Āśleṣā

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आश्लेषा 9. Nakṣatra · 16°40′ Karka bis 0°00′ Siṃha (siderisch) · Herrscher Budha

Āśleṣā gehört zur Wurzel śliṣ-, „anhaften, sich anschmiegen, umschlingen" — „die Umschlingung", „das Umfassen". Die älteren Texte schreiben āśreṣā, mit r statt l, und im Plural. Über den Abschnitt herrschen die Schlangen — nicht ein Nāga, sondern sarpāḥ, eine Mehrzahl. Und wenn man die Śakti-Formeln aller 27 durchgeht, ist dies der eine Abschnitt, bei dem der Kommentar abbricht: Bhaṭṭabhāskara nennt die drei Glieder und sagt kein Ergebnis. Die modernen Tabellen ergänzen eines, stillschweigend.

Himmelsabschnitt und Pādas

Āśleṣā reicht von 16°40′ Karka bis zum Ende des Zeichens und liegt damit vollständig im Rāśi Karka (Krebs) — es ist das Nakṣatra, das dieses Zeichen abschliesst. Die vier Pādas zu je 3°20′ tragen die Navāṃśa-Zeichen Dhanus, Makara, Kumbha und Mīna; der vierte Pāda endet exakt an der Zeichengrenze, und das macht ihn in der Wahllehre zu einem gaṇḍānta-Punkt, einem der drei Nahtstellen zwischen Wasser- und Feuerzeichen.

PādavonbisNavāṃśaPuruṣārthaSilbe
116°40′ Karka20°00′ KarkaDhanusDharmaडी ḍī
220°00′ Karka23°20′ KarkaMakaraArthaडू ḍū
323°20′ Karka26°40′ KarkaKumbhaKāmaडे ḍe
426°40′ Karka30°00′ KarkaMīnaMokṣaडो ḍo

Die Gradgrenzen und die Navāṃśa-Zuordnung sind reine Arithmetik und gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft. Die Silben stammen aus der Lehrüberlieferung; ein klassischer Vers, der sie festlegt, liess sich nicht nachweisen.

Dass Āśleṣā den Rāśi Karka beschliesst, sagt der Merkvers der Rāśi-Verteilung aus dem Kursmaterial:

Ārambha-Kursverse, Rāśi-Abschnitt Karka

पुनर्वसुपादम् एकं पुष्यम् आश्लेषान्तं कर्कः

punarvasupādam ekaṃ puṣyam āśleṣāntaṃ karkaḥ

Ein Pāda von Punarvasu, Puṣya und [alles weitere] bis zum Ende von Āśleṣā [bilden] Karka [den Krebs].

Punarvasupādam: ein Pāda von Punarvasu; wörtl. punarvasu (7. Nakṣatra) + pāda (Viertel) (n. 1/1). Ekaṃ: ein, eines (n. 1/1). Puṣyam: Puṣya, 8. Nakṣatra (n. 1/1). Āśleṣāntaṃ: mit Āśleṣā (9. Nakṣatra) endend, bis zum Ende von Āśleṣā; wörtl. āśleṣā + anta (Ende) (n. 1/1). Karkaḥ: Karka, der Krebs (4. Rāśi) (m. 1/1).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Die Devatā

Über Āśleṣā herrschen die Schlangen — und zwar im Plural. Beide vedischen Nakṣatra-Listen sagen es übereinstimmend: die Taittirīya-Saṃhitā mit sarpā́ devátā, „die Schlangen sind die Gottheit", das Taittirīya-Brāhmaṇa mit sarpā́ṇām āśreṣā́ḥ, „der Schlangen sind die Āśreṣās". Der Nakṣatreṣṭi-Vers des dritten Aṣṭaka redet sie ebenfalls als Mehrzahl an und unterscheidet dabei drei Aufenthaltsorte: die Schlangen, die Luftraum und Erde bewohnen, und die Schlangen, die „im Lichtraum der Sonne" sind und „der göttlichen Himmelsweite entlang wandern".

Das ist eine Nachricht, die in der modernen Darstellung regelmässig verlorengeht: die Devatā ist keine einzelne Schlangengottheit, kein Nāga-König, kein Śeṣa und kein Vāsuki. Die Quellen kennen hier eine Gruppe. Varāhamihira schreibt einmal ahideva, „Schlangengott" (Bṛhat Saṃhitā 15.7), einmal bhujagādhipa, „Schlangenherr" (97.7), und verschiebt damit selbst schon ins Singularische; das eigene Kursmaterial spricht von „Sarpa Deva". Die älteste Schicht sagt sarpāḥ.

Wichtig ist auch der Ton, in dem die Schlangen angerufen werden. Der Nakṣatreṣṭi-Vers bittet nicht um Schutz vor ihnen, sondern lädt sie ein und opfert ihnen das Honigreiche — tébhyaḥ sarpébhyo mádhumat juhomi. Die Schlangen sind Adressaten des Kults, nicht bloss Gefahr.

Die Śakti

Das Taittirīya-Brāhmaṇa nennt für Āśreṣā das Begriffspaar abhyāgácchantaḥ parástāt und abhyānŕ̥tyanto ‘vástāt — „die Herankommenden oberhalb, die Herantanzenden unterhalb". Beides sind Partizipien, beide beschreiben eine Bewegung auf jemanden zu. Das mittlere Glied steht erst im Kommentar Bhaṭṭabhāskara Miśras:

Bhaṭṭabhāskara Miśra, Bhāṣyadīpikā zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1

सर्पाणाम् आश्रेषाः श्रिषु श्लिषु दाहे सर्पाणां विषाग्निना दहतां त्रयं भवति परस्ताद् अभ्यागच्छन्तः द्रष्टव्यसकाशं प्रत्यागच्छन्तः मध्ये कालात्मिका विषाश्लेषणशक्तिः अवस्ताद् अभ्यानृत्यन्तः कम्पयन्तः स्वेदादिना

sarpāṇām āśreṣāḥ śriṣu śliṣu dāhe sarpāṇāṃ viṣāgninā dahatāṃ trayaṃ bhavati parastād abhyāgacchantaḥ draṣṭavyasakāśaṃ pratyāgacchantaḥ madhye kālātmikā viṣāśleṣaṇaśaktiḥ avastād abhyānṛtyantaḥ kampayantaḥ svedādinā

„Der Schlangen sind die Āśreṣās" — [von der Wurzel] śriṣ, śliṣ im Sinne von „brennen". Von den Schlangen, die mit dem Feuer des Gifts brennen, gibt es eine Dreiheit: oberhalb die Herankommenden — die sich dem zu Erblickenden nähern; in der Mitte die zeitgestaltige Kraft, das Gift anhaften zu lassen; unterhalb die Herantanzenden — die [den Gebissenen] mit Schweiss und dergleichen zum Zittern bringen.

