Ketu
Studien-PDF herunterladenकेतु 9. Graha · Chāyāgraha, der absteigende Mondknoten · Ucca Dhanus · Viṃśottarī 7 Jahre
Ketu ist der letzte der neun Grahas. In der Jyotiṣa ist er der Gegenpunkt Rāhus: der Ort, an dem die Mondbahn die Ekliptik von Norden nach Süden kreuzt, immer genau gegenüber. Er ist der jüngste der neun, und seine Geschichte ist die verwickeltste. Das Wort ketu meinte zuerst eine Lichterscheinung; bei Varāhamihira heissen so die Kometen, und erst in den Lehrbüchern der Horā wird daraus der „Schwanz" des Finsternisdämons, der zweite Knoten. Dieses Portrait trennt die Schichten.
Namen
Ketu heisst im Veda „Lichtzeichen, Erscheinung", auch „Banner" und „Einsicht"; das Wort gehört zu √cit „wahrnehmen, erscheinen". Das Jātaka-Pārijāta (2.4) nennt als Synonym dhvaja, „Banner".
Der Name, den die Lehrbücher am häufigsten gebrauchen, ist Śikhin, „der mit dem Schopf" — śikhā ist der Haarschopf und die Flamme, und śikhin heisst sonst der Pfau und das Feuer. So nennt ihn schon das Bṛhajjātaka (2.3), sein einziger Beitrag zu Ketu, und so das BPHS (3.30, 3.41). Ein zweites Bild steht im BPHS 3.15: dort ist Ketu der pucchaka, der „Schwanz", neben Svarbhānu, dem Kopf. Es ist das Bild der Schlange mit Kopf und Schwanz, das Varāhamihira als eine der Auffassungen über Rāhu überliefert (Bṛhat Saṃhitā 5.3). Ein Vers des Praśnabhairava, den die Sudhāśālinī zum Jātaka-Pārijāta zitiert, spricht ebenso von pucchasya ketoḥ, „Ketu, dem Schwanz".
Nicht zu verwechseln ist der Graha Ketu mit dem Upagraha gleichen Namens, einem der rechnerischen Nebenpunkte, die das BPHS (3.61–70) und das Jātaka-Pārijāta (2.5, dort Upaketu) aufzählen.
Der Steckbrief
Die Leitfassung ist die des Kurses. Für Ketu sagt das BPHS meist nur: „wie Rāhu". Was Ketu eigen ist, steht in wenigen Wörtern der Kursfassung und in den späteren Lehrbüchern, vor allem der Phaladīpikā.
| Hofstaat | das Heer (senā), zusammen mit Rāhu — nach der Kurslehre die innere Sicherheit BPHS 3.15; Kurs |
|---|---|
| Natur | krūra, von Natur übeltätig; nach der Kurslehre pāpa; „von der Natur der Finsternis" BPHS 3.11; Jātaka-Pārijāta 2.8–9; Kurs |
| Geschlecht | neutrum — nur bei einem Autor belegt Phaladīpikā 2.27 |
| Tattva | nach der Kurslehre eine Störung des Äthers, „der Rauch des Feuers", dem Feuer verwandt Kurs |
| Stand | von gemischtem, anderem Stand (jātyantara) BPHS 3.41 |
| Doṣa | vāta, wie Rāhu BPHS 3.30 |
| Gestalt | „Rāhu gleich": rauchfarben, dunkel, furchterregend; nach anderen von buntem Glanz BPHS 3.30; Jātaka-Pārijāta 2.7 |
| Ort | der Ameisenhügel (valmīka), mit Rāhu und Śani; nach der Kurslehre Hügel BPHS 3.41; Kurs |
| Kleidung | ein Gewand mit Löchern (chidrayuta); nach anderer Überlieferung ein buntes Gewand BPHS 3.42; Phaladīpikā 2.35 |
| Edelstein | nach dem BPHS der dunkelblaue Stein (nīlamaṇi); nach den späteren Lehrbüchern vaidūrya, im Kurs Katzenauge BPHS 3.42; Phaladīpikā 2.29; Jātaka-Pārijāta 2.21; Kurs |
| Stoff | Tongefässe; das Bild der Pūjā aus Glockenmetall (kāṃsya) Phaladīpikā 2.35; Yājñavalkya-Smṛti 1.297 |
| Getreide | Pferdebohne (kulattha) Phaladīpikā 2.28 |
