krishnamurti und Raman steht es bereits in Citrā, nur mit dem westlich-siderischen Ayanāṃśa von Fagan und Bradley noch in Hasta. Wer wissen will, wie sehr die Wahl des Ayanāṃśa an einer Grenze den Ausschlag gibt, hat hier ein Beispiel: die Spanne zwischen Raman und Fagan/Bradley beträgt über zwei Grad, und das verschiebt einen Stern um mehr als einen halben Pāda.
Rechnet man die Sollposition der Yogatārā aus dem Sūrya-Siddhānta in denselben Rahmen um, landet sie bei 20°34′ Kanyā — im vierten Pāda, zwischen δ und β Corvi. Die Grafik oben zeigt diesen Punkt als offenen Kreis. Dass sie weder γ noch δ genau trifft, ist ein Teil des Problems, das Burgess beschäftigt hat.
Sichtbarkeit
Hier liegt die eigentliche Schwierigkeit dieses Asterismus für mitteleuropäische Beobachter. Von rund 47° Nord kulminieren die Sterne des Raben nur 18,1 bis 26,3 Grad hoch — γ Corvi als die wahrscheinlichere Yogatārā erreicht 25,3 Grad. Die Gruppe steht damit immer in der horizontnahen Dunstschicht, und schon eine leichte Aufhellung des Südhimmels genügt, um sie unkenntlich zu machen. Von weiter nördlich gelegenen Orten wird es rasch schlechter.
Um Mitternacht kulminiert der Rabe um den 1. April; die Sonne steht um den 4. Oktober bei ihm, und rund vier Wochen davor und danach ist er unsichtbar. Die beste Zeit ist der Frühling — März bis Mai —, und man braucht einen freien Blick nach Süden. Vom indischen Subkontinent aus, für den die Überlieferung geschrieben ist, steht dieselbe Gruppe dagegen hoch und bequem am Himmel; das ist beim Lesen der Quellen mitzudenken.
Der Name
Hásta ist ein gewöhnliches Wort: „Hand". Es ist zugleich ein Längenmass (die Elle) und in der Zahlensymbolik nicht belegt. Von den siebenundzwanzig Nakṣatra-Namen ist dieser der durchsichtigste — er verlangt keine Etymologie.
Die Figur, die die fünf Sterne bilden, wird entsprechend als Hand mit fünf Fingern gelesen. Ein klassischer Vers, der das ausspricht, liess sich nicht finden; die Figurenliste, die Burgess seiner Sūrya-Siddhānta-Übersetzung beigibt, nennt sie so, und das eigene Kursmaterial spricht von Handfläche und Faust. Der Name selbst sagt allerdings schon genug, und Bhaṭṭabhāskara spielt in seinem Kommentar ausdrücklich damit — bei ihm steht die Śakti „an der Stelle der Hand", und das Erlangte liegt am Ende „in der Hand".
Varāhamihiras zweiter Name für dieses Nakṣatra ist sāvitra, „das dem Savitṛ Gehörige" (Bṛhat Saṃhitā 97.15); im Vorzeichenkapitel und im Geburtskapitel sagt er dagegen schlicht hasta. Wer die Bṛhat Saṃhitā durchsucht, muss beide Wörter kennen.
Die Verse
Die älteste Stelle, die Hasta nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā, in der Aufzählung der Nakṣatra-Feueraltarziegel:
हस्तो नक्षत्रं सविता देवता
hásto nákṣatraṁ savitā́ devátā
Hasta ist das Nakṣatra, Savitṛ die Gottheit.
Hasto: Hasta, „die Hand" - das 13. Nakṣatra (m. 1/1). Nakṣatraṃ: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Savitā: Savitṛ, „der Antreiber" (m. 1/1). Devatā: Gottheit (f. 1/1).
Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Die Segmentierung des fortlaufenden Saṃhitā-Textes stammt von der Bearbeitung; nichts ist ergänzt oder weggelassen.
Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe, stellt aber die Gottheit in den Genitiv voran und fügt jedem Nakṣatra ein Begriffspaar bei — eines „oberhalb", eines „unterhalb":
देवस्य सवितुर् हस्तः । प्रसवः परस्तात् सनिर् अवस्तात् ॥
devásya savitúr hástaḥ । prasaváḥ parástāt sanír avástāt ॥
Des Gottes Savitṛ ist die Hand. Die Antreibung oberhalb, der Gewinn unterhalb.
Devasya: des Gottes (m. 6/1). Savitur: des Savitṛ (m. 6/1). Hastaḥ: die Hand, das Nakṣatra Hasta (m. 1/1). Prasavaḥ: die Antreibung, der Anstoss, die Erregung (m. 1/1). Parastāt: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Sanir: der Gewinn, die Gabe, das Erlangte (m. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).
Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Der Satz ist zugleich eine Etymologie: die Hand des Gottes Savitṛ.
Dieses Begriffspaar ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben. prasava, das obere Glied, ist dasselbe Wort, aus dem der Name Savitṛ gebildet ist — der Text spielt also selbst mit dem Zusammenhang, den Bhaṭṭabhāskara später ausführt.
Im Nakṣatra-Sūkta desselben Werks steht der Opfermantra, mit dem Savitṛ in diesem Abschnitt angerufen wird:
आयातु देवस् सविता उपयातु । हिरण्ययेन सुवृता रथेन । वहन् हस्तं सुभगं विद्मनापसम् । प्रयच्छन्तं पपुरिं पुण्यम् अच्छ ॥
ā́yātu deváḥ savitā́ úpayātu । hiraṇyáyena suvŕ̥tā ráthena । váhan hástam̐ subhágaṃ vidmanā́pasam । prayácchantaṃ pápuriṃ púṇyam áccha ॥
Es komme der Gott Savitṛ, er komme heran mit goldenem, leichtrollendem Wagen, den glückbringenden Hasta fahrend, der durch Wissen wirkt, den darreichenden, spendenden, heilsamen.
Āyātu: er komme herbei (loṭ III/1). Devas: der Gott (m. 1/1). Savitā: Savitṛ, „der Antreiber" (m. 1/1). Upayātu: er komme heran (loṭ III/1). Hiraṇyayena: mit goldenem (m. 3/1). Suvṛtā: leichtrollend; wörtl. su (gut) + vṛt (sich drehend) (m. 3/1). Rathena: mit dem Wagen (m. 3/1). Vahan: fahrend, heranführend (Partizip Präsens zu vah-) (m. 1/1). Hastaṃ: Hasta, „die Hand" (m. 2/1). Subhagaṃ: den glückbringenden; wörtl. su (gut) + bhaga (Anteil, Glück) (m. 2/1). Vidmanāpasam: der durch Wissen wirkt; wörtl. vidman (Wissen) + apas (Werk) (m. 2/1). Prayacchantaṃ: den darreichenden (Partizip Präsens zu pra-yam) (m. 2/1). Papuriṃ: den spendenden, freigebigen (m. 2/1). Puṇyam: den heilsamen, segensreichen (m. 2/1). Accha: hin zu, heran (avy.).
Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Der Mantra ist doppelt so lang; hier steht die erste Hälfte. Die zweite bittet Hasta, Unsterblichkeit und besseres Gut zu reichen — „mit der Rechten nehmen wir es entgegen".
Dass das Nakṣatra hier als Person angesprochen wird — Savitṛ „fährt den glückbringenden Hasta" heran, und Hasta selbst soll darreichen — ist ungewöhnlich und für dieses Nakṣatra bezeichnend: die Hand ist zugleich das Gestirn, das Werkzeug des Gebens und der Empfänger.