Sarpāṇām: der Schlangen (m. 6/3). Āśreṣāḥ: die Āśreṣās, ältere Namensform des 9. Nakṣatras (f. 1/3). Śriṣu: [die Wurzel] śriṣ, hier als Lemma der Grammatiker zitiert (avy.). Śliṣu: [die Wurzel] śliṣ, hier als Lemma der Grammatiker zitiert (avy.). Dāhe: im Sinne von „brennen" (m. 7/1). Sarpāṇāṃ: der Schlangen (m. 6/3). Viṣāgninā: durch das Feuer des Gifts; wörtl. viṣa (Gift) + agni (Feuer) (m. 3/1). Dahatāṃ: der Brennenden (m. 6/3). Trayaṃ: eine Dreiheit (n. 1/1). Bhavati: es gibt, entsteht (laṭ III/1). Parastād: oberhalb, darüber (avy.). Abhyāgacchantaḥ: die Herankommenden (m. 1/3). Draṣṭavyasakāśaṃ: in die Nähe des zu Erblickenden; wörtl. draṣṭavya (zu erblicken) + sakāśa (Nähe) (m. 2/1). Pratyāgacchantaḥ: die sich [ihm] nähern (m. 1/3). Madhye: in der Mitte (n. 7/1). Kālātmikā: zeitgestaltig, deren Wesen die Zeit ist; wörtl. kāla (Zeit) + ātmikā (wesenhaft) (f. 1/1). Viṣāśleṣaṇaśaktiḥ: die Kraft, das Gift anhaften zu lassen; wörtl. viṣa (Gift) + āśleṣaṇa (Anhaften, Umschlingen) + śakti (Kraft) (f. 1/1). Avastād: unterhalb, darunter (avy.). Abhyānṛtyantaḥ: die Herantanzenden, die umhertanzen (m. 1/3). Kampayantaḥ: die zum Zittern bringen (m. 1/3). Svedādinā: durch Schweiss und dergleichen; wörtl. sveda (Schweiss) + ādi (und so fort) (m. 3/1).

Taittirīya-Brāhmaṇa mit Bhaṭṭabhāskara-Bhāṣya, Aṣṭaka 1, hrsg. A. Mahādeva Śāstrī, Mysore 1908, S. 247. Am Seitenbild gelesen. Der Abschnitt bricht nach dem dritten Glied ab — die sonst folgende Ergebnisformel etattrayopapattau … fehlt.

Die Formel lautet damit viṣāśleṣaṇa-śakti, „die Kraft, das Gift anhaften zu lassen" — und sie nimmt den Namen des Nakṣatras auf: āśleṣaṇa und āśleṣā sind dasselbe Wort, „das Umschlingen, das Anhaften". Was umschlungen wird, ist nach Bhaṭṭabhāskara das Opfer, und was anhaftet, ist das Gift.

Drei Dinge sind daran festzuhalten.

Erstens, und das ist der wichtigste Befund dieses Portraits: der Kommentar gibt kein Ergebnis an. Bei allen anderen 26 Nakṣatras schliesst Bhaṭṭabhāskara die Formel mit etattrayopapattau … — „beim Zusammentreffen dieser drei geschieht dies und das". Hier bricht der Abschnitt nach dem dritten Glied ab. Die moderne Nakṣatra-Literatur gibt trotzdem ein Ergebnis an, gewöhnlich „destruction of the victim" oder ähnlich. Das ist Ergänzung, kein Textbefund. Sie mag sachlich naheliegen — was sonst sollte am Ende einer Giftformel stehen? —, aber sie steht nicht da, und wer sie ohne Kennzeichnung weitergibt, gibt eine Vermutung als Überlieferung aus.

Zweitens leitet Bhaṭṭabhāskara den Namen ungewöhnlich her. Er zitiert die Wurzeln śriṣ und śliṣ im Sinne von „brennen" (dāhe) — nicht in dem geläufigen Sinn „anhaften, umschlingen". Die Wurzelverzeichnisse der Grammatiker führen beide Bedeutungen; Bhaṭṭabhāskara wählt die, die zum Gift passt, und redet gleich darauf von den Schlangen, „die mit dem Feuer des Gifts brennen". Im Namen der Śakti aber benutzt er āśleṣaṇa, also doch wieder „Anhaften". Beide Bedeutungen stehen in derselben Zeile nebeneinander.

Drittens ist das Attribut kālātmikā, „zeitgestaltig", wie bei allen 27 Formeln vorhanden — es bestimmt die Kraft ausdrücklich als die des Zeitlaufs an dieser Himmelsstelle — und fehlt in der gesamten modernen Wiedergabe.

Lesartvarianten der Ausgabe gibt es zu dieser Stelle nicht; unsichere Stellen am Druckbild ebenfalls nicht. Was fehlt, fehlt nicht wegen schlechter Überlieferung, sondern weil es nicht geschrieben wurde.

Der Steckbrief

Die folgenden Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten der Überlieferung. Die Spalte rechts sagt bei jeder, worauf sie sich stützt.