| Zeitmass | drei Monate BPHS 3.46 |
| Dhātu/Mūla/Jīva | Jīva, das Lebendige; nach der Kurslehre die Wassertiere BPHS 3.47; Kurs |
| Lebensalter | 100 Jahre; im Kurs die Frau nach den Wechseljahren Jātaka-Pārijāta 2.14; Kurs |
| Verwandtschaft | der Grossvater mütterlicherseits Jātaka-Pārijāta 2.50 |
| Pflanzen | Gebüsch Phaladīpikā 2.37 |
| Dig-Bala | wie die feurigen Grahas im 10. Haus, im Süden Kurs |
| Richtung | kein Richtungsherr; im Maṇḍala der Pūjā Nordwesten Bṛhajjātaka 2.5; Matsya-Purāṇa 93.11 |
| Dṛṣṭi | nach der Kurslehre keine eigenen Sonderaspekte Kurs |
| Stärke | stark in Vṛṣabha, Kanyā, Dhanus und Mīna, bei Nacht und bei einem Ketu-Zeichen zur Geburt Jātaka-Pārijāta 2.68 |
| Viṃśottarī | 7 Jahre; Herr von Aśvinī, Maghā und Mūla Viṃśottarī-Reihe; Rechnung |
| Bewegung | immer rückläufig, stets Rāhu gegenüber Kurs; Rechnung |
Einen Wochentag hat Ketu nicht.
Wo die Quellen auseinandergehen
Was Ketu ist. Im BPHS und im Kurs ist Ketu der Gegenknoten Rāhus. In der Bṛhat Saṃhitā ist er etwas ganz anderes: eine Himmelserscheinung, ein Komet (unten, Die Gestalt). Der Sūrya-Siddhānta, das massgebliche astronomische Werk, kennt nur einen Knoten und nennt ihn Rāhu; einen Graha Ketu kennt er nicht.
Der Edelstein. Das BPHS gibt Ketu den nīlamaṇi, den dunkelblauen Stein (3.42). Die Phaladīpikā (2.29) und das Jātaka-Pārijāta (2.21) geben den nīla dem Śani und Ketu den vaidūrya. Der Kurs folgt ihnen (Katzenauge). Welche Minerale die Wörter genau meinen, ist offen.
Die Gestalt. Das BPHS sagt nur, Ketu sei Rāhu gleich. Das Jātaka-Pārijāta (2.7) nennt ihn „von buntem Glanz", die Phaladīpikā (2.34) zeichnet ein eigenes Bild (unten).
Das Geschlecht. Nur die Phaladīpikā (2.27) nennt Ketu neutrum.
Die Gestalt
Das BPHS gibt Ketu keine eigene Beschreibung. Es beschreibt Rāhu und sagt dann: svarbhānus tatsamaḥ śikhī — „Śikhin ist ihm gleich" (3.30):
धूम्राकारो नीलतनुर्वनस्थोऽपि भयंकरः । वातप्रकृतिको धीमान् स्वर्भानुस्तत्समः शिखी ॥ 3.30॥
dhūmrākāro nīlatanurvanastho'pi bhayaṃkaraḥ । vātaprakṛtiko dhīmān svarbhānustatsamaḥ śikhī ॥ 3.30॥
Von rauchiger Gestalt und blauem Körper, im Walde stehend, so ist der Schreckliche. Er ist von luftiger Konstitution. Mit Einsicht ist er begabt, der Sūrya verfinsternde Dämon (Rāhu). Der Schweif (Ketu) ist ihm dabei ähnlich.
Dhūmrākāro: von rauchfarbener Gestalt; wörtl. dhūmra (rauchfarben, grau) + ākāra (Gestalt) (m. 1/1). Nīlatanur: mit dunkelblauem Körper; wörtl. nīla (dunkelblau, schwarzblau) + tanu (Körper) (m. 1/1). Vanastho: im Wald weilend; wörtl. vana (Wald) + stha (stehend, weilend) (m. 1/1). 'pi: auch (avy.). Bhayaṃkaraḥ: furchterregend; wörtl. bhaya (Furcht) + kara (machend) (m. 1/1). Vātaprakṛtiko: von Vāta-Natur; wörtl. vāta (das luftige Doṣa) + prakṛti (Konstitution) (m. 1/1). Dhīmān: einsichtig, klug (m. 1/1). Svarbhānus: Svarbhānu, alter Name des Finsternisdämons: Rāhu; wörtl. svar (Himmelslicht) + bhānu (Glanz) (m. 1/1). Tatsamaḥ: ihm gleich; wörtl. tad (er) + sama (gleich) (m. 1/1). Śikhī: der mit dem Schopf, der Geschweifte: Ketu; von śikhā (Haarschopf, Flamme) (m. 1/1).
