Rāhu
Studien-PDF herunterladenराहु 8. Graha · Chāyāgraha, der aufsteigende Mondknoten · Ucca Mithuna · Viṃśottarī 18 Jahre
Rāhu ist der achte der neun Grahas und der erste der beiden, die kein Licht haben. Am Himmel ist er ein Punkt: der Ort, an dem die Bahn des Mondes die Ekliptik von Süden nach Norden kreuzt. Nur wenn Sūrya und Candra in seiner Nähe zusammen- oder einander gegenüberstehen, verfinstert sich einer von ihnen — darum ist er der Graha der Finsternis. Der Kurs nennt ihn mit Ketu einen chāyāgraha, einen „Schatten-Graha". Die älteren Lehrbücher kennen ihn kaum; was die Texte über ihn sagen, stammt aus wenigen Versen, und an keinem Graha gehen die Quellen so weit auseinander. Dieses Portrait hält sie auseinander.
Namen
Die Herkunft des Namens Rāhu ist nicht gesichert; oft wird er zu √rabh „packen, ergreifen" gestellt — er wäre dann der, der Sūrya und Candra ergreift. Der Kurs stellt den Namen daneben zu horā; das ist eine Lehrdeutung, keine grammatische Herleitung, und als solche hier genannt.
Das Bṛhajjātaka (2.3) nennt für ihn drei Namen: tamas, „Finsternis", agu, „der Strahlenlose", und asura. Die Sārāvalī (4.8) und die Bṛhat Saṃhitā (5.3) kennen Saiṃhikeya, „Sohn der Siṃhikā". Die Kursfassung des Bṛhat-Parāśara-Horāśāstra (BPHS) gebraucht vor allem Svarbhānu (3.15, 3.30, 3.41, 3.46), einen alten Namen des Finsternisdämons, und Phaṇīndra, „Schlangenfürst" (3.42). Das Jātaka-Pārijāta fügt sarpa und phaṇin, „Schlange", hinzu (2.4) und nennt ihn im Vers über die Würden phaṇināyaka, „Anführer der Schlangen" (1.28). In der Bṛhat Saṃhitā heisst er auch daitya (5.34) und arkaśaśiśatru, „Feind von Sūrya und Candra" (16.36).
Einen griechischen Lehnnamen hat Rāhu nicht; seine Namen sind alle sanskritisch. Das Yavanajātaka beschreibt im Abschnitt über die Natur der Grahas nur die sieben; Rāhu kommt dort nicht vor.
Der Steckbrief
Die Leitfassung ist die des Kurses, der das BPHS in einer eigenen Fassung lehrt. Für Rāhu ist sie dünn: das BPHS gibt ihm Natur, Gestalt, Stand, Ort, Kleidung, Metall und Zeitmass, aber weder Farbe noch Geschlecht, Varṇa oder Gottheit. Was die Phaladīpikā und das Jātaka-Pārijāta hinzufügen, steht mit ihrer Stelle; spätere Überlieferung (Pūjā, Purāṇa) folgt in einem eigenen Abschnitt.