Himmelsabschnitt16°40′ Karka bis 0°00′ Siṃha, siderisch Rechnung; Vers zur Pāda-Verteilung
Fixsternefünf Sterne im Kopf der Hydra (δ, ε, η, ρ, σ Hydrae); Yogatārā strittig — ε Hydrae nach Whitney und Burgess, α Cancri nach Colebrooke Sūrya-Siddhānta 8.19; Whitney/Burgess 1860 gegen Colebrooke
HerrscherBudha Viṃśottarī-Reihe
Devatādie Schlangen (sarpāḥ), im Plural — keine einzelne Schlangengottheit Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1
Śaktiviṣāśleṣaṇa-śakti, „die Kraft, das Gift anhaften zu lassen" — oberhalb die Herankommenden, unterhalb die Herantanzenden; Ergebnis: fehlt im Kommentar Bhaṭṭabhāskara zu Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1, siehe oben
SymbolSchlange; in der modernen Fachliteratur auch ein Rad eigenes Kursmaterial; moderne Fachliteratur
Namensbedeutungāśleṣā „die Umschlingung", zu śliṣ- „anhaften, umschlingen"; ältere Namensform āśreṣāḥ (Plural) Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10; Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1
Wesensarttīkṣṇa / dāruṇa (scharf, schrecklich) Bṛhat Saṃhitā 97.7; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.8
Gaṇarākṣasa Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29
Yoni (Tier)Katze (mārjāra), geteilt mit Punarvasu Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26
Yoni-Geschlechtin den klassischen Versen nicht vergeben siehe unten
Nāḍīantya (die letzte) Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34
Varṇabrāhmaṇa im Heiratsvergleich (nach dem Rāśi Karka) — caṇḍālajāti in der Gesellschaftszuordnung Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22 gegen Bṛhat Saṃhitā 15.30
GuṇaRajas–Sattva–Sattva im Nakṣatra-Guṇa-Schema — Sattva im Navatārā-Schema zwei verschiedene Systeme, eigenes Kursmaterial
TattvaJala (Wasser) eigenes Kursmaterial
LokaBhū eigenes Kursmaterial
Mukhaadhomukha (abwärts blickend) Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9
Richtungunbelegt in den eingesehenen Quellen kein Vers
Silbenडी ḍī · डू ḍū · डे ḍe · डो ḍo Lehrüberlieferung
KörperteilOhren — im Nakṣatrapuruṣa-Schema, das ab Kṛttikā zählt eigenes Kursmaterial; anderes Schema, andere Antwort
PuruṣārthaDharma (Pāda 1), Artha, Kāma, Mokṣa Lehrüberlieferung
TätigkeitenAnschlag, Zauberspruch, Vetāla-Beschwörung, Fesselung, Tötung, Entzweiung Bṛhat Saṃhitā 97.7; Muhūrta-Cintāmaṇi 2.8
MenschengruppenRäuber fremden Guts und alle Ärzte; Knollen, Wurzeln, Früchte, Insekten, Schlangen, Gifte, Spelzgetreide Bṛhat Saṃhitā 15.7
Geburtsdeutungstumpfen Verstandes, undankbar in der Rede, jähzornig, von schlechtem Wandel Jātaka-Pārijāta 9.86

Wo die Quellen auseinandergehen

Das fehlende Ergebnis der Śakti-Formel. Der wichtigste Befund, oben ausgeführt: Bhaṭṭabhāskaras Abschnitt bricht nach dem dritten Glied ab. Die modernen Tabellen ergänzen ein Ergebnis, ohne das zu kennzeichnen. Hier bleibt die Lücke stehen.

Der Name. Die älteren Texte haben durchweg āśreṣā, mit r, und im Plural: āśreṣā́ nákṣatraṃ sarpā́ devátā in der Taittirīya-Saṃhitā, sarpā́ṇām āśreṣā́ḥ im Taittirīya-Brāhmaṇa, āśreṣā́ im Nakṣatreṣṭi-Vers. Die Form āśleṣā, Singular, ist jünger; Varāhamihira und der Muhūrta-Cintāmaṇi haben sie, und sie hat sich durchgesetzt. Der Wechsel r zu l ist im Indischen häufig und für sich unauffällig; auffällig ist eher der Numeruswechsel, der zur Devatā passt: viele Schlangen, viele Sterne, ein Plural.

Die Devatā im Plural. Die älteste Schicht sagt sarpāḥ, „die Schlangen". Varāhamihira schreibt ahideva und bhujagādhipa, also schon singularisch, und das eigene Kursmaterial „Sarpa Deva". Ein Nāga mit eigenem Namen — Śeṣa, Vāsuki, Takṣaka — kommt in keiner der eingesehenen Quellen als Devatā dieses Abschnitts vor.

Varṇa — der schärfste Gegensatz unter den 27. Im Heiratsvergleich, dem Melāpaka, wird der Varṇa nach dem Rāśi vergeben (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.22): Karka ergibt brāhmaṇa, und Āśleṣā liegt ganz in Karka. Die Bṛhat Saṃhitā dagegen weist Āśleṣā in 15.30 der Caṇḍāla-Kaste zu — dem untersten Rand der Gesellschaftsordnung. Die beiden Angaben könnten kaum weiter auseinanderliegen, und genau deshalb ist hier besonders wichtig, sie nicht zu vermengen: es sind zwei verschiedene Systeme, die zwei verschiedene Fragen beantworten. Die Bṛhat Saṃhitā ordnet in Kapitel 15 Gestirnen Menschengruppen zu, mit sieben Klassen, zum Zweck der Vorzeichendeutung im grossen Massstab. Der Varṇa-Kūṭa der Heiratsprüfung hat vier Klassen und geht über den Rāśi. Wer mit dem Aṣṭakūṭa rechnet, muss brāhmaṇa ansetzen.

Ärzte und Gifte in einem Vers. Bṛhat Saṃhitā 15.7 nennt unter Āśleṣā Gifte, Schlangen und Insekten — und im selben Atemzug sarvabhiṣajaḥ, „alle Ärzte". Das ist kein Widerspruch der Überlieferung, sondern der alte Zusammenhang von Gift und Gegengift: wer das eine kennt, kennt das andere. Varāhamihira setzt sarva, „alle", eigens hinzu — die Heilkundigen insgesamt gehören diesem Gestirn, während bei Aśvinī nur vaidya ohne Zusatz steht.

Yogatārā. Colebrooke bestimmte α Cancri (Acubens), Whitney und Burgess ε Hydrae. Näheres unten bei den Sternen; die Frage ist für die Lage des Abschnitts folgenlos, weil beide Kandidaten bei allen fünf gebräuchlichen Ayanāṃśas in Āśleṣā liegen.

Symbol. Das eigene Kursmaterial nennt die Schlange, die moderne Fachliteratur führt meist ein Rad. Burgess erklärt die Radfigur aus der gebogenen Gestalt des Hydra-Kopfes. Ein klassischer Vers, der Āśleṣā ein Symbol zuweist, liess sich nicht finden.

Yoni-Geschlecht. Die modernen Tabellen geben „Katze, weiblich". Das Tier ist belegt — Muhūrta-Cintāmaṇi 6.26 nennt Punarvasu und Āśleṣā als das Katzenpaar —, das Geschlecht nicht.

