Śani
Studien-PDF herunterladenशनि 7. Graha · Herr von Makara und Kumbha · Ucca Tulā 20° · Viṃśottarī 19 Jahre
Śani ist der letzte der sieben alten Grahas, der Diener am Hof, der Älteste und der Langsamste. Er steht für Leid, Mangel, Alter und Tod, für Dauer und für das, was bleibt, wenn alles Überflüssige abgefallen ist. Am Himmel ist er der äusserste Planet, den das blosse Auge sieht, und er braucht fast dreissig Jahre für einen Umlauf. Dieses Portrait stellt zusammen, was die klassischen Werke über ihn sagen, und hält auseinander, wo sie verschieden reden.
Namen
Śani ist verkürzt aus Śanaiścara, dem „langsam Gehenden", und das ist die grammatische Herleitung. Der Kurs liest den Namen anders: Śani bedeute „Gold", und das Metall Gold stehe für Gesundheit, weil Śani den Mangel beherrscht, die Krankheit aber eine Art Armut sei. Das ist eine Lehrdeutung im Stil des Nirukta, keine grammatische Herleitung, und als solche hier genannt.
Die Synonymlisten sind lang. Bṛhajjātaka 2.2 nennt Koṇa, Manda, Sūryaputra und Asita; die Sārāvalī (4.11) Manda, Koṇa, Yama und Kṛṣṇa; das Jātaka-Pārijāta (2.3) Chāyāsūnu, Taraṇitanaya, Koṇa, Ārki und Manda; die Bṛhat Saṃhitā Arkaja, Ravija, Saura und Śanaiścara; der Kursvers BPHS 3.29 Śauri, die Sārāvalī (4.27) Bhāskari. Fast alle sagen: der Sohn der Sonne. Manda heisst „der Träge", Asita und Kṛṣṇa „der Schwarze".
Koṇa ist ein Lehnname, aber nur wahrscheinlich. Monier-Williams führt das Wort als den Planeten Saturn nach dem griechischen Krónos; es gehört damit zu der Handvoll Planetennamen, die mit der hellenistischen Astrologie nach Indien kamen (Heli aus Hḗlios, Āra aus Árēs, Āsphujit aus Aphrodítē). Das Sanskritwort koṇa bedeutet aber auch „Ecke" und gilt bei Weber als altes einheimisches Wort, getrennt von trikoṇa, dem griechischen trígōnon. Ob Śanis Name aus dem Griechischen kommt oder ein Zusammenfall ist, bleibt offen; als Lehnname ist Koṇa der am wenigsten sichere der Reihe.
Der Steckbrief
Die Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Schichten. Die Leitfassung ist die des Kurses, der das Bṛhat-Parāśara-Horāśāstra (BPHS) in einer eigenen Fassung lehrt; wo die anderen Werke etwas hinzufügen, steht es mit ihrer Stelle. Spätere Überlieferung (Pūjā, Purāṇa) folgt in einem eigenen Abschnitt.
| Kālapuruṣa | duḥkha, das Leid des Zeitmenschen BPHS 3.13; Bṛhajjātaka 2.1; Sārāvalī 4.1; Jātaka-Pārijāta 2.1 |
|---|---|
| Hofstaat | Diener (preṣya) BPHS 3.15; Bṛhajjātaka 2.1; Sārāvalī 4.7; Yavanajātaka 1.116; Kurs |
| Natur | krūra, übeltätig; im Kurs pāpa BPHS 3.11; Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.9; Phaladīpikā 2.27; Yavanajātaka 1.109; Kurs |
| Geschlecht | neutrum (klība) BPHS 3.19; Bṛhajjātaka 2.6; Sārāvalī 4.14 |
| Tattva | Wind (vāyu) BPHS 3.20; Bṛhajjātaka 2.6; Yavanajātaka 1.111 |
| Varṇa | Śūdra (Kurs); nach anderer Überlieferung antyaja oder miśra BPHS 3.21; Yavanajātaka 1.117–118 · Bṛhajjātaka 2.7; Sārāvalī 4.14; Phaladīpikā 2.24 |
| Guṇa | tamas BPHS 3.22; Bṛhajjātaka 2.7; Phaladīpikā 2.24 |
| Doṣa | vāta BPHS 3.29; Bṛhajjātaka 2.11; Sārāvalī 4.27; Phaladīpikā 2.14 |
| Körperfarbe | schwarz (kṛṣṇa) BPHS 3.17; Bṛhajjātaka 2.4; Sārāvalī 4.27 |
| Augen | gelbbraun (piṅga, kapila), nach Sārāvalī und Phaladīpikā tiefliegend; nicht blau BPHS 3.29; Bṛhajjātaka 2.11; Sārāvalī 4.27; Yavanajātaka 1.135 |
| Farbe | schwarz (asita) Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.12; Yavanajātaka 1.120 |