| Hofstaat | das Heer (senā), zusammen mit Ketu — nach der Kurslehre die äussere Sicherheit BPHS 3.15; Kurs |
|---|---|
| Natur | krūra, von Natur übeltätig; nach der Kurslehre pāpa; „von der Natur der Finsternis" (tamaḥsvarūpa) BPHS 3.11; Jātaka-Pārijāta 2.8–9; Kurs |
| Geschlecht | weiblich — nur bei einem Autor belegt Phaladīpikā 2.27 |
| Tattva | Wind (vāyu), mit Śani Kurs |
| Stand | Cāṇḍāla, der unterste, ausgestossene Stand BPHS 3.41 |
| Doṣa | vāta BPHS 3.30 |
| Gestalt | rauchfarben, mit dunkelblauem Körper, im Wald weilend, furchterregend, einsichtig BPHS 3.30 |
| Ort | der Ameisenhügel (valmīka), mit Ketu und Śani; nach der Kurslehre wilde Berge; nach anderen Berg und Wald, die Ecken des Hauses BPHS 3.41; Kurs; Jātaka-Pārijāta 2.13, 2.24 |
| Kleidung | ein bunter Flickenrock (citrakanthā); nach anderer Überlieferung alte Kleider BPHS 3.42; Phaladīpikā 2.35 |
| Metall | Blei (sīsa) — hier stimmen BPHS, Phaladīpikā und die Pūjā überein BPHS 3.42; Phaladīpikā 2.35; Yājñavalkya-Smṛti 1.297 |
| Edelstein | gomedha, im Kurs Hessonit (die Bestimmung des Minerals ist offen) Phaladīpikā 2.29; Jātaka-Pārijāta 2.21; Kurs |
| Getreide | Urdbohne (māṣa) Phaladīpikā 2.28; Bṛhat Saṃhitā 16.34–36 (mit Sesam) |
| Zeitmass | acht Monate BPHS 3.46 |
| Dhātu/Mūla/Jīva | Dhātu, das Mineralische BPHS 3.47 |
| Lebensalter | 100 Jahre; im Kurs der Witwer Jātaka-Pārijāta 2.14; Phaladīpikā 2.32; Kurs |
| Verwandtschaft | der Grossvater väterlicherseits Jātaka-Pārijāta 2.50 |
| Pflanzen | Gebüsch, auch der Śāla-Baum Phaladīpikā 2.37 |
| Aufgang, Blick | steigt mit dem Rücken voran auf (pṛṣṭhodaya); blickt abwärts Jātaka-Pārijāta 2.11, 2.32 |
| Dig-Bala | wie Śani im 7. Haus, im Westen Kurs |
| Richtungsherr | Südwesten Bṛhajjātaka 2.5; Sārāvalī 4.8; Jātaka-Pārijāta 2.23 |
| Dṛṣṭi | nach der Kurslehre wie Guru das 5., 7. und 9. Haus, dazu das 2. und 12. Kurs |
| Stärke | stark in Meṣa, Vṛṣabha, Karka, Kanyā, Vṛścika, Kumbha und im 10. Haus Jātaka-Pārijāta 2.68 |
| Viṃśottarī | 18 Jahre; Herr von Ārdrā, Svātī und Śatabhiṣaj Viṃśottarī-Reihe; Rechnung |
| Bewegung | immer rückläufig (anuvakra); gerechnet wird der mittlere Knoten Kurs; Rechnung |
Einen Wochentag hat Rāhu nicht; die Woche kennt nur die sieben.
Wo die Quellen auseinandergehen
Was Rāhu ist. Für den Kurs und das BPHS ist Rāhu ein Graha unter neun. Varāhamihira hat das in der Bṛhat Saṃhitā (5) ausdrücklich geprüft und für die Finsternis verneint (unten, Die Gestalt).
Die Würden. Kein älteres Werk gibt Rāhu ein Ucca, einen Mūlatrikoṇa oder ein eigenes Zeichen; auch das BPHS nicht. Die Angaben späterer Werke widersprechen einander (unten, Würden und Beziehungen).
Der Edelstein. Das BPHS nennt für Rāhu ein Metall, Blei; den Stein gomedha kennen erst die Phaladīpikā und das Jātaka-Pārijāta.
Das Geschlecht. Nur die Phaladīpikā (2.27) nennt Rāhu weiblich; die anderen Werke geben den Knoten kein Geschlecht.
Klug oder dumm. Das BPHS nennt Rāhu „einsichtig" (dhīmān, 3.30) — der Kurs zählt ihn darum zu den Dhī-Grahas —, die Phaladīpikā (2.33) „ohne Verstand", dazu hässlich, hautkrank, Ketzer und Lügner.