Nāḍī. Der Vers Muhūrta-Cintāmaṇi 6.34 nennt Āśleṣā als vyāla, „Schlange", im dritten Viertel — dort gilt wieder die Regel „je zu zweien" (yugaṃ yugaṃ), jedes Stichwort steht für das genannte Nakṣatra und das nächstfolgende. Āśleṣā ist hier selbst genannt, also unmittelbar belegt.

Körperteil. Die Angabe „Ohren" gehört zum Schema des Nakṣatrapuruṣa, das bei Kṛttikā mit dem Kopf beginnt. Wer stattdessen ab Aśvinī zählt, bekommt ein anderes Glied.

Die Sterne des Asterismus

Der Kopf der Hydra im Abschnitt der Āśleṣā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Gruppe steht elf bis fünfzehn Grad südlich der Ekliptik. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta — sie liegt vier Grad nördlich von ε Hydrae, was Burgess selbst als erheblichen Breitenfehler einräumt. δ Hydrae fällt bei vier der fünf Ayanāṃśas noch in Puṣya: die Gruppe liegt quer über der Abschnittsgrenze. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit. Der Kopf der Hydra im Abschnitt der Āśleṣā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Gruppe steht elf bis fünfzehn Grad südlich der Ekliptik. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta — sie liegt vier Grad nördlich von ε Hydrae, was Burgess selbst als erheblichen Breitenfehler einräumt. δ Hydrae fällt bei vier der fünf Ayanāṃśas noch in Puṣya: die Gruppe liegt quer über der Abschnittsgrenze. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit.

Der Kopf der Hydra im Abschnitt der Āśleṣā. Massstab in Länge und Breite gleich; die Gruppe steht elf bis fünfzehn Grad südlich der Ekliptik. Der offene Kreis ist die Sollposition der Yogatārā nach dem Sūrya-Siddhānta — sie liegt vier Grad nördlich von ε Hydrae, was Burgess selbst als erheblichen Breitenfehler einräumt. δ Hydrae fällt bei vier der fünf Ayanāṃśas noch in Puṣya: die Gruppe liegt quer über der Abschnittsgrenze. Siderische Länge zum Stichjahr 2025,0 mit dem Ayanāṃśa nach Lahiri; ekliptikale Breite J2000,0. Punktgrösse nach scheinbarer Helligkeit.

Koordinaten aus SIMBAD (Abruf 15. September 2026); Sollposition der Yogatārā aus Sūrya-Siddhānta 8.2 und 8.6 nach Burgess 1860; Rechnung in quellen/nakshatra/rechnung/alle27_sterne.py.

Das Sūrya-Siddhānta bestimmt in 8.19 für Rohiṇī, Āditya (Punarvasu), Mūla und Sārpa — also Āśleṣā — die östliche der Gruppensterne als Yogatārā. Wie viele Sterne die Gruppe hat, sagt es nicht; die Autoritäten geben fünf, das Khaṇḍa-Kaṭaka sechs.

Zwei Zuordnungen stehen gegeneinander.

Colebrooke bestimmte α Cancri, Acubens. Whitney und Burgess widersprachen 1860 und setzten die Gruppe in den Kopf der Hydra — δ, ε, η, ρ und σ Hydrae —, mit ε Hydrae als Yogatārā. Burgess’ Argument gegen Colebrooke ist ein systematisches: α Cancri „ist nicht das östliche Glied irgendeiner Fünfergruppe von Sternen; ja er ist überhaupt nicht Glied einer eigenen Gruppe". Name, Figur und Gottheit weisen alle in dieselbe Richtung: āśleṣā, „Umschlingung", ein Rad, Schlangen — das verlangt eine gebogene Konstellation, und die findet sich im Hydra-Kopf, nicht bei α Cancri.

Burgess räumt im selben Zug eine Schwäche seiner eigenen Lösung ein: der Breitenfehler sei „very considerable". Die Sollposition liegt bei −6°56′, ε Hydrae bei −11°06′ — vier Grad Unterschied. Das Khaṇḍa-Kaṭaka vergrössert ihn noch um ein weiteres Grad. Wer nach der Breite entscheidet, kommt also näher an α Cancri (−5°05′) heran; wer nach der Gestalt der Gruppe entscheidet, an den Hydra-Kopf. Es ist derselbe Gegensatz, der schon bei Aśvinī zwischen Colebrooke und Whitney steht: Breite gegen Länge, Einzelstern gegen Gruppe.

Hier wird keine der beiden Positionen zur alleinigen erklärt. Beide stehen bei benannten Autoritäten, und beide Kandidaten liegen heute im Abschnitt.

Die Sterne im Katalog

ε Hyaα Cncδ Hyaη Hyaρ Hyaσ Hya
EigennameAcubens
RolleYogatārā nach BurgessYogatārā nach ColebrookeGruppensternGruppensternGruppensternGruppenstern
HR348235723410345434923418
HD748747675673262742807513773471
HIP431094406642313427994323442402
Helligkeit V3,384,254,134,304,344,43
SpektraltypG1 III + A8 VkA7VmF0/2III/IVA0 VnnB3 VA0 VnK1 III
Ekl. Länge J2000132° 21′133° 38′130° 18′132° 18′132° 55′131° 13′
Ekl. Breite J2000−11° 06′−5° 05′−12° 24′−14° 15′−11° 33′−14° 36′

Die Koordinaten gelten für Äquinoktium und Epoche J2000,0, abgerufen aus SIMBAD. ε Hydrae ist der hellste der Gruppe und ein Mehrfachsystem — mindestens vier, wahrscheinlich fünf Komponenten. Dass gerade er die Yogatārā sein soll, fügt sich zur Regel des Sūrya-Siddhānta, die im Zweifel den hellsten Stern nimmt; das Sūrya-Siddhānta gibt für Āśleṣā allerdings die östliche Lage vor, nicht die Helligkeit.

Ein siebter Stern, ζ Hydrae (3,1ᵐ), steht ebenfalls in dieser Gegend und ist der hellste von allen; er gehört bei keiner der genannten Autoritäten zur Gruppe, wird hier aber mitgerechnet, weil das Khaṇḍa-Kaṭaka sechs Sterne zählt und die Frage damit offen ist.

