Sūrya

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सूर्य 1. Graha · Herr von Siṃha · Ucca Meṣa 10° · Viṃśottarī 6 Jahre

Sūrya ist der erste der neun Grahas und der einzige, den keiner der Texte an zweiter Stelle nennt. In der Jyotiṣa ist er der König unter den Grahas und die Seele (ātman) des Zeitmenschen; am Himmel ist er der Massstab, an dem alle anderen gemessen werden — seine Bahn ist die Ekliptik, in deren Zeichen die übrigen stehen. Dieses Portrait stellt zusammen, was die klassischen Werke über ihn sagen, und hält auseinander, wo sie verschieden reden.

Namen

Das Wort sūrya ist alt und durchsichtig: es gehört zu svar, „Sonne, Himmelslicht", und hat Verwandte in fast allen indogermanischen Sprachen. Der Kurs liest den Namen auch als su + ārya, „der Edle"; das ist eine Lehrdeutung im Stil des Nirukta, keine grammatische Herleitung, und als solche hier genannt.

Die Synonymlisten der Lehrbücher sind lang. Bṛhajjātaka 2.2 und Sārāvalī 4.10 nennen Heli neben Sūrya und Bhānu; Jātaka-Pārijāta 2.3 fügt Tapana, Dinakṛt, Pūṣan, Aruṇa und Arka hinzu, die Bṛhat Saṃhitā gebraucht Sahasrāṃśu, „der Tausendstrahlige", Bhāskara und Ravi. In der Beschreibung seiner Gestalt (Bṛhajjātaka 2.8) heisst er Savitṛ, der „Antreiber" — so der Name des Gottes, dem im Ṛgveda der Vers gilt, der später zum Sūrya-Mantra wurde (unten).

Heli ist kein Sanskritwort. Es ist das griechische Hḗlios und gehört zu einer Handvoll Planetennamen, die mit der hellenistischen Astrologie nach Indien kamen (Āra für Maṅgala aus Árēs, Āsphujit für Śukra aus Aphrodítē). Varāhamihira führt sie neben den einheimischen Namen, als gelehrte Nebenformen; im Gebrauch haben sie sich nicht gehalten.

Der Steckbrief

Die Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten. Die Leitfassung ist die des Kurses, der das Bṛhat-Parāśara-Horāśāstra (BPHS) in einer eigenen Fassung lehrt; wo die anderen Werke etwas hinzufügen, steht es mit ihrer Stelle. Spätere Überlieferung (Pūjā, Purāṇa) folgt in einem eigenen Abschnitt.