Die Richtung. Als Richtungsherr steht Rāhu im Südwesten (Bṛhajjātaka 2.5, Sārāvalī 4.8; nach Pingree geht diese Reihe auf den Lehrer Satya zurück, der Rāhu als achten hinzufügte). Das Richtungs-Bala gibt ihm der Kurs im Westen, wie Śani. Im Maṇḍala der Navagraha-Pūjā steht er im Südwesten (Matsya-Purāṇa 93.11), in der Dhyāna-Ausrichtung des Kurses im Nordosten. Die Systeme dürfen nicht vermischt werden.
Die Gestalt
Das BPHS beschreibt Rāhu in einem einzigen Vers und gibt Ketu gleich dieselbe Gestalt (3.30):
धूम्राकारो नीलतनुर्वनस्थोऽपि भयंकरः । वातप्रकृतिको धीमान् स्वर्भानुस्तत्समः शिखी ॥ 3.30॥
dhūmrākāro nīlatanurvanastho'pi bhayaṃkaraḥ । vātaprakṛtiko dhīmān svarbhānustatsamaḥ śikhī ॥ 3.30॥
Von rauchiger Gestalt und blauem Körper, im Walde stehend, so ist der Schreckliche. Er ist von luftiger Konstitution. Mit Einsicht ist er begabt, der Sūrya verfinsternde Dämon (Rāhu). Der Schweif (Ketu) ist ihm dabei ähnlich.
Dhūmrākāro: von rauchfarbener Gestalt; wörtl. dhūmra (rauchfarben, grau) + ākāra (Gestalt) (m. 1/1). Nīlatanur: mit dunkelblauem Körper; wörtl. nīla (dunkelblau, schwarzblau) + tanu (Körper) (m. 1/1). Vanastho: im Wald weilend; wörtl. vana (Wald) + stha (stehend, weilend) (m. 1/1). 'pi: auch (avy.). Bhayaṃkaraḥ: furchterregend; wörtl. bhaya (Furcht) + kara (machend) (m. 1/1). Vātaprakṛtiko: von Vāta-Natur; wörtl. vāta (das luftige Doṣa) + prakṛti (Konstitution) (m. 1/1). Dhīmān: einsichtig, klug (m. 1/1). Svarbhānus: Svarbhānu, alter Name des Finsternisdämons: Rāhu; wörtl. svar (Himmelslicht) + bhānu (Glanz) (m. 1/1). Tatsamaḥ: ihm gleich; wörtl. tad (er) + sama (gleich) (m. 1/1). Śikhī: der mit dem Schopf, der Geschweifte: Ketu; von śikhā (Haarschopf, Flamme) (m. 1/1).
Kursfassung (latexusepackage/Jyotish/bphs.sty), Übersetzung nach der shloka-Datenbank; Glossar neu 2026-10-21
Rauchfarben ist er, mit dunkelblauem Körper, ein Waldbewohner, der Furcht erregt, von Vāta-Natur und einsichtig. Die Phaladīpikā (2.33) teilt davon nur die Farbe (nīladyuti), das Jātaka-Pārijāta (2.7) nennt ihn dunkelblau oder schwarz (die Lesart ist unsicher).
Zur Gestalt gehören Stand und Ort. Rāhu ist ein Cāṇḍāla, Ketu von gemischtem Stand; Ketu, Rāhu und Śani wohnen im Ameisenhügel (BPHS 3.41):
राहुश्चाण्डालजातिश्च केतुर्जात्यन्तरस्तथा । शिखिस्वर्भानुमन्दानां वल्मीकः स्थानमुच्यते ॥ 3.41॥
rāhuścāṇḍālajātiśca keturjātyantarastathā । śikhisvarbhānumandānāṃ valmīkaḥ sthānamucyate ॥ 3.41॥
Rāhu ist von der Kaste der Cāṇḍālas, Ketu von einer anderen, gemischten Kaste. Für Śikhin (Ketu), Svarbhānu (Rāhu) und Manda (Śani) gilt der Ameisenhügel als Ort.