| Devatā | Ka, d. h. Prajāpati (Brahmā) BPHS 3.18; Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.12 |
| Dhātu | Sehnen (snāyu) BPHS 3.31; Bṛhajjātaka 2.11; Jātaka-Pārijāta 2.28 |
| Ort | Kehrichthaufen (utkara); der Ameisenhügel, mit Rāhu und Ketu BPHS 3.32, 3.41; Bṛhajjātaka 2.12; Jātaka-Pārijāta 2.24 |
| Kleidung | bunt (citra) und paṭṭa (Kurs); nach anderer Überlieferung schwarz; im Zustand zerrissen BPHS 3.44 · Sārāvalī 4.27; Phaladīpikā 2.14 · Sārāvalī 4.16; Bṛhajjātaka 2.12 |
| Metall | Eisen (ayas) — hier stimmen alle Reihen überein Bṛhajjātaka 2.12; Sārāvalī 4.16; Phaladīpikā 2.30; Yājñavalkya-Smṛti 1.297 |
| Edelstein | blauer Saphir (nīla) Phaladīpikā 2.29; Jātaka-Pārijāta 2.21; Kurs |
| Getreide | Sesam (tila) Phaladīpikā 2.28 |
| Jahreszeit | Śiśira, die kalte Jahreszeit BPHS 3.46; Bṛhajjātaka 2.12; Sārāvalī 4.17 |
| Rasa | herb (kaṣāya) BPHS 3.34; Bṛhajjātaka 2.14; Sārāvalī 4.15 |
| Zeitmass | das Jahr (samā) BPHS 3.33; Bṛhajjātaka 2.14; Sārāvalī 4.17 |
| Lebensalter | 100 Jahre; im Kurs das Alter Phaladīpikā 2.32; Jātaka-Pārijāta 2.14; Kurs |
| Verwandtschaft | Diener, Sklave; nachts der Vater Yavanajātaka 1.121; Phaladīpikā 2.25 |
| Sinn | Berührung (sparśa) Phaladīpikā 2.26 |
| Welt | die der Tiere und der Hölle (mit Budha) Sārāvalī 4.20 |
| Pflanzen | saftlose Bäume (nīrasa); Dorngewächse BPHS 3.40; Phaladīpikā 2.37 |
| Tageszeit | stark in der Nacht; nach der Tabelle am Abend BPHS 3.36; Bṛhajjātaka 2.21; Sārāvalī 4.36, 4.39 = Yavanajātaka 1.86 |
| Ayana | stark im Dakṣiṇāyana, dem südlichen Halbjahr BPHS 3.37; Sārāvalī 4.37 = Yavanajātaka 1.84 |
| Naisargika-Bala | der schwächste der sieben BPHS 3.38; Bṛhajjātaka 2.21; Sārāvalī 4.40 |
| Dig-Bala | im 7. Haus, im Westen BPHS 3.35; Bṛhajjātaka 2.19; Sārāvalī 4.34 |
| Richtungsherr | Westen Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.8; Jātaka-Pārijāta 2.23; Phaladīpikā 2.16 |
| Dṛṣṭi | das 3. und 10. Haus voll, dazu das 7. Bṛhajjātaka 2.13; Sārāvalī 4.32; Kurs (BPHS 9) |
| Cakra | Ājñā Kurs |
| Wochentag | Śanivāra, der Samstag Sūrya-Siddhānta 12.78; Rechnung |
| Viṃśottarī | 19 Jahre; Herr von Puṣya, Anurādhā und Uttara-Bhādrapadā Viṃśottarī-Reihe; Rechnung |
| Bewegung | mandatara, am langsamsten; etwa 36 Prozent der Zeit rückläufig Kurs; Rechnung |
Wo die Quellen auseinandergehen
Die Augen. Die Kursfassung des BPHS (3.29) nennt Śanis Augen piṅga, das Bṛhajjātaka (2.11) kapila; beide Wörter heissen gelbbraun bis rötlichbraun, und beide Texte stehen nicht allein: die Sārāvalī (4.27) hat piṅga, das Jātaka-Pārijāta (2.53–59) piśaṅga, das Yavanajātaka (1.135) in Pingrees Übersetzung „braune, undurchdringliche Augen". Die Phaladīpikā (2.14) sagt nichts über die Farbe, nur nimnavilocana, „tiefliegende Augen", was auch die Sārāvalī hat. Blau steht an keiner dieser Stellen. Dass Śani gelegentlich „blaue oder grüne Augen" bekommt, wie es in der Mitschrift des Unterrichts heisst, stützt kein Text; piṅga wird zwar in Wörterlisten auch mit hellblau und hellgrün aufgeführt, aber im Zusammenhang der Beschreibung des Körpers steht überall braun. Blau kommt nur ein einziges Mal vor, und dort ist es etwas anderes: die Bṛhat Saṃhitā (10.21) nennt als Heilzeichen für Śanis Erscheinung am Himmel die Farbe von vaidūrya und der Leinblüte. Das ist die Farbe der Himmelserscheinung, nicht die der Augen.