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Eigen ist Ketu im BPHS nur dies: er gehört mit Rāhu zum Heer der Grahas (3.15), er trägt ein Gewand mit Löchern, und sein Stein ist der dunkelblaue (3.42). Der Vers über den Hofstaat:
प्रेष्यको रविपुत्रश्च सेना स्वर्भानुपुच्छकौ । एवं क्रमेण वै विप्र सूर्यादीन् प्रविचिन्तयेत् ॥ 3.15॥
preṣyako raviputraśca senā svarbhānupucchakau । evaṃ krameṇa vai vipra sūryādīn pravicintayet ॥ 3.15॥
Der Diener ist Sūryas Sohn (Śani); das Heer sind Svarbhānu (Rāhu) und der Schweif (Ketu). So, o Vipra, betrachte der Reihe nach Sūrya und die übrigen.
Preṣyako: Diener, Bote (m. 1/1). Raviputraś: Ravis Sohn: Śani; wörtl. ravi (Sūrya) + putra (Sohn) (m. 1/1). Ca: und (avy.). Senā: das Heer (f. 1/1). Svarbhānupucchakau: Svarbhānu (Rāhu) und der Schwanz (Ketu); wörtl. svarbhānu (Rāhu) + pucchaka (Schwanz, Schweif) (m. 1/2). Evaṃ: so (avy.). Krameṇa: der Reihe nach (m. 3/1). Vai: fürwahr (avy.). Vipra: o Brahmane (Anrede an Maitreya) (m. 8/1). Sūryādīn: die Grahas von Sūrya an; wörtl. sūrya + ādi (beginnend mit) (m. 2/3). Pravicintayet: soll betrachten, erwägen (vidhiliṅ III/1).
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Senā heisst „Heer"; König, Minister, Prinz, Heerführer und Diener sind die sieben, das Heer sind die beiden Knoten. Das steht nur im BPHS; das Bṛhajjātaka, die Sārāvalī und das Jātaka-Pārijāta zählen den Hofstaat ohne sie. Kleidung und Stein:
चित्रकन्था फनीन्द्रस्य केतुश्छिद्रयुतो द्विज । सीसं राहोर्नीलमणिः केतोर्ज्ञेयो द्विजोत्तम ॥ 3.42॥
citrakanthā phanīndrasya ketuśchidrayuto dvija । sīsaṃ rāhornīlamaṇiḥ ketorjñeyo dvijottama ॥ 3.42॥
Bunt geflickte Kleider trägt der Herrscher der Schlangen (Rāhu). Der Bannerträger (Ketu) ist mit Löchern assoziiert, oh Zweifachgeborener. Blei gehört zum Ergreifer (Rāhu). Der blaue Edelstein gehört zum Bannerträger (Ketu), dies ist zu erforschen, oh Höchster der Zweifachgeborenen.
Citrakanthā: bunter Flickenrock; wörtl. citra (bunt) + kanthā (geflicktes Gewand) (f. 1/1). Phanīndrasya: des Schlangenfürsten: Rāhus; wörtl. phaṇin (Haubenschlange) + indra (Fürst); der Text schreibt phanī- für phaṇī- (m. 6/1). Ketuś: Ketu (m. 1/1). Chidrayuto: mit Löchern (im Gewand); wörtl. chidra (Loch, Riss) + yuta (versehen mit) (m. 1/1). Dvija: o Zweimalgeborener (Anrede an Maitreya) (m. 8/1). Sīsaṃ: Blei (n. 1/1). Rāhor: Rāhus (m. 6/1). Nīlamaṇiḥ: der dunkelblaue Edelstein; wörtl. nīla (dunkelblau) + maṇi (Edelstein) (m. 1/1). Ketor: Ketus (m. 6/1). Jñeyo: zu wissen (Gerundiv von √jñā) (m. 1/1). Dvijottama: o Bester der Zweimalgeborenen; wörtl. dvija (Zweimalgeborener) + uttama (höchster) (m. 8/1).