Wo die Sterne heute stehen

Āśleṣā reicht von 16°40′ Karka bis zum Ende des Zeichens:

Ayanāṃśa (2025,0)ε Hyaα Cncδ Hyaσ Hyaζ Hya
Lahiri / Citrāpakṣa18° 29′ ✓19° 47′ ✓16° 27′ ✗ Puṣya17° 21′ ✓20° 43′ ✓
True Citrā18° 30′ ✓19° 48′ ✓16° 28′ ✗ Puṣya17° 22′ ✓20° 44′ ✓
Krishnamurti18° 35′ ✓19° 53′ ✓16° 33′ ✗ Puṣya17° 27′ ✓20° 49′ ✓
Raman19° 56′ ✓21° 14′ ✓17° 54′ ✓18° 48′ ✓22° 10′ ✓
Fagan / Bradley17° 36′ ✓18° 54′ ✓15° 34′ ✗ Puṣya16° 28′ ✗ Puṣya19° 50′ ✓

Alle Werte sind siderische Längen in Karka. η Hydrae (18°27′ nach Lahiri) und ρ Hydrae (19°03′) liegen bei allen fünf Ayanāṃśas im Abschnitt und sind der Übersicht halber weggelassen.

Zwei Befunde stehen darin.

Erstens ist der Identifikationsstreit für die Abschnittsfrage folgenlos. ε Hydrae und α Cancri liegen beide bei allen fünf Ayanāṃśas in Āśleṣā. Wer sich für den einen oder den anderen entscheidet, verschiebt das Nakṣatra nicht — anders als bei Ārdrā, wo die Wahl über alles entscheidet.

Zweitens liegt die Gruppe quer über der Grenze. δ Hydrae, der westlichste Gruppenstern, fällt bei vier von fünf Ayanāṃśas noch in Puṣya und nur bei Raman in Āśleṣā; σ Hydrae umgekehrt fällt allein bei Fagan und Bradley heraus. Das ist kein Fehler einer Zuordnung, sondern die Folge davon, dass der Hydra-Kopf sich über gut vier Grad ekliptikaler Länge erstreckt, während ein Nakṣatra nur 13°20′ breit ist — und dass die Nakṣatra-Grenzen rechnerisch gesetzt sind, nicht nach den Sternen. Wer eine Tabelle liest, die „Āśleṣā: δ, ε, η, ρ, σ Hydrae" sagt, sollte wissen, dass der erste dieser Sterne heute meistens im Nachbarabschnitt steht.

Zur Sollposition: sie liegt im Lahiri-Rahmen bei 16°10′ Karka und fällt damit selbst knapp in Puṣya — einer der Abschnitte, bei denen schon die Angabe des Sūrya-Siddhānta im heutigen Rahmen in den Nachbarn rutscht. Das ist reine Rahmenverschiebung: der Nullpunkt des Sūrya-Siddhānta und der des Lahiri-Ayanāṃśa liegen rund 3°45′ auseinander.

Sichtbarkeit

Von mitteleuropäischer Breite (rund 47° Nord) kulminieren die Sterne der Gruppe zwischen 46,3° und 54,8° Höhe; ε Hydrae selbst erreicht 49,3° — das ist deutlich tiefer als bei den Nachbarabschnitten und schon in der Gegend, wo die horizontnahe Dunstschicht zu stören beginnt. Zirkumpolar ist keiner. Um Mitternacht kulminiert die Gegend um den 1. Februar, die Sonnenkonjunktion fällt auf etwa den 5. August; rund vier Wochen davor und danach ist der Abschnitt unsichtbar.

Der Kopf der Hydra ist trotz der geringen Höhe eine der wiedererkennbarsten kleinen Figuren des Winterhimmels: fünf bis sechs Sterne vierter Grösse, die einen unregelmässigen Ring bilden, unterhalb des Krebses. Unter Stadthimmel bleibt er unsichtbar; unter einigermassen dunklem Himmel findet man ihn leicht, wenn man von der Praesepe aus nach Süden geht.

Wesensart und Tätigkeiten

Die Wahllehre teilt die Nakṣatras nach ihrer Wesensart ein. Āśleṣā gehört zu den scharfen — dieselbe Vierergruppe wie Ārdrā:

Bṛhat Saṃhitā 97.7 (in Kerns Zählung 98.7)

मूलशिवशक्रभुजगाधिपानि तीक्ष्णानि तेषु सिद्ध्यन्ति अभिघातमन्त्रवेतालबन्धवधभेदसंबन्धाः

mūlaśivaśakrabhujagādhipāni tīkṣṇāni teṣu siddhyanti abhighātamantravetālabandhavadhabhedasaṃbandhāḥ

Mūla, das Śiva-[Gestirn] (Ārdrā), das Śakra-[Gestirn] (Jyeṣṭhā) und das des Schlangenherrn (Āśleṣā) sind die scharfen [tīkṣṇa]; in ihnen gelingen Anschlag, Zauberspruch, Vetāla-Beschwörung, Fesselung, Tötung, Entzweiung — und was damit zusammenhängt.

Mūlaśivaśakrabhujagādhipāni: Mūla, das Śiva-Gestirn (Ārdrā), das Śakra-Gestirn (Jyeṣṭhā) und das des Schlangenherrn (Āśleṣā); wörtl. mūla (19. Nakṣatra) + śiva (Rudra) + śakra (Indra) + bhujagādhipa (Schlangenherr) (n. 1/3). Tīkṣṇāni: die scharfen - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/3). Teṣu: in ihnen (n. 7/3). Siddhyanti: gelingen (laṭ III/3). Abhighātamantravetālabandhavadhabhedasaṃbandhāḥ: Anschlag, Zauberspruch, Vetāla-Beschwörung, Fesselung, Tötung, Entzweiung und was damit zusammenhängt; wörtl. abhighāta (Schlag, Anschlag) + mantra (Zauberspruch) + vetāla (Leichendämon) + bandha (Fesselung) + vadha (Tötung) + bheda (Entzweiung) + saṃbandha (Zusammenhang) (m. 1/3).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865, und Ausgabe Tripāṭhī. Varāhamihira bezeichnet Āśleṣā hier als bhujagādhipa, „Schlangenherr" — singularisch, anders als die vedischen Listen.