Die Kaste. Die Kursfassung des BPHS (3.21) und das Yavanajātaka (1.117–118) machen Śani zum Śūdra. Das Bṛhajjātaka (2.7) nennt ihn Herrn der antyaja, der am Rand der Gesellschaft Geborenen; die Sārāvalī (4.14) miśra, Mischkaste; die Phaladīpikā (2.24) antya, den Anführer der Ausgestossenen; das Jātaka-Pārijāta (2.26) avara, den niedrigsten. Nach Pingree folgen Bṛhajjātaka und Sārāvalī hier der Regel Satyas, das Yavanajātaka und der Kurs der älteren Linie. Die Leitfassung bleibt Śūdra.
Die Kleidung. Die Kursfassung (3.44) gibt Śani ein buntes Gewand (citra) und ein Gewand aus paṭṭa, feiner Seide. Sārāvalī (4.27) und Phaladīpikā (2.14) sagen: schwarz, wie seine Farbe in allen Texten schwarz ist. In der Kursfassung wirken die Farbangaben von Budha (schwarze Seide) und Śani (bunt) wie vertauscht gegenüber den Planetenfarben (Budha grün, Śani schwarz). Das wird hier benannt und nicht berichtigt, denn die Kursfassung ist die Leitfassung. Der Zustand der Kleidung dagegen ist einhellig: abgetragen und zerrissen (Sārāvalī 4.16, Phaladīpikā 2.30, Bṛhajjātaka 2.12).
Die Richtung. Drei verschiedene Systeme ordnen den Grahas Himmelsrichtungen zu, und sie dürfen nicht vermischt werden. Nach dem Richtungs-Bala (dig-bala) ist Śani im Westen stark, das heisst im 7. Haus, im Untergang (BPHS 3.35, Bṛhajjātaka 2.19). Als Herr einer Richtung regiert er ebenfalls den Westen (Bṛhajjātaka 2.5, Sārāvalī 4.8); das Yavanajātaka (1.66–67) teilt ihn mit Candra. Im Maṇḍala der Navagraha-Verehrung steht er nach dem Matsya- und dem Garuḍa-Purāṇa im Westen, im Kurs aber im Nordwesten.
Tag oder Nacht. Die Kursfassung des BPHS (3.36), das Bṛhajjātaka (2.21) und die Sārāvalī (4.36) machen Śani in der Nacht stark. Das Yavanajātaka (1.83) nennt ihn tagstark; die Tabelle der Tageszeiten, die Sārāvalī (4.39) wörtlich aus dem Yavanajātaka (1.86) hat, setzt ihn an den Abend.
Die Rolle im Zeitmenschen. Alle indischen Texte geben Śani das Leid (duḥkha); das Yavanajātaka (1.112) nennt stattdessen Unwissen. Die Sārāvalī (4.2) lehrt zudem eine Umkehr, die sonst nirgends steht: bei den übrigen Grahas stärkt ein starker Graha sein Glied im Zeitmenschen, bei Śani bedeutet ein starker Śani weniger Leid.
Die Gottheit. Ka, das heisst Prajāpati, ist die Devatā Śanis bei Parāśara und Varāhamihira, Vedhas bei Kalyāṇavarman. Die Phaladīpikā (2.27) nennt Kāla, Yama. Die Navagraha-Pūjā kennt beide: im Matsya-Purāṇa ist Yama die adhidevatā, Prajāpati die pratyadhidevatā; der Kurs hat Ka und Yama mit vertauschten Begriffen.
Das Doṣa. Die Kursfassung, das Bṛhajjātaka, die Sārāvalī und die Phaladīpikā nennen Śani rein vāta; das Jātaka-Pārijāta (2.53–59) kapha und vāta.
Die Gestalt
Drei Texte beschreiben Śani, als stünde er vor einem. Sie stimmen im Kern überein: mager, lang, rauhes Haar, grobe Zähne, träge, vāta. Die Kursfassung des BPHS gibt die Beschreibung in einem Vers (3.29) und fügt hinzu, dass er lahm ist (paṅgu):
कृश्दीर्घतनुः शौरिः पिङ्गदृष्ट्यनिलात्मकः । स्थूलदन्तोऽलसः पंगुः खररोमकचो द्विज ॥ 3.29॥
kṛśdīrghatanuḥ śauriḥ piṅgadṛṣṭyanilātmakaḥ । sthūladanto'lasaḥ paṃguḥ khararomakaco dvija ॥ 3.29॥
Śauri (Śani) ist mager und lang von Gestalt, mit gelbbraunem Blick, von Vāta-Natur, mit groben Zähnen, träge, lahm, mit rauem Körper- und Haupthaar, o Zweimalgeborener.