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Die Phaladīpikā (2.34) beschreibt Ketu für sich: mit rotem, grimmigem Blick und giftiger Zunge, hochgewachsen, bewaffnet, ausgestossen, rauchfarben, ein Rauchtrinker, mit Wunden bedeckt, mager und grausam. Die Rauchfarbe ist das, was sie mit dem BPHS teilt.
Bei Varāhamihira ist Ketu kein Knoten. Das elfte Kapitel der Bṛhat Saṃhitā, der Ketucāra, handelt von den Kometen. Ein Ketu, heisst es dort, ist eine Feuergestalt an einem Ort, an dem kein Feuer ist (11.3); die einen zählen 101 Ketus, andere 1000, und der Weise Nārada sagt, es sei ein einziger in vielen Gestalten (11.5). Kleine, klare, weisse und kurzlebige sind heilvoll, rauchige und mehrschwänzige unheilvoll (11.8–9). Vor allem aber lassen sie sich nicht vorausberechnen (11.2):
दर्शनम् अस्तमयो वा न गणितविधिनास्य शक्यते ज्ञातुम् । दिव्यान्तरिक्षभौमास् त्रिविधाः स्युः केतवो यस्मात् ॥
darśanam astamayo vā na gaṇitavidhināsya śakyate jñātum । divyāntarikṣabhaumās trividhāḥ syuḥ ketavo yasmāt ॥
Sein Erscheinen oder Verschwinden lässt sich nach den Regeln der Rechnung nicht erkennen, denn die Ketus sind von dreierlei Art: himmlisch, im Luftraum und irdisch.
Darśanam: das Sichtbarwerden, Erscheinen (n. 1/1). Astamayo: das Untergehen, Verschwinden (m. 1/1). Vā: oder (avy.). Na: nicht (avy.). Gaṇitavidhināsya: nach den Regeln der Rechnung, seines (des Ketu); wörtl. gaṇita (Rechnung, Astronomie) + vidhi (Regel, Verfahren) + asya (seiner) (m. 3/1). Śakyate: kann (werden) (laṭ karmaṇi III/1). Jñātum: erkannt (zu) werden (Infinitiv von √jñā) (avy.). Divyāntarikṣabhaumās: himmlisch, im Luftraum und irdisch; wörtl. divya (himmlisch) + antarikṣa (Luftraum) + bhauma (irdisch) (m. 1/3). Trividhāḥ: von dreierlei Art (m. 1/3). Syuḥ: sind (Optativ) (vidhiliṅ III/3). Ketavo: die Ketus: Lichterscheinungen, Kometen (m. 1/3). Yasmāt: weil, denn (avy.).
GRETIL sa_varAhamihira-bRhatsaMhitA (nach Tripāṭhī 1968); Übersetzung Yogi Narasimha
Das ist der genaue Gegensatz zum Ketu der Horā, der als Punkt der Mondbahn auf die Bogenminute gerechnet wird. Eine Brücke zwischen den beiden Bedeutungen schlägt Varāhamihira selbst: Unter den tausend Ketus nennt er dreiunddreissig „Söhne Rāhus", die tāmasakīlaka, „Pflöcke der Finsternis", die auf der Scheibe von Sūrya und Candra erscheinen (3.7, 11.22). Dass Ketu der Rāhu gegenüberliegende Knoten sei, sagt die Bṛhat Saṃhitā nirgends.
Würden und Beziehungen
| Würde | Zeichen | Quelle |
|---|---|---|
| Ucca | Dhanus | Kurs; Rechnung |
| Nīca | Mithuna | Rechnung (das 7. Zeichen vom Ucca) |
| Mūlatrikoṇa | Mīna | Rechnung — vorläufige Annahme, noch nicht bestätigt |
| Svakṣetra | Vṛścika | Rechnung (nach dem Lehrbuch Raos) |
Für Ketu ist die Lage noch unsicherer als für Rāhu. Das BPHS gibt den Knoten keine Würden, und das Jātaka-Pārijāta, das Rāhu einen Vers widmet (1.28), schweigt über Ketu. Das Ucca Dhanus lehrt der Kurs, und so rechnet die Engine. Für den Mūlatrikoṇa nennt das Kurskapitel über die Rāśis nichts; die Tafel folgt vorläufig der Engine (Mīna), bis der Nutzer entscheidet. Eine Stelle des Kurses (im Nakṣatra-Kapitel) nennt dagegen Vṛścika.