Rāhuś: Rāhu (m. 1/1). Cāṇḍālajātiś: vom Stand eines Cāṇḍāla; wörtl. cāṇḍāla (Ausgestossener, unterster Stand) + jāti (Geburtsstand) (m. 1/1). Ca: und (avy.). Ketur: Ketu (m. 1/1). Jātyantaras: von anderem, gemischtem Stand; wörtl. jāti (Geburtsstand) + antara (anders) (m. 1/1). Tathā: ebenso (avy.). Śikhisvarbhānumandānāṃ: Ketus, Rāhus und Śanis; wörtl. śikhin (Ketu) + svarbhānu (Rāhu) + manda (der Langsame: Śani) (m. 6/3). Valmīkaḥ: Ameisenhügel, Termitenbau (m. 1/1). Sthānam: Ort, Aufenthalt (n. 1/1). Ucyate: wird genannt (laṭ karmaṇi III/1).
Kursfassung (latexusepackage/Jyotish/bphs.sty), Übersetzung nach der shloka-Datenbank; Glossar neu 2026-10-21
Der zweite Halbvers heisst wörtlich: „Für Śikhin (Ketu), Svarbhānu (Rāhu) und Manda (Śani) wird der Ameisenhügel als Ort genannt." Die Phaladīpikā (2.15) setzt Termitenhügel und dunkle Schlangenlöcher dazu — das Bild der Schlange, das auch Rāhus Namen trägt.
Ganz anders fragt Varāhamihira. Die Bṛhat Saṃhitā stellt zu Beginn des Rāhu-Kapitels drei Auffassungen nebeneinander (5.1–3): Nach den einen ist Rāhu der Kopf eines Asura, der abgeschlagen wurde, aber weil er vom Amṛta gekostet hatte, am Leben blieb und zum Graha wurde; nach anderen hat er die Gestalt einer Schlange mit Kopf und Schwanz; nach dritten ist er gestaltlos, aus Finsternis gemacht, der Sohn der Siṃhikā. Alle drei prüft er mit Gegenfragen (5.4–7) — wie sollte ein Körper mit fester Bahn Sūrya und Candra im Abstand eines halben Kreises fassen? — und erklärt die Finsternis aus dem Schatten: Candra tritt in den Schatten der Erde, und bei der Verfinsterung Sūryas schiebt er sich wie eine Wolke unter ihn, darum ist sie nicht überall gleich zu sehen (5.8–12). Dann sagt er (5.13):
एवम् उपरागकारणम् उक्तम् इदं दिव्यदृग्भिर् आचार्यैः । राहुर् अकारणम् अस्मिन्न् इत्य् उक्तः शास्त्रसद्भावः ॥
evam uparāgakāraṇam uktam idaṃ divyadṛgbhir ācāryaiḥ । rāhur akāraṇam asminn ity uktaḥ śāstrasadbhāvaḥ ॥
So haben die Lehrer mit göttlichem Blick die Ursache der Verfinsterung dargelegt. Rāhu ist dabei nicht die Ursache — so lautet der wahre Stand der Lehre.
Evam: so (avy.). Uparāgakāraṇam: die Ursache der Verfinsterung; wörtl. uparāga (Verfinsterung, eigentlich Färbung) + kāraṇa (Ursache) (n. 1/1). Uktam: dargelegt, gesagt (Part. Perf. Pass. von √vac) (n. 1/1). Idaṃ: diese (n. 1/1). Divyadṛgbhir: mit göttlichem Blick; wörtl. divya (göttlich, himmlisch) + dṛś (Blick) (m. 3/3). Ācāryaiḥ: von den Lehrern (m. 3/3). Rāhur: Rāhu (m. 1/1). Akāraṇam: keine Ursache; wörtl. a (nicht) + kāraṇa (Ursache) (n. 1/1). Asminn: hierbei, bei dieser (Verfinsterung) (m. 7/1). Ity: so (schliesst die Aussage ab) (avy.). Uktaḥ: ausgesprochen (Part. Perf. Pass. von √vac) (m. 1/1). Śāstrasadbhāvaḥ: der wahre Stand der Lehre; wörtl. śāstra (Lehrwerk, Wissenschaft) + sadbhāva (wirkliches Sein, Wahrheit) (m. 1/1).
GRETIL sa_varAhamihira-bRhatsaMhitA (nach Tripāṭhī 1968); Übersetzung Yogi Narasimha
Den Namen gibt er trotzdem nicht auf. Brahmā habe dem Asura Rāhu eine Gabe gewährt: bei der Verfinsterung werde ihn der Anteil des Opfers stärken (5.14). Darum werde Rāhu zu dieser Zeit verehrt, als sei er gegenwärtig, und darum heisse auch in der Rechnung die Bewegung Candras nach Süden und Norden übertragen „Rāhu" (5.15). Das ist die genaue Beschreibung dessen, was die Jyotiṣa heute rechnet: Rāhu ist der Name eines Punktes der Mondbahn.
Würden und Beziehungen
| Würde | Zeichen | Quelle |
|---|---|---|
| Ucca | Mithuna | Kurs; Jātaka-Pārijāta 1.28; Rechnung |
| Nīca | Dhanus | Rechnung (das 7. Zeichen vom Ucca) |
| Mūlatrikoṇa | Kanyā | Kurs; Rechnung — Entscheid, vom Nutzer bestätigt |
| Svakṣetra | Kumbha | Rechnung (nach dem Lehrbuch Raos) |
Diese Tafel ist die Leitfassung, und sie ist eine Entscheidung, kein Befund. Das BPHS gibt den Knoten keine Würden; Santhanam vermerkt zu den Ucca-Versen, über Rāhu und Ketu gebe es „verschiedene Ansichten". Der Kurs lehrt in seinem Kapitel über die Rāśis Mithuna als Ucca und Kanyā als Mūlatrikoṇa, und so rechnet auch die eigene Engine. Diese Fassung gilt hier; der Nutzer hat sie bestätigt.
Das Jātaka-Pārijāta sagt es anders, und es ist der einzige gedruckte Vers, der Rāhu überhaupt Würden gibt (1.28):
कन्यार्धम् उच्चं शशिजस्य कोणं दशांशकाः स्वर्क्षफलं शरांशाः । कुम्भस् त्रिकोणं फणिनायकस्य तुङ्गं नृयुग्मं रमणी गृहं स्यात् ॥
kanyārdham uccaṃ śaśijasya koṇaṃ daśāṃśakāḥ svarkṣaphalaṃ śarāṃśāḥ । kumbhas trikoṇaṃ phaṇināyakasya tuṅgaṃ nṛyugmaṃ ramaṇī gṛhaṃ syāt ॥
Die erste Hälfte Kanyās ist der Ucca des Mondsohns (Budha), die folgenden zehn Grade sein Mūlatrikoṇa, die letzten fünf sein eigenes Zeichen. Kumbha ist der Mūlatrikoṇa des Schlangenfürsten (Rāhu), das Menschenpaar (Mithuna) sein Ucca, die junge Frau (Kanyā) sein Haus.
Kanyārdham: die Hälfte Kanyās; wörtl. kanyā (das Zeichen Kanyā) + ardha (Hälfte) (n. 1/1). Uccaṃ: Ucca, Erhöhung (n. 1/1). Śaśijasya: des Mondsohns: Budhas; wörtl. śaśin (Mond) + ja (geboren) (m. 6/1). Koṇaṃ: Mūlatrikoṇa (kurz für trikoṇa) (n. 1/1). Daśāṃśakāḥ: die zehn Grade; wörtl. daśa (zehn) + aṃśaka (Grad) (m. 1/3). Svarkṣaphalaṃ: das eigene Zeichen (so die Sudhāśālinī); wörtl. sva (eigen) + ṛkṣa (Zeichen) + phala (Frucht, Anteil) (n. 1/1). Śarāṃśāḥ: die fünf Grade; wörtl. śara (Pfeil, Zahlwort für 5) + aṃśa (Grad) (m. 1/3). Kumbhas: Kumbha (m. 1/1). Trikoṇaṃ: Mūlatrikoṇa (n. 1/1). Phaṇināyakasya: des Schlangenfürsten: Rāhus; wörtl. phaṇin (Haubenschlange) + nāyaka (Anführer) (m. 6/1). Tuṅgaṃ: Ucca, Erhöhung; wörtl. hoch (n. 1/1). Nṛyugmaṃ: das Menschenpaar: Mithuna; wörtl. nṛ (Mensch) + yugma (Paar) (n. 1/1). Ramaṇī: die junge Frau: Kanyā (f. 1/1). Gṛhaṃ: Haus, eigenes Zeichen (n. 1/1). Syāt: sei, ist (vidhiliṅ III/1).
Wortlaut nach sanskritdocuments.org, gegen die Kāśī-Ausgabe (1992) geprüft; Übersetzung Yogi Narasimha
Das Ucca Mithuna stimmt; aber Mūlatrikoṇa ist hier Kumbha, und Kanyā ist Rāhus Haus. Die Engine (nach Rao) und das Jātaka-Pārijāta vertauschen also genau Haus und Mūlatrikoṇa. Eine Stelle des Kurses (im Nakṣatra-Kapitel) folgt dem Jātaka-Pārijāta; sie wird beim Rückfluss angeglichen. Eine dritte Fassung zitiert Sastri in seiner Ausgabe des Jātaka-Pārijāta (1932) als „Parāśara": Ucca Vṛṣabha, Mūlatrikoṇa Mithuna, Haus Kanyā. In den hier verglichenen BPHS-Fassungen steht dieser Vers nicht. Die Position Sanjay Raths ist noch nicht belegt.
Freunde sind nach der Phaladīpikā (2.35) Budha, Śani und Śukra; neutral ist Maṅgala; Feinde sind Sūrya, Candra und Guru. Es ist die einzige Stelle der verglichenen Werke, die den Knoten Freunde gibt; das BPHS, das Bṛhajjātaka und die Sārāvalī schweigen.
Was Rāhu anzeigt
Das BPHS ordnet Rāhu mit Maṅgala, Śani und Candra den Dhātu-Grahas zu, die für das Mineralische stehen (3.47). Die Lehrbücher nach ihm ergänzen: Das Jātaka-Pārijāta macht ihn zum Anzeiger des Grossvaters väterlicherseits (2.50) und nennt seine Plagen — Fallsucht, Pocken, Tod durch den Strick, Besessenheit, Appetitlosigkeit, Aussatz (2.81). Die Phaladīpikā (2.17–20) gibt ihm, zusammen mit Ketu, Buddhisten und Schlangenfänger, an Tieren Esel, Widder, Wolf, Kamel, Schlange, Mücke, Wanze und Eule.
Die Bṛhat Saṃhitā (16.34–36) weist dem „Feind von Sūrya und Candra" Berggipfel, Höhlen und Schluchten zu, Völker am Rand der Welt, die Niedrigen, Grausamen, Undankbaren und Diebe, und an Waren Urdbohne und Sesam. Das passt zur Phaladīpikā, die ihm dieselbe Bohne gibt — eine der seltenen Stellen, an denen die beiden Linien übereinstimmen.
Vedische und spätere Überlieferung
Für die Verehrung der neun Grahas gibt die Yājñavalkya-Smṛti (1.301), die älteste Stelle, an der die neun Verse zusammenstehen, für Rāhu den Vers kāṇḍāt kāṇḍāt:
काण्डात् काण्डात् प्ररोहन्ती परुषः परुषस् परि । एवा नो दूर्वे प्र तनु सहस्रेण शतेन च ॥
kā́ṇḍāt kāṇḍāt praróhantī páruṣaḥ paruṣas pári । evā́ no dū́rve prá tanu sahásreṇa śaténa ca ॥
Von Knoten zu Knoten emporwachsend, von Glied zu Glied ringsum: so breite du uns aus, Dūrvā, mit Tausend und mit Hundert.
Kāṇḍāt: vom Halmknoten, Halmglied (n. 5/1). Kāṇḍāt: vom Halmknoten (Wiederholung: von Knoten zu Knoten) (n. 5/1). Prarohantī: emporwachsend (Part. Präs. von pra-√ruh) (f. 1/1). Paruṣaḥ: vom Gelenk, Halmglied (n. 5/1). Paruṣas: vom Gelenk (Wiederholung: von Glied zu Glied) (n. 5/1). Pari: ringsum, von … her (zum Ablativ) (avy.). Evā: so, ebenso (Auslaut gedehnt) (avy.). No: uns (2/3). Dūrve: o Dūrvā (das Hundszahngras) (f. 8/1). Pra: aus-, hervor (Präverb zu tanu) (avy.). Tanu: breite aus (loṭ II/1). Sahasreṇa: mit Tausend (n. 3/1). Śatena: mit Hundert (n. 3/1). Ca: und (avy.).
Akzentuierter Text nach TITUS; Zuordnung zu Rāhu nach Yājñavalkya-Smṛti 1.301; Übersetzung Yogi Narasimha
Der Vers gilt nicht Rāhu, sondern dem Dūrvā-Gras: er wird beim Schichten des Feueraltars gesprochen, wenn die Dūrvā-Ziegel gelegt werden. Mit Rāhu verbindet ihn das Opferholz — Rāhus Samidh ist in allen Quellen eben Dūrvā (Yājñavalkya-Smṛti 1.302). Dass kāṇḍa und parus „Knoten, Gelenk" heissen und Rāhu ein Knoten der Mondbahn ist, sagt kein Text. Das Matsya-Purāṇa (93) und das Garuḍa-Purāṇa geben statt dessen kayā naś citra ābhuvat (Ṛgveda 4.31.1), einen Indra-Vers ohne erkennbaren Bezug zu Rāhu. Die heute verbreitete Liste folgt hier dem Matsya-Purāṇa.
Zur selben Pūjā gehören weitere Zuordnungen. Sie sind jünger als die Lehrbücher und nur in dieser Schicht belegt:
| Attribut | Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Bild | aus Blei | Yājñavalkya-Smṛti 1.297 |
| Gestalt, Gefährt | auf einem dunklen Löwenthron; ein Silberwagen, nur der Kopf; acht dunkle Rosse | Matsya-Purāṇa 94.7; Viṣṇudharmottara; Viṣṇu-Purāṇa 2.12.21 |
| Farbe der Gaben | schwarz | Matsya-Purāṇa 93.17 |
| Opferholz | Dūrvā-Gras | Yājñavalkya-Smṛti 1.302 und alle Parallelen |
| Opferspeise | Reis mit Fleisch, im Matsya-Purāṇa Ziegenfleisch | Yājñavalkya-Smṛti 1.304; Matsya-Purāṇa 93 |
| Gabe an den Priester | Eisen | Yājñavalkya-Smṛti 1.306; Matsya-Purāṇa 93 |
| Adhi-/Pratyadhidevatā | Kāla / Sarpa (die Schlange) | Matsya-Purāṇa 93.13–16 |
| Ort im Maṇḍala | Südwesten | Matsya-Purāṇa 93.11 |
Die Phaladīpikā (2.27) nennt als Gottheit Rāhus Ahi, die Schlange — dieselbe wie die Pratyadhidevatā des Matsya-Purāṇa. Der Kurs gibt Rāhu nur eine Pratyādi-Devatā, Caṇḍī, mit der Begründung, die Knoten seien keine Devas; in den gesichteten Purāṇas steht diese Zuordnung nicht. Dass das Bild aus Blei sein soll, deckt sich mit dem Metall, das das BPHS Rāhu gibt (3.42).
Am Himmel
Rāhu ist kein Körper, sondern ein Schnittpunkt. Die Bahn des Mondes ist gegen die Ekliptik um gut fünf Grad (5,145°) geneigt; zweimal im Monat kreuzt der Mond sie. Der Punkt, an dem er von Süden nach Norden hinaufsteigt, ist Rāhu, der aufsteigende oder nördliche Knoten; der gegenüberliegende ist Ketu.
Die Knoten wandern rückwärts durch den Tierkreis und brauchen für einen Umlauf gegen die Sterne 6793,5 Tage, rund 18,6 Jahre. Die Tradition rechnet den mittleren Knoten (Mean Node), und der läuft ohne Ausnahme rückläufig, gleichmässig um 0,053° am Tag. Der wahre Knoten (True Node) schwankt um ihn bis zu knapp 2° und läuft nur etwa drei Viertel der Zeit rückläufig, ein Viertel rechtläufig. Die Kursregel, die Knoten liefen immer rückläufig, ist also genau die Definition des mittleren Knotens; mit ihm wird hier gerechnet.
Der Sūrya-Siddhānta nennt den Knoten pāta und setzt ihn ausdrücklich Rāhu gleich (2.6). Er lässt ihn in einem Weltzeitalter 232 238 Mal rückwärts umlaufen; das ergibt 6794,4 Tage, nur 0,013 % mehr als heute gemessen — und zwar gegen die Sterne gerechnet. Einen Ketu kennt der Sūrya-Siddhānta nicht.
Mit Rāhu hängen die Finsternisse zusammen. Ein Mondmonat, gezählt von Knoten zu Knoten (der drakonitische Monat), dauert 27,212 Tage. Sonne und Knoten treffen sich alle 346,6 Tage wieder (das Finsternisjahr); darum gibt es zweimal im Jahr, im Abstand von knapp sechs Monaten, eine Zeit, in der Finsternisse möglich sind. 223 synodische Monate sind fast genau 242 drakonitische: nach diesem Saros von 18 Jahren und 10 bis 11 Tagen wiederholt sich eine Finsternis, um rund 116 Längengrade nach Westen verschoben. Zwischen 1926 und 2126 gibt es 451 Sonnen- und 459 Mondfinsternisse, im Mittel gut zwei von jeder Art im Jahr.
Die 18 Jahre des Saros, die 18,6 Jahre des Knotenumlaufs und die 18 Jahre, die die Viṃśottarī-Daśā Rāhu gibt, liegen nahe beieinander. Ob das mehr ist als ein Zufall, sagt kein Text.
Die Verse
Alle Verse dieser Seite stehen oben im Zusammenhang: BPHS 3.30 und 3.41, Bṛhat Saṃhitā 5.13, Jātaka-Pārijāta 1.28 und Vājasaneyi-Saṃhitā 13.20. Jeder trägt sein Wort-für-Wort-Glossar; sie stehen in der Datenbank, aus der auch die Studien-PDFs gesetzt werden.
Zur Quellenlage dieses Portraits
Die Leitfassung ist die des Kurses. Für Rāhu ist sie schmal, und gerade die Würden stehen in keinem älteren Text; hier gilt ein Entscheid, den der Nutzer bestätigt hat, und die Varianten sind genannt. Gelesen sind das Bṛhajjātaka und die Bṛhat Saṃhitā Varāhamihiras (GRETIL), die Sārāvalī (Ausgabe 1907), die Phaladīpikā (Ausgaben Ojha und Sastri), das Jātaka-Pārijāta (Ausgabe Sastri 1932 und die Kāśī-Ausgabe mit der Sudhāśālinī), das Yavanajātaka (in Pingrees Übersetzung), die Yājñavalkya-Smṛti, das Matsya- und das Viṣṇu-Purāṇa (GRETIL) sowie der Sūrya-Siddhānta (Burgess). Die Knotenwerte sind mit der eigenen Rechenbibliothek gerechnet, die Mondmonate nach Meeus. Offen ist die Position Sanjay Raths zu den Würden und zur Natur der Knoten; sie wird nachgetragen.