Dhaniṣṭhā

Studien-PDF herunterladen

धनिष्ठा 23. Nakṣatra · 23°20′ Makara bis 6°40′ Kumbha (siderisch) · Herrscher Maṅgala

Dhaniṣṭhā trägt zwei Namen, und sie bedeuten Verschiedenes. Der ältere, śraviṣṭhā, heisst „die berühmteste" oder — so erklärt ihn der älteste Kommentar — „die am meisten Hörende, Kundigste"; der jüngere, dhaniṣṭhā, heisst „die reichste". Der Namenswechsel ist nicht bloss Lautwandel, er verschiebt den Sinn von Ruhm zu Besitz. Beide Namen sind gut belegt, und dieses Portrait führt beide.

Das Nakṣatra gehört den acht Vasus — als einziges der 27 einer Göttergruppe von acht — und ist eines von neun, die über eine Zeichengrenze hinweg liegen. Das hat für den Heiratsvergleich eine Folge, die unten eigens behandelt wird.

Himmelsabschnitt und Pādas

Dhaniṣṭhā reicht von 293°20′ bis 306°40′ siderischer Länge. Die ersten beiden Pādas liegen in Makara (Steinbock), die letzten beiden in Kumbha (Wassermann); die Rāśi-Grenze fällt genau in die Mitte des Nakṣatras. Die Navāṃśa-Zeichen sind Siṃha, Kanyā, Tulā und Vṛścika.

PādavonbisRāśiNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
123°20′26°40′MakaraSiṃhaDharmaगा
226°40′30°00′MakaraKanyāArthaगी
30°00′3°20′KumbhaTulāKāmaगु gu
43°20′6°40′KumbhaVṛścikaMokṣaगे ge

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft: Dhaniṣṭhā beginnt bei (23−1) × 13°20′ = 293°20′, also bei 23°20′ Makara. Das ist ausdrücklich festzuhalten, weil sich in den Kursunterlagen, aus denen dieses Portrait sonst schöpft, an dieser Stelle ein Zahlendreher findet (23°40′ statt 23°20′) — kein Lehrmeinungsunterschied, sondern ein Tippfehler, den auch der unten zitierte Rāśi-Vers ausschliesst. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich nicht nachweisen.

Dass Dhaniṣṭhā über die Zeichengrenze reicht, sagen zwei Verse, einer für jede Hälfte:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Makara)

उत्तरायास् त्रयः पादाः श्रवणं धनिष्ठार्धं मकरः

uttarāyās trayaḥ pādāḥ śravaṇaṃ dhaniṣṭhārdhaṃ makaraḥ

Drei Pādas von Uttarā[ṣāḍhā], [die vier von] Śravaṇa und die [erste] Hälfte von Dhaniṣṭhā [bilden] Makara [den Steinbock].

Uttarāyās: von Uttarā(ṣāḍhā), 21. Nakṣatra (f. 6/1). Trayaḥ: drei (m. 1/3). Pādāḥ: Pādas, Viertel (m. 1/3). Śravaṇaṃ: Śravaṇa, 22. Nakṣatra (n. 1/1). Dhaniṣṭhārdhaṃ: die Hälfte von Dhaniṣṭhā; wörtl. dhaniṣṭhā (23. Nakṣatra) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Makaraḥ: Makara, der Steinbock (10. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt (Kumbha)

धनिष्ठार्धं शतभिषा पूर्वाभाद्रपदापादत्रयं कुम्भः

dhaniṣṭhārdhaṃ śatabhiṣā pūrvābhādrapadāpādatrayaṃ kumbhaḥ

Die [zweite] Hälfte von Dhaniṣṭhā, [die vier Pādas von] Śatabhiṣā und drei Pādas von Pūrvābhādrapadā [bilden] Kumbha [den Wassermann].

Dhaniṣṭhārdhaṃ: die Hälfte von Dhaniṣṭhā; wörtl. dhaniṣṭhā (23. Nakṣatra) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Śatabhiṣā: Śatabhiṣā, 24. Nakṣatra (f. 1/1). Pūrvābhādrapadāpādatrayaṃ: drei Pādas von Pūrvābhādrapadā; wörtl. pūrvābhādrapadā (25. Nakṣatra) + pāda (Viertel) + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Kumbhaḥ: Kumbha, der Wassermann (11. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Die beiden Verse sind der einfachste Gegenbeweis gegen den erwähnten Zahlendreher: Uttarāṣāḍhā endet bei 10° Makara plus drei Pādas zu 3°20′, also bei 20° Makara; Śravaṇa nimmt die nächsten 13°20′ und endet bei 23°20′. Dort beginnt Dhaniṣṭhā, und ihre zweite Hälfte fällt in Kumbha.

Die Devatā

Über den Abschnitt herrschen die Vasus, die acht Lichtgötter. Die Zuordnung steht in beiden vedischen Listen (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10 und Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1) und ebenso bei Varāhamihira, der in Bṛhat Saṃhitā 97.5 schlicht vasu schreibt. Kein Widerspruch in irgendeiner geprüften Quelle.

Die Vasus sind ein Kollektiv, keine Einzelgestalt — das unterscheidet dieses Nakṣatra von den meisten anderen. Bhaṭṭabhāskara erklärt ihren Namen als vāsayitāraḥ, „die Ansiedler, die wohnen machen", von der Wurzel vas, „wohnen". Das ist bemerkenswert, weil das Ergebnisglied seiner Śakti-Formel genau dorthin zurückführt: loke nṛsaṃghāto bhavati — „in der Welt entsteht eine Menschenschar". Wer ansiedelt, bringt Menschen zusammen.

Der Mantra der Nakṣatreṣṭi zählt beides nebeneinander auf, die Acht der Götter und die Vier der Sterne, und liefert damit nebenbei den frühesten Beleg für den Umfang des Asterismus:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2, Mantra 8 (erste Hälfte)

अष्टौ देवा वसवस् सोम्यासः चतस्रो देवीर् अजराः श्रविष्ठाः

aṣṭáu devā́ vásavaḥ somyā́saḥ cátasro devī́r ajárāḥ śráviṣṭhāḥ

Acht Götter sind die Vasus, die somawürdigen; vier alterlose Göttinnen sind die Śraviṣṭhās.

Aṣṭau: acht (m. 1/3). Devā: Götter (m. 1/3). Vasavas: die Vasus (m. 1/3). Somyāsaḥ: somawürdig, dem Soma zugehörig (m. 1/3). Catasro: vier (f. 1/3). Devīr: Göttinnen (f. 1/3). Ajarāḥ: alterlos; wörtl. a- (un-) + jara (alternd) (f. 1/3). Śraviṣṭhāḥ: die Śraviṣṭhās (Dhaniṣṭhā) (f. 1/3).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org (Kaṇḍikā 3.1.2.18–19, Abschnitt 23 der Ausgabenzählung). Die zweite Hälfte des Mantras, hier nicht wiedergegeben, ruft die Vasus als Schützer des Opfers an; die Umschrift bei TITUS und die Devanāgarī-Ausgabe weichen dort in einem Wort voneinander ab (parástāt gegen purástāt).

Dass hier vier Sterne gezählt werden, ist kein Nebenbefund: es ist der einzige Fall unter den 27, in dem der Brāhmaṇa-Text selbst die Sternzahl eines Asterismus nennt. Varāhamihira zählt fünf (siehe unten), das Sūrya-Siddhānta rechnet mit vier. Der Widerspruch bleibt stehen.

Die Śakti

Jedem Nakṣatra wird eine Śakti zugeschrieben, in einer dreigliedrigen Form: ein Begriff für die Kraft selbst, dazu etwas „oberhalb" und etwas „unterhalb", und aus dem Zusammentreffen der drei ein Ergebnis. Die Wurzel liegt im Taittirīya-Brāhmaṇa, das für Dhaniṣṭhā das Paar bhūtam, „das Gewordene", und bhūtiḥ, „das Gedeihen", nennt — zwei Ableitungen derselben Wurzel bhū, „werden", die man im Deutschen kaum auseinanderhalten kann, im Sanskrit aber deutlich: das eine ist das Gewesene, das andere das Wachsende. Das mittlere Glied und das Ergebnis stehen erst im Kommentar, und zwar nicht bei Sāyaṇa, sondern bei Bhaṭṭabhāskara Miśra:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

वसूनां श्रविष्ठाः वसवो वासयितारः अतिशयेन श्रोत्रिष्ठाः श्रविष्ठाः […] वसूनां वासयतां त्रयं भवति परस्ताद् भूतं जन्म मध्ये कालात्मा अतिशयेन ख्यापयित्री शक्तिः अवस्ताद् भूतिर् अभिवृद्धिः एतत्त्रयोपपत्तौ लोके नृसंघातो भवति उक्तम् अनेन शृणोति विधेया भवति प्रजा

vasūnāṃ śraviṣṭhāḥ vasavo vāsayitāraḥ atiśayena śrotriṣṭhāḥ śraviṣṭhāḥ […] vasūnāṃ vāsayatāṃ trayaṃ bhavati parastād bhūtaṃ janma madhye kālātmā atiśayena khyāpayitrī śaktiḥ avastād bhūtir abhivṛddhiḥ etattrayopapattau loke nṛsaṃghāto bhavati uktam anena śṛṇoti vidheyā bhavati prajā

„Der Vasus sind die Śraviṣṭhās." Die Vasus sind die Ansiedler; „Śraviṣṭhā" heisst „die im höchsten Grad Hörenden, Kundigen". Von den Vasus, die ansiedeln, gibt es ein Dreifaches: oberhalb das Gewordene, die Geburt; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft, die im höchsten Masse berühmt macht; unterhalb das Gedeihen, das Anwachsen. Wenn diese drei zustande kommen, entsteht in der Welt eine Menschenschar. Damit ist gesagt: sie hört, und die Nachkommenschaft wird lenkbar.

Vasūnāṃ: der Vasus (m. 6/3). Śraviṣṭhāḥ: die Śraviṣṭhās (Dhaniṣṭhā) (f. 1/3). Vasavo: die Vasus (m. 1/3). Vāsayitāraḥ: die Ansiedler, die wohnen machen (m. 1/3). Atiśayena: im höchsten Grad, überaus (m. 3/1). Śrotriṣṭhāḥ: die im Hören Feststehenden, die Kundigsten; wörtl. śrotri (hörend, kundig) + stha (stehend) (f. 1/3). Śraviṣṭhāḥ: „Śraviṣṭhā" — der erklärte Name (f. 1/3). Vasūnāṃ: der Vasus (m. 6/3). Vāsayatāṃ: die ansiedeln (Part. Präs.) (m. 6/3). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: es gibt, entsteht (laṭ III/1). Parastād: oberhalb, darüber (avy.). Bhūtaṃ: das Gewordene, das Gewesene (n. 1/1). Janma: die Geburt (n. 1/1). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmā: zeitgestaltig, dessen Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātman (Wesen) (m. 1/1). Atiśayena: im höchsten Masse (m. 3/1). Khyāpayitrī: berühmt machend, bekannt machend (f. 1/1). Śaktiḥ: Kraft, Vermögen (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Bhūtir: das Gedeihen, das Wohlergehen (f. 1/1). Abhivṛddhiḥ: das Anwachsen, die Zunahme (f. 1/1). Etattrayopapattau: beim Zustandekommen dieser drei; wörtl. etad (dies) + traya (Dreiheit) + upapatti (Zustandekommen) (f. 7/1). Loke: in der Welt (m. 7/1). Nṛsaṃghāto: eine Menschenschar; wörtl. nṛ (Mensch) + saṃghāta (Zusammenballung) — die Ausgabe vermerkt die Lesart nṛsaṃkhyātaḥ „unter die Menschen gezählt" (m. 1/1). Bhavati: entsteht (laṭ III/1). Uktam: gesagt (PPP von √vac) (n. 1/1). Anena: damit, hierdurch (3/1). Śṛṇoti: sie hört (laṭ III/1). Vidheyā: lenkbar, fügsam (f. 1/1). Bhavati: wird (laṭ III/1). Prajā: die Nachkommenschaft, das Volk (f. 1/1).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, Bd. I, S. 251 (Abschnitt 21 der Ausgabenzählung); am Seitenbild gelesen. Ein grammatischer Exkurs zwischen der Namenserklärung und der Formel ist mit […] ausgelassen. Die Ausgabe vermerkt für nṛsaṃghātaḥ die Lesart nṛsaṃkhyātaḥ, „unter die Menschen gezählt".

Die Formel ist bei Dhaniṣṭhā vollständig — anders als beim Nachbarn Śravaṇa, wo das Ergebnisglied fehlt. Das mittlere Glied heisst atiśayena khyāpayitrī śakti, „die im höchsten Masse berühmt machende Kraft". Es ist kein Zufall, dass hier zweimal atiśayena, „im höchsten Grad", steht: einmal in der Namenserklärung (śraviṣṭhā als Superlativform) und einmal in der Kraft. Bhaṭṭabhāskara liest den Namen als Superlativ und leitet die Wirkkraft daraus ab.

Festzuhalten ist die Schichtung, weil sie in der modernen Literatur regelmässig verschwindet: bhūta und bhūti sind Mūla, also Brāhmaṇa-Text. Der Name der Śakti und das Ergebnis sind Kommentar. Und das Attribut kālātmā, „zeitgestaltig" — die Kraft ist die des Zeitlaufs an dieser Himmelsstelle —, fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt.

Himmelsabschnitt23°20′ Makara bis 6°40′ Kumbha, siderisch Rechnung; zwei Verse zur Pāda-Verteilung
Fixsterneβ, α, γ² und δ Delphini — der Rhombus im Delphinkopf; Yogatārā ist die westliche, also β Delphini (Rotanev) Sūrya-Siddhānta 8.17; Whitney in Burgess 1860
Sternzahlvier im Brāhmaṇa und im Sūrya-Siddhānta — fünf bei Varāhamihira und bei Cākalya Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2 gegen Bṛhat Saṃhitā 97.1, siehe unten
HerrscherMaṅgala (Mars) Viṃśottarī-Reihe; eigenes Kursmaterial
Devatādie acht Vasus Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.2; Bṛhat Saṃhitā 97.5
Śaktikālātmā atiśayena khyāpayitrī śakti, „die zeitgestaltige, im höchsten Masse berühmt machende Kraft" — oberhalb das Gewordene (die Geburt), unterhalb das Gedeihen; Ergebnis: in der Welt entsteht eine Menschenschar Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
SymbolḌamaru (Sanduhrtrommel), Flöte; das Sūrya-Siddhānta nennt als Figur die Trommel (mṛdaṅga) Lehrüberlieferung; Sūrya-Siddhānta-Kommentar bei Burgess
Namensbedeutungältere Form śraviṣṭhā, „die berühmteste" bzw. nach Bhaṭṭabhāskara „die Kundigste"; jüngere Form dhaniṣṭhā, „die reichste" Taittirīya-Saṃhitā; Bhaṭṭabhāskara; Sūrya-Siddhānta
Wesensartcara / calā (beweglich, schwankend) Bṛhat Saṃhitā 97.11; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3
Gaṇarākṣasa Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29; Nārada-Saṃhitā 27.144; Vivāha-vṛndāvana 3.9 (dort daitya)
Yoni (Tier)Löwe (siṃha), geteilt mit Pūrvabhādrapadā; Feindschaft zum Elefanten (Bharaṇī, Revatī) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25; Nārada-Saṃhitā 27.153 f.
Yoni-Geschlechtunbelegt kein klassischer Vers, siehe unten
Nāḍīmadhya (die mittlere) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34; Nārada-Saṃhitā, Trināḍī-Tabelle
Varṇaim Heiratsvergleich je nach Pāda verschieden: vaiśya in Pāda 1–2 (Makara), śūdra in Pāda 3–4 (Kumbha) — sevājana in der Gesellschaftszuordnung Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22; Bṛhat Saṃhitā 15.30; siehe unten
GuṇaSattva/Tamas/Tamas im dreistufigen Nakṣatra-Guṇa-Schema — Rajas im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme, eigenes Kursmaterial
LokaSvarga eigenes Kursmaterial
TattvaĀkāśa (Raum) eigenes Kursmaterial
Mukhaūrdhvamukha (aufwärts blickend) — günstig für Königsweihe, Turbanbindung, Hochbau Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Silbenगा · गी · गु gu · गे ge Lehrüberlieferung
KörperteilAfter im Schema des Nakṣatrapuruṣa (zählt ab Kṛttikā) eigenes Kursmaterial; anderes Ergebnis bei anderem Zählbeginn
Tätigkeitenbewegliche Unternehmungen: Reiten, Fahren, Ausgehen; ausserdem die Schur Bṛhat Saṃhitā 97.11 und 97.12; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3
Menschengruppenvom Stolz Freie, Impotente, den Frauen Verhasste, Freigebige, Vermögende, auf Ruhe Bedachte Bṛhat Saṃhitā 15.21 — Lesart umstritten, siehe unten
Geburtsdeutungfreigebig, wohlhabend, tapfer, gesangsliebend, geldgierig; begütert, mit fleischigen Schenkeln und Hals Bṛhat Saṃhitā 100.12; Jātaka-Pārijāta 9.89

Wo die Quellen auseinandergehen

Der Varṇa wechselt mitten im Nakṣatra. Das ist der praktisch folgenreichste Befund bei Dhaniṣṭhā. Im Heiratsvergleich, dem Melāpaka, wird der Varṇa nach dem Rāśi vergeben, nicht nach dem Nakṣatra — der Muhūrta-Cintāmaṇi sagt es ausdrücklich:

Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22

द्विजा झषालिकर्कटास् ततो नृपा विशो ऽङ्घ्रिजाः

dvijā jhaṣālikarkaṭās tato nṛpā viśo 'ṅghrijāḥ

Brahmanen [sind] Mīna, Vṛścika und Karka; darauf die Fürsten [Kṣatriyas], die Vaiśyas, die Śūdras.

Dvijā: Brahmanen; wörtl. „zweimal Geborene" (m. 1/3). Jhaṣālikarkaṭās: Mīna, Vṛścika und Karka; wörtl. jhaṣa (Fisch = Mīna) + āli (Skorpion = Vṛścika) + karkaṭa (Krebs = Karka) (m. 1/3). Tato: darauf, danach (avy.). Nṛpā: Fürsten, Kṣatriyas; wörtl. nṛ (Mensch) + pa (schützend) (m. 1/3). Viśo: Vaiśyas, die Leute des dritten Standes (f. 1/3). 'ṅghrijāḥ: Śūdras; wörtl. aṅghri (Fuss) + ja (geboren) (m. 1/3).

Der Kommentar Pīyūṣadhārā löst auf: vṛṣakanyāmakarā viśo vaiśyāḥ, mithunatulākumbhā aṅghrijāḥ śūdrāḥ — „Vṛṣa, Kanyā und Makara sind die Vaiśyas; Mithuna, Tulā und Kumbha die Śūdras."

Weil Dhaniṣṭhā über die Grenze Makara/Kumbha reicht, hat sie im Melāpaka zwei verschiedene Varṇas: wer mit dem Mond in Pāda 1 oder 2 geboren ist, gilt als vaiśya, wer in Pāda 3 oder 4, als śūdra. Das ist keine Ungenauigkeit der Überlieferung, sondern folgt zwingend aus dem Vers. Von den neun Nakṣatras, die eine Zeichengrenze überschreiten, ist Dhaniṣṭhā dasjenige, bei dem die Grenze genau in der Mitte liegt — zwei Pādas hüben, zwei drüben.

Die modernen Tabellen führen für Dhaniṣṭhā gewöhnlich śūdra ohne Unterscheidung. Diese Angabe stammt nicht aus dem Melāpaka, sondern aus Bṛhat Saṃhitā 15.30, und dort steht Dhaniṣṭhā nicht bei den Śūdras, sondern bei den sevājana, den Dienenden — was ungefähr, aber eben nicht genau dasselbe ist. Es sind zwei verschiedene Systeme: BS 15.28–30 kennt sieben Klassen und ordnet nach Nakṣatras, der Melāpaka-Varṇa kennt vier und ordnet nach Rāśis. Wer mit dem Aṣṭakūṭa rechnet, muss den Rāśi-Varṇa ansetzen — und bei Dhaniṣṭhā deshalb den Pāda kennen.

Die Menschengruppen: ein einziges a entscheidet. Bṛhat Saṃhitā 15.21 ist die Stelle, an der die Ausgaben inhaltlich das Gegenteil voneinander sagen, und das lässt sich nicht glätten. Tripāṭhī trennt klība-acala-sauhṛdāḥ — „von unverrückbarer Freundschaft"; Kern trennt klībāś cala-sauhṛdāḥ — „von unsteter Freundschaft". Dasselbe Schriftbild, ein a-Privativum als Unterschied, und die Charakteraussage eines ganzen Nakṣatras kippt. Der Vers steht unten; beide Lesarten sind im Glossar vermerkt.

Die Sternzahl. Drei Angaben stehen nebeneinander. Das Taittirīya-Brāhmaṇa zählt ausdrücklich vier (cátasro devī́r … śráviṣṭhāḥ), das Sūrya-Siddhānta rechnet mit vier, und die Sternidentifikation ergibt vier: den Rhombus im Delphinkopf. Varāhamihira dagegen gibt in Bṛhat Saṃhitā 97.1 das Zahlwort bhūta, also fünf, und ebenso rechnen die Cākalya-Saṃhitā und das Khaṇḍa-Kaṭaka. Burgess vermutet, der fünfte sei ζ Delphini, der eine halbe Gradbreite westlich von β steht; das Graha-Lāghava setzt die polare Länge um vier Grad niedriger an, was auf eben diesen Stern deuten könnte. Die Grafik unten führt ζ Delphini deshalb mit auf.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben für Dhaniṣṭhā „Löwe, weiblich". Das Tier ist belegt, das Geschlecht nicht. Die klassische Lehre kennt vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras und rechnet ausschliesslich mit Freundschaft und Feindschaft der Arten; der Kommentar zum Muhūrta-Cintāmaṇi zitiert dazu das Daivajñamanohara: aṣṭāviṃśatitārāṇāṃ yonayas tu caturdaśa. Für die Aufteilung des Paares Dhaniṣṭhā/Pūrvabhādrapadā in einen männlichen und einen weiblichen Löwen liess sich kein Vers finden.

Guṇa. Zwei Systeme liegen übereinander, beide im eigenen Kursmaterial. Das dreistufige Loka-Schema ergibt für Dhaniṣṭhā die Folge Sattva–Tamas–Tamas; das Navatārā-Schema ergibt Rajas. Bei Dhaniṣṭhā ist das besonders zu beachten, weil der Tārā-Herrscher Maṅgala sonst Tamas trägt: die Aufwertung zu Rajas ist eine dokumentierte Regel des eigenen Materials („in Svarga Loka steigt der Guṇa"), kein Übertragungsfehler. Die beiden Systeme widersprechen einander nicht wirklich — sie beantworten verschiedene Fragen —, werden aber regelmässig vermengt.

Wesensart und Tätigkeiten

Dhaniṣṭhā gehört zur Klasse der beweglichen, zusammen mit Śravaṇa und Śatabhiṣaj. Varāhamihira fasst die drei als Gruppe zusammen und gibt ihnen einen eigenen Namen, śravaṇatraya, „die drei Śravaṇa":

Bṛhat Saṃhitā 97.11 (in Kerns Ausgabe 98.11)

हौतभुजं सविशाखं मृदुतीक्ष्णं तद्विमिश्रफलकारि श्रवणत्रयमादित्यानिले च चरकर्मणि हितानि

hautabhujaṃ saviśākhaṃ mṛdutīkṣṇaṃ tadvimiśraphalakāri śravaṇatrayam ādityānile ca carakarmaṇi hitāni

Das dem Feueresser gehörende [Kṛttikā] samt Viśākhā ist sanft-scharf und bringt eine daraus gemischte Frucht. Die drei Śravaṇa [Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj], das Aditi-Gestirn [Punarvasu] und das des Windes [Svātī] sind günstig beim beweglichen Werk.

Hautabhujaṃ: das dem Feueresser (Agni) gehörende Gestirn, Kṛttikā; wörtl. hutabhuj (Opferesser, Agni) (n. 1/1). Saviśākhaṃ: samt Viśākhā; wörtl. sa (mit) + viśākhā (n. 1/1). Mṛdutīkṣṇaṃ: sanft-scharf - Name der Nakṣatra-Klasse; wörtl. mṛdu (sanft) + tīkṣṇa (scharf) (n. 1/1). Tadvimiśraphalakāri: eine daraus gemischte Frucht bringend; wörtl. tad (das) + vimiśra (gemischt) + phala (Frucht) + kārin (bewirkend) (n. 1/1). Śravaṇatrayam: die drei Śravaṇa (Śravaṇa, Dhaniṣṭhā, Śatabhiṣaj); wörtl. śravaṇa + traya (Dreiheit) (n. 1/1). Ādityānile: das Aditi-Gestirn (Punarvasu) und das des Windes (Svātī); wörtl. āditya (der Aditi gehörend) + anila (Wind) (n. 1/2). Ca: und (avy.). Carakarmaṇi: beim beweglichen Werk; wörtl. cara (beweglich) + karman (Werk) (n. 7/1). Hitāni: günstig, zuträglich (n. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865, dort Kapitel 98; Ausgabe Tripāṭhī Kapitel 97. Den Klassennamen cara nennt Varāhamihira nicht; er sagt nur carakarmaṇi, „beim beweglichen Werk".

Der Muhūrta-Cintāmaṇi macht daraus einen Klassennamen und nennt auch die Tätigkeiten:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3

स्वात्यादित्ये श्रुतेस् त्रीणि चन्द्रश् चापि चरं चलम् तस्मिन् गजादिकारोहो वाटिकागमनादिकम्

svātyāditye śrutes trīṇi candraś cāpi caraṃ calam tasmin gajādikāroho vāṭikāgamanādikam

Svātī und Punarvasu, von Śravaṇa an drei, und auch der Mondtag [Montag] sind cara, „beweglich", und cala, „schwankend". Unter ihnen [gelingt] das Besteigen von Elefanten und dergleichen, das Gehen in den Garten und dergleichen.

Svātyāditye: Svātī und das Aditi-Gestirn (Punarvasu); wörtl. svātī (15. Nakṣatra) + āditya (das Aditi-Gestirn) (n. 1/2). Śrutes: von Śravaṇa an (n. 5/1). Trīṇi: drei (n. 1/3). Candraś: Candra (der Mond), der Montag (m. 1/1). Ca: und (avy.). Api: auch (avy.). Caraṃ: beweglich - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Calam: schwankend - zweiter Name derselben Klasse (n. 1/1). Tasmin: unter diesem [Nakṣatra] (n. 7/1). Gajādikāroho: das Besteigen von Elefanten und dergleichen; wörtl. gaja (Elefant) + ādika (und so fort) + āroha (Besteigen) (m. 1/1). Vāṭikāgamanādikam: der Gang in den Garten und dergleichen; wörtl. vāṭikā (Garten, Anlage) + gamana (Gehen) + ādika (und so fort) (n. 1/1).

Ausgaben Chaukhambā (Pīyūṣadhārā) und Nirṇaya-Sāgara; der Kommentar löst auf: śruteḥ śravaṇam ārabhya trīṇi śravaṇadhaniṣṭhāśatatārakāḥ. Die cara-Gruppe erbt ausserdem die Tätigkeiten der laghu-Klasse.

Ausserhalb der Siebenteilung führt Varāhamihira Dhaniṣṭhā noch unter den zwölf Nakṣatras, die für die Schur günstig sind (97.12) — in derselben Reihe wie Śravaṇa und Śatabhiṣaj.

Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen zu. Hier steht die oben angekündigte Lesartendifferenz:

Bṛhat Saṃhitā 15.21

वसुभे मानोन्मुक्ताः क्लीबाचलसौहृदाः स्त्रियां द्वेष्याः दानाभिरता बहुवित्तसंयुताः शमपराश् च नराः

vasubhe mānonmuktāḥ klībācalasauhṛdāḥ striyāṃ dveṣyāḥ dānābhiratā bahuvittasaṃyutāḥ śamaparāś ca narāḥ

Beim Vasu-Gestirn: vom Stolz Freie, Impotente von unverrückbarer Freundschaft, den Frauen Verhasste; am Geben Erfreute, mit vielem Vermögen Versehene und auf Ruhe bedachte Menschen.

Vasubhe: beim Vasu-Gestirn (Dhaniṣṭhā); wörtl. vasu (die Vasus) + bha (Gestirn) (n. 7/1). Mānonmuktāḥ: vom Stolz Freie; wörtl. māna (Stolz) + unmukta (befreit) (m. 1/3). Klībācalasauhṛdāḥ: Impotente von unverrückbarer Freundschaft; wörtl. klība (unmännlich) + acala (unverrückbar) + sauhṛda (Freundschaft) — die Ausgabe Kern trennt klībāś calasauhṛdāḥ, „Impotente von unsteter Freundschaft" (m. 1/3). Striyāṃ: bei den Frauen (f. 7/1). Dveṣyāḥ: verhasst, zu hassen (m. 1/3). Dānābhiratā: am Geben Erfreute; wörtl. dāna (Gabe) + abhirata (erfreut an) (m. 1/3). Bahuvittasaṃyutāḥ: mit vielem Vermögen Versehene; wörtl. bahu (viel) + vitta (Vermögen) + saṃyuta (versehen mit) (m. 1/3). Śamaparāś: auf Ruhe bedacht; wörtl. śama (Ruhe) + para (zugewandt) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Narāḥ: Menschen (m. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865 und Ausgabe Tripāṭhī. Die beiden Ausgaben trennen das zweite Kompositum verschieden und sagen damit inhaltlich das Gegenteil (siehe oben). Für dveṣyāḥ verzeichnet GRETIL bei Kern den Druckfehler dvaṣyāḥ, den Kerns eigene Übersetzung als dveṣyāḥ auflöst. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an, Dhaniṣṭhā steht als einundzwanzigstes.

Dass bahuvitta, „mit vielem Vermögen", hier in der Aufzählung steht, ist erwähnenswert: der jüngere Name dhaniṣṭhā, „die reichste", hat in diesem Vers eine Entsprechung, ohne dass der Vers ihn verwendet — er sagt vasubha, „Vasu-Gestirn". Ob der Name aus solchen Zuschreibungen gewachsen ist oder umgekehrt, sagt keine der eingesehenen Quellen.

Der Jātaka-Pārijāta sagt, was ein unter Dhaniṣṭhā Geborener mitbekommt:

Jātaka-Pārijāta 9.89c (in der Kashi-Zählung 9.90)

आशालुर् वसुमान् वसूडुजनितः पीनोरुकण्ठः सुखी

āśālur vasumān vasūḍujanitaḥ pīnorukaṇṭhaḥ sukhī

Der im Vasu-Gestirn Geborene [ist] voller Erwartung, begütert, mit fleischigen Schenkeln und Hals, glücklich.

Āśālur: voller Erwartung, leichtgläubig (m. 1/1). Vasumān: begütert, reich — zugleich Wortspiel auf die Gottheit, die Vasus (m. 1/1). Vasūḍujanitaḥ: der im Vasu-Gestirn Geborene; wörtl. vasu (die Vasus) + uḍu (Gestirn) + janita (geboren) (m. 1/1). Pīnorukaṇṭhaḥ: mit fleischigen Schenkeln und fleischigem Hals; wörtl. pīna (fleischig) + ūru (Schenkel) + kaṇṭha (Hals) (m. 1/1). Sukhī: glücklich, wohlgemut (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 629; die Kashi-Ausgabe zählt um eins höher. Der Vers behandelt vier Nakṣatras in vier Versvierteln; hier ist nur das dritte wiedergegeben.

An dieser Stelle steckt eine methodische Warnung, die es wert ist, ausgeschrieben zu werden. Im Scan der Sastri-Ausgabe sind die drei Akṣaras nach vasumān verquollen und nicht sicher zu lesen. Eine erste, allein metrisch gestützte Vermutung lautete dhaniṣṭhajanitaḥ — metrisch einwandfrei, sachlich naheliegend, und sie hätte den Namen des Nakṣatras in den Vers gebracht. Sie steht in keiner Ausgabe. Die Kashi-Ausgabe und der E-Text lesen übereinstimmend vasūḍujanitaḥ, und diese Lesung passt sowohl auf das Schriftbild des Scans als auch auf das Metrum (va-sū-ḍu = ⏑ – ⏑). Der Merksatz daraus: das Metrum kann eine Lesung ausschliessen, aber keine erzeugen. Was hier steht, ist der überlieferte Wortlaut, nicht die schönere Vermutung. Der Vers umschreibt das Nakṣatra über seine Gottheit — und treibt damit ein Wortspiel, denn vasumān im selben Versviertel heisst „begütert" und meint dieselbe Wurzel.

Nebenbei: Sastri setzt in seiner englischen Übersetzung den Alternativnamen Śraviṣṭhā ein, während der Sanskrittext das Nakṣatra gar nicht beim Namen nennt. Sachlich folgenlos — dieselbe Mondstation —, aber ein gutes Beispiel dafür, wie eine Übersetzung mehr sagt als ihr Original.

Die Sterne des Asterismus

Der Rhombus im Kopf des Delphins auf der Grenze zwischen Śravaṇa und Dhaniṣṭhā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Ekliptik liegt rund 30 Grad unterhalb des Rahmens und ist deshalb nicht im Bild. Die Längenachse läuft über die Rāśi-Grenze hinweg weiter: 0° und 5° rechts der Mitte sind Kumbha. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Der Rhombus im Kopf des Delphins auf der Grenze zwischen Śravaṇa und Dhaniṣṭhā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Ekliptik liegt rund 30 Grad unterhalb des Rahmens und ist deshalb nicht im Bild. Die Längenachse läuft über die Rāśi-Grenze hinweg weiter: 0° und 5° rechts der Mitte sind Kumbha. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0.

Der Rhombus im Kopf des Delphins auf der Grenze zwischen Śravaṇa und Dhaniṣṭhā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Ekliptik liegt rund 30 Grad unterhalb des Rahmens und ist deshalb nicht im Bild. Die Längenachse läuft über die Rāśi-Grenze hinweg weiter: 0° und 5° rechts der Mitte sind Kumbha. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition der Yogatārā aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860, eigene Rechnung.

Welcher Stern die Yogatārā ist, ist bei Dhaniṣṭhā unstrittig. Das Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.17 ausdrücklich die westlicheśraviṣṭhāyāś ca paścimā —, und das ist β Delphini (Rotanev). Die vier Sterne bilden den auffälligen kleinen Rhombus im Kopf des Delphins, eine der kompaktesten Sternfiguren des ganzen Tierkreisbereichs: β und α bilden die westliche Kante, γ² und δ die östliche, und die ganze Figur misst gut zwei Grad. Der Name mṛdaṅga, „Trommel", den der Sūrya-Siddhānta-Kommentar als Figur nennt, passt auf diesen Rhombus besser als die meisten Nakṣatra-Symbole auf ihre Sterngruppen.

Die beiden Eigennamen α Delphini (Sualocin) und β Delphini (Rotanev) sind übrigens ein astronomiehistorischer Scherz: rückwärts gelesen ergeben sie Nicolaus Venator, die latinisierte Form des Namens eines Palermer Astronomen des frühen 19. Jahrhunderts. Mit der indischen Überlieferung hat das nichts zu tun, ist aber der Grund, warum diese beiden Sterne als einzige der Gruppe Eigennamen tragen.

Die Sterne im Katalog

ζ Delβ Delα Delδ Delγ² Del
EigennameRotanevSualocin
RolleAlternativkandidatYogatārāGruppensternGruppensternGruppenstern
HR78717882790679287948
HD196180196524196867197461197964
HIP101589101769101958102281102532
Helligkeit V4,653,633,804,424,25
SpektraltypA3 VaF5 IVB9 IVkA7hF1VmF1pK1 IV
Rektaszension20ʰ 35ᵐ 18,5ˢ20ʰ 37ᵐ 32,9ˢ20ʰ 39ᵐ 38,3ˢ20ʰ 43ᵐ 27,5ˢ20ʰ 46ᵐ 39,5ˢ
Deklination+14° 40′ 27,2″+14° 35′ 42,3″+15° 54′ 43,8″+15° 04′ 28,5″+16° 07′ 27,5″
Ekl. Länge J2000315° 46′316° 20′317° 23′318° 07′319° 22′
Ekl. Breite J2000+32° 09′+31° 55′+33° 01′+31° 57′+32° 42′

Rektaszension und Deklination gelten für Äquinoktium und Epoche J2000,0 und sind aus den SIMBAD-Dezimalgraden umgerechnet. Die Gruppe ist insgesamt lichtschwach — kein Stern heller als 3,6 —, was zur Beobachtung gleich noch etwas zu sagen gibt. γ Delphini ist in Wirklichkeit ein Doppelstern; hier steht die hellere Komponente γ². SAO-Nummern und Entfernungen sind für diese Recherche nicht erhoben worden.

Wo die Sterne heute stehen

Für 2025,0 ergeben sich folgende siderische Längen:

Ayanāṃśa (2025,0)Wertζ Delβ Delα Delδ Delγ² Del
Lahiri / Citrāpakṣa24° 12′ 23″21° 54′22° 29′23° 31′24° 15′25° 31′
True Citrā24° 11′ 21″21° 55′22° 30′23° 32′24° 16′25° 32′
Krishnamurti24° 06′ 34″22° 00′22° 35′23° 37′24° 21′25° 36′
Raman22° 45′ 36″23° 21′23° 56′24° 58′25° 42′26° 57′
Fagan / Bradley25° 05′ 23″21° 01′21° 36′22° 38′23° 22′24° 38′

Alle Werte sind siderische Längen in Makara; Dhaniṣṭhā beginnt bei 23°20′ Makara.

Der Befund ist gespalten, und das ist der eigentliche astronomische Punkt dieses Nakṣatras: die Sterngruppe liegt heute genau auf der Grenze. β Delphini — die Yogatārā selbst — steht bei vier von fünf Ayanāṃśas in Śravaṇa, nicht in Dhaniṣṭhā; nach Lahiri fehlen ihr 51 Bogenminuten. Nur der Raman-Ayanāṃśa bringt sie herein. ζ Delphini, Burgess’ Alternativkandidat, liegt noch weiter draussen. α, δ und γ² Delphini dagegen liegen nach Lahiri sauber in Dhaniṣṭhā; bei Fagan/Bradley fällt auch α heraus. Der Rhombus liegt also mit einem Fuss im Nachbarabschnitt.

Wie bei Śravaṇa ist das kein Argument gegen die Identifikation. Schon die reine Sollposition des Sūrya-Siddhānta — ganz ohne jeden Stern — fällt im Lahiri-Rahmen auf 22°14′ Makara und damit ebenfalls nach Śravaṇa. Die Ursache ist eine Rahmenverschiebung von rund 3°45′ bis 3°50′: das Sūrya-Siddhānta zählt siderische Länge von einem Nullpunkt, den Whitney mit dem Frühlingspunkt von 560 n. Chr. gleichsetzt, der Lahiri-Ayanāṃśa setzt seinen rund 270 Jahre früher an. Jeder Stern, der im alten Rahmen weniger als vier Grad Reserve hatte, rutscht heute in den vorhergehenden Abschnitt. β Delphini ist eine von sieben Yogatārās, denen das passiert — und in allen sieben Fällen liegt der Stern im vorhergehenden Abschnitt, nie im folgenden. Ein Zufall wäre das nicht.

Die Grafik oben zeigt die Sollposition als offenen Kreis; sie liegt gut drei Grad nördlich und ein Viertelgrad westlich von β Delphini. Alle Werte gelten für 2025,0 und wachsen um rund 50 Bogensekunden im Jahr.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminiert β Delphini 57,7 Grad hoch, die übrigen bis 59,2 — sehr günstig, hoch über der horizontnahen Dunstschicht. Zirkumpolar ist keiner. Um Mitternacht kulminiert die Gruppe um den 9. August; in Sonnennähe steht sie um den 5. Februar und ist dann rund vier Wochen davor und danach unsichtbar. Beste Sichtbarkeit sind die Monate um die Mitternachtskulmination, also Spätsommer und Herbst.

Der Delphin ist ein kleines, lichtschwaches, aber sehr charakteristisches Sternbild: der Rhombus aus vier Sternen vierter Grösse mit dem Schwanz darunter ist einmal gesehen nicht mehr zu verwechseln. In der Stadt bleibt er allerdings meist unsichtbar — kein Stern der Gruppe ist heller als 3,6 Grössenklassen, und drei sind schwächer als vierte Grösse. Wer Dhaniṣṭhā am Himmel aufsuchen will, braucht einen dunklen Standort. Ein Anhaltspunkt: der Delphin steht rund 15 Grad östlich von Altair, dem Stern der Śravaṇa — die beiden Nakṣatras liegen am Himmel so nebeneinander wie im Tierkreis.

Namen und Namensvarianten

Der älteste Name ist śráviṣṭhā, ein Superlativ. So steht er in der Taittirīya-Saṃhitā, im Taittirīya-Brāhmaṇa an beiden Stellen und bei Bhaṭṭabhāskara, der ihn als „die im höchsten Grad Hörenden, Kundigsten" erklärt. Die übliche Übersetzung „die berühmteste" geht denselben Weg über śravas, „Ruhm, Ruf". Die Form dhaniṣṭhā, „die reichste" (zu dhana, „Gut, Vermögen"), ist jünger; sie erscheint bei Varāhamihira, im Sūrya-Siddhānta und in der gesamten astrologischen Literatur und hat sich durchgesetzt.

Beide Namen sind Superlative auf -iṣṭha, und beide bezeichnen ein Höchstmass — nur eben von Verschiedenem. Ob der Wechsel eine Umdeutung war oder eine Verlesung, sagt keine der eingesehenen Quellen.

Daneben laufen Umschreibungen, die in Versen an die Stelle des Namens treten: vasubha oder vasu, „Vasu-Gestirn" (Bṛhat Saṃhitā 15.21 und 97.5, Muhūrta-Cintāmaṇi 6.25 und 6.29, Nārada-Saṃhitā), vasudaivata, „dessen Gottheit die Vasus sind" (Bṛhat Saṃhitā 15.30), und vasūḍu, „Vasu-Gestirn" (Jātaka-Pārijāta 9.89). In den Kursverse-Reihen steht auch śatatārā für den Nachbarn Śatabhiṣaj, was beim Lesen leicht zu verwechseln ist.

Śraviṣṭhā am Anfang des Yuga

Eine Eigentümlichkeit, die selten erwähnt wird: im Vedāṅga-Jyotiṣa, dem ältesten erhaltenen astronomischen Text Indiens, beginnt zwar die Nakṣatra-Liste wie überall in der vedischen Literatur bei Kṛttikā — das Yuga aber, der fünfjährige Kalenderzyklus, beginnt bei Śraviṣṭhā. Dieses Nakṣatra markierte dort also den Anfang der Zeitrechnung, nicht den Anfang der Liste.

Zur Einordnung gehört die übliche Vorsicht: aus einem solchen Anfangspunkt lässt sich ein Datum nur vermuten, nicht beweisen. Whitney und Weber, die die Listen zuerst systematisch verglichen haben, weisen Übertragungen chinesischer Chronologien auf Indien ausdrücklich zurück und betonen, dass es sich um Plausibilitätsannahmen handelt. Dass Śraviṣṭhā im Vedāṅga-Jyotiṣa den Yuga-Anfang trägt, ist gleichwohl ein Befund, der zu diesem Nakṣatra gehört und in den meisten modernen Darstellungen fehlt.

Die Verse

Die älteste Stelle, die Dhaniṣṭhā nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā, in der Aufzählung der Nakṣatra-Feueraltarziegel:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.2

श्रविष्ठा नक्षत्रं वसवो देवता

śráviṣṭhā nákṣatraṃ vásavo devátā

Śraviṣṭhā ist das Nakṣatra, die Vasus sind die Gottheit.

Śraviṣṭhā: Śraviṣṭhā, ältere Namensform von Dhaniṣṭhā (f. 1/1). Nakṣatraṃ: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Vasavo: die Vasus, die acht Lichtgötter (m. 1/3). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Die Liste beginnt bei Kṛttikā; Śraviṣṭhā steht als einundzwanzigster Eintrag. Der Text ist saṃhitā-pāṭha, die Trennung in Einzeleinträge ist eine Segmentierung des fortlaufenden Wortlauts.

Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe, stellt aber die Gottheit in den Genitiv voran und fügt jedem Nakṣatra ein Begriffspaar bei:

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.5

वसूनां श्रविष्ठाः भूतं परस्ताद् भूतिर् अवस्तात्

vásūnām̐ śráviṣṭhāḥ bhūtáṃ parástād bhū́tir avástāt

Der Vasus [sind] die Śraviṣṭhās. Das Gewordene [ist] oberhalb, das Gedeihen unterhalb.

Vasūnāṃ: der Vasus (m. 6/3). Śraviṣṭhāḥ: die Śraviṣṭhās, ältere Namensform von Dhaniṣṭhā (f. 1/3). Bhūtaṃ: das Gewordene, das Gewesene (n. 1/1). Parastād: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Bhūtir: das Gedeihen, das Wohlergehen (f. 1/1). Avastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Der Name steht hier im Plural (śráviṣṭhāḥ, „die Śraviṣṭhās") — wie bei mehreren mehrsternigen Nakṣatras, wo der Plural die Gruppe meint. Das Paar bhūtam / bhūtiḥ ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben.

Zwei Wörter derselben Wurzel, eines neutral und eines feminin: bhūtam ist das schon Gewordene, das Vergangene, auch „das Wesen"; bhūtiḥ ist das Gedeihen, das Anwachsen, der Wohlstand. Bhaṭṭabhāskara glossiert das erste mit janma, „Geburt", und das zweite mit abhivṛddhiḥ, „Zunahme" — er liest also eine zeitliche Folge hinein: was geworden ist, und was daraus wird. Ob das schon der Sinn des Brāhmaṇa war, sagt der Mūla-Text nicht.

Aus der neueren Lehrüberlieferung stammt der Merkvers, in dem Dhaniṣṭhā die Schlussreihe der Nakṣatra-Namen eröffnet:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 4

धनिष्ठा शतताराख्यं पूर्वाभाद्रपदा ततः उत्तराभाद्रपाच् चैव रेवत्य् एतानि भानि च

dhaniṣṭhā śatatārākhyaṃ pūrvābhādrapadā tataḥ uttarābhādrapāc caiva revaty etāni bhāni ca

Dhaniṣṭhā, das [Nakṣatra] namens Śatatārā, darauf Pūrvābhādrapadā; und Uttarābhādrapadā und Revatī: das sind die Nakṣatras.

Dhaniṣṭhā: Dhaniṣṭhā, 23. Nakṣatra (f. 1/1). Śatatārākhyaṃ: das (Nakṣatra) namens Śatatārā (Śatabhiṣaj), 24. Nakṣatra (n. 1/1). Pūrvābhādrapadā: Pūrvābhādrapadā, 25. Nakṣatra (f. 1/1). Tataḥ: darauf (avy.). Uttarābhādrapāc: Uttarābhādrapadā, 26. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Eva: eben (avy.). Revaty: Revatī, 27. Nakṣatra (f. 1/1). Etāni: diese (n. 1/3). Bhāni: die Nakṣatras, Sternbilder (n. 1/3). Ca: und (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath). Der Vers verwendet für Śatabhiṣaj die Namensform śatatārā, „hundert Sterne", nicht śatabhiṣaj, „hundert Ärzte".

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, die Verteilung auf Makara und Kumbha, die Navāṃśa-Zeichen, die Puruṣārthas. Das folgt aus der Einteilung selbst, ist gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft und wird von den beiden zitierten Rāśi-Versen bestätigt. Sicher ist auch die Zuordnung des Herrschers Maṅgala aus der Viṃśottarī-Reihe.

Am Originalvers belegt sind: die Devatā, die acht Vasus (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.2, Bṛhat Saṃhitā 97.5 — vier unabhängige Zeugen, kein Widerspruch); die Vierzahl der Sterne (Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.2, ausdrücklich cátasro); das Paar bhūtam / bhūtiḥ (Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1); die Śakti samt Ergebnis (Bhaṭṭabhāskara zum Brāhmaṇa); die Wesensart cara und die zugehörigen Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.11, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.3); die Menschengruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.21, mit der genannten Lesartendifferenz); Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.25, 6.34, bestätigt durch Nārada-Saṃhitā und Vivāha-vṛndāvana); das Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9); die Geburtsdeutung (Bṛhat Saṃhitā 100.12, Jātaka-Pārijāta 9.89). Die Sternidentifikation ist belegt und unstrittig: Sūrya-Siddhānta 8.17 bestimmt die westliche, also β Delphini.

Nicht belegt und deshalb markiert oder ganz weggelassen: das Geschlecht der Yoni, für das die klassische Lehre gar keinen Platz hat (vierzehn Tiere für achtundzwanzig Nakṣatras, gerechnet wird mit Artenfreundschaft); die Himmelsrichtung, für die sich kein Vers fand; die Namenssilben; die Symbole Ḍamaru und Flöte, die aus der Lehrüberlieferung stammen — nur die Trommel hat über den Sūrya-Siddhānta-Kommentar einen älteren Anker, und auch dort ist sie Figurbeschreibung, nicht Sternfigur.

Widersprüche, die stehen bleiben: die Sternzahl (vier im Brāhmaṇa und im Sūrya-Siddhānta, fünf bei Varāhamihira und Cākalya); die Lesart in Bṛhat Saṃhitā 15.21, wo Tripāṭhī und Kern inhaltlich das Gegenteil voneinander sagen; und die Stellung der Yogatārā, die heute bei vier von fünf Ayanāṃśas im Nachbarabschnitt Śravaṇa liegt.

Berichtigt wurden drei Angaben. Erstens der Gradbeginn: Dhaniṣṭhā beginnt bei 23°20′ Makara, nicht bei 23°40′, wie das eigene Kursmaterial an einer Stelle schreibt — ein Tippfehler, den die Arithmetik und der Rāśi-Vers gleichermassen ausschliessen. Zweitens die Zuschreibung der Śakti-Formel an Sāyaṇa statt an Bhaṭṭabhāskara. Drittens der Varṇa: im Heiratsvergleich gilt der Rāśi-Varṇa, und der wechselt bei Dhaniṣṭhā mitten im Nakṣatra.

Zur Methode, ausdrücklich: In Jātaka-Pārijāta 9.89 ist eine metrisch einwandfreie Konjektur (dhaniṣṭhajanitaḥ) zugunsten des überlieferten Wortlauts (vasūḍujanitaḥ) verworfen worden, weil beide eingesehenen Ausgaben übereinstimmend die überlieferte Lesung geben. Was auf dieser Seite steht, ist der Text der Ausgaben, nicht die naheliegendere Vermutung.

Was noch offen ist: Warum aus śraviṣṭhā dhaniṣṭhā wurde, ist ungeklärt; keine der eingesehenen Quellen äussert sich dazu. Die Cākalya-Saṃhitā und das Khaṇḍa-Kaṭaka, die fünf Sterne geben, waren nur über Burgess’ Referat greifbar, nicht in eigener Ausgabe. Für das Yoni-Geschlecht wurde kein Vers gefunden; falls einer auftaucht, kommt er nach.