Kṛśadīrghatanuḥ: mager und mit langem Körper; wörtl. kṛśa (mager) + dīrgha (lang) + tanu (Körper) (m. 1/1). Śauriḥ: Śauri: Śani, der Sohn Sūryas (wörtl. „der von Śūra Abstammende") (m. 1/1). Piṅgadṛṣṭir: mit gelbbraunem Blick, gelbbraunen Augen; wörtl. piṅga (gelbbraun) + dṛṣṭi (Blick, Auge) (m. 1/1). Anilātmakaḥ: von Vāta-Natur; wörtl. anila (Wind = Vāta) + ātmaka (-artig) (m. 1/1). Sthūladanto: mit groben Zähnen; wörtl. sthūla (grob) + danta (Zahn) (m. 1/1). 'lasaḥ: träge, matt (m. 1/1). Paṃguḥ: lahm (m. 1/1). Khararomakacaḥ: mit rauhem Körper- und Kopfhaar; wörtl. khara (rauh) + roman (Körperhaar) + kaca (Haupthaar) (m. 1/1). Dvija: o Zweimalgeborener (Anrede an Maitreya) (m. 8/1).
Kursfassung (latexusepackage/Jyotish/bphs.sty), Glossar neu 2026-10-21
Varāhamihira gibt dieselben Züge und stellt die Stoffreihe des Körpers daneben, in der Śani die Sehnen hat (Bṛhajjātaka 2.11):
मन्दो ऽलसः कपिलदृक् कृशदीर्घगात्रः स्थूलद्विजः परुषरोमकचो ऽनिलात्मा । स्नाय्वस्थ्यसृक्त्वग् अथ शुक्रवसे च मज्जा मन्दार्कचन्द्रबुधशुक्रसुरेज्यभौमाः ॥
mando 'lasaḥ kapiladṛk kṛśadīrghagātraḥ sthūladvijaḥ paruṣaromakaco 'nilātmā । snāyvasthyasṛktvag atha śukravase ca majjā mandārkacandrabudhaśukrasurejyabhaumāḥ ॥
Manda ist träge, hat gelbbraune Augen, einen mageren, langen Körper, grosse Zähne, rauhes Haar und Vāta-Natur. Sehne, Knochen, Blut, Haut, Samen, Fett und Mark gehören der Reihe nach Manda, Arka, Candra, Budha, Śukra, Surejya und Bhauma.
Mando: Manda: Śani (wörtl. „der Langsame") (m. 1/1). 'lasaḥ: träge (m. 1/1). Kapiladṛk: mit gelbbraunen Augen; wörtl. kapila (rotbraun, gelbbraun) + dṛś (Auge) (m. 1/1). Kṛśadīrghagātraḥ: mit magerem, langem Körper; wörtl. kṛśa (mager) + dīrgha (lang) + gātra (Körper) (m. 1/1). Sthūladvijaḥ: mit grossen Zähnen; wörtl. sthūla (gross) + dvija (Zahn, „Zweimalgeborener") (m. 1/1). Paruṣaromakaco: mit rauhem Körper- und Kopfhaar; wörtl. paruṣa (rauh) + roman (Körperhaar) + kaca (Haupthaar) (m. 1/1). 'nilātmā: von Vāta-Natur; wörtl. anila (Wind = Vāta) + ātman (Wesen) (m. 1/1). Snāyvasthyasṛktvag: Sehne, Knochen, Blut, Haut (n. 1/1). Atha: sodann (avy.). Śukravase: Samen und Fett (n. 1/2). Ca: und (avy.). Majjā: Mark (f. 1/1). Mandārkacandrabudhaśukrasurejyabhaumāḥ: Manda, Arka, Candra, Budha, Śukra, Surejya (Guru) und Bhauma (Maṅgala) als Herren dieser Stoffe, der Reihe nach (m. 1/3).
GRETIL sa_varAhamihira-bRhajjAtaka; Übersetzung Yogi Narasimha
Am ausführlichsten ist wieder Kalyāṇavarmans Sārāvalī (4.27). Sie kennt die tiefliegenden Augen, die hervortretenden Adern, den schwarzen Körper, das schwarze Gewand und eine lange Reihe von Eigenschaften, die ihn zum Gegenbild Sūryas machen: schmutzig, rauh, unrein, zornig, vom Alter gezeichnet. Piṅga steht dort allein vor den tiefliegenden Augen; ob es das Auge oder den ganzen Körper meint, sagt der Vers nicht, und neben dem schwarzen Körper (kṛṣṇāṅga) liest man es am besten von den Augen.