Ein Vers des Praśnabhairava, den die Sudhāśālinī zum Jātaka-Pārijāta 1.28 zitiert, gibt Ketu Mīna als Haus und Dhanus als Ucca — das Ucca stimmt mit dem Kurs, Mīna erscheint dort als Haus, nicht als Mūlatrikoṇa. Die Stärke-Liste des Jātaka-Pārijāta (2.68) nennt Ketu stark in Mīna und Dhanus und stützt damit beide Zeichen. Das von Sastri als „Parāśara" zitierte Verspaar gibt Ketu den Mūlatrikoṇa in Dhanus und das Haus in Mīna; in den verglichenen BPHS-Fassungen steht es nicht. Ein klassischer Beleg für Mīna als Mūlatrikoṇa ist nicht gefunden.
Freunde sind nach der Phaladīpikā (2.35), wie bei Rāhu, Budha, Śani und Śukra; neutral ist Maṅgala; Feinde sind Sūrya, Candra und Guru. Die übrigen Werke schweigen.
Was Ketu anzeigt
Das BPHS zählt Ketu zu den Grahas des Lebendigen (jīva, 3.47). Das Jātaka-Pārijāta macht ihn zum Anzeiger des Grossvaters mütterlicherseits (2.50), gegenüber Rāhu als dem väterlichen, und nennt als seine Plagen Jucken, Pocken und Feinde (2.80). Die Phaladīpikā (2.17–20) gibt ihm mit Rāhu dieselben Menschen und Tiere: Buddhisten, Schlangenfänger, Esel, Wolf, Schlange, Eule.
Die Bṛhat Saṃhitā (16.37–38) weist einem Ketu Bergfestungen und Randländer zu — Pahlava, Hūṇa, Cola, Cīna —, dazu die Reichen, Mutigen und Eifrigen, aber auch Streitsüchtige und Ehebrecher. Ob dort der Komet oder der Graha gemeint ist, lässt der Wortlaut offen. Wird Candra von einem Ketu (śikhin) getroffen, leiden Waffenleute und Diebe (4.27).
Vedische und spätere Überlieferung
Für Ketu sind sich alle Fassungen der Navagraha-Pūjā einig: die Yājñavalkya-Smṛti (1.301), das Matsya- und das Garuḍa-Purāṇa geben den Vers ketuṃ kṛṇvann (Ṛgveda 1.6.3):
केतुं कृण्वन्नकेतवे पेशो मर्या अपेशसे । समुषद्भिरजायथाः ॥
ketuṃ kṛṇvannaketave peśo maryā apeśase । samuṣadbhirajāyathāḥ ॥
Ein Zeichen schaffend für das Zeichenlose, eine Gestalt, ihr Männer, für das Gestaltlose, bist du zugleich mit den Morgenröten geboren worden.
Ketuṃ: Zeichen, Erkennungszeichen, Licht (m. 2/1). Kṛṇvan: machend, setzend (Part. Präs. von √kṛ, 5. Klasse) (m. 1/1). Aketave: für den Zeichenlosen (m. 4/1). Peśaḥ: Gestalt, Form, Schmuck (n. 2/1). Maryā: o ihr Männer (die Maruts; Vok. Pl., Sandhi maryāḥ + a-) (m. 8/3). Apeśase: für das Gestaltlose (n. 4/1). Sam: zusammen, zugleich (Präverb zu ajāyathāḥ) (avy.). Uṣadbhiḥ: mit den Morgenröten (f. 3/3). Ajāyathāḥ: du wurdest geboren (√jan, Imperfekt Ātm.) (laṅ II/1).
Text nach der shloka-Datenbank (dort als Ketu-Gāyatrī); Zuordnung zu Ketu nach Yājñavalkya-Smṛti 1.301
Im Ṛgveda gilt der Vers Indra, in der Vājasaneyi-Saṃhitā (29.37) Agni. Ketu heisst darin „Lichtzeichen, Erkennungszeichen": der Gott schafft dem Zeichenlosen ein Zeichen, dem Gestaltlosen Gestalt, und wird mit den Morgenröten geboren. Mit dem Graha verbindet ihn nur das Wort.