Der Muhūrta-Cintāmaṇi gibt dieselbe Gruppe und dieselben Tätigkeiten, fügt aber den zweiten Klassennamen dāruṇa und den Samstag hinzu:

Muhūrta-Cintāmaṇi 2.8

मूलेन्द्रार्द्राहिभं सौरिस् तीक्ष्णं दारुणसंज्ञकम् तत्राभिचारघातोग्रभेदाः पशुदमादिकम्

mūlendrārdrāhibhaṃ sauris tīkṣṇaṃ dāruṇasaṃjñakam tatrābhicāraghātograbhedāḥ paśudamādikam

Mūla, das Indra-Nakṣatra (Jyeṣṭhā), Ārdrā, das Schlangen-Nakṣatra (Āśleṣā) und Saturn (der Samstag) heissen tīkṣṇa („scharf") und dāruṇa („schrecklich"). Darin [gelingen] Schadenzauber, Totschlag, Grausames, Entzweiung, Tierbändigung und dergleichen.

Mūlendrārdrāhibhaṃ: Mūla, das Indra-Nakṣatra (Jyeṣṭhā), Ārdrā und das Schlangen-Nakṣatra (Āśleṣā); wörtl. mūla + indra + ārdrā + ahi (Schlange) + bha (Gestirn) (n. 1/1). Sauris: Sauri (Śani), der Samstag (m. 1/1). Tīkṣṇaṃ: scharf - Name der Nakṣatra-Klasse (n. 1/1). Dāruṇasaṃjñakam: mit dem Namen dāruṇa („schrecklich"); wörtl. dāruṇa (schrecklich) + saṃjñaka (so benannt) (n. 1/1). Tatra: darin, unter ihnen (avy.). Abhicāraghātograbhedāḥ: Schadenzauber, Totschlag, Grausames und Entzweiung; wörtl. abhicāra (Schadenzauber) + ghāta (Totschlag) + ugra (Grausames) + bheda (Entzweiung) (m. 1/3). Paśudamādikam: Tierbändigung und dergleichen; wörtl. paśu (Vieh) + dama (Zähmung) + ādika (und so fort) (n. 1/1).

Kollationiert aus drei Ausgaben (Chaukhambā/Pīyūṣadhārā, Nirṇaya-Sāgara, Venkateshvar). Der Kommentar löst bheda als das Entzweien zweier Menschen auf und paśudama als das Zureiten und Fesseln von Elefanten und Pferden.

Zur Kapitelzahl: man findet die Stelle als 97.7 und als 98.7 zitiert. Beides ist richtig — Kerns Ausgabe von 1865 zählt in diesem Bereich um eins höher als die neueren. Die Faustregel „Kern immer plus eins" stimmt allerdings nicht: der Versatz beginnt erst bei Kerns Zusatzkapitel 38; Kapitel 15 ist in allen geprüften Ausgaben Kapitel 15.

Ein anderes Kapitel der Bṛhat Saṃhitā ordnet den Nakṣatras Menschen- und Berufsgruppen zu; es geht dort um Vorzeichendeutung im grossen Massstab, nicht um Geburtsdeutung. Der Vers zu Āśleṣā ist der bemerkenswerteste der ganzen Reihe:

Bṛhat Saṃhitā 15.7

अहिदेवे कृत्रिमकन्दमूलफलकीटपन्नगविषाणि परधनहरणाभिरतास् तुषधान्यं सर्वभिषजश् च

ahideve kṛtrimakandamūlaphalakīṭapannagaviṣāṇi paradhanaharaṇābhiratās tuṣadhānyaṃ sarvabhiṣajaś ca

Beim Schlangen-Gestirn [Āśleṣā]: Künstliches, Knollen, Wurzeln, Früchte, Insekten, Schlangen und Gifte; die am Rauben fremden Guts ihre Lust haben, Spelzgetreide — und alle Ärzte.

Ahideve: beim Schlangengott-Gestirn, unter Āśleṣā; wörtl. ahi (Schlange) + deva (Gott) (n. 7/1). Kṛtrimakandamūlaphalakīṭapannagaviṣāṇi: Künstliches, Knollen, Wurzeln, Früchte, Insekten, Schlangen und Gifte; wörtl. kṛtrima (künstlich Gemachtes) + kanda (Knolle) + mūla (Wurzel) + phala (Frucht) + kīṭa (Insekt) + pannaga (Schlange) + viṣa (Gift) (n. 1/3). Paradhanaharaṇābhiratās: die am Rauben fremden Guts ihre Lust haben; wörtl. para (fremd) + dhana (Gut) + haraṇa (Wegnehmen) + abhirata (ergeben) (m. 1/3). Tuṣadhānyaṃ: Spelzgetreide; wörtl. tuṣa (Spelze, Hülse) + dhānya (Getreide) (n. 1/1). Sarvabhiṣajaś: alle Ärzte; wörtl. sarva (all) + bhiṣaj (Arzt, Heilkundiger) (m. 1/3). Ca: und (avy.).

Ausgabe H. Kern, Kalkutta 1865. Das Kapitel zählt von Kṛttikā an, Āśleṣā steht deshalb als siebtes.

Gifte und Ärzte in einem Vers — das ist die Beobachtung, die diesen Vers auszeichnet. Varāhamihira zählt Schlangen, Insekten und Gifte auf und setzt ans Ende sarvabhiṣajaḥ, „alle Ärzte", mit ausdrücklichem sarva. Bei Aśvinī, dem Gestirn der Götterärzte, steht vaidya ohne solchen Zusatz mitten in der Aufzählung. Der alte Zusammenhang ist der von Gift und Gegengift: die Heilkunde, die es mit Toxischem zu tun hat, gehört diesem Gestirn — und hinter der Śakti-Formel „die Kraft, das Gift anhaften zu lassen" steht dieselbe Erfahrung. Auch die Knollen und Wurzeln am Versanfang sind nicht zufällig da: sie sind der Stoff, aus dem Arznei wie Gift gemacht wird.

Der Jātaka-Pārijāta sagt, was ein unter Āśleṣā Geborener mitbekommt, und er sagt es hart:

Jātaka-Pārijāta 9.86 (in der Kashi-Zählung 9.87), Pāda a

सार्पे मूढमतिः कृतघ्नवचनः कोपी दुराचारवान्

sārpe mūḍhamatiḥ kṛtaghnavacanaḥ kopī durācāravān

Beim Schlangen-[Gestirn Āśleṣā wird man] stumpfen Verstandes, undankbar in der Rede, jähzornig und von schlechtem Wandel.