पिङ्गो निम्नविलोचनः कृशतनुर् दीर्घः सिरालो ऽलसः कृष्णाङ्गः पवनात्मको ऽतिपिशुनः स्नाय्वाततो निर्घृणः । मूर्खः स्थूलनखद्विजो ऽतिमलिनो रूक्षो ऽशुचिस् तामसो रौद्रः क्रोधपरो जरापरिणतः कृष्णाम्बरो भास्करिः ॥
piṅgo nimnavilocanaḥ kṛśatanur dīrghaḥ sirālo 'lasaḥ kṛṣṇāṅgaḥ pavanātmako 'tipiśunaḥ snāyvātato nirghṛṇaḥ । mūrkhaḥ sthūlanakhadvijo 'timalino rūkṣo 'śucis tāmaso raudraḥ krodhaparo jarāpariṇataḥ kṛṣṇāmbaro bhāskariḥ ॥
Bhāskari (Śani) ist gelbbraun, hat tiefliegende Augen, einen mageren, langen Körper, ist adrig und träge, schwarz am Körper, von Vāta-Natur, sehr verleumderisch, sehnig gespannt und erbarmungslos; dumm, mit grossen Nägeln und Zähnen, sehr schmutzig, rauh, unrein und tamasisch, grimmig und zornig, vom Alter gezeichnet und in schwarzem Gewand.
Piṅgo: gelbbraun (m. 1/1). Nimnavilocanaḥ: mit tiefliegenden Augen; wörtl. nimna (tief) + vilocana (Auge) (m. 1/1). Kṛśatanur: mit magerem Körper; wörtl. kṛśa (mager) + tanu (Körper) (m. 1/1). Dīrghaḥ: lang, hochgewachsen (m. 1/1). Sirālo: adrig, mit hervortretenden Adern (m. 1/1). 'lasaḥ: träge (m. 1/1). Kṛṣṇāṅgaḥ: schwarzgliedrig, mit schwarzem Körper; wörtl. kṛṣṇa (schwarz) + aṅga (Glied, Körper) (m. 1/1). Pavanātmako: von Vāta-Natur; wörtl. pavana (Wind) + ātmaka (-artig) (m. 1/1). 'tipiśunaḥ: sehr verleumderisch, hinterhältig; wörtl. ati (sehr) + piśuna (verleumderisch) (m. 1/1). Snāyvātato: sehnig gespannt; wörtl. snāyu (Sehne) + ātata (gespannt) (m. 1/1). Nirghṛṇaḥ: erbarmungslos (m. 1/1). Mūrkhaḥ: dumm (m. 1/1). Sthūlanakhadvijo: mit grossen Nägeln und Zähnen; wörtl. sthūla (gross) + nakha (Nagel) + dvija (Zahn) (m. 1/1). 'timalino: sehr schmutzig; wörtl. ati (sehr) + malina (schmutzig) (m. 1/1). Rūkṣo: rauh, trocken (m. 1/1). 'śucis: unrein (m. 1/1). Tāmaso: tamasisch, vom Tamas bestimmt (m. 1/1). Raudraḥ: grimmig, furchterregend (m. 1/1). Krodhaparo: dem Zorn ergeben; wörtl. krodha (Zorn) + para (hingegeben) (m. 1/1). Jarāpariṇataḥ: vom Alter gereift, greisenhaft; wörtl. jarā (Alter) + pariṇata (gereift) (m. 1/1). Kṛṣṇāmbaro: im schwarzen Gewand; wörtl. kṛṣṇa (schwarz) + ambara (Gewand) (m. 1/1). Bhāskariḥ: Bhāskari, der Sohn der Sonne: Śani (m. 1/1).
Wortlaut nach der Ausgabe 1907 (sa.wikisource ist eine Abschrift davon), nicht am Seitenbild geprüft; Übersetzung Yogi Narasimha
Die Phaladīpikā (2.14) fügt dem die Schmähsucht und die Dummheit hinzu; das Yavanajātaka (1.123 ff.) gibt ihm hohen Wuchs, schwarze Haut und schadhafte Zähne.