Kālapuruṣaātman, die Seele des Zeitmenschen BPHS 3.12; Bṛhajjātaka 2.1; Sārāvalī 4.1
HofstaatKönig (mit Candra) BPHS 3.14; Bṛhajjātaka 2.1; Sārāvalī 4.7; Yavanajātaka 1.116
Naturkrūra, von Natur übeltätig — nach der Kurslehre zwar krūra, aber puṇya, nicht pāpa BPHS 3.11; Bṛhajjātaka 2.5; Kurs
Geschlechtmännlich BPHS 3.19; Bṛhajjātaka 2.6; Sārāvalī 4.14
TattvaFeuer (Licht) Kurs; Phaladīpikā 2.27 — BPHS 3.20 zählt die Tattvas erst ab Maṅgala
VarṇaKṣatriya BPHS 3.21 und alle übrigen Werke
Guṇasattva BPHS 3.22; Bṛhajjātaka 2.7; Phaladīpikā 2.24
Doṣapitta BPHS 3.23; Bṛhajjātaka 2.8; Sārāvalī 4.21
Körperfarberot-dunkel (raktaśyāma) BPHS 3.16; Bṛhajjātaka 2.4; Sārāvalī 4.21
Farbekupfern (tāmra) Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.12; Yavanajātaka 1.120
DevatāAgni (vahni) BPHS 3.18; Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.12
DhātuKnochen (asthi) BPHS 3.31; Bṛhajjātaka 2.11; Sārāvalī 4.21
OrtTempel (devālaya) BPHS 3.32; Bṛhajjātaka 2.12; Sārāvalī 4.15
Kleidungrote Seide (raktakṣauma); nach anderer Überlieferung saflorrot (kausumbha), grob gewebt BPHS 3.43; Sārāvalī 4.16, 4.21; Phaladīpikā 2.8
MetallKupfer (tāmra) — hier stimmen alle Reihen überein Bṛhajjātaka 2.12; Sārāvalī 4.16; Phaladīpikā 2.30
EdelsteinRubin (māṇikya) Phaladīpikā 2.29; Jātaka-Pārijāta 2.21; Kurs
GetreideWeizen (godhūma) Phaladīpikā 2.28
JahreszeitGrīṣma, der heisse Sommer (mit Maṅgala) BPHS 3.45; Bṛhajjātaka 2.12
Rasascharf (kaṭu) BPHS 3.34; Bṛhajjātaka 2.14; Sārāvalī 4.15
ZeitmassAyana, das Halbjahr BPHS 3.33; Bṛhajjātaka 2.14
Lebensalter50 Jahre; im Kurs der Vater Phaladīpikā 2.32; Jātaka-Pārijāta 2.14; Kurs
VerwandtschaftVater; das rechte Auge Yavanajātaka 1.121; Phaladīpikā 2.25
SinnGestalt (rūpa), das Sehen Phaladīpikā 2.26
Pflanzenmassige, kernharte Bäume BPHS 3.39; Phaladīpikā 2.37
Weltdie der Pitṛs (mit Maṅgala) Sārāvalī 4.20
Tageszeitstark am Tag, am stärksten zu Mittag BPHS 3.36; Sārāvalī 4.39 = Yavanajātaka 1.86
Naisargika-Balader stärkste der sieben BPHS 3.38; Bṛhajjātaka 2.21
Dig-Balaim 10. Haus, im Süden BPHS 3.35; Bṛhajjātaka 2.19
RichtungsherrOsten Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.8; Phaladīpikā 2.16
Dṛṣṭinur das 7. Haus voll Bṛhajjātaka 2.13; Kurs (BPHS 9)
WochentagRavivāra, der Sonntag Sūrya-Siddhānta 12.78; Rechnung
Viṃśottarī6 Jahre; Herr von Kṛttikā, Uttara-Phalgunī und Uttara-Āṣāḍhā Viṃśottarī-Reihe; Rechnung
Bewegungsama, gleichmässig; nie rückläufig Kurs; Rechnung

Wo die Quellen auseinandergehen

Die Richtung. Drei verschiedene Systeme ordnen den Grahas Himmelsrichtungen zu, und sie dürfen nicht vermischt werden. Nach dem Richtungs-Bala (dig-bala) ist Sūrya im Süden stark, das heisst im 10. Haus, wo er mittags steht (BPHS 3.35). Als Herr einer Richtung regiert er den Osten (Bṛhajjātaka 2.5, Sārāvalī 4.8) — dort geht er auf. Im Maṇḍala der Navagraha-Verehrung schliesslich steht er in der Mitte, die anderen acht um ihn herum (Matsya-Purāṇa 93.11).

Die Stärke im Halbjahr. BPHS 3.37 sagt in der Kursfassung, die Übeltäter seien im südlichen Halbjahr (dakṣiṇāyana) stark — Sūrya als krūra also dort. Das Bṛhajjātaka (2.20), die Sārāvalī (4.37), das Jātaka-Pārijāta (2.36) und das Yavanajātaka (1.84) sagen dagegen einhellig, Sūrya sei im nördlichen Halbjahr stark, wenn er höher steigt. Die Sārāvalī-Stelle steht wörtlich schon im Yavanajātaka; sie ist die ältere Fassung dieser Regel.

Die Gottheit. Agni ist die Devatā Sūryas bei Parāśara, Varāhamihira und Kalyāṇavarman. Die Phaladīpikā (2.27) nennt stattdessen Rudra. Die Navagraha-Pūjā kennt beide: im Matsya-Purāṇa ist Īśvara (Śiva) die adhidevatā, Agni die pratyadhidevatā. Der Kurs verwendet dieselben zwei Namen, aber mit vertauschten Begriffen — Agni als „Adi-", Śiva als „Pratyādi-Devatā".

Die Freunde. Seit Varāhamihira, der die Regel einem älteren Lehrer namens Satya zuschreibt (Bṛhajjātaka 2.15), sind Candra, Maṅgala und Guru Sūryas Freunde, Budha neutral, Śukra und Śani Feinde. Das Yavanajātaka (1.107) kennt nur Guru als Freund.