Zur selben Pūjā gehören weitere Zuordnungen, jünger als die Lehrbücher:
| Attribut | Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Bild | aus Glockenmetall (kāṃsya) | Yājñavalkya-Smṛti 1.297 |
| Gestalt, Gefährt | auf einem Geier sitzend; acht rauchfarbene Rosse | Matsya-Purāṇa 94.8; Viṣṇu-Purāṇa 2.12.23 |
| Farbe der Gaben | rauchfarben (dhūmra) | Matsya-Purāṇa 93.17 |
| Opferholz | Kuśa-Gras | Yājñavalkya-Smṛti 1.302 und alle Parallelen |
| Opferspeise | bunter Reis (citrānna) | Yājñavalkya-Smṛti 1.304; Matsya-Purāṇa 93 |
| Gabe an den Priester | eine Ziege | Yājñavalkya-Smṛti 1.306; Matsya-Purāṇa 93 |
| Adhi-/Pratyadhidevatā | Citragupta / Brahmā | Matsya-Purāṇa 93.13–16 |
| Ort im Maṇḍala | Nordwesten | Matsya-Purāṇa 93.11 |
Die Phaladīpikā (2.27) nennt als Gottheit Ketus Aja, den Ungeborenen — Brahmā, wie die Pratyadhidevatā des Matsya-Purāṇa. Der Kurs gibt Ketu nur eine Pratyādi-Devatā, Gaṇeśa; in den gesichteten Purāṇas steht diese Zuordnung nicht.
Am Himmel
Ketu ist der absteigende oder südliche Mondknoten: der Punkt, an dem der Mond die Ekliptik von Norden nach Süden kreuzt. Er steht immer genau Rāhu gegenüber, 180° entfernt, und teilt dessen Bewegung — einen rückläufigen Umlauf in 18,6 Jahren, gleichmässig, wenn man wie die Tradition den mittleren Knoten rechnet. Was über die Knoten und die Finsternisse zu sagen ist, steht im Portrait Rāhus.
Dass auch Ketu Finsternisse anzeigt, folgt aus der Geometrie: eine Finsternis ist möglich, wenn Sonne und Mond nahe bei einem der beiden Knoten stehen, gleich welchem. Die Texte selbst verbinden die Finsternis aber mit Rāhu; der Sūrya-Siddhānta rechnet nur den einen Knoten, Rāhu, und braucht den zweiten nicht, weil er sich aus dem ersten ergibt.
Die Kometen der Bṛhat Saṃhitā sind etwas anderes: wirkliche Körper, die unvorhersehbar erscheinen und wieder verschwinden. Varāhamihiras Satz, ihr Erscheinen lasse sich nicht berechnen, trennt sie scharf vom Graha Ketu, dessen Ort die Engine für jeden Augenblick angibt.
Die Verse
Alle Verse dieser Seite stehen oben im Zusammenhang: BPHS 3.15, 3.30 und 3.42, Bṛhat Saṃhitā 11.2 und Ṛgveda 1.6.3. Jeder trägt sein Wort-für-Wort-Glossar; sie stehen in der Datenbank, aus der auch die Studien-PDFs gesetzt werden.
Zur Quellenlage dieses Portraits
Die Leitfassung ist die des Kurses; für Ketu sagt sie wenig, und die Würden sind eine vorläufige Annahme, die der Nutzer noch nicht bestätigt hat. Gelesen sind das Bṛhajjātaka und die Bṛhat Saṃhitā Varāhamihiras (GRETIL), die Sārāvalī (Ausgabe 1907), die Phaladīpikā (Ausgaben Ojha und Sastri), das Jātaka-Pārijāta (Ausgabe Sastri 1932 und die Kāśī-Ausgabe mit der Sudhāśālinī), die Yājñavalkya-Smṛti, das Matsya- und das Viṣṇu-Purāṇa (GRETIL) sowie der Sūrya-Siddhānta (Burgess). Offen sind die Position Sanjay Raths zu den Würden der Knoten und die Bestimmung der Steine nīlamaṇi und vaidūrya.