Sārpe: beim Schlangen-Gestirn, unter Āśleṣā (n. 7/1). Mūḍhamatiḥ: stumpfen Verstandes; wörtl. mūḍha (verwirrt, dumpf) + mati (Verstand) (m. 1/1). Kṛtaghnavacanaḥ: undankbar in der Rede; wörtl. kṛtaghna (undankbar, „das Getane vernichtend") + vacana (Rede) (m. 1/1). Kopī: jähzornig, zum Zorn geneigt (m. 1/1). Durācāravān: von schlechtem Wandel; wörtl. dur- (schlecht) + ācāra (Wandel, Lebensführung) + -vant (versehen mit) (m. 1/1).

Ausgabe V. Subrahmanya Sastri 1932, Bd. I, S. 627; die Kashi-Ausgabe zählt den Vers als 9.87. Nur der Sanskrit-Wortlaut ist hier wiedergegeben; die Aussage ist die des Textes, nicht die dieser Seite.

Die Parallelüberlieferung in Bṛhat Saṃhitā 100.5cd geht in dieselbe Richtung: śaṭhasarvabhakṣa°pāpaḥ kṛtaghnadhūrtaś ca bhaujaṅge — „hinterlistig, alles essend, schlecht, undankbar, betrügerisch". Das Zeichen ° steht dort für ein Glied des Kompositums, dessen Lesung in der zugrunde gelegten Textbasis als unsicher verzeichnet ist; es ist hier weggelassen statt geraten. Beide Werke stimmen in kṛtaghna, „undankbar", überein. Es ist unter den 27 Geburtsdeutungen eine der ungünstigsten, und das gilt für den Jātaka-Pārijāta wie für Varāhamihira.

Die Verse

Die älteste Stelle, die diesen Abschnitt nennt, steht in der Taittirīya-Saṃhitā — und sie nennt ihn Āśreṣā:

Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10.1

आश्रेषा नक्षत्रं सर्पा देवता

āśreṣā́ nákṣatraṁ sarpā́ devátā

Āśreṣā ist das Nakṣatra, die Schlangen sind die Gottheit.

Āśreṣā: Āśreṣā, ältere Namensform des 9. Nakṣatras Āśleṣā (f. 1/1). Nakṣatraṃ: Nakṣatra, Gestirn, Mondhaus (n. 1/1). Sarpā: die Schlangen - Plural, keine einzelne Gottheit (m. 1/3). Devatā: Gottheit (f. 1/1).

Wortlaut nach TITUS (akzentuierte Umschrift); Devanāgarī-Ausgabe bei sanskritdocuments.org. Die Liste zählt von Kṛttikā an, Āśreṣā steht dort als siebtes. Im laufenden Text ist der Name durch Sandhi mit dem vorangehenden Eintrag (Tiṣya) verschmolzen.

Das Taittirīya-Brāhmaṇa führt dieselbe Reihe, stellt aber die Gottheit in den Genitiv voran und fügt jedem Eintrag ein Begriffspaar bei — eines „oberhalb", eines „unterhalb":

Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1.2

सर्पाणाम् आश्रेषाः अभ्यागच्छन्तः परस्ताद् अभ्यानृत्यन्तो ऽवस्तात्

sarpā́ṇām āśreṣā́ḥ abhyāgácchantaḥ parástād abhyānŕ̥tyanto 'vástāt

Der Schlangen [sind] die Āśreṣās. Die Herankommenden [sind] oberhalb, die Herantanzenden unterhalb.

Sarpāṇām: der Schlangen (m. 6/3). Āśreṣāḥ: die Āśreṣās - Plural, ältere Namensform von Āśleṣā (f. 1/3). Abhyāgacchantaḥ: die Herankommenden (m. 1/3). Parastāt: oberhalb, darüber, jenseits (avy.). Abhyānṛtyanto: die Herantanzenden (m. 1/3). 'vastāt: unterhalb, darunter, diesseits (avy.).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Wortglossar hier erstellt.

Dieses Begriffspaar ist die Grundlage der Śakti-Angabe weiter oben. Auffällig ist, dass beide Glieder Partizipien sind und beide eine Bewegung auf jemanden zu bezeichnen — „herankommend", „herantanzend". Bei keinem anderen der 27 Nakṣatras stehen zwei Verbalformen nebeneinander; sonst sind es Dinge, Personen oder Zustände. Bhaṭṭabhāskara legt beides auf den Hergang eines Schlangenbisses aus: das Herannahen der Schlange und das Zittern des Gebissenen.

An anderer Stelle, in den Nakṣatreṣṭi-Versen des dritten Aṣṭaka, werden die Schlangen angerufen:

Taittirīya-Brāhmaṇa 3.1.1 (Nakṣatreṣṭi, Mantra 7)

इदं सर्पेभ्यो हविर् अस्तु जुष्टम् आश्रेषा येषाम् अनुयन्ति चेतः ये रोचने सूर्यस्यापि सर्पाः तेभ्यः सर्पेभ्यो मधुमज् जुहोमि

idáṁ sarpébhyo havír astu júṣṭam āśreṣā́ yéṣām anuyánti cétaḥ yé rocané sū́ryasya_ápi sarpā́ḥ tébhyaḥ sarpébhyo mádhumat juhomi

Diese Opfergabe sei den Schlangen willkommen, denen die Āśreṣās im Sinn folgen. Und die Schlangen, die im Lichtraum der Sonne sind: diesen Schlangen opfere ich das Honigreiche.

Idáṁ: dieses (pron. n. 1/1). Sarpébhyo: den Schlangen (m. 4/3). Havír: Opfergabe (n. 1/1). Astu: sei (loṭ III/1). Júṣṭam: willkommen, wohlgefällig (n. 1/1). Āśreṣā́: die Āśreṣās (f. 1/3). Yéṣām: deren, welchen (pron. m. 6/3). Anuyánti: folgen nach (laṭ III/3). Cétaḥ: Sinn, Denken (n. 2/1). : welche (pron. m. 1/3). Rocané: im Lichtraum, im leuchtenden Raum (n. 7/1). Sū́ryasya: der Sonne (m. 6/1). Ápi: auch (avy.). Sarpā́ḥ: die Schlangen (m. 1/3). Tébhyaḥ: diesen (pron. m. 4/3). Sarpébhyo: den Schlangen (m. 4/3). Mádhumat: das Honigreiche, die honigsüsse [Gabe] (n. 2/1). Juhomi: ich opfere, ich giesse ins Feuer (laṭ I/1).