Das Doṣa. Alle indischen Texte nennen Sūrya rein pitta; das Yavanajātaka (1.113) gibt ihm pitta und kapha.

Die Gestalt

Drei Texte beschreiben Sūrya, als stünde er vor einem. Sie stimmen im Kern überein: honigbraune Augen, ein viereckiger, ebenmässiger Körper, wenig Haar, eine Konstitution, in der das feurige Pitta vorherrscht. Die Kursfassung des BPHS fügt Reinheit und Einsicht hinzu (3.23):

BPHS 3.23

मधुपिङ्गलदृक्सूर्यश्चतुरस्रः शुचिर्द्विज । पित्तप्रकृतिको धीमान् पुमानल्पकचो द्विज ॥ 3.23॥

madhupiṅgaladṛksūryaścaturasraḥ śucirdvija । pittaprakṛtiko dhīmān pumānalpakaco dvija ॥ 3.23॥

Mit honiggelben Augen ist Sūrya, welcher viereckig ist und von hoher Reinheit, oh Zweifachgeborener. Von biliösem Naturell, mit Einsicht begabt, männlich mit kurzem Haar, oh Zweifachgeborener.

Madhupiṅgaladṛk: mit honigbraunen Augen; wörtl. madhu (Honig) + piṅgala (gelbbraun) + dṛś (Auge) (m. 1/1). Sūryaś: Sūrya (m. 1/1). Caturasraḥ: viereckig, ebenmässig gebaut (m. 1/1). Śucir: rein (m. 1/1). Dvija: o Zweimalgeborener (Anrede an Maitreya) (m. 8/1). Pittaprakṛtiko: von Pitta-Natur; wörtl. pitta (das feurige Doṣa) + prakṛti (Konstitution) (m. 1/1). Dhīmān: einsichtig, klug (m. 1/1). Pumān: männlich, ein Mann (m. 1/1). Alpakaco: mit wenig Haar; wörtl. alpa (wenig) + kaca (Haupthaar) (m. 1/1). Dvija: o Zweimalgeborener (m. 8/1).

Kursfassung (latexusepackage/Jyotish/bphs.sty), Übersetzung nach der shloka-Datenbank; Glossar neu 2026-10-21

Varāhamihira sagt dasselbe in einer einzigen Verszeile und stellt den Mond gleich daneben (Bṛhajjātaka 2.8):

Bṛhajjātaka 2.8 (GRETIL, nach der Ausgabe Oriental Books Reprint Corporation, 2. Aufl. 1979)

मधुपिङ्गलदृक् चतुरस्रतनुः पित्तप्रकृतिः सविताल्पकचः । तनुवृत्ततनुर् बहुवातकफः प्राज्ञश् च शशी मृदुवाक् शुभदृक् ॥

madhupiṅgaladṛk caturasratanuḥ pittaprakṛtiḥ savitālpakacaḥ । tanuvṛttatanur bahuvātakaphaḥ prājñaś ca śaśī mṛduvāk śubhadṛk ॥

Savitṛ hat honigbraune Augen, einen viereckigen Körper, Pitta-Natur und wenig Haar. Śaśin ist schlank und rund, reich an Vāta und Kapha, klug, von sanfter Rede und glückverheissendem Blick.

Madhupiṅgaladṛk: mit honigbraunen Augen; wörtl. madhu (Honig) + piṅgala (gelbbraun) + dṛś (Auge) (m. 1/1). Caturasratanuḥ: mit viereckigem Körper; wörtl. caturasra (viereckig) + tanu (Körper) (m. 1/1). Pittaprakṛtiḥ: von Pitta-Natur; wörtl. pitta (das feurige Doṣa) + prakṛti (Konstitution) (m. 1/1). Savitālpakacaḥ: Savitṛ (die Sonne, Sūrya), mit wenig Haar; wörtl. alpa (wenig) + kaca (Haupthaar) (m. 1/1). Tanuvṛttatanur: mit schlankem und rundem Körper; wörtl. tanu (schlank) + vṛtta (rund) + tanu (Körper) (m. 1/1). Bahuvātakaphaḥ: reich an Vāta und Kapha; wörtl. bahu (viel) + vāta (das luftige Doṣa) + kapha (das schleimige Doṣa) (m. 1/1). Prājñaś: klug, verständig (m. 1/1). Ca: und (avy.). Śaśī: der Hasenträger: Candra (m. 1/1). Mṛduvāk: von sanfter Rede; wörtl. mṛdu (sanft) + vāc (Rede) (m. 1/1). Śubhadṛk: mit glückverheissendem Blick; wörtl. śubha (glückverheissend) + dṛś (Blick) (m. 1/1).