Würden und Beziehungen
| Würde | Zeichen | Grad | Quelle |
|---|---|---|---|
| Svakṣetra | Makara | 0°–30° | Bṛhajjātaka 1.6; Phaladīpikā 1.6 |
| Svakṣetra | Kumbha | 20°–30° | BPHS 3.54 |
| Mūlatrikoṇa | Kumbha | 0°–20° | BPHS 3.54; Jātaka-Pārijāta 1.26–28; Phaladīpikā 1.7; Bṛhajjātaka 1.14 (nur das Zeichen) |
| Ucca | Tulā | höchste Erhöhung bei 20° | BPHS 3.49–50; Bṛhajjātaka 1.13; Sārāvalī 3.35–36; Yavanajātaka 1.58–60 |
| Nīca | Meṣa | tiefster Fall bei 20° | ebenda (das 7. Zeichen vom Ucca) |
Die Kursfassung des BPHS hat genau die Verse über Erhöhung, Mūlatrikoṇa und Freundschaft nicht (3.48–60 fehlen). Sie sind hier nach einer anderen Fassung angeführt; ihre Werte bestätigen die Übersetzung Santhanams, die Bombayer Ausgabe von 1923 und das Bṛhajjātaka. Bei Śani stimmen alle Zeugen, auch beim Grad: Mūlatrikoṇa in Kumbha die ersten zwanzig Grade. Der Vers steht in einer Zeile mit dem für Śukra:
तुले शुक्रस्य तिथ्यंशास् त्रिकोणम् अपरे स्वभम् । शनेः कुम्भे नखांशाश् च त्रिकोणम् अपरे स्वभम् ॥
tule śukrasya tithyaṃśās trikoṇam apare svabham । śaneḥ kumbhe nakhāṃśāś ca trikoṇam apare svabham ॥
In Tulā sind für Śukra die ersten fünfzehn Grade Mūlatrikoṇa, die übrigen eigenes Zeichen. In Kumbha sind für Śani die ersten zwanzig Grade Mūlatrikoṇa, die übrigen eigenes Zeichen.
Tule: in Tulā (f. 7/1). Śukrasya: Śukras (m. 6/1). Tithyaṃśās: die fünfzehn Grade; wörtl. tithi (Mondtag, Zahlwort für 15) + aṃśa (Grad) (m. 1/3). Trikoṇam: Mūlatrikoṇa (n. 1/1). Apare: die übrigen (m. 1/3). Svabham: eigenes Zeichen; wörtl. sva (eigen) + bha (Zeichen) (n. 1/1). Śaneḥ: Śanis (m. 6/1). Kumbhe: in Kumbha (m. 7/1). Nakhāṃśāś: die zwanzig Grade; wörtl. nakha (Nagel, Zahlwort für 20) + aṃśa (Grad) (m. 1/3). Ca: und (avy.). Trikoṇam: Mūlatrikoṇa (n. 1/1). Apare: die übrigen (m. 1/3). Svabham: eigenes Zeichen; wörtl. sva (eigen) + bha (Zeichen) (n. 1/1).
Wortlaut nach enjoylearningsanskrit.com (Kapitel 3, ohne Angabe der Druckausgabe); Übersetzung Yogi Narasimha
Der Vers 3.48, den die Kursfassung ebenfalls nicht hat, sagt, dass Śani der Älteste unter den Grahas ist, das Leben mehrt und in der Naisargika-Daśā die meisten Jahre gibt.
Freunde sind Śukra und Budha; neutral ist Guru; Feinde sind Sūrya, Candra und Maṅgala (Bṛhajjātaka 2.16–17, Sārāvalī 4.28, Phaladīpikā 2.21–22). Die Regel dahinter ist die Satyas, die Varāhamihira überliefert (Bṛhajjātaka 2.15, BPHS 3.55); die Reihe des Yavanajātaka (1.107–108) ist eine andere und hier nicht ausgewertet. Als Dṛṣṭi hat Śani neben der siebten die dritte und die zehnte voll (Bṛhajjātaka 2.13).
Was Śani anzeigt
Die Kursfassung des BPHS hat keine Liste der Dinge, für die ein Graha steht; sie nennt seine Rollen (Leid, Diener) und die Zuordnungen oben. Die Listen stehen in den späteren Lehrbüchern.
Die Phaladīpikā (2.7) zählt für Śani auf: Lebensdauer, Tod, Furcht, Fall, Leid, Demütigung, Krankheit, Armut, Tagelöhner, Schande, Sünde, Unreinheit, Umgang mit Niedrigen, den Büffel, Schläfrigkeit, Schuld, Eisen, Dienstbarkeit, Ackergerät, Kerker und Fessel. Das Jātaka-Pārijāta (2.49) kürzt auf Leben, Tod und Unglück oder Glück. Als Bhāva-Kāraka steht er nach diesem Werk (2.51–52) für das 6., 8., 10. und 12. Haus; im 8. Haus nützt er (kāraka bhāva nāśāya gilt für ihn nicht). An Berufen nennt die Phaladīpikā (2.17–20) Ölhändler, Diener, Niedrige, Jäger und Schmiede, an Tieren Elefant, Krähe und Kuckuck; das Land Saurāṣṭra gehört ihm (2.28).
Die Bṛhat Saṃhitā weist jedem Graha Länder, Menschen und Waren zu (16.30–33). Śani gehören unter anderem Ānarta, Arbuda, Puṣkara, Saurāṣṭra, der Westen, die Gegend, wo die Sarasvatī versickert; Schlechte, Schmutzige, Ölleute, Vogelfänger, Fischer, Alte, Arme; an Waren Scharfes und Bitteres, Esel, Büffelinnen, Kamele, Kichererbsen und Bohnen. Kapitel 10 gilt seinem Lauf und seinen Omen.
Der Kurs sieht in ihm den Herrn der Armut — Krankheit ist eine Art Armut — und den „wahren Freund Sūryas", der dessen Mission versteht: er deutet auf den Schmutz, der die Seele verdunkelt, und beseitigt ihn, sieht alle Sorgen der Welt und bleibt davon unbewegt, und durch Armut, Leiden und Schmerz löscht er das Karma. Er ist der Diener, der ausführt, ohne zu hinterfragen, und sich durch die Anweisungen von Guru und Śukra verwirren lässt. Sein Cakra ist das Ājñā; die sechs inneren Feinde (ṣaḍripu) ordnet der Kurs ihm zu.
Vedische und spätere Überlieferung
Bei der Verehrung der neun Grahas wird für jeden ein Vers aus dem Veda gesprochen. Für Śani sind sich alle Fassungen einig: die Yājñavalkya-Smṛti (1.301), die älteste Stelle, an der die neun Verse zusammenstehen, das Matsya- und das Garuḍa-Purāṇa sprechen śaṃ no devīḥ (Ṛgveda 10.9.4).
शं नो देवीर् अभिष्टय आपो भवन्तु पीतये । शं योर् अभि स्रवन्तु नः ॥
śáṃ no devī́r abhíṣṭaya ā́po bhavantu pītáye । śáṃ yór abhí sravantu naḥ ॥
Heil sollen uns die göttlichen Wasser sein, zur Gunst, zum Trank; Heil und Gesundheit sollen sie uns zuströmen.
Śaṃ: Heil, Segen (avy.). No: uns (4/3). Devīr: göttlich (f. 1/3). Abhiṣṭaye: zur Gunst, zur Hilfe (f. 4/1). Āpo: die Wasser (f. 1/3). Bhavantu: sollen sein (loṭ III/3). Pītaye: zum Trank (f. 4/1). Śaṃ: Heil (avy.). Yor: Gesundheit (n. 1/1). Abhi: hin, zu (Präverb zu sravantu) (avy.). Sravantu: sollen strömen (loṭ III/3). Naḥ: uns (4/3).
Akzentuierter Text nach TITUS; Zuordnung zu Śani nach Yājñavalkya-Smṛti 1.301; Übersetzung Yogi Narasimha
Der Vers gilt im Ṛgveda den Wassern (Āpaḥ) und ist ein Śānti-Spruch, ein Heilspruch aus dem Hymnus āpo hi ṣṭhā. Zu Śani passt er nur im Wortklang: śam, „Heil", erinnert an Śani und Śanaiścara und an die Samidh śamī. Ein sachlicher Bezug ist nicht erkennbar. Der Kurs führt dagegen Pūṣan als Ṛgveda-Gottheit Śanis (nach Ṛgveda 1.14.3); das ist die Ebene der Gottheit, nicht des Spruchs.
Zur selben Pūjā gehören weitere Zuordnungen. Sie sind jünger als die Lehrbücher und nur in dieser Schicht belegt:
| Attribut | Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Bild | aus Eisen | Yājñavalkya-Smṛti 1.297 |
| Farbe der Gaben | schwarz; an anderer Stelle des Matsya-Purāṇa blau (indranīla) | Matsya-Purāṇa 93.17, 94.6; Garuḍa-Purāṇa 1.101.4 |
| Opferholz | Śamī (Prosopis cineraria) | Yājñavalkya-Smṛti 1.302 und alle Parallelen |
| Opferspeise | Reis mit Sesammehl; im Matsya-Purāṇa Sesamreis (kṛsarā) | Yājñavalkya-Smṛti 1.304; Matsya-Purāṇa 93 |
| Gabe an den Priester | eine schwarze Kuh | Yājñavalkya-Smṛti 1.306; Matsya-Purāṇa 93.60 |
| Adhi-/Pratyadhidevatā | Yama / Prajāpati | Matsya-Purāṇa 93.13–16 |
| Reittier, Wagen | Geier (Matsya-Purāṇa 94.6); Eisenwagen von acht Schlangen gezogen (Viṣṇudharmottara); gescheckte Rosse (Viṣṇu-Purāṇa 2.12.20) | Matsya-Purāṇa 94.6; Viṣṇudharmottara; Viṣṇu-Purāṇa 2.12.20 |
| Ort im Maṇḍala | Westen (Matsya- und Garuḍa-Purāṇa); Nordwesten (Kurs) | Matsya-Purāṇa 93.11; Garuḍa-Purāṇa 1.17; Kurs |
Die verbreiteten Reittier-Listen der Pūjā-Handbücher (etwa die Krähe) sind in den gesichteten Texten nicht belegt; ein Esel in Santhanams Übersetzung steht gegen den Geier des Matsya-Purāṇa. Der Saphir als Stein Śanis ist in dieser Pūjā-Literatur nicht belegt; die früheste hier gefundene Edelsteinreihe ist die der Phaladīpikā (2.29), eines Werks des späten Mittelalters. Der Kurs lehrt dieselbe Reihe.
Am Himmel
Die nächste Rückläufigkeit Śanis nach dem Herbst 2026: sein Weg vor den Sternen, siderische Länge gegen ekliptikale Breite, mit den beiden Stationen. Die Punkte stehen im Abstand einer Woche.
Gerechnet mit der eigenen Berechnungsbibliothek (Swiss Ephemeris, Lahiri); Skript quellen/graha/rechnung/schleifen_tikz.py.
Saturn ist der äusserste der Planeten, die man ohne Fernrohr sieht. Sein Durchmesser beträgt 120 536 Kilometer, seine Entfernung von der Erde schwankt zwischen 1206 und 1659 Millionen Kilometern, sein scheinbarer Durchmesser zwischen 14,5 und 19,9 Bogensekunden. Er läuft in 10 755,70 Tagen, das sind 29,447 Jahre, einmal durch den Tierkreis; von der Erde aus gesehen dauert es 378,09 Tage, bis er wieder dieselbe Stellung zur Sonne hat. Seine Helligkeit liegt zwischen −0,55 und +1,18 Magnituden; die Spanne bestimmt die Neigung der Ringe zur Erde. Nach der Maximalhelligkeit ist er der schwächste der sieben.
Auf seinem Weg steht er rund ein Drittel der Zeit rückläufig, und häufiger als jeder andere: im Mittel 96,6 Mal in hundert Jahren, jedes Mal 138 Tage (134 bis 141), das sind 36,4 Prozent der Zeit, einmal im Jahr für rund viereinhalb Monate. Der Kurs nennt seine Bewegung mandatara, „noch langsamer"; das ist eine Lehrkategorie, keine Rechnung.
Der Sūrya-Siddhānta (1.32) rechnet 146 568 Umläufe in einem Mahāyuga; daraus folgen 10 765,77 Tage, das sind 0,094 Prozent oder rund zehn Tage mehr als heute. Das ist die schlechteste Übereinstimmung unter den Planeten des Werks — die übrigen liegen bei 0,01 Prozent und besser — und ergibt etwa ein Grad Rückstand auf neunzig Jahre. Seine Regel für die Rückläufigkeit (2.53–55) lässt Śani ab 115° Abstand vom Śīghra-Ucca rückläufig werden, das sind 36,1 Prozent der Periode; die Rechnung ergibt 36,4 Prozent und 138 Tage, die Regel 137. Hier trifft die alte Regel genauer als bei jedem anderen Planeten. Die Bahnreihe des Sūrya-Siddhānta (12.30–31) von aussen nach innen beginnt mit Śani; die Wochentage folgen aus ihr: auf Śani, den Samstag, folgt Sūrya, der Sonntag.
Die Verse
Alle Verse dieser Seite stehen oben im Zusammenhang: BPHS 3.29 und 3.54, Bṛhajjātaka 2.11, Sārāvalī 4.27 und Ṛgveda 10.9.4. Jeder trägt sein Wort-für-Wort-Glossar; sie stehen in der Datenbank, aus der auch die Studien-PDFs gesetzt werden.
Zur Quellenlage dieses Portraits
Die Leitfassung ist die des Kurses: das BPHS in der Fassung, die der Unterricht verwendet. Wo diese Fassung schweigt — bei den Würden und den Freundschaften fehlen ihr dreizehn Verse —, steht die Angabe nach einer anderen Fassung, deren Werte drei Druckzeugen bestätigen. Daneben sind gelesen: das Bṛhajjātaka und die Bṛhat Saṃhitā Varāhamihiras (GRETIL), die Sārāvalī (Ausgabe 1907), die Phaladīpikā (Ausgaben Ojha und Sastri), das Jātaka-Pārijāta (Ausgabe Sastri 1932), das Yavanajātaka (in Pingrees Übersetzung), die Yājñavalkya-Smṛti, das Matsya- und das Garuḍa-Purāṇa (GRETIL) sowie der Sūrya-Siddhānta (Burgess). Die astronomischen Werte stammen aus den Datenblättern der NASA und sind mit der eigenen Rechenbibliothek nachgerechnet. Offen ist die Position Sanjay Raths zu den Abweichungen oben (Kaste, Kleidung, Augen); sie wird nachgetragen.