Umschrift nach TITUS, Devanāgarī nach sanskritdocuments.org. Hier sind vier der acht Pādas des Mantras wiedergegeben; die übrigen nennen die Schlangen, „die den Luftraum und die Erde bewohnen", und bitten sie, dem Ruf zu folgen. Der Name lautet auch hier āśreṣā́, nicht āśleṣā, und die Gottheit sind die Schlangen im Plural.

Aus der neueren Lehrüberlieferung stammt der Merkvers, mit dem die Reihe der Nakṣatra-Namen gelernt wird; Āśleṣā steht darin an neunter Stelle, und dort mit dem jüngeren Namen:

Ārambha-Kursverse, Nakṣatra-Abschnitt 1

अश्विनी भरणी चैव कृत्तिका रोहिणी मृगः आर्द्रा पुनर्वसुः पुष्यस् ततो ऽश्लेषा मघा तथा

aśvinī bharaṇī caiva kṛttikā rohiṇī mṛgaḥ ārdrā punarvasuḥ puṣyas tato 'śleṣā maghā tathā

Aśvinī, Bharaṇī und Kṛttikā, Rohiṇī, Mṛga[śiras]; Ārdrā, Punarvasu, Puṣya, darauf Āśleṣā und ebenso Maghā.

Aśvinī: Aśvinī, 1. Nakṣatra (f. 1/1). Bharaṇī: Bharaṇī, 2. Nakṣatra (f. 1/1). Ca: und (avy.). Eva: eben (avy.). Kṛttikā: Kṛttikā, 3. Nakṣatra (f. 1/1). Rohiṇī: Rohiṇī, 4. Nakṣatra (f. 1/1). Mṛgaḥ: Mṛga(śiras), 5. Nakṣatra (m. 1/1). Ārdrā: Ārdrā, 6. Nakṣatra (f. 1/1). Punarvasuḥ: Punarvasu, 7. Nakṣatra (m. 1/1). Puṣyas: Puṣya, 8. Nakṣatra (m. 1/1). Tato: darauf (avy.). 'śleṣā: Āśleṣā, 9. Nakṣatra (f. 1/1). Maghā: Maghā, 10. Nakṣatra (f. 1/1). Tathā: ebenso (avy.).

Quelle ungeklärt (Ārambha-Kursmaterial, Pt. Sanjay Rath)

Grammatikangaben im Glossar sind unter Grammatik-Abkürzungen erklärt.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Angaben oben ruhen auf ungleichem Grund, und das soll sichtbar bleiben.

Sicher ist alles Rechnerische: die Gradgrenzen, die vier Pādas, ihre Navāṃśa-Zeichen, die Stellung im Rāśi Karka und der Herrscher Budha aus der Viṃśottarī-Reihe. Das ist gegen die eigene Berechnungsbibliothek geprüft.

Am Originalvers belegt sind: die Devatā — die Schlangen im Plural — und die ältere Namensform Āśreṣā (Taittirīya-Saṃhitā 4.4.10, Taittirīya-Brāhmaṇa 1.5.1 und 3.1.1), das Begriffspaar abhyāgacchantaḥ / abhyānṛtyantaḥ (ebenda), die Wesensart tīkṣṇa / dāruṇa samt Tätigkeiten (Bṛhat Saṃhitā 97.7, Muhūrta-Cintāmaṇi 2.8), die Menschengruppen (Bṛhat Saṃhitā 15.7), Gaṇa, Yoni und Nāḍī (Muhūrta-Cintāmaṇi 6.29, 6.26, 6.34), das Mukha (Muhūrta-Cintāmaṇi 2.9) und die Geburtsdeutung (Jātaka-Pārijāta 9.86).

Im Kommentar belegt, aber unvollständig: die Śakti. Der Name viṣāśleṣaṇa-śakti und die Auslegung der beiden Mūla-Glieder stehen bei Bhaṭṭabhāskara; das Ergebnisglied fehlt, und zwar als einziges unter allen 27 Formeln. Was die modernen Tabellen dort einsetzen, ist ihre Ergänzung und steht nicht im Text. Diese Lücke bleibt hier stehen. Anzumerken ist ausserdem, dass Bhaṭṭabhāskara den Namen von der Wurzel śliṣ im Sinne von „brennen" herleitet, nicht im geläufigen Sinn „anhaften" — und im Namen der Śakti dann doch āśleṣaṇa, „Anhaften", benutzt.

Strittig ist die Yogatārā: ε Hydrae nach Whitney und Burgess, α Cancri nach Colebrooke. Beide Positionen stehen bei benannten Autoritäten, und beide Kandidaten liegen bei allen fünf gebräuchlichen Ayanāṃśas im Abschnitt; die Frage ist also für die Lage folgenlos. Keine der beiden wird hier zur alleinigen erklärt. Burgess’ Einwand — α Cancri sei nicht das östliche Glied irgendeiner Fünfergruppe — wiegt; sein eigenes Zugeständnis, der Breitenfehler seiner Lösung sei „very considerable", wiegt ebenfalls.

Festzuhalten ist ferner, dass die Gruppe heute quer über der Abschnittsgrenze liegt: δ Hydrae fällt bei vier von fünf Ayanāṃśas in Puṣya, σ Hydrae bei einem. Wer eine Tabelle liest, die „Āśleṣā: δ, ε, η, ρ, σ Hydrae" sagt, sollte das wissen.

Nicht belegt und deshalb markiert oder weggelassen: die Himmelsrichtung; das Geschlecht der Yoni; die Namenssilben; das Symbol, sei es Schlange oder Rad; jede Zuschreibung an einen namentlich genannten Nāga.

Nicht geglättet wurde der Varṇa-Gegensatz: im Melāpaka brāhmaṇa über den Rāśi Karka, in der Bṛhat Saṃhitā 15.30 caṇḍāla über die Nakṣatra-Liste. Das ist die weiteste Spanne, die im ganzen System vorkommt; beide Angaben sind für sich richtig und beantworten verschiedene Fragen.

Was noch offen ist: ob eine Handschrift Bhaṭṭabhāskaras das fehlende Ergebnisglied doch enthält — das wäre der eine Fund, der diesem Portrait am meisten nützte; und ob sich der Streit um die Yogatārā aus einer indischen Quelle entscheiden lässt, statt aus der Plausibilität der Figur.