GRETIL sa_varAhamihira-bRhajjAtaka; Übersetzung Yogi Narasimha

Am ausführlichsten ist Kalyāṇavarmans Sārāvalī (4.21). Sie kennt auch das Gewand, saflorrot, und den Stoff, aus dem Sūryas Körper vor allem besteht, die Knochen:

Sārāvalī 4.21 (Ausgabe V. Subrahmanya Sastri, Nirṇayasāgara-Presse, Bombay 1907)

स्वल्पाकुञ्चितमूर्धजः पटुमतिर् मुख्यस्वरूपस्वनो नात्युच्चो मधुपिङ्गचारुनयनः शूरः प्रचण्डः स्थिरः । रक्तश्यामतनुर् निगूढचरणः पित्तास्थिसारो महान् गम्भीरश् चतुरस्रकः पृथुकरः कौसुम्भवासा रविः ॥

svalpākuñcitamūrdhajaḥ paṭumatir mukhyasvarūpasvano nātyucco madhupiṅgacārunayanaḥ śūraḥ pracaṇḍaḥ sthiraḥ । raktaśyāmatanur nigūḍhacaraṇaḥ pittāsthisāro mahān gambhīraś caturasrakaḥ pṛthukaraḥ kausumbhavāsā raviḥ ॥

Ravi hat spärliches, leicht gelocktes Haar und einen scharfen Verstand, ist von vorzüglicher Gestalt und Stimme, nicht allzu hoch gewachsen, hat schöne honigbraune Augen, ist tapfer, heftig und beständig; sein Körper ist rot-dunkel, seine Füsse sind verborgen, er ist von Pitta-Natur, die Knochen sind sein Kernstoff; er ist gross, ernst, viereckig, breithändig und trägt ein saflorrotes Gewand.

Svalpākuñcitamūrdhajaḥ: mit spärlichem, leicht gelocktem Haar; wörtl. svalpa (sehr wenig) + ākuñcita (gekräuselt) + mūrdhaja (Haupthaar) (m. 1/1). Paṭumatir: von scharfem Verstand; wörtl. paṭu (scharf, geschickt) + mati (Verstand) (m. 1/1). Mukhyasvarūpasvano: von vorzüglicher Gestalt und Stimme; wörtl. mukhya (vornehmst) + svarūpa (Gestalt) + svana (Stimme) (m. 1/1). Nātyucco: nicht allzu hoch gewachsen; wörtl. na (nicht) + ati (allzu) + ucca (hoch) (m. 1/1). Madhupiṅgacārunayanaḥ: mit schönen honigbraunen Augen; wörtl. madhu (Honig) + piṅga (gelbbraun) + cāru (schön) + nayana (Auge) (m. 1/1). Śūraḥ: tapfer (m. 1/1). Pracaṇḍaḥ: heftig, ungestüm (m. 1/1). Sthiraḥ: fest, beständig (m. 1/1). Raktaśyāmatanur: mit rot-dunklem Körper; wörtl. rakta (rot) + śyāma (dunkel) + tanu (Körper) (m. 1/1). Nigūḍhacaraṇaḥ: mit verborgenen Füssen (Sinn unsicher); wörtl. nigūḍha (verborgen) + caraṇa (Fuss) (m. 1/1). Pittāsthisāro: von Pitta-Natur, die Knochen als Kernstoff; wörtl. pitta (das feurige Doṣa) + asthi (Knochen) + sāra (Kern, Wesensstoff) (m. 1/1). Mahān: gross, bedeutend (m. 1/1). Gambhīraś: tief, ernst (m. 1/1). Caturasrakaḥ: viereckig von Gestalt (m. 1/1). Pṛthukaraḥ: breithändig; wörtl. pṛthu (breit) + kara (Hand) (m. 1/1). Kausumbhavāsā: im saflorroten Gewand; wörtl. kausumbha (mit Saflor gefärbt) + vāsas (Gewand) (m. 1/1). Raviḥ: Ravi: Sūrya (m. 1/1).

Wortlaut nach der Ausgabe 1907 (sa.wikisource ist eine Abschrift davon), nicht am Seitenbild geprüft; Übersetzung Yogi Narasimha

Würden und Beziehungen

WürdeZeichenGradQuelle
SvakṣetraSiṃha20°–30°BPHS 3.51
MūlatrikoṇaSiṃha0°–20°BPHS 3.51; Bṛhajjātaka 1.14 (nur das Zeichen)
UccaMeṣahöchste Erhöhung bei 10°BPHS 3.49–50; Bṛhajjātaka 1.13; Sārāvalī 3.35–36
NīcaTulātiefster Fall bei 10°ebenda (das 7. Zeichen vom Ucca)

Die Kursfassung des BPHS hat genau die Verse über Erhöhung, Mūlatrikoṇa und Freundschaft nicht (3.48–60 fehlen). Sie sind hier nach einer anderen Fassung angeführt; ihre Werte bestätigen die Übersetzung Santhanams, die Bombayer Ausgabe von 1923 und das Bṛhajjātaka. Der Vers für Sūryas Mūlatrikoṇa:

BPHS 3.51 — fehlt in der Kursfassung; Wortlaut nach enjoylearningsanskrit.com (ohne Ausgabe), Werte bestätigt durch Santhanam (Bd. 1, 1984) und die Veṅkaṭeśvara-Ausgabe 1923

रवेः सिंहे नखांशाश् च त्रिकोणम् अपरे स्वभम् । उच्चम् इन्दोर् वृषे त्र्यंशास् त्रिकोणम् अपरे ऽंशकाः ॥

raveḥ siṃhe nakhāṃśāś ca trikoṇam apare svabham । uccam indor vṛṣe tryaṃśās trikoṇam apare 'ṃśakāḥ ॥

Für Ravi sind in Siṃha die ersten zwanzig Grade Mūlatrikoṇa, die übrigen eigenes Zeichen. Der Ucca Indus liegt in Vṛṣabha auf den ersten drei Graden; die übrigen Grade sind Mūlatrikoṇa.

Raveḥ: Ravis, Sūryas (m. 6/1). Siṃhe: in Siṃha (m. 7/1). Nakhāṃśāś: die zwanzig Grade; wörtl. nakha (Nagel, Zahlwort für 20) + aṃśa (Grad) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Trikoṇam: Mūlatrikoṇa (n. 1/1). Apare: die übrigen (m. 1/3). Svabham: eigenes Zeichen; wörtl. sva (eigen) + bha (Zeichen) (n. 1/1). Uccam: Erhöhung, Ucca (n. 1/1). Indor: Indus, Candras (m. 6/1). Vṛṣe: in Vṛṣabha (m. 7/1). Tryaṃśās: drei Grade; wörtl. tri (drei) + aṃśa (Grad) (m. 1/3). Trikoṇam: Mūlatrikoṇa (n. 1/1). Apare: die übrigen (m. 1/3). 'ṃśakāḥ: Grade (m. 1/3).

Wortlaut nach enjoylearningsanskrit.com (Kapitel 3, ohne Angabe der Druckausgabe); Übersetzung Yogi Narasimha

Freunde sind Candra, Maṅgala und Guru; neutral ist Budha; Feinde sind Śukra und Śani. Die Regel dahinter: vom eigenen Mūlatrikoṇa aus gezählt sind die Herren des 2., 4., 5., 8., 9. und 12. Zeichens und des Ucca-Zeichens Freunde (BPHS 3.55; Bṛhajjātaka 2.15 schreibt sie Satya zu).

Was Sūrya anzeigt

Die Kursfassung des BPHS hat keine Liste der Dinge, für die ein Graha steht; sie nennt seine Rollen (Seele, König) und die Zuordnungen oben. Die Listen stehen in den späteren Lehrbüchern. Das Jātaka-Pārijāta (2.49) nennt für Sūrya das Selbst, den Vater, die Gesundheit und die Kraft; die Phaladīpikā (2.1) zählt weiter auf: Kupfer und Gold, Heiterkeit, Tapferkeit, Macht, Sieg, Königsdienst, Ruhm, Śiva-Verehrung, Reisen durch Wald und Gebirge, Feueropfer und Tempel. Als Bhāva-Kāraka steht er für das 1., das 9. und — neben anderen — das 10. Haus (Jātaka-Pārijāta 2.51–52).

Die Bṛhat Saṃhitā weist jedem Graha Länder, Menschen und Waren zu (16.1–5). Sūrya gehören der Osten Indiens — Kaliṅga, Vaṅga, Magadha und weitere —, dazu Krieger, Ärzte, Hirten, Fürsten und Diebe, und an Waren Gold, Feuer, Gift und Heilmittel. Es ist eine andere Linie als die des Königs: Sūrya erscheint hier als Herr des Feuers und der Wildnis.

Vedische und spätere Überlieferung

Bei der Verehrung der neun Grahas wird für jeden ein Vers aus dem Veda gesprochen. Für Sūrya ist es ā kṛṣṇena rajasā — und darin sind sich alle Fassungen einig: die Yājñavalkya-Smṛti (1.300), die älteste Stelle, an der die neun Verse zusammenstehen, das Matsya-Purāṇa (93) und das Garuḍa-Purāṇa.

Ṛgveda 1.35.2 (= Vājasaneyi-Saṃhitā 33.43); Ṛṣi Hiraṇyastūpa Āṅgirasa, Triṣṭubh, Devatā Savitṛ; Akzente nach TITUS

आ कृष्णेन रजसा वर्तमानो निवेशयन्न् अमृतम् मर्त्यं च । हिरण्ययेन सविता रथेना देवो याति भुवनानि पश्यन् ॥

ā́ kṛṣṇéna rájasā vártamāno niveśáyann amṛ́tam mártyaṃ ca । hiraṇyáyena savitā́ ráthenā́ devó yāti bhúvanāni páśyan ॥

Durch den dunklen Raum heranfahrend, Unsterbliches und Sterbliches zur Ruhe bringend, kommt Savitṛ, der Gott, auf goldenem Wagen und blickt auf alle Wesen.

Ā: heran (avy.). Kṛṣṇena: dunkel, schwarz (n. 3/1). Rajasā: Luftraum, Dunstraum (n. 3/1). Vartamāno: sich bewegend, fahrend (Part. Präs. Med. von √vṛt) (m. 1/1). Niveśayann: zur Ruhe bringend (Part. Präs., Kausativ von ni-√viś) (m. 1/1). Amṛtam: das Unsterbliche (n. 2/1). Martyaṃ: das Sterbliche (n. 2/1). Ca: und (avy.). Hiraṇyayena: golden (m. 3/1). Savitā: Savitṛ, der Antreiber (Sonnengott) (m. 1/1). Rathenā: mit dem Wagen (Auslaut metrisch gedehnt) (m. 3/1). Devo: der Gott (m. 1/1). Yāti: fährt, kommt (laṭ III/1). Bhuvanāni: die Welten, die Wesen (n. 2/3). Paśyan: schauend (Part. Präs. von √paś) (m. 1/1).

Akzentuierter Text nach TITUS; Zuordnung zu Sūrya nach Yājñavalkya-Smṛti 1.300; Übersetzung Yogi Narasimha

Der Vers gilt im Ṛgveda nicht Sūrya, sondern Savitṛ, dem „Antreiber", und er beschreibt nicht den Tag, sondern die Fahrt durch den dunklen Raum, die Götter und Menschen zur Ruhe bringt. Dass gerade er zum Sūrya-Vers wurde, ist sachlich naheliegend — Savitṛ ist ein Sonnengott —, aber nirgends begründet.

Zur selben Pūjā gehören weitere Zuordnungen. Sie sind jünger als die Lehrbücher und nur in dieser Schicht belegt:

AttributAngabeQuelle
Bildaus KupferYājñavalkya-Smṛti 1.297
Gestalt, Gefährtauf dem Lotos; Wagen mit sieben RossenMatsya-Purāṇa 94.1; Viṣṇudharmottara
Farbe der GabenrotMatsya-Purāṇa 93.17
OpferholzArka (Calotropis)Yājñavalkya-Smṛti 1.302 und alle Parallelen
OpferspeiseReis mit Rohzucker (guḍaudana)Yājñavalkya-Smṛti 1.304; Matsya-Purāṇa 93
Gabe an den Priestereine Kuh, im Matsya-Purāṇa eine brauneYājñavalkya-Smṛti 1.306; Matsya-Purāṇa 93.60
Adhi-/PratyadhidevatāĪśvara / AgniMatsya-Purāṇa 93.13–16
Ort im MaṇḍalaMitteMatsya-Purāṇa 93.11

Der Rubin als Stein Sūryas ist in dieser Pūjā-Literatur nicht belegt; die früheste hier gefundene Edelsteinreihe ist die der Phaladīpikā (2.29), eines Werks des späten Mittelalters. Der Kurs lehrt dieselbe Reihe.

Am Himmel

Sūrya hat keine Umlaufzeit, die ihm selbst gehört: was von der Erde aus als sein Weg durch die Zeichen erscheint, ist der Umlauf der Erde. Ein siderisches Jahr — bis die Sonne wieder vor demselben Stern steht — dauert 365,256 Tage. Der Sūrya-Siddhānta rechnet 365,258756 Tage, nur dreieinhalb Minuten zu viel; seine Werte für Sūrya und Candra gehören zu den genauesten der vormodernen Astronomie.

Aus derselben Quelle stammt die Ordnung der Wochentage. Der Sūrya-Siddhānta reiht die Grahas nach ihren Bahnen, von aussen nach innen: Śani, Guru, Maṅgala, Sūrya, Śukra, Budha, Candra. Jeder vierte dieser Reihe ist Herr des nächsten Tages (12.78): auf Śani folgt Sūrya, auf Sūrya Candra — Samstag, Sonntag, Montag.

Sūrya läuft nie rückläufig. Er ist mit −26,7 Magnituden das hellste Gestirn, sein Durchmesser misst 1,39 Millionen Kilometer, und sein Abstand zur Erde schwankt zwischen 147,1 und 152,1 Millionen Kilometern; darum ist auch sein scheinbarer Durchmesser nicht konstant (zwischen 31,5 und 32,5 Bogenminuten).

Varāhamihira hat an Sūrya etwas beobachtet, das die ältere Überlieferung nicht kannte (Bṛhat Saṃhitā 3.1–2): Nach den alten Śāstras begann das südliche Halbjahr in der Mitte von Āśleṣā, das nördliche am Anfang von Dhaniṣṭhā. Zu seiner Zeit begann es mit Karka und Makara. Die Abweichung, schreibt er, lasse sich durch Beobachtung nachprüfen. Das ist die Präzession — die langsame Wanderung der Wendepunkte gegen die Sterne, die heute den Unterschied zwischen siderischem und tropischem Tierkreis ausmacht.

Die Verse

Alle Verse dieser Seite stehen oben im Zusammenhang: BPHS 3.23 und 3.51, Bṛhajjātaka 2.8, Sārāvalī 4.21 und Ṛgveda 1.35.2. Jeder trägt sein Wort-für-Wort-Glossar; sie stehen in der Datenbank, aus der auch die Studien-PDFs gesetzt werden.

Zur Quellenlage dieses Portraits

Die Leitfassung ist die des Kurses: das BPHS in der Fassung, die der Unterricht verwendet. Wo diese Fassung schweigt — bei den Würden und den Freundschaften fehlen ihr dreizehn Verse —, steht die Angabe nach einer anderen Fassung, deren Werte drei Druckzeugen bestätigen. Daneben sind gelesen: das Bṛhajjātaka und die Bṛhat Saṃhitā Varāhamihiras (GRETIL), die Sārāvalī (Ausgabe 1907), die Phaladīpikā (Ausgaben Ojha und Sastri), das Jātaka-Pārijāta (Ausgabe Sastri 1932), das Yavanajātaka (in Pingrees Übersetzung), die Yājñavalkya-Smṛti und das Matsya-Purāṇa (GRETIL) sowie der Sūrya-Siddhānta (Burgess). Die astronomischen Werte stammen aus den Datenblättern der NASA und sind mit der eigenen Rechenbibliothek nachgerechnet. Offen ist die Position Sanjay Raths zu den Abweichungen oben; sie wird nachgetragen.