Aus der neueren Lehrüberlieferung stammt schliesslich der Merkvers, mit dem die Reihe der Nakṣatra-Namen gelernt wird; Hasta steht dort in der Mitte des zweiten:
पूर्वाफाल्गुनिका तस्माद् उत्तराफाल्गुनी ततः । हस्तश् चित्रा तथा स्वाती विशाखा तदनन्तरम् ॥
pūrvāphālgunikā tasmād uttarāphālgunī tataḥ । hastaś citrā tathā svātī viśākhā tadanantaram ॥
Danach Pūrvāphālgunī, darauf Uttarāphālgunī; Hasta, Citrā und ebenso Svātī, danach Viśākhā.
Pūrvāphālgunikā: Pūrvāphālgunī, 11. Nakṣatra (f. 1/1). Tasmād: danach, darauf (Ablativ) (n. 5/1). Uttarāphālgunī: Uttarāphālgunī, 12. Nakṣatra (f. 1/1). Tataḥ: darauf (avy.). Hastaś: Hasta, 13. Nakṣatra (m. 1/1). Citrā: Citrā, 14. Nakṣatra (f. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). Svātī: Svātī, 15. Nakṣatra (f. 1/1). Viśākhā: Viśākhā, 16. Nakṣatra (f. 1/1). Tadanantaram: danach, unmittelbar darauf (avy.).
Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)
Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.
Zur Quellenlage dieses Portraits
Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.
Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die Stellung ganz im Rāśi Kanyā, die der zitierte Vers ausspricht, und die Zuordnung des Herrschers Candra aus der Viṃśottarī-Reihe.
Am Originalvers belegt sind: die Devatā Savitṛ (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1, Bṛhat Saṃhitā 97.4 und 97.15 — hier sind sich alle Zeugen einig), das Begriffspaar prasava / sani, die Śakti samt ihren drei Gliedern (Bhaṭṭabhāskara zum Brāhmaṇa), die Wesensart laghu/kṣipra und die zugehörigen Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.9, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.6), die Nakṣatras für Schur und Saṃskāra (Bṛhat Saṃhitā 97.12 und 97.15), die Menschengruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.11), Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.25, 6.34), das Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9) und die Geburtsdeutung (Bṛhat Saṃhitā 100.7, Jātaka-Pārijāta 9.87). Die Sternidentifikation ist belegt, aber umstritten.
Nicht belegt und deshalb markiert oder ausdrücklich so genannt: das Geschlecht der Yoni, für das die klassische Lehre gar keinen Platz hat; die Himmelsrichtung; die Namenssilben; die Figur der fünffingrigen Hand als Sternbild — der Name sagt sie, ein Vers nicht.
Berichtigt wurden zwei Angaben, die durch die moderne Literatur laufen: die Herkunft der Śakti-Formel (Bhaṭṭabhāskara, nicht Sāyaṇa) und die Einordnung von Hasta als cara-Nakṣatra, die auf eine Fehllesung Iyers von 1884 zurückgeht und sich an Varāhamihiras eigenem Text widerlegen lässt.
Stehen gelassen wurden drei Widersprüche, weil sie echt sind. Erstens die Yogatārā: die Lagebeschreibung des Sūrya-Siddhānta führt auf γ Corvi, seine eigene Sollposition auf δ Corvi, und Burgess, der beides feststellt, entscheidet sich nicht. Zweitens die Geburtsdeutung: Bṛhat Saṃhitā und Jātaka-Pārijāta sagen das Gegenteil voneinander. Drittens die Lesart ghṛṇī gegen ‘ghṛṇī innerhalb des älteren Textes — „mitleidig" gegen „mitleidlos", und es hängt an einem Avagraha.
Was noch offen ist: Sāyaṇas Wortlaut zu dieser Stelle war nicht greifbar. Utpalas Kommentar zu Bṛhat Saṃhitā 100.7cd könnte die Avagraha-Frage entscheiden und wurde nicht eingesehen. Die Stelle Kern 98.15, die Hasta als „männliches" Nakṣatra führt, ist nur in einer Ausgabe überliefert und am Seitenbild noch zu prüfen. Und ob sich die Lagebeschreibung SS 8.17 mit einer anderen Lesart auflösen liesse, ist offen — Burgess hat es nicht